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Veröffentlicht am 23.06.2025

Ein beeindruckendes Buch und Highlight meines Lesejahres 2025

Ungebetene Gäste
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#UngebeteneGäste beginnt mit der Schilderung von Vorurteilen, die Juden gegenüber Arabern haben. Was sich aus diffusen Ängsten entwickeln kann, erlebt die junge Mutter Naomi eindrücklich. Ihr Ehemann beauftragte ...

#UngebeteneGäste beginnt mit der Schilderung von Vorurteilen, die Juden gegenüber Arabern haben. Was sich aus diffusen Ängsten entwickeln kann, erlebt die junge Mutter Naomi eindrücklich. Ihr Ehemann beauftragte einen arabischen Arbeiter, den Balkon zu renovieren. Was dann geschah, lässt sich kaum nachvollziehen. Zeigt aber deutlich, wie tief die Gräben zwischen der Bevölkerung Israels sind.

D a s war mal wieder ein Buch so ganz nach meinem Geschmack. Dass die Autorin auch Psychologin ist, merkt der Leser an ihren kenntnisreichen Ausführungen. Nein, die sind keineswegs so geschrieben, dass nur Fachleute sie verstehen. Nach dem Unfall, bei dem ein Unschuldiger verurteilt wird, zeigt sich, was es heißt, mit einer Schuld umzugehen. Alle, sowohl die Familie um Naomi als auch um den palästinensischen Arbeiter, kommen mit der Situation nicht zurecht. Die einen haben ein schlechtes Gewissen, die anderen sinnen auf Rache.

Zu ihrem Buch sagt die Autorin, dass sie eine ähnliche Situation erlebte und daraus dann die Idee zu diesem Roman entstand. Sie merkt auch an, dass seit dem 07. Oktober 2023 eine latente Furcht zwischen den Menschen in Israel herrscht. Wer kann darüber besser berichten als Ayelet Gundar-Goshen? Wohl niemand.

Nicht nur Inhalt und Sprachstil haben mich beeindruckt. Auch die Lesung durch Milena Karas fand ich äußerst gelungen. Von mir gibt es einen Sternenregen und eine ausdrückliche Lese- oder Hörempfehlung.

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Veröffentlicht am 23.06.2025

Spannend mit unvorhersehbarem Ende

Ich war's nicht
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Der Ich-Erzähler Will ist 28 Jahre alt und lebt in einem kleine Ort nahe London. Immer mal wieder geht er nach Feierabend mit seinen Kollegen für einen Absacker ins „Three Kings“. Es ist ein kleiner Pub ...

Der Ich-Erzähler Will ist 28 Jahre alt und lebt in einem kleine Ort nahe London. Immer mal wieder geht er nach Feierabend mit seinen Kollegen für einen Absacker ins „Three Kings“. Es ist ein kleiner Pub und mittlerweile auch die Stammkneipe der Arbeitskollegen. Die Story beginnt im Oktober. Das bedeutet gleichzeitig, dass eine schwierige Zeit vor ihm liegt. Er vermisst die langen Tage und häufig leidet er an depressiven Episoden. Als er dann auch noch in einen Unfall mit Todesfolge verwickelt wird, beginnt eine turbulente Zeit.

Was für den Leser eigentlich klar war, stellt sich mit der Zeit als Irrtum heraus. Will wurde beobachtet und unter Druck gesetzt, erpresst. Zwei Polizisten nerven ihn ebenfalls mit ihren Fragen und selbst bei seiner Arbeit wird er von denen aufgesucht. Kann es sein, dass ein zweiter Mann nach ihm am Tatort war? Jemand den Will nicht gesehen hat? Bis zum Schluss bleibt der Fall rätselhaft.

Die vielen Wendungen waren für mich teilweise übertrieben. Ein Thriller, der ruhig einige Seiten weniger vertragen hätte und dadurch vielleicht spannender geworden wäre. Aber leicht zu lesen war er und für heiße Sonnentage eigentlich ideal.

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Veröffentlicht am 22.06.2025

Ein wichtiges Buch

Die zweite Heimat der Störche
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Arabella und ihr Mann Frank leben in Namibia. Sie war für ihn schlicht eine „Notlösung“. Frauen, die ihm besser gefielen, wurden anderen Männern übergeben. Arabella gehörte nämlich zu den „Angeworbenen“, ...

Arabella und ihr Mann Frank leben in Namibia. Sie war für ihn schlicht eine „Notlösung“. Frauen, die ihm besser gefielen, wurden anderen Männern übergeben. Arabella gehörte nämlich zu den „Angeworbenen“, die hofften, dass sie in Afrika ihr großes Glück finden würden. Das Erwachen kam bald und es war quälend. Als Arabella dann auch noch ihren Mann bei einer widerlichen Aktion erwischen musste, stand für sie fest, dass sie keine Stunde länger mit ihm in einem Zelt leben konnte.

