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Veröffentlicht am 01.06.2026

Deepdive in eine besondere Beziehung

Die beste aller Beziehungen
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"Die beste aller Beziehungen" erzählt von Martina und Gustav. Martina und Gustav, die „einander haben wollen, sich aber nicht über die Art des »Habens« einigen können und deren Vorstellungen von »einander« ...

"Die beste aller Beziehungen" erzählt von Martina und Gustav. Martina und Gustav, die „einander haben wollen, sich aber nicht über die Art des »Habens« einigen können und deren Vorstellungen von »einander« verschieden sind.“ (S. 206)

Auf ganzen 638 Seiten wird nicht nur deren Beziehung durchleuchtet, sondern auch jegliche Konventionen Schwedens der 1970er Jahren, denen sich vor allem Martina nicht beugen möchte. Sie möchte weder heiraten noch Kinder, ist anderen Beziehungsformen gegenüber offen, hat immer wechselnde Jobs und ist keinesfalls die Schwiegertochter, die Gustavs konservative Eltern für ihren Sohn im Sinn hatten. Dass die beiden sich lieben steht außer Frage, doch so richtig können sie nicht miteinander, noch weniger aber ohne einander.

Gun-Britt Sundström schuf mit Martina eine der interessantesten Frauenfiguren, die ich seit langem gelesen habe. Martina ist eigenwillig, manchmal etwas melodramatisch und unentschlossen, aber immer authentisch und so lustig und zynisch, dass ich unerwartet oft schmunzeln musste. Mit Sundströms Art der Erzählung und den Gedankengängen und Überlegungen, die wir durch Martinas Sicht erleben, war sie ihrer Zeit so weit voraus, dass diese Themen auch heute nichts an Aktualität verloren haben. Ich habe mich selbst so oft in Martina wiedererkannt und ihre Überlegungen und Einsichten sehr gerne verfolgt und für mich selbst viele Denkanstöße mitgenommen.

Aber not gonna lie, dieses Buch hatte extreme Längen und ich konnte es nur häppchenweise lesen, da es stellenweise sehr repetetiv war und mir ehrlicherweise immer wieder die Motivation fehlte, länger am Stück weiterzulesen. Als Leser:in begleitet man Martina und Gustav über mehrere Jahre hinweg: vom Studium über wechselnde Jobs und Wohnungen, bis hin zu zahlreichen idyllischen Sommern in Gustavs Ferienhaus. Der Roman hat keinen wirklichen Spannungsbogen und auch wenn das richtige Leben nicht immer super aufregend ist, fühlte es sich an, als würde man sich gemeinsam mit den Charakteren ständig im Kreis drehen. Character development ist nur bedingt vorhanden und Martina ist auch am Ende ungefähr so lost wie zu Beginn des Romans — aber irgendwie konnte ich auch damit sehr relaten, da es auf manche Fragen einfach keine eindeutigen und zufriedenstellenden Antworten gibt.

Für mich war „Die beste aller Beziehungen“ ein Roman den ich gerne gelesen habe, aber nicht uneingeschränkt empfehlen würde. Man braucht definitiv Ausdauer, wird aber auch mit einer besonderen Geschichte belohnt.

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Veröffentlicht am 25.05.2026

Sehr überzeugender literarischer Thriller

Kala
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„Kala“ erzählt von der sechsköpfigen Freundesgruppe im irischen Kinlough: Helen, Mush, Joe, Aiden, Aoife und Kala, welche 2003 plötzlich spurlos verschwunden ist. Die Freundesgruppe hat sich daraufhin ...

„Kala“ erzählt von der sechsköpfigen Freundesgruppe im irischen Kinlough: Helen, Mush, Joe, Aiden, Aoife und Kala, welche 2003 plötzlich spurlos verschwunden ist. Die Freundesgruppe hat sich daraufhin entfremdet; einige sind in Kinlough geblieben, einige weggezogen und besuchen 15 Jahre später ihre Heimat und treffen das erste Mal erneut aufeinander. Als plötzlich menschliche Überreste auftauchen und das Rätsel um Kalas Verschwinden erneut beginnt, kommen nach und nach noch viel mehr Geheimnisse ans Tageslicht…

Kala wird aus drei Perspektiven erzählt: Helen, Mush und Joe. Colin Walsh schafft es dabei, den Charakteren völlig individuelle Stimmen zu geben und das schätze ich immer sehr! Dieses Buch wäre ohne Kapitelnamen ausgekommen, da man ohnehin sofort wusste, wer gerade erzählt.
In zwei Zeitsträngen erfahren wir mehr und mehr über die Beziehungsdynamiken unter den Jugendlichen und die ersten rätselhaften Vorkommnisse im Jahr 2003 und auch, wie die Geschehnisse damals auch 15 Jahre später noch einzelne Personen im Griff haben. Wie ein Puzzle setzt sich das Bild nach und nach zusammen und ich habe wirklich genossen, wie sich die Geschichte entfaltet.

Spätestens seit „Gott des Waldes“ von Liz Moore habe ich eine Begeisterung für literarische Thriller entwickelt und Kala reiht sich für mich als weiteres Highlight dieses Genres ein. Viele kritisieren die Längen zu Beginn und dass es lange dauert, bis die Story in Fahrt kommt. Ich verstehe diesen Punkt zu einem gewissen Teil, aber persönlich mochte ich diesen langsamen Aufbau sehr gern. Das Kennenlernen der zahlreichen Charaktere hat nach einem langsameren Tempo verlangt und hat mich sehr in den Bann gezogen, was bei einem schnelleren Tempo vermutlich nicht in dem Ausmaß passiert wäre. Ich wollte ständig wissen wie es weitergeht, was damals wirklich passiert ist und wie die Verstrickungen auch in der Gegenwart noch wirken. Colin Walsh schreibt ruhig, aber unfassbar fesselnd und ich habe jede Minute, die ich mit diesem Buch verbracht habe, geliebt!

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Interessantes, wenn auch nicht ganz überzeugendes Debüt

Spielverderberin
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„Spielverderberin“ erzählt von der komplizierten Dreierfreundschaft zwischen der Ich-Erzählerin Sophie, Lotte und der später aus München zugezogenen Romy. Bereits zu Beginn schwingt eine düstere Grundstimmung ...

„Spielverderberin“ erzählt von der komplizierten Dreierfreundschaft zwischen der Ich-Erzählerin Sophie, Lotte und der später aus München zugezogenen Romy. Bereits zu Beginn schwingt eine düstere Grundstimmung mit, denn ein Vorfall im letzten Schuljahr vor 4 Jahren hat die Freundinnen entfremdet. Was genau passiert ist, wird dem Lesenden erstmal vorenthalten und nur durch Gedankenfetzen Sophies angedeutet. Marie Menke schafft es, die Spannung immer gerade so hoch zu halten, dass man zwischen Gegenwart (und dem ersten erneuten Aufeinandertreffen der drei) und den Geschehnissen von vor 4 Jahren getragen wird und man sich durch die zwei Zeitebenen langsam der Wahrheit annähert.

Die Freundschaft zwischen Sophie, Lotte und Romy ist geprägt von Unsicherheit, Neid und Eifersucht und ich konnte ihr insgesamt nur wenig Positives abgewinnen. Während Sophie und Lotte sich seit Kindheitstagen kennen, wird die Freundschaft durch Romy aufgewirbelt. Sophie ist anschließend immer außen vor und ihre Unsicherheit ist während des ganzen Buches spürbar. Erst als Lotte in eine Klinik muss, nimmt Sophie den Platz an Romys Seite ein. Diese Freundschaft ist aber keinesfalls von Wohlwollen geprägt, viel eher weist sie obsessive Züge auf. Insgesamt war diese Dreierkonstellation für mich nur schwer greifbar und mir hat sich die Intention hinter dieser „Freundschaft“ nicht wirklich erschlossen. Alle drei, vor allem aber Sophie und Romy waren jedenfalls absolut keine Sympathieträgerinnen.

Marie Menkes Schreib- und Erzählstil ist der Grund, warum ich das Buch trotz des nicht ganz nachvollziehbaren Plots und der etwas underwhelming Auflösung am Ende trotzdem gerne gelesen habe. Sie schreibt sehr zugänglich und wortgewandt, wenn auch manchmal etwas repititiv. Da es sich um ein Debüt handelt, bin ich jedenfalls gespannt, was zukünftig noch von der Autorin kommen wird.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Spannende Charakterstudie

Half His Age
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Wie der Titel bereits vermuten lässt, erzählt „Half His Age“ von einer Beziehung mit großem Altersunterschied, nämlich von der (mehr als problematischen) „Liebes“beziehung zwischen der siebzehnjährigen ...

Wie der Titel bereits vermuten lässt, erzählt „Half His Age“ von einer Beziehung mit großem Altersunterschied, nämlich von der (mehr als problematischen) „Liebes“beziehung zwischen der siebzehnjährigen Waldo und ihrem Lehrer Mr. Korgy.

Hinter dieser Beziehung, die mir wirklich durchgehend den Ick gegeben hat, verbirgt sich aber eine noch spannendere Charakterstudie. Waldo kommt aus eher prekären Verhältnissen, sie lebt gemeinsam mit ihrer Mutter, welche oft abwesend oder mit eigenen Problemen (Männern) beschäftigt ist, im Trailerpark, ihr Vater ist schon längst nicht mehr Teil ihres Lebens und auch ihre Freundschaften sind eher oberflächlich, wodurch sie keine richtige Bezugsperson hat. Waldo ist einsam und sucht ständig Wege, die Leere in ihr zu füllen, sei es durch exzessives Onlineshopping oder durch Sex mit Männern. Sie ist sich dessen auch vollkommen bewusst und wirkt in der Hinsicht sehr reflektiert, doch trotzdem ist sie jung und einfach etwas verloren. Als sie ihren Fokus letztlich auf ihren Lehrer für kreatives Schreiben legt und das Gefühl hat, erstmals richtig gesehen und begehrt zu werden, geht ihre Obsession so weit, dass sie denkt, ohne ihn nicht mehr funktionieren zu können.

Abgesehen davon, dass diese Beziehung absolut problematisch ist, mochte ich Jennette McCurdys Art zu erzählen sehr. Ich hatte keine Sekunde das Gefühl, dass Waldo Mr. Korgy wirklich begehrt oder ernsthafte Absichten hat, ein Leben mit ihm aufzubauen. Es schwingt durchgehend eine gewisse Abneigung mit, als müsste sie sich selbst überzeugen, dass sie das gerade will. Es wirkt, trotz der vielen intimen Szenen, distanziert und Waldo nennt ihn auch nie beim Vornamen, sondern immer nur Korgy. Ein Gedanke Waldos fasst die Beziehung ganz gut zusammen: „Wir sind bloß zwei Leute, die zusammengekommen sind, weil sie beide so verf*ckt lost waren.“

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Was war das?

Woman Down
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In den letzten Jahren ging kaum ein Weg an Colleen Hoover, ihrer Filmadaption und auch der Kontroverse zum Film (und ihr als Person) vorbei. So versprechen bereits die ersten Seiten von Woman Down einen ...

In den letzten Jahren ging kaum ein Weg an Colleen Hoover, ihrer Filmadaption und auch der Kontroverse zum Film (und ihr als Person) vorbei. So versprechen bereits die ersten Seiten von Woman Down einen wilden Ritt, denn auch wenn explizit erwähnt wird, dass es keine Zusammenhänge zwischen den Inhalten im Buch und ihrem tatsächlichen Leben gibt, ist es unmöglich, keine Rückschlüsse auf tatsächlich stattgefundene Ereignisse und CoHo zu ziehen und ich frage mich, ob sie ihre Leser:innen tatsächlich für so dumm hält, aber well. Um eine Userin auf Goodreads zu zitieren: „CoHo is writing fanfic about herself now? Wild.“


Es gibt viele Möglichkeiten mit Backlashs, wie sie sie erlebt hat, umzugehen; die eigenen Leser:innen in einem neuen Roman zu bashen, die eigene Position so vehement zu verteidigen, sich selbst in die Opferrolle zu schreiben und es dann irgendwie als Fiction zu verkaufen ist da definitiv eine der gewagteren lol.


Ich dachte, den Roman ohne all dem Wissen im Hinterkopf zu beurteilen, würde mir schwer fallen, aber tatsächlich gibt Woman Down auch so wirklich endlos Angriffsfläche her. First of all: Dieses Buch ist kein Thriller. All die Möglichkeiten, die Story in eine Richtung zu lenken, die irgendwie thrilling ist, wurden komplett verschenkt. Die Plottwists sind nicht twisty, sondern entweder vorhersehbar, langweilig oder enttäuschend. Mit all dem Gejammere wirkt der tatsächliche Plot stellenweise eher wie ein Nebenprodukt und hätte etwas von der Energie brauchen können, die sie stattdessen lieber in ihre Pity Party investierte.


Und nun die Punkte, die mich zusätzlich genervt haben: Die Hauptfigur Coll- ähh Petra ist an Inkonsistenz, Antipathie und Heuchelei kaum zu übertreffen. Ich habe lange keine so unterirdisch konzipierte Hauptfigur gelesen, die derart verwerfliche Werte vertritt.
Auch von CoHos Art zu erzählen war ich absolut kein Fan; viel zu viele Erzählstränge führen ins Nichts oder haben nichts zur Story beigetragen und hätte man all die Passagen entfernt, an denen sie gefühlt einfach Seiten füllen wollte, indem sie Dinge (mehrmals) wiederholt oder bereits Erwähntes nochmal aufgreift, wäre dieser Roman wachrscheinlich 100 Seiten kürzer geworden.


Da ich (leider?) nicht wirklich etwas Positives zu sagen habe, schließe ich mit einem weiteren Zitat eines Users auf Goodreads: „more like woman, put the pen down“ 🫰🏼

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