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Veröffentlicht am 16.04.2020

Der zweite Fall für Arno Bussi

Die Toten vom Lärchensee
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Gruppeninspektor Arno Bussi sitzt mit einer attraktiven Dame, der Eva Schupfgruber, bei einem Eisbecher im Café. In Wien scheint die Sonne und er genießt seine Mittagspause. Plötzlich klingelt sein Handy. ...

Gruppeninspektor Arno Bussi sitzt mit einer attraktiven Dame, der Eva Schupfgruber, bei einem Eisbecher im Café. In Wien scheint die Sonne und er genießt seine Mittagspause. Plötzlich klingelt sein Handy. Es ist das Vorzimmer des Innenministers Qualtinger, welcher nicht gerade zu seinen besten Freunden gehört. Allerdings will der ihn umgehend treffen und Arno hört auf ihn.

Qualtinger dekorierte sein Büro seit dem letzten Fall komplett um. Bussi staunt nur noch und kann kaum den Ausführungen seines Gegenübers lauschen. Der schickt ihn mal wieder in seine Heimat, dem schönen Tirol. Dort soll er einen Cold Case aufklären. Der Mord geschah bereits vor fünf Jahren. Arno Bussi fliegt also nach Innsbruck und wird dort am Flughafen abgeholt. Von einem äußerst schweigsamen Polizisten und seinem Hund. Das Abenteuer beginnt.

Das Buch schildert das zweite Abenteuer von Inspektor Bussi, kann aber sehr gut ohne Vorkenntnisse gelesen werden. Neben dem Kick erwartet den Leser eine große Portion Humor, der zuweilen recht derb daherkommt. Trotz einiger Längen bleibt die Spannung durchgehend erhalten, zumal es immer wieder neue Ansatzpunkte gibt. Das Ende war für mich nicht vorhersehbar.

Wer keine blutrünstigen Verbrecher und die bis ins Detail reichende Beschreibung ihrer Taten mag, dem wird Die Toten vom Lärchensee gut gefallen. Er darf halt nicht alles so ernst nehmen und muss sich auf den lockeren Sprachstil einlassen. Vier Sterne gebe ich, da ich mich angenehm unterhalten fühlte.

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Veröffentlicht am 13.04.2020

Von Miethaien und ihrer Schamlosigkeit

Die Schlange
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Susanne Mikula ist Journalistin und krank. Erst vor wenigen Minuten bekam sie eine Panikattacke. Und das in einem Zug, vor dem unfreundlichen Schaffner. Wie peinlich, so denkt sie und dass sie zwingend ...

Susanne Mikula ist Journalistin und krank. Erst vor wenigen Minuten bekam sie eine Panikattacke. Und das in einem Zug, vor dem unfreundlichen Schaffner. Wie peinlich, so denkt sie und dass sie zwingend etwas dagegen unternehmen muss. Aber jetzt sind ihre Gedanken zunächst einmal bei ihrem Vorhaben. Sie hat ein Vorstellungsgespräch und dort soll niemand von ihren psychischen Problemen erfahren. Sonst, so denkt sie richtig, hat sie überhaupt keine Chance auf eine Stelle. Das Gespräch gestaltet sich in ihren Augen gut. Die angebotene Stelle bekommt sie aber nicht. Eine andere Chance nimmt sie an. Sie wird recherchieren, wer und was hinter den Machenschaften der „Stage Bau“ steckt. Die vermietet in Hamburg etliche Wohnungen und arbeitet mit Mafiamethoden.

Die Story ist in zwei Strängen aufgebaut. Zwei Ich-Erzähler berichten, was sie gerade machen. Das ist einmal der „Straßenlotse“, der Menschen über die Straße hilft. Hört sich zunächst mal ganz gut an, oder? Ja und dann gibt es noch Susanne, die ebenfalls von ihren Abenteuern berichtet. Die sind äußerst spannend und nicht nur einmal gerät die junge Frau in Lebensgefahr.

Der Autor versteht es ausgezeichnet, mich als Leser in seinen Bann zu ziehen. Der Krimi ist durchgehend spannend und die Machenschaften des Immobilienriesen sehr überzeugend dargestellt. Auch die Probleme Susannes, bedingt durch ihre Erkrankung, lassen sich nachvollziehen. Das Buch hat mich bestens unterhalten und ich gebe eine ausdrückliche Leseempfehlung. Die fünf Sterne sind aus meiner Sicht hochverdient.