Was damals mit den Ureinwohnern Afrikas geschah, ist bis heute Thema bei der Frage nach erforderlichen Reparation. Aus dem Grund las ich das Buch mit großem Interesse. Zumal die beiden Autoren dieses sehr ernste Thema mit Fingerspitzengefühl in einem Buch verpackten, das mich fesselte. Bei den ersten Kapiteln hatte ich Startschwierigkeiten, es gab zu viele Akteure. Aber je mehr Seiten ich las, desto klarer konnte ich verfolgen, wie die Zusammenhänge innerhalb einer Familie waren, die durch den Kolonialismus reich wurden.

Dass dieser Kontinent über viele Jahre ausgebeutet wurde, sollte sich jeder Europäer vor Augen führen. Die beiden Autoren des Buches #DiezweiteHeimatderStörche zeigen es mit diesem Roman deutlich. Jeder, der sich für die Kolonialgeschichte Deutschlands interessiert, sollte das Buch lesen. Auch dieser finstere Abschnitt unserer Geschichte gehört zu uns und auch er muss zwingend aufgearbeitet werden.

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Veröffentlicht am 22.06.2025

Christian Berkel als Autor gefällt mir ausgesprochen gut

Sputnik
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"Sputnik" ist ein Junge, der in Westberlin das Licht der Welt erblickt. Als Jugendlicher wird ihm sein Zuhause zu eng und es treibt ihn nach Frankreich. Nach Paris. Hier möchte er seinen Traum erfüllen ...

"Sputnik" ist ein Junge, der in Westberlin das Licht der Welt erblickt. Als Jugendlicher wird ihm sein Zuhause zu eng und es treibt ihn nach Frankreich. Nach Paris. Hier möchte er seinen Traum erfüllen und setzt alles daran, ein guter Schauspieler zu werden. Als er in sein Elternhaus zurückkehrt, sind ihm Eltern und Schwester zunächst fremd. Zu viele Eindrücke gibt es, die ihn während seiner Zeit in Paris beeindruckten. Das Zuhause seiner Eltern erscheint ihm erdrückend.

Das ist also das dritte Buch von Christian Berkel. Und wieder einmal konnte er mich restlos überzeugen. Ja, anfangs hatte ich ein wenig Mühe hineinzukommen. Das legte sich aber rasch. Ich mag seine Art der Erzählung sehr. Die Sprache ist gehoben und dass er immer wieder von seiner Mutter berichtet, ist mir sympathisch. Das gefiel mir bereits in den ersten beiden Büchern.

Nicht nur die gehobenen Sprache gefällt mir. Auch seine Lebendigkeit im Ausdruck nehmen mich mit auf eine Reise, die interessant und lehrreich ist. Wer, wie ich in den Genuss kommt und seiner Stimme bei einem Hörbuch lauschen kann, der wird mit Sicherheit gefesselt sein. Ganz klar, dass ich eine ausdrückliche Empfehlung gebe.

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Veröffentlicht am 20.06.2025

Ein Buch für junge Erwachsene

Durch das Raue zu den Sternen
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Ihr Vater geht zum Weinen nicht in den Keller. Er zieht seine Schreinerei vor. Hier kann er seinen Tränen freien Lauf lassen. Er macht die Kreissäge an und niemand hört sein lautes Schluchzen. Die Ich-Erzählerin ...

Ihr Vater geht zum Weinen nicht in den Keller. Er zieht seine Schreinerei vor. Hier kann er seinen Tränen freien Lauf lassen. Er macht die Kreissäge an und niemand hört sein lautes Schluchzen. Die Ich-Erzählerin in dem Buch "Durch das Raue zu den Sternen" weint nicht. Akardia Fink, so heißt sie, kommt recht gut damit klar, dass ihre Mutter fort ist. Einfach so verschwunden. Arkardia hofft, dass sie bald zurückkommt. Dann wird nämlich der Vater nicht mehr weinen und sie kann der Mutter zeigen, wie gut sie singt. Irgendwann, so hofft sie, kehrt die Mama zurück und hört dem Gesang zu. Dann ist die Welt wieder in Ordnung.

Arkadia Fink ist sehr selbstbewusst und durch ihre direkt Art eckt sie häufig an. Was ich an ihr bewunderte war, dass sie unbeirrbar ihren Weg ging und tatsächlich meistens auch ihr Ziel erreichte. Obwohl mir die direkte und zuweilen freche Art der 13jährigen nicht angebracht war. Ihr Verhalten gegenüber Respektspersonen und hier besonders ihrem Vater zeigt, dass sie den Schmerz über den Verlust ihrer Mutter nur schwer ertragen kann.

Ein Buch mit einem ernsten Thema, das erst kurz vor dem Ende die Lösung bringt. Für mich war diese überraschend. Beeindrucken fand ich die Konsequenz, mit der die 13jährige Arkadia ihr Ziel verfolgte und dabei immer die Mutter vor Augen sah. Wie sehr die Musik dabei hilft, den Alltag für einige Stunden zu vergessen, das zeigt der Autor hier recht deutlich. Es gibt zwar einige Längen aber meine Empfehlung zum Lesen dieses Romans gebe ich gerne.

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