Beeindruckendes Debüt mit unglaublicher Sprachgewalt
HitzetageInhalt:
Im flirrend heißen London im Juni ist Maggie Schwanger und pleite und plant gerade ihre Rückkehr in die Vorstadt, in der sie aufgewachsen ist und der sie eigentlich entkommen war. Ihr Freund Ed ...
Inhalt:
Im flirrend heißen London im Juni ist Maggie Schwanger und pleite und plant gerade ihre Rückkehr in die Vorstadt, in der sie aufgewachsen ist und der sie eigentlich entkommen war. Ihr Freund Ed arbeitet als Fahrradkurier, lebt in einem gefühlt dauerhaften Zustand der Panik und ist auf der Suche nach seiner eigenen Identität. Ihr bester Freund Phil ist unglücklich in seinen besten Freund Keith verliebt.
Meine Meinung:
Der Roman fängt die Stimmung im flirrend heißen und schwülen London mit einer unglaublichen und beeindruckenden Sprachgewalt ein. Jeder Satz, jedes Wort ist so gezielt gewählt, dass man das Gefühl hat, gerade selbst in dieser unglaublichen und bedrückenden Hitze unterwegs zu sein. Gleichzeitig ist der Schreibstil auch unglaublich interessant und die Wortwahl teils angenehm überraschend. Der Schreibstil wird glaube ich nicht jedem gefallen - dafür ist er zu eigen und an Stellen zu detailreich - aber bei mir hat der Autor damit genau ins Schwarze getroffen.
Das Buch ist an einigen Stellen sehr skurril, mit exzentrischen und fehlbaren Charakteren, die mir aber sofort sympathisch waren. Der Autor beschreibt die Protagonistin mit unglaublich viel Empathie und Einfühlsvermögen. Obwohl sie teilweise wirklich schlechte Entscheidungen treffen und einander verletzen, war es dennoch ein leichtes, sie in mein Herz zu schließen. Ich konnte von Anfang an mit ihnen mitfühlen und mitfiebern.
Der Roman beschäftigt sich mit einer großen Bandbreite von Themen: Mit Queerness, mit komplizierten Familiendynamiken, mit Freundschaft und Liebe, mit dem urbanen Leben in London, mit Klassismus, mit Angstzuständen, Zukunftsängsten und Alkoholproblemen. Dabei weist der Autor großes Fingerspitzengefühl auf. Seine Blickweise ist erfrischend und interessant zugleich.
Einziger Wermutstropfen für mich war, dass sich das Ende ein bisschen zu eilig und nicht ganz zufriedenstellend angefühlt hat. Es hätte sich für meinen Geschmack durchaus noch ein bisschen mehr Zeit nehmen dürfen.
Insgesamt handelt es sich aber um ein wirklich beeindruckendes und vielversprechendes Debüt, das ich unglaublich gerne gelesen habe. Ich bin schon sehr gespannt auf künftige Werke des Autors. Dementsprechend kann ich das Buch auch nur empfehlen!