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Veröffentlicht am 09.02.2019

Nie wieder

Ein Held dunkler Zeit
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Ein Held dunkler Zeit stammt aus der Feder des Autors Christian Hardinghaus. Er lebt in seiner Heimatstadt Osnabrück und dort lernte er auch den Sohn von Helmut Machemer kennen. Der berichtete ihm vom ...

Ein Held dunkler Zeit stammt aus der Feder des Autors Christian Hardinghaus. Er lebt in seiner Heimatstadt Osnabrück und dort lernte er auch den Sohn von Helmut Machemer kennen. Der berichtete ihm vom Leben des Vaters und versorgte Herrn Hardinghaus mit Material, welches er in dem Roman verwenden konnte. Ein Held dunkler Zeit beruht also auf Tatsachen und ist nicht der Phantasie eines Autors entsprungen.

Das Cover des Buches zeigt dem Interessierten sofort, dass es um das Geschehen im 2. Weltkrieg geht. Der junge Augenarzt Wilhelm Möckel lernt eine junge Frau mit Namen Annemarie kennen und lieben. Erst Wochen später wird klar, dass sie Halbjüdin ist. Trotzdem heiratet Wilhelm seine Liebst und weiß zu dem Zeitpunkt noch nicht, welche Gefahren ihm dadurch drohen. Freunde wenden sich ab und sogar körperliche Gewalt muss er hinnehmen.

Der Zwillingsbruder Wilhelms ist treuer Anhänger der NSDAP und rät ihm, sich freiwillig zum Wehrdienst zu melden. Nur so kann er dazu beitragen, dass Ehefrau Annemarie und die beiden Kinder den arischen Bürgern des Reiches gleichgestellt werden. Er muss sich allerdings an der Front durch extreme Tapferkeit hervortun. Wie das vor sich gehen soll und ob ihm das gelingt, erfahren die Leser in dem Buch.

Und wieder ein Roman, der sich um das Thema Antisemitismus und 2. Weltkrieg dreht dachte ich, als ich das Buch zum ersten Mal in meinen Händen hielt. Ich las es an und legte es nach wenigen Seiten wieder weg. Jetzt hatte ich durch netgalley erneut die Möglichkeit zum Lesen und beendete das Buch auch. Es ist anders aufgebaut als Werke zum gleichen Thema. Hier geht es um die Beschreibung der Front und die Möglichkeit, dass sogenannte „Halbjuden“ vor Deportation und Ächtung geschützt werden konnten. Die Ausführungen der Geschehnisse an der Front waren für mich zu lang gezogen. Hier wäre weniger mehr gewesen. Das gilt ebenfalls für die umfangreiche Erzählung zur beginnenden Liebe zwischen Wilhelm und Annemarie. Trotzdem ist das Buch Ein Held dunkler Zeit wichtig und sollte von jedem gelesen werden, der sich für die dunkelsten Jahre in der Geschichte der Deutschen interessiert.

EinHeldDunklerZeit

NetGalleyDE

Veröffentlicht am 08.02.2019

Spannende Stunden in Neuseeland

Verschollen in der Poison Bay
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Verschollen in der Poison Bay ist ein Krimi, der von der ausführlichen Beschreibung von Neuseeland lebt. Die Autorin Bellinda Pollard liebt das Bergwandern. Ihre Eindrücke bei den Aktionen finden sich ...

Verschollen in der Poison Bay ist ein Krimi, der von der ausführlichen Beschreibung von Neuseeland lebt. Die Autorin Bellinda Pollard liebt das Bergwandern. Ihre Eindrücke bei den Aktionen finden sich auch in diesem Thriller wieder und beleben das Buch ungemein.

Die Geschichte dreht sich um 8 junge Leute, die sich zu einer Wanderung in den Bergen Neuseelands treffen. Was zunächst locker und fröhlich beginnt, entpuppt sich nach wenigen Tagen als Abenteuer, welches für einige der 8 tödlich endet. Menschen, von denen es keiner dachte, trachten der Gruppe nach dem Leben.