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Veröffentlicht am 09.04.2020

Ein bemerkenswertes Buch über das Leben und die Natur

Offene See
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Das Buch „Offene See“ erschien im #dumontbuchverlag. Es beschreibt das Treffen zweier Hauptfiguren, die unterschiedlicher nicht sein können. Der 16jährige Robert wandert aus der Enge seiner Heimatstadt ...

Das Buch „Offene See“ erschien im #dumontbuchverlag. Es beschreibt das Treffen zweier Hauptfiguren, die unterschiedlicher nicht sein können. Der 16jährige Robert wandert aus der Enge seiner Heimatstadt ans Meer und trifft auf dem Weg eine Frau namens Dulcie Piper. Zwischen den beiden entwickelt sich etwas, was später zu einer engen Freundschaft und dem Start in ein neues Leben wird. Und das für beide Menschen, obwohl sie vom Alter her sehr weit auseinander liegen.

Robert lebt in einer Familie, die seit Jahrhunderten vom Abbau der Kohle im Gebiet lebt. Ähnlich, wie hier das Ruhrgebiet, so reihen sich auch dort die kleinen Häuser aneinander und die Arbeitsplätze werden an die Söhne vererbt. Robert widerstrebt das und kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs macht er sich auf, um seinen Sehnsuchtsort zu besuchen. Er liebt die Weite, die Natur und ja, auch das Meer. Als er für eine Nacht eine Bleibe sucht, trifft er in einer unscheinbaren Kate auf Dulcie Piper. Die alte Frau gestattet ihm, dass er sich ausruht und aus einer Nacht wird dann ein längerer Aufenthalt. Für beide ist es eine Bereicherung und sie profitieren nicht nur von den langen Gesprächen über Gott und die Welt.

Zwei Menschen, die aus unterschiedlichen Milieus und Generationen stammen, das kann doch eigentlich nicht gut gehen. Wer sich aber hier, wie Dulcie und Robert darauf einlässt, kann nur Nutzen daraus ziehen. Dulcie gibt Robert Selbstvertrauen und zeigt ihm, welche Chancen er im Leben hat. Robert wiederum zeigt Dulcie, dass sie sich getrost auf ihre sichtbare Trauer einlassen darf und das nicht als Schwäche ausgelegt werden kann.

„Offene See“ gefiel mir ausgesprochen gut. Um Ihnen die einfühlsame Sprache ein wenig näher zu bringen, hier ein Zitat:

„Der Krieg war gewissermaßen eine Krankheit, die nur der Lauf der Zeit behandeln konnte, und an der viele bis ans Ende ihres Lebens leiden werden.“

Benjamin Myers beschreibt die Natur mit all ihren Lebewesen. Den Pflanzen, Tieren und Menschen. Das macht dieses Buch zu einem ganz besonderen Highlight und ich gebe fünf Sterne plus plus.

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Veröffentlicht am 09.04.2020

Ein Meisterwerk in Sprache und Stil

Die stummen Wächter von Lockwood Manor
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Lockwood Manor ist ein altes und sehr großes Landhaus im Süden Englands. Hier leben der Major und seine Tochter Lucy, umgeben von vielen Bediensteten. Da im Jahr 1939 auch London vor den Angriffen deutscher ...

Lockwood Manor ist ein altes und sehr großes Landhaus im Süden Englands. Hier leben der Major und seine Tochter Lucy, umgeben von vielen Bediensteten. Da im Jahr 1939 auch London vor den Angriffen deutscher Bomber nicht verschont blieb, wurde das Haus zur Evakuierung eines Museums genutzt. Es gab weit über 50 Zimmer und genug Platz für viele ausgestopfte Tiere. Hetty Cartwright ist mit Leib und Seele Kuratorin und sie begleitet ihre Tiere in die Isolation. Dabei freundet sie sich mit Lucy an und erfährt mit der Zeit viel aus deren Leben.

„Die stummen Wächter von Lockwood Manor“ ist ein Buch, auf welches sich der Leser einlassen sollte. Es lässt sich nicht mal eben nebenbei lesen, sondern erfordert volle Aufmerksamkeit. Wer das beherzigt, wird mit einer außergewöhnlichen Lektüre belohnt. Unheimliche Dinge geschehen in dem Haus. Die Tiere werden immer wieder auf andere Plätze gebracht. Zum Teil verschwinden sie sogar völlig. Hetty hat das Gefühl, dass sie in Gefahr schwebt. Doch, warum? Sie hatte doch nie eine Verbindung zu dem Gemäuer. Warum ist der Major so abweisend zu ihr? Sieht er eine Gefahr in ihr? Was geschah vor vielen Jahren und warum ist Hetty so sehr von Alpträumen geplagt?

