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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.08.2025

»Politische Popsongs sind Geschichten gegen das Schweigen.«

Keine Macht für Niemand. Pop und Politik in Deutschland
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»Politische Popsongs sind Geschichten gegen das Schweigen.«

„Keine Macht für Niemand“, auf den Song von Ton Steine Scherben zurückgehend, ist eine Reise durch die spannungsreiche musikalische Zeitgeschichte ...

»Politische Popsongs sind Geschichten gegen das Schweigen.«

„Keine Macht für Niemand“, auf den Song von Ton Steine Scherben zurückgehend, ist eine Reise durch die spannungsreiche musikalische Zeitgeschichte ab dem Ende des Ersten Weltkriegs bis in die Jetzt-Zeit. Dass die Geschehnisse dabei von Popmusik verschiedenster Ausprägungen begleitet und in dieser verarbeitet wurden, legt der Professor für Kommunikations- und Medienwissenschaft deutlich dar. Anhand 80 Jahren Pop- und Zeitgeschichte und knapp 260 Songs, die er für dieses Buch mal vertiefter mal oberflächlicher analysiert hat, erschließt er die Zusammenhänge zwischen Pop, Protest und Politik sowie ergänzend aus den Perspektiven von Solidarität und Widerstand.

Nach einführenden Grundlagen, beginnt es mit dem konservativen, rassistischen und sexistischen Schlager der Nachkriegszeit, führt über politische Liedermacher:innen, dem Beginn und der Etablierung von Punk, über den großteils misogyn und männlich dominierten Rap, bis hin zu zeitgenössischen Künstler:innen, die sich – nicht nur gegen das Erstarken rechter Ansichten – klar positionieren. Währenddessen nimmt es nie ein Blatt vor den Mund, sondern benennt die Dinge beim Namen.
Marcus S. Kleiner führt viele kluge und differenzierte Gedanken über politische Zeitgeschichte an, auch indem er sich seiner eigenen Privilegen bewusst wird und diese reflektiert, wie man sie nur selten liest und regt damit zum Nachdenken an.
Dabei merkt man stets die Musikleidenschaft des Autors und seine persönliche politische Haltung.

Ergänzt und vertieft wird die Lektüre durch eine vorangestellte Spotify-Playlist der erwähnten Songs.

Es bleibt nur noch eins zu sagen:
Lest unbedingt dieses Buch, es ist ganz großes Kino, fordert, ist vereinzelt vielleicht etwas zu theoretisch und man muss manche Abschnitte zweimal lesen, aber es regt definitiv zum Nachdenken an.
In erster Linie ist es ein lauter Weckruf gegen das anhaltende Schweigen der Gesellschaft, mit dem wir uns viel zu gerne umhüllen.

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Veröffentlicht am 28.07.2025

»Sobald er die Grenze überschritten hat, kann er nie wieder zurück, daran besteht kein Zweifel.«

Kein Zurück
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»Sobald er die Grenze überschritten hat, kann er nie wieder zurück, daran besteht kein Zweifel.«

Alan Duffrey wurde unschuldig verurteilt und danach im Gefängnis erstochen. Um dies zu sühnen, begibt sich ...

»Sobald er die Grenze überschritten hat, kann er nie wieder zurück, daran besteht kein Zweifel.«

Alan Duffrey wurde unschuldig verurteilt und danach im Gefängnis erstochen. Um dies zu sühnen, begibt sich ein Mann namens Trig auf seinen Racheakt. Er verübt sog. Stellvertretermorde an Unschuldigen und hinterlegt neben deren Leichen stets einen Zettel mit dem Namen eines Geschworenen.
In einem zweiten Handlungsstrang begegnen wir Holly Gibney, die sich einerseits – weil sie schlichtweg nicht anders kann – dieser Mordserie und andererseits dem Auftrag annimmt, die bekannte und durchaus umstrittene Feministin Kate McKay auf ihrer Vortragsreihe als Security zu begleiten. Schließlich ist ihr einer der bibeltreuen Abtreibungsgegner besonders auf der Spur ist…

Trotz der an sich spannenden Story konnte mich das Buch von Anfang an nicht wirklich überzeugen. Da kaum Spannung erzeugt wurde, war es sehr langatmig, zäh und zugleich chaotisch, weil zu viele Figuren erwähnt, aber nicht wirklich eingeführt wurden. Selbst am Ende war mir nicht alles klar und einige Fragen blieben offen. Doch ab circa Seite 500 – ich war schon des Öfteren kurz davor das Buch abzubrechen – bekam es einen Hauch Spannung und steuerte auf den großen Showdown hin, der jedoch relativ schnell verblasste. Somit endete die Lektüre für mich mit den letzten knapp hundert Seiten immerhin versöhnlich.
Hinsichtlich vieler politischer Elemente und persönlicher Überzeugungen Stephen Kings, die großen Spielraum bekommen, konnte das Buch schon eher überzeugen.