Ein Debüt, welches nichts an Spannung vermissen lässt. Die Autorin ließ sich immer wieder neue Wendungen einfallen, die so nicht vorauszusehen waren. Wenn es auch meiner Meinung nach einige Längen hat und auch nicht immer realistisch beschrieben ist, dennoch lohnt sich das Lesen. Eine Lektüre, die vom Alltag ablenkt und in die beeindruckende Weite Neuseelands entführt.

Veröffentlicht am 07.02.2019

Liebe gegen alle Konventionen

Der englische Liebhaber
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Frederica de Cesco studierte in Lüttich Kunstgeschichte und Psychologie. Sie schreibt seit vielen Jahren und begann zunächst als Kinder- und Jugendbuchautorin. Als ihr Debüt „Die Silbermuschel“ veröffentlicht ...

Frederica de Cesco studierte in Lüttich Kunstgeschichte und Psychologie. Sie schreibt seit vielen Jahren und begann zunächst als Kinder- und Jugendbuchautorin. Als ihr Debüt „Die Silbermuschel“ veröffentlicht wurde, bekam das Buch viele positive Kritiken. Der englische Liebhaber gehört ebenfalls zu den Romanen, die sich vom allgemein Üblichen abheben.

Der Roman Der englische Liebhaber berichtet von zwei jungen Menschen, die sich in den Wirren der Nachkriegszeit kennen und lieben lernen. Jeremy, ein britischer Soldat, der im Geheimdienst ihrer Majestät tätig ist und Anna, die in dem Umfeld der Besatzer als Dolmetscherin arbeitet. Wie es so oft der Fall ist, fragt die Liebe nicht nach Herkunft oder Konventionen. Anna und Jeremy verlieben sich, treffen sich heimlich und ihnen ist egal, was die Leute über sie reden. Jeremy, der britische Soldat, muss zurück nach England und es sind Jahrzehnte, in denen Anna kein Lebenszeichen von ihm erhält.

Anna führt ein tristes Dasein und ist als ledige Mutter völlig auf sich alleine gestellt. Sie schlägt sich und ihre Tochter mehr schlecht als recht durch. Münster in Westfalen, die Stadt in der die Geschichte spielt, ist erzkatholisch und hier wurde (und wird) sehr auf die Ansicht der kirchlichen Würdenträger und neugieriger Nachbarn geachtet. Charlotte, die Tochter von Anna, hat darunter zu leiden und diese Tatsache prägt auch ihr schwieriges Verhältnis zur Mutter.

Obwohl ich bereits etliche Sachbücher und Romane zum Thema 2. Weltkrieg las, ist dieses Werk für mich etwas Besonderes. Frederica de Cesco schildert die Zerrissenheit der Menschen im Nachkriegsdeutschland. Sie zeigt, dass tatsächlich viele nicht wussten, was in den Lagern geschah. Und wenn etwas davon bekannt wurde, konnte es niemand glauben. Auch die Gefahr, in der Menschen schwebten, die sich gegen Hitler und seine Mannen stellten, kommt sehr gut zum Ausdruck. Weiter gefiel mir, dass sehr eindrücklich gezeigt wird, wie missgünstige Menschen dem Leben eines Kindes dauerhaften Schaden zuführen. Jeder, der sich einmal eine weitere Sicht der Situation im Nachkriegsdeutschland erlesen möchte, sollte sich Der englische Liebhaber zu Gemüte führen. Wobei der Titel meiner Meinung nach nicht zum Charakter von Jeremy passt.

Veröffentlicht am 06.02.2019

New York am Anfang des 20. Jahrhunderts

Die Villa an der Elbe
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Der Klappentext auf der Rückseite des Taschenbuches sagt schon alles über den Roman Die Villa an der Elbe aus. Das ist schade, da es eigentlich eine spannende Geschichte geworden wäre.

Die Erzählung ...

Der Klappentext auf der Rückseite des Taschenbuches sagt schon alles über den Roman Die Villa an der Elbe aus. Das ist schade, da es eigentlich eine spannende Geschichte geworden wäre.

Die Erzählung spielt auf zwei Zeitebenen und auf zwei Kontinenten. Einmal zu Anfang des 20. Jahrhundert und dann im Jahr 2017. Die Orte sind Hamburg und New York. Helena, die Tochter einer reichen Familie aus Blankenese soll den Sohn eines mächtigen Reeders heiraten. Zu dem Zweck wird ein Schiff gechartert, die „Kaiser Wilhelm der Große“. Hier findet die Verlobung der beiden statt. Helena mag ihren Bräutigam überhaupt nicht und ist sehr unglücklich.

Am Tag nach der Verlobung bricht im Hafen von Hoboken eine verheerendes Feuer aus und viele Menschen sterben dabei. Das Schiff Kaiser Wilhelm der Große wird nicht zerstört, aber sowohl Helena als auch ihre Zofe Carla werden vermisst. Nach tagelanger Suche macht sich die Familie ohne die beiden auf den Weg nach Deutschland. Fast ein Jahrhundert später kommt nicht nur die Wahrheit ans Licht. Es zeigt sich ebenfalls, dass ein hoher Geldbetrag seit Anfang des 20. Jahrhunderts auf einem Depot liegt und nie angerührt wurde. Was hat es damit auf sich? Und wie sind die beiden Familien verbunden, die in Hamburg und den USA leben?

Das Buch ist seichte Unterhaltung, ohne Spannung oder Tiefe. Nicht nur, dass die Story eigentlich schon durch die Inhaltsangabe aufgelöst wird ist der Grund für meine Kritik. Das ganze Drum und Dran ist vorhersehbar und das Ende bleibt leider offen. Die Villa an der Elbe kann man als Lektüre für nebenbei betrachten, mehr aber auch nicht.

Veröffentlicht am 05.02.2019

Für Liebhaber des Genres bestimmt interessant

Schund und Sühne
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Wer vor dem Kauf von Schund und Sühne die Vita der Autorin liest weiß in etwa, was ihn erwartet. Ist Frau Basener doch nun schon seit Jahren einer Erfolgreiche Literatin von Groschenromanen. Sie recherchierte ...

Wer vor dem Kauf von Schund und Sühne die Vita der Autorin liest weiß in etwa, was ihn erwartet. Ist Frau Basener doch nun schon seit Jahren einer Erfolgreiche Literatin von Groschenromanen. Sie recherchierte in Adelskreisen und für dieses Buch sogar bei dem Rosenzüchter Kordes. Das ist bei ihren Beschreibungen der Züchtung für Prinzessin Josephine auch sehr gut zu erkennen.

In dem Buch geht es um Kat, die eine Weile bei einer Adelsfamilie lebt. Von denen bekam sie ein Stipendium für ihr Literaturstipendium, welches sich ausschließlich um Groschenromane dreht. Sie lernt nicht nur die Kinder der Schlossbesitzer kennen, auch das Ehepaar samt Schwester beziehungsweise Schwägerin kommt ihr näher. Es geht turbulent zu in dem Haus. Viele Gäste kommen und gehen, Liebeskummer der Tochter des Hauses ebenfalls und auch der Sohn hat so seine Probleme. Kat ist stets bemüht, ihren Gönnern zu zeigen, dass sie das Stipendium auch tatsächlich verdiente.

Das Buch wartet immer mal wieder mit Überraschungen auf. Das sind Konflikte, die zunächst im Geheimen stattfinden und dann doch klar zum Ausdruck kommen. Vieles wird unter den Teppich gekehrt und eine „Sünde“, die bereits Jahrzehnte zurückliegt, kommt durch einen dummen Zufall ans Licht. Die Folge davon ist schwerwiegend und ändert das Leben der ganzen Familie und auch von Kat.

Wie gut, dass es so viele unterschiedliche Geschmäcker gibt. Gewiss sind es etliche Leser, die von dem Buch Schund und Sühne begeistert sind. Mir gefiel es nicht so richtig. Das lag an der teilweise sehr vulgären Sprache und den präzisen Beschreibungen der Kopulationen und anderer Methoden zur Befriedigung der Lust. Die Sprache ist so gewählt, wie ich sie mir auch bei Groschenromanen vorstellen kann. Wer das liebt, der sollte sich das Buch auf jeden Fall besorgen.

SchundUndSühne

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