Die Story wird in zwei Strängen erzählt. Zum einen in der Gegenwart und dann gibt es immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit. Gerade das macht den Reiz aus. Die Sprache ist gehoben und die gruselige Atmosphäre sehr gut dargestellt. Auffallend ist ebenfalls das einzigartige Cover. Es ist ein Eyecatcher und hebt sich bestens von anderen Buchcovern ab. Mir gefiel „Die stummen Wächter von Lockwood Manor“ ausgesprochen gut und ich gebe fünf Sterne plus plus.

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Veröffentlicht am 07.04.2020

Eine mutige Frau, der wir viel zu verdanken haben

Florence Nightingale
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Wer wie ich, vor Jahren seine Ausbildung in der Krankenpflege machte, kam an Florence Nightingale nicht vorbei. Daher freute ich mich sehr, als ich diese neue Biographie von ihr fand. Sie entspricht den ...

Wer wie ich, vor Jahren seine Ausbildung in der Krankenpflege machte, kam an Florence Nightingale nicht vorbei. Daher freute ich mich sehr, als ich diese neue Biographie von ihr fand. Sie entspricht den neuesten Erkenntnissen und das nicht nur über diese Frau. Auch die Fakten zum „Viktorianischen Zeitalter“ sind aktuell.

Florence Nightingale war eine mutige Frau. Sie wurde in Florenz geboren, da ihre Eltern damals eine ausgiebige Hochzeitsreise machten und während dieser Zeit die beiden Töchter das Licht der Welt erblickten. Ihr Name bezieht sich auf ihren Geburtsort: Florenz in Italien. Die Autorin schreibt einen kurzen Abriss vom Leben der Großeltern und Eltern. Dann folgt die Beschreibung von Kindheit und Jugend. Frau Nightingale wuchs in einem begüterten Umfeld auf. Sie war wissbegierig und ihre Neugier stieß damals auf Widerstand. War er doch bei Mädchen absolut nicht erwünscht. Sie sollten heiraten, Kinder bekommen und eine gute Hausfrau und Mutter sein. Das war es. Mehr stand ihnen nicht zu.

Florence wurde unter anderem auch von ihrem Vater unterrichtet. Sie wird als intelligent und mit einer raschen Auffassungsgabe beschrieben. Zudem galt sie als gläubig und war der Meinung, dass sie durch ihre Liebe zu Gott nicht heiraten und Mutter werden dürfe. Zur damaligen Zeit, also um 1850 herum, gab es den Beruf der Krankenschwestern noch gar nicht. Kranke und Behinderte wurden von Menschen versorgt, die sich ihr Können und Wissen selbst aneigneten. Dass das nicht gut war, ist verständlich. Wie gut, dass es Frauen wie Frau Nightingale gab, die sich intensiv für die fundierte Bildung des Pflegepersonals einsetzte.

Die Autorin führt viele Quellen an und dazu gehören die bereits erschienen Biographien. Dabei wägt sie das Für und Wider des Wahrheitsgehalts sehr genau ab und gibt sich keinerlei Spekulationen hin. Das Gegenteil ist der Fall. Sie schreibt ganz klar, dass es für einige Behauptungen über Frau Nightingale keine Belege gibt. Am beeindruckendsten für mich ist eine Aussage, die meiner Meinung nach bis heute ihre Gültigkeit hat:

„Schon damals war Florence davon überzeugt, dass Frauen, die aus Hingabe pflegen bessere Schwestern waren als jene, die nur um des Geldes willen den Beruf ausüben.“ Spannend fand ich auch, dass sie eine enge Beziehung zu Kaiserwerth hatte. Das wusste ich tatsächlich noch nicht. Dort lernte sie einiges von den Nonnen.

Mein Fazit: Ein lesenswertes Buch, welches ich mit fünf Sternen bewerte. Die klare Sprache der Autorin lässt es trotz etlicher Fakten beim Lesen nicht langweilig werden. Hier geht es auch um den Kampf um Emanzipation, den wir heute nicht genießen könnten, hätte es so mutige Frauen damals nicht gegeben. Erwähnen möchte ich auch die Fotos, welche hier im Original Verwendung fanden. Sie brachten mir Frau Nightingale noch näher.

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