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Veröffentlicht am 23.02.2026

Interessantes, wenn auch nicht ganz überzeugendes Debüt

Spielverderberin
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„Spielverderberin“ erzählt von der komplizierten Dreierfreundschaft zwischen der Ich-Erzählerin Sophie, Lotte und der später aus München zugezogenen Romy. Bereits zu Beginn schwingt eine düstere Grundstimmung ...

„Spielverderberin“ erzählt von der komplizierten Dreierfreundschaft zwischen der Ich-Erzählerin Sophie, Lotte und der später aus München zugezogenen Romy. Bereits zu Beginn schwingt eine düstere Grundstimmung mit, denn ein Vorfall im letzten Schuljahr vor 4 Jahren hat die Freundinnen entfremdet. Was genau passiert ist, wird dem Lesenden erstmal vorenthalten und nur durch Gedankenfetzen Sophies angedeutet. Marie Menke schafft es, die Spannung immer gerade so hoch zu halten, dass man zwischen Gegenwart (und dem ersten erneuten Aufeinandertreffen der drei) und den Geschehnissen von vor 4 Jahren getragen wird und man sich durch die zwei Zeitebenen langsam der Wahrheit annähert.

Die Freundschaft zwischen Sophie, Lotte und Romy ist geprägt von Unsicherheit, Neid und Eifersucht und ich konnte ihr insgesamt nur wenig Positives abgewinnen. Während Sophie und Lotte sich seit Kindheitstagen kennen, wird die Freundschaft durch Romy aufgewirbelt. Sophie ist anschließend immer außen vor und ihre Unsicherheit ist während des ganzen Buches spürbar. Erst als Lotte in eine Klinik muss, nimmt Sophie den Platz an Romys Seite ein. Diese Freundschaft ist aber keinesfalls von Wohlwollen geprägt, viel eher weist sie obsessive Züge auf. Insgesamt war diese Dreierkonstellation für mich nur schwer greifbar und mir hat sich die Intention hinter dieser „Freundschaft“ nicht wirklich erschlossen. Alle drei, vor allem aber Sophie und Romy waren jedenfalls absolut keine Sympathieträgerinnen.

Marie Menkes Schreib- und Erzählstil ist der Grund, warum ich das Buch trotz des nicht ganz nachvollziehbaren Plots und der etwas underwhelming Auflösung am Ende trotzdem gerne gelesen habe. Sie schreibt sehr zugänglich und wortgewandt, wenn auch manchmal etwas repititiv. Da es sich um ein Debüt handelt, bin ich jedenfalls gespannt, was zukünftig noch von der Autorin kommen wird.

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Spannende Charakterstudie

Half His Age
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Wie der Titel bereits vermuten lässt, erzählt „Half His Age“ von einer Beziehung mit großem Altersunterschied, nämlich von der (mehr als problematischen) „Liebes“beziehung zwischen der siebzehnjährigen ...

Wie der Titel bereits vermuten lässt, erzählt „Half His Age“ von einer Beziehung mit großem Altersunterschied, nämlich von der (mehr als problematischen) „Liebes“beziehung zwischen der siebzehnjährigen Waldo und ihrem Lehrer Mr. Korgy.

Hinter dieser Beziehung, die mir wirklich durchgehend den Ick gegeben hat, verbirgt sich aber eine noch spannendere Charakterstudie. Waldo kommt aus eher prekären Verhältnissen, sie lebt gemeinsam mit ihrer Mutter, welche oft abwesend oder mit eigenen Problemen (Männern) beschäftigt ist, im Trailerpark, ihr Vater ist schon längst nicht mehr Teil ihres Lebens und auch ihre Freundschaften sind eher oberflächlich, wodurch sie keine richtige Bezugsperson hat. Waldo ist einsam und sucht ständig Wege, die Leere in ihr zu füllen, sei es durch exzessives Onlineshopping oder durch Sex mit Männern. Sie ist sich dessen auch vollkommen bewusst und wirkt in der Hinsicht sehr reflektiert, doch trotzdem ist sie jung und einfach etwas verloren. Als sie ihren Fokus letztlich auf ihren Lehrer für kreatives Schreiben legt und das Gefühl hat, erstmals richtig gesehen und begehrt zu werden, geht ihre Obsession so weit, dass sie denkt, ohne ihn nicht mehr funktionieren zu können.

Abgesehen davon, dass diese Beziehung absolut problematisch ist, mochte ich Jennette McCurdys Art zu erzählen sehr. Ich hatte keine Sekunde das Gefühl, dass Waldo Mr. Korgy wirklich begehrt oder ernsthafte Absichten hat, ein Leben mit ihm aufzubauen. Es schwingt durchgehend eine gewisse Abneigung mit, als müsste sie sich selbst überzeugen, dass sie das gerade will. Es wirkt, trotz der vielen intimen Szenen, distanziert und Waldo nennt ihn auch nie beim Vornamen, sondern immer nur Korgy. Ein Gedanke Waldos fasst die Beziehung ganz gut zusammen: „Wir sind bloß zwei Leute, die zusammengekommen sind, weil sie beide so verf*ckt lost waren.“

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Veröffentlicht am 23.02.2026

Was war das?

Woman Down
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In den letzten Jahren ging kaum ein Weg an Colleen Hoover, ihrer Filmadaption und auch der Kontroverse zum Film (und ihr als Person) vorbei. So versprechen bereits die ersten Seiten von Woman Down einen ...

In den letzten Jahren ging kaum ein Weg an Colleen Hoover, ihrer Filmadaption und auch der Kontroverse zum Film (und ihr als Person) vorbei. So versprechen bereits die ersten Seiten von Woman Down einen wilden Ritt, denn auch wenn explizit erwähnt wird, dass es keine Zusammenhänge zwischen den Inhalten im Buch und ihrem tatsächlichen Leben gibt, ist es unmöglich, keine Rückschlüsse auf tatsächlich stattgefundene Ereignisse und CoHo zu ziehen und ich frage mich, ob sie ihre Leser:innen tatsächlich für so dumm hält, aber well. Um eine Userin auf Goodreads zu zitieren: „CoHo is writing fanfic about herself now? Wild.“


Es gibt viele Möglichkeiten mit Backlashs, wie sie sie erlebt hat, umzugehen; die eigenen Leser:innen in einem neuen Roman zu bashen, die eigene Position so vehement zu verteidigen, sich selbst in die Opferrolle zu schreiben und es dann irgendwie als Fiction zu verkaufen ist da definitiv eine der gewagteren lol.


Ich dachte, den Roman ohne all dem Wissen im Hinterkopf zu beurteilen, würde mir schwer fallen, aber tatsächlich gibt Woman Down auch so wirklich endlos Angriffsfläche her. First of all: Dieses Buch ist kein Thriller. All die Möglichkeiten, die Story in eine Richtung zu lenken, die irgendwie thrilling ist, wurden komplett verschenkt. Die Plottwists sind nicht twisty, sondern entweder vorhersehbar, langweilig oder enttäuschend. Mit all dem Gejammere wirkt der tatsächliche Plot stellenweise eher wie ein Nebenprodukt und hätte etwas von der Energie brauchen können, die sie stattdessen lieber in ihre Pity Party investierte.


Und nun die Punkte, die mich zusätzlich genervt haben: Die Hauptfigur Coll- ähh Petra ist an Inkonsistenz, Antipathie und Heuchelei kaum zu übertreffen. Ich habe lange keine so unterirdisch konzipierte Hauptfigur gelesen, die derart verwerfliche Werte vertritt.
Auch von CoHos Art zu erzählen war ich absolut kein Fan; viel zu viele Erzählstränge führen ins Nichts oder haben nichts zur Story beigetragen und hätte man all die Passagen entfernt, an denen sie gefühlt einfach Seiten füllen wollte, indem sie Dinge (mehrmals) wiederholt oder bereits Erwähntes nochmal aufgreift, wäre dieser Roman wachrscheinlich 100 Seiten kürzer geworden.


Da ich (leider?) nicht wirklich etwas Positives zu sagen habe, schließe ich mit einem weiteren Zitat eines Users auf Goodreads: „more like woman, put the pen down“ 🫰🏼

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Veröffentlicht am 24.09.2025

Ein satirisch-humorvoller Roman

Hustle
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Ich bin in den Roman gestartet, ohne den Klappentext gelesen zu haben und ich glaube, das war in diesem Fall eine gute Entscheidung. Es hat auf jeden Fall zur Absurdität der Handlung beigetragen, weil ...

Ich bin in den Roman gestartet, ohne den Klappentext gelesen zu haben und ich glaube, das war in diesem Fall eine gute Entscheidung. Es hat auf jeden Fall zur Absurdität der Handlung beigetragen, weil ich nicht einschätzen konnte, worauf das ganze hinausläuft. Teilweise hat mir zwar etwas der Fokus gefehlt, viele Szenen und Handlungsstränge haben so ein bisschen ins Nichts geführt, aber wovon der Roman für mich gelebt hat, waren die vielen Freundschaftsdynamiken. Besonders die innerhalb der Freundinnengruppe war wirklich sehr toll; dieser gegenseitige Support trotz fragwürdiger Karriereentscheidungen und das nicht vorhandene Konkurrenzdenken war einfach wholesome und alles, was man sich in einer Freundschaft wünscht. Auch Steffen mochte ich so gerne! Die Freundschaft zwischen ihm und Leonie war so aufrichtig und die gemeinsamen Szenen und Chatverläufe waren wie eine warme Umarmung. Und schließlich auch die Beziehungen, die sich an Leonies Arbeitsplatz entwickelt haben, zwischen ihr und Alfred und auch Nam, die zwar nicht so tief gingen, aber ebenso wichtig für Leonies Ankommen in München waren, habe ich unfassbar gerne gelesen.

Worauf ich auch noch eingehen möchte, ist das Schlagwort Kapitalismuskritik, welches ich nun schon öfter gelesen habe und womit das Buch auch vermarktet wurde. Denn persönlich würde ich das Buch nicht per se als kapitalismuskritisch bezeichnen; eher ist es eine satirische Reaktion darauf, wie dekadent viele Menschen (besonders in teuren Pflastern wie München) leben und wie schwierig es ist, als „Normalo“ sein Leben in einer solchen Stadt zu finanzieren. Letztendlich fügt sich die gesamte Freundinnengruppe ja auch dem System, arbeitet sogar darauf hin (wenn auch nicht ganz legal), Teil davon zu sein, und von seinen Vorteilen zu profitieren. In Hinblick auf die illegalen Sidehustles der Frauen war das Buch daher eher eine humorvolle Herangehensweise, diesen Lifestyle aufzuzeigen; für wirkliche Kritik hätte es für mich noch mehr Substanz und Ernst benötigt. Da ich aber die Intentionen der Autorin nicht kenne, wirkt sich das nicht auf meine Bewertung aus und ich fand den Roman in erster Linie einfach unterhaltsam.

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