Neben vielen Kürzungen, die das Buch dringend nötigt gehabt hätte, wären spannende Elemente oder Cliffhanger – an denen es vollkommen gefehlt hat – ratsam gewesen, um wenigstens einen moderaten, überzeugenden Krimi damit vorlegen zu können.

Ein kleines Trostpflaster ist immerhin, dass Stephen King selbst im Nachwort eingesteht, dass er damit zwar zufrieden sei, aber es nie ganz so sein wird, wie er es erhofft hatte.

Hoffen wir, dass sein nächstes Buch (wieder) überzeugen wird!

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Veröffentlicht am 18.07.2025

»Alles hängt davon ab, was du willst: das Richtige tun oder an der Macht bleiben.«

Das Geschenk
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»Alles hängt davon ab, was du willst: das Richtige tun oder an der Macht bleiben.«

Weil die deutsche Bundesregierung unter Bundeskanzler Hans Christian Winkler den Import von Jagdtrophäen verboten hat, ...

»Alles hängt davon ab, was du willst: das Richtige tun oder an der Macht bleiben.«

Weil die deutsche Bundesregierung unter Bundeskanzler Hans Christian Winkler den Import von Jagdtrophäen verboten hat, schickt der Präsident von Botswana 20.000 Elefanten nach Berlin. Dort sind alle überfordert und wissen nicht, wie man mit den Tieren, die man zuerst auf deutlich weniger schätzt, umgehen soll. Sie sind einfach überall und müssen auch irgendwie versorgt werden.
Noch dazu muss jede Entscheidung genau abgewägt werden, um einerseits die deutsche Bevölkerung zu schützen und zweitens dem sowieso fortschreitenden Erstarken rechter Kräfte keine Angriffsfläche zu bieten.

Das ist die Ausgangssituation des Romans. Wie geht man nun damit um?
Genau damit beschäftigt sich der neue Roman von Gaea Schoeters und stößt dabei ein Interessantes Gedankenspiel an. Zwar stellt diese Situation eine Fiktion dar, doch beruht diese auf einer wirklichen Aussage von Mogkweetsi Masisi, dem Präsidenten von Botswana. Darüberhinaus lassen sich deutliche Parallelen zur hiesigen Politiklandschaft bemerken.

Zwischen politischen Entscheidungen und gesellschaftlichen Unmut, steht der kommerzielle, der Wirtschaft dienende Nutzen, die Elefanten gewinnbringend zu vermarkten. Darf Deutschland andere Länder bevormunden, ohne sich der dortigen Probleme überhaupt bewusst zu sein, geschweige denn sie bewältigen zu können?

Auch mit ihrem zweiten Roman hat Gaea Schoeters ein Buch geschrieben, dass die Grenzen der Moral auslotet und die Leser*innen zum Nachdenken anregt.
Dabei habe ich ihre präzise Sprache sehr genossen und besonders gelungen fand ich vor allem die exakten Beschreibungen der Elefanten, die einem diese majestätischen Tiere bildlich vor Augen führen.
Eine große Leseempfehlung!

Ich freue mich schon auf viele weitere Bücher von ihr!

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Veröffentlicht am 18.07.2025

»Sie sind ein kompliziertes und schwieriges Wesen und ich bin es auch.«

»Liebes Fräulein Herz«
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»Sie sind ein kompliziertes und schwieriges Wesen und ich bin es auch.«
Thomas Mann an Ida Herz (18. Januar 1927)

Als Ida Herz Thomas Mann im Jahr 1924 auf einer Trambahnfahrt zwischen Fürth und Nürnberg ...

»Sie sind ein kompliziertes und schwieriges Wesen und ich bin es auch.«
Thomas Mann an Ida Herz (18. Januar 1927)

Als Ida Herz Thomas Mann im Jahr 1924 auf einer Trambahnfahrt zwischen Fürth und Nürnberg anspricht und ihre Bewunderung ihm gegenüber kundtut, markiert das den Beginn eines über drei Jahrzehnte währenden Austausches und findet auch Erwähnung im Roman „Doktor Faustus“. Bewusst meide ich den Begriff Freundschaft, da es zwar in ihren Augen ganz klar eine war und auch Thomas Mann in späten Jahren dazu tendierte, aber u.a. dessen Tagebucheinträge über Besuche von ihr überwiegend genervte Stimmungen vermerken.
Nichtsdestotrotz vertraute er ihr wie nur wenigen sonst Details über sein Leben und Werk an, beauftragte sie mit eigennützigen, aber nicht weniger vertrauensvollen Aufgaben und unterstütze ihr schon 1925 privat angelegtes „Thomas Mann Archiv“, indem er ihr zu diesem Zweck dienliches Material zusandte und er ebenfalls darauf stets zurückgreifen konnte, wenn er bestimmte Texte im Original oder als Abschrift für eigene Projekte benötigte.

Insgesamt sind 432 Briefe abgedruckt, davon die allermeisten von Thomas Mann, einige von Katia Mann und nur 27(!) von Ida Herz. Dabei ist anzunehmen, dass über 400 Briefe ihrerseits verloren gegangen oder bewusst vernichtet wurden. Umso glücklicher die Tatsache, dass zu Beginn des Mannschen Exils im Jahr 1933 einige Briefe von ihr erhalten sind und dieser Austausch ein eindrückliches zeitgeschichtliches Dokument der damaligen Geschehnisse inner- sowie außerhalb Deutschlands ist.
Außerdem ist der gesamte Briefwechsel etwas besonderes, da er die ambivalente Beziehung beleuchtet und Einblicke in die Beziehung zu einer wichtigen Vertrauten Thomas Manns, auch innerhalb familiärer Ansichten, gibt. Nicht weniger das Nachwort des Herausgebers Holger Pils, welches den literarischen Wert anerkennt und trotzdem kritisch aufgestellt ist.

Schade ist nur, dass die wenigen Briefe zwischen Ida Herz und Katia Mann nach Thomas Manns Tod nicht in diesen Band aufgenommen wurden.

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Veröffentlicht am 05.07.2025

»Obwohl er wusste, dass alles nur Schein und Trug war, ließ er sich doch gerne täuschen.«

Der Totengräber und die Pratermorde (Die Totengräber-Serie 4)
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»Obwohl er wusste, dass alles nur Schein und Trug war, ließ er sich doch gerne täuschen.«

Die ganze Stadt freut sich, denn nicht nur der Große Bellini ist zu Gast, sondern noch dazu Charles Banton. Somit ...

»Obwohl er wusste, dass alles nur Schein und Trug war, ließ er sich doch gerne täuschen.«

Die ganze Stadt freut sich, denn nicht nur der Große Bellini ist zu Gast, sondern noch dazu Charles Banton. Somit gastieren zwei Zauberkünstler in Wien. Als Charles Banton, der die Massen zu sich lockt, während der Premiere seine neue Weltsensation vorführt, passiert das Schlimmste, das man sich denken kann. Aus gekonnter und nur scheinbarer Zauberei wird Realität. Natürlich hatte Banton die Schreie seiner Assistentin ignoriert, als er den Sarg, in dem sie lag, zersägte. Schließlich waren diese Teil der Show, die jedoch in einem blutigen Spektakel endete, denn die Frau wurde wahrhaftig zerteilt. Doch wie konnte das passieren?
Noch dazu sind in den vergangenen Wochen vier junge Frauen, die am Prater angestellt waren, spurlos verschwunden. Zwei Fälle, denen Inspektor Leopold Herzfeldt und Reporterin Julia Wolf nachgehen werden. Und auch wenn sie nun kein Paar mehr sind, kreuzen sich ihre Wege.
Könnte es sogar sein, dass diese zwei Vorfälle irgendwie miteinander zusammenhängen?

Oliver Pötzsch‘ nun schon vierter Fall rund um Leopold Herzfeldt, Julia Wolf und den Totengräber Augustin Rothmayer entführt die Lesenden in die Welt des Wiener Praters zu Ende des 19. Jahrhunderts. Schon der Prolog entfaltete eine Sogwirkung und machte mich neugierig darauf, mehr über die geschilderten Vorkommnisse zu erfahren. Dementsprechend habe ich das Buch verschlungen, nicht zuletzt weil die mehreren Handlungsstränge so fesselnd sind.
Da ich mich schon in meiner Kindheit sehr für den Zirkus und das gesamte Künstlermilieu begeistern konnte, hