Profilbild von lielo99

lielo99

Lesejury Star
offline

lielo99 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit lielo99 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.03.2022

Gute Studie zu den Vorgehensweisen etlicher Journalisten

Den Wölfen zum Fraß
0

Michael Wolphram ist ein pensionierter Lehrer und lebt sehr zurückgezogen. Er unterrichtete in einem elitären College Englands. Als die Leiche einer jungen Frau gefunden wurde, war Michael vom Pech verfolgt. ...

Michael Wolphram ist ein pensionierter Lehrer und lebt sehr zurückgezogen. Er unterrichtete in einem elitären College Englands. Als die Leiche einer jungen Frau gefunden wurde, war Michael vom Pech verfolgt. Er ist ihr Nachbar und nahm sie hin und wieder in seinem Auto mit, wenn sie Besorgungen zu machen hatte. Was also lag für Ermittler und Nachbarn näher, als dass dieser einsiedlerische pensionierte Lehrer ein Motiv hatte? Nein, das war den ganz Schlauen nicht genug. Er war es eindeutig, so urteilten sie und der Mann kam in Untersuchungshaft.

„Den Wölfen zum Fraß“ zeigt sehr deutlich auf, wie Rufmord einen Menschen treffen kann. Ganz plötzlich melden sich ehemalige Schüler, die natürlich so gar nicht mit dem ehemaligen Lehrer zurechtkamen. Sie waren wohl stolz, dass Journalisten zu dem Thema befragten und ihre Namen in den Gazetten erschienen. Ich dachte dabei stets an die B-Zeitung, die auch immer zuerst weiß, wer der oder die Täter sind.

Der Roman gefiel mir. Es dauerte zwar etliche Seiten, bis ich mich an den Stil gewöhnte, aber dann konnte ich gut folgen. Der Autor beschreibt wirklich exzellent, wie die Journaille arbeitet. Und auch diese Berichte von Menschen, die den Verdächtigen angeblich so gut kennen, sind bezeichnend. „Den Wölfen zum Fraß“ sollten sich alle Journalisten und Schubladendenker durchlesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.03.2022

Ein Buch der leisen Töne mit wunderschönem Cover

Leo und Dora
0

Seine letzte Veröffentlichung war im Jahr 1936, also vor zehn Jahren. Seitdem dauert die Schreibblockade an. Die Rede ist von Leo, einem Schriftsteller, der in Palästina lebt. Ach nein, heute heißt es ...

Seine letzte Veröffentlichung war im Jahr 1936, also vor zehn Jahren. Seitdem dauert die Schreibblockade an. Die Rede ist von Leo, einem Schriftsteller, der in Palästina lebt. Ach nein, heute heißt es ja Israel, so sagt er. Er nimmt die Einladung einer Freundin und Agentin an und begibt sich nach Connecticut. Seine Ankunft ist nicht so, wie er sich das vorstellte. Das Haus der Agentin brannte in der Nacht bis auf die Grundmauern nieder und jetzt muss er in einer sehr kleinen Pension logieren. Was ihm zunächst so gar nicht behagt, das stellt sich aber als Segen heraus. Er lernt interessante Menschen kennen und schätzen.

Es war das wunderschöne Cover, das mich zum Lesen des Buches veranlasste. Es gibt zwei Hauptpersonen, die sich im Laufe der Story näher kommen. Leo ist ein Mann, der schon lange alleine lebt und Dora die Inhaberin der Pension. Beide sind in ihren Ansichten gehemmt und für viele junge Leser wohl auch veraltet. Aber so war das damals. In dem Buch werden Ängste und Hoffnungen offenbar, die den Betroffenen gar nicht bewusst sind. Es geht aber auch um Verlust von nahen Angehörigen und was diese Traumen in jedem Einzelnen verursachen.

„Leo und Dora“ ist kein Buch zum nebenher lesen. Es fordert Konzentration und wer sich auf eine Story einlassen kann, die eher psychologische Aspekte statt Spannung bereit hält, der wird das Buch mögen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.03.2022

Die Kunst des erzählenden Sachbuchs wurde perfekt umgesetzt

Putins Netz. Wie sich der KGB Russland zurückholte und dann den Westen ins Auge fasste
0

„Putins Netz“ wurde zu einer Zeit veröffentlicht, die passender nicht sein konnte. Die Autorin hätte wohl auch nicht gedacht, dass Putin diesen Krieg anzetteln würde. Allerdings zeigt das Buch, dass die ...

„Putins Netz“ wurde zu einer Zeit veröffentlicht, die passender nicht sein konnte. Die Autorin hätte wohl auch nicht gedacht, dass Putin diesen Krieg anzetteln würde. Allerdings zeigt das Buch, dass die Entwicklung Putins so enden musste. Es beschreibt nicht nur seinen Werdegang, sondern auch jenen, den seine Befürworter durchliefen. Wie aus einem unbekannten Mitarbeiter des KGB´s dieser „Zar“ werden konnte, das ist so unglaublich, dass es fast wie ein Thriller anmutet.

Es dauerte etliche Tage, bis ich mich durch den dicken Wälzer durcharbeitete. Viele Namen, die häufig russisch und daher für mich schwer zu behalten waren, stoppten den Lesefluss immer wieder. Der Autorin gelang allerdings der Spagat zwischen trockenem Sachbuch und unterhaltsamer Lektüre. Aber es gibt auch mir bekannte Persönlichkeiten, wie Obama, Trump oder Merkel, die erwähnt werden. Es ist unglaublich, wie Herr Putin zunächst in sein Amt gedrängt wurde und es jetzt nicht mehr abgeben möchte. Wie er und seine Mannen Unmengen an Geld in die Hand nahmen und nehmen, wie sie zudem alle ihre Fühler nach Europa ausstreckten. Und sie sind heute fest in vielen Statten der Union etabliert.

Nie hätte ich gedacht, dass tatsächlich Menschen getötet und/oder moralisch zerstört wurden, nur weil sie den Ansichten des Kremls, in Person Putin, widersprachen. Welchen Zusammenhang es zwischen den Prunkbauten in Moskau und den Zuwendungen aus dem „Westen“ für die russische Bevölkerung gibt. Und dass Trump enge Beziehungen zu Russland pflegte, das ist wohl jedem bekannt, der seinen Werdegang verfolgt. Oh man, welch ein Chaos der Seilschaften, welches nur die Betroffenen erkennen. Eins steht fest: Die Grundlage des hier beschriebenen Übels ist sehr viel Geld. Und dieses wird nicht den Armen, sondern den Reichsten der Reichen nützen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.03.2022

Welch ein bemerkenswertes Buch

Der Aufgang
0

Stefan Hertmans kauft ein altes Haus in Belgien. Dabei hätte er nie daran gedacht, dass dieses Gebäude einmal Thema seines Buches werden sollte. Schnell erfuhr er, dass in dem Haus ein NS-Offizier lebte. ...

Stefan Hertmans kauft ein altes Haus in Belgien. Dabei hätte er nie daran gedacht, dass dieses Gebäude einmal Thema seines Buches werden sollte. Schnell erfuhr er, dass in dem Haus ein NS-Offizier lebte. Herr Hertmans forschte nach und heraus kam dieses bemerkenswerte Buch
„Der Aufgang“.

Welch ein fantastisches Werk. Die Sprache, die Fakten und die Fotos, eine Harmonie, die ich so noch bei keinem Buch finden konnte. Der SS-Mann Wilhelm Verhulst verschwieg gekonnt, was er hinter dem Rücken seiner Frau trieb. Und das nicht ohne Grund. Die war nämlich so gar nicht mit dem einverstanden, was ein Herr H. trieb. Sie konnte wohl als Pazifistin durchgehen.

Das Buch ist ein wertvolles Stück Zeitgeschichte und deckt etliche Fakten auf, die mir so nicht bekannt waren. Oder hätten Sie gewusst, dass in Belgien Büsten aus Gips aufgestellt wurden und von wem sie stammten? Oder wie auch dort die Menschen verfolgt wurden, nur weil sie Juden waren? Dass einige Anhänger dann Unterschlupf in Deutschland fanden, ist wohl das Ergebnis ihrer Loyalität zu H.

Stefan Hertmans sprach mit den Kindern und Kindeskindern des Ehepaares Verhulst. Er schlug viele Unterlagen nach und sorgte so für die Authentizität seines Romans. Und das Cover ist mal wieder sehr gelungen. Wie eigentlich immer beim Verlag Diogenes.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.03.2022

Kein Buch für Zartbesaitete

Sechzehn Pferde
0

Der kleine Ort Ilmarsh liegt an der britischen Küste und ist nahezu ausgestorben. Immer mehr Einwohner ziehen fort. Und nun kommt noch dieses schreckliche Verbrechen dazu, welches noch mehr Menschen flüchten ...

Der kleine Ort Ilmarsh liegt an der britischen Küste und ist nahezu ausgestorben. Immer mehr Einwohner ziehen fort. Und nun kommt noch dieses schreckliche Verbrechen dazu, welches noch mehr Menschen flüchten lässt. 16 Pferdeköpfe und ein Haufen Schweife werden gefunden. Die Tiere wurden brutal getötet und ihre Häupter eingegraben. Nur jeweils ein Auge schaut aus der Erde. Wer ist für diese Abscheulichkeit verantwortlich? Alec Nichols lebt mit seinem Sohn vor Ort und ist Polizist. Gemeinsam mit Dr. Cooper Allen soll er den Fall lösen und das so schnell es irgendwie geht.

„Sechzehn Pferde“ ist kein Buch für Zartbesaitete. Die hier beschriebene Brutalität hat mich schockiert. Und das nicht nur, weil ich Pferde mag. Es wird genauestens dargestellt wie sie zu Tode kamen. Aber nicht nur das störte mich. Auch das ständige Hin und Her zwischen den Zeiten, Orten und Akteuren war recht anstrengend. Der Sprachstil war aber angenehm zu lesen. Ein weiteres Plus für mich ist, dass das Buch zum Nachdenken anregt. Was veranlasst(e) junge Menschen zur Stadtflucht und warum sind es oft nur die Senioren, die in ihren Häusern auf dem Land verweilen? Wer ist verantwortlich, wenn sämtliche Geschäfte zentralisiert werden und viele Kilometer entfernt vom Dorf liegen? Also kein „Schmöker“ sondern ein Werk, das es verdient, aufmerksam gelesen zu werden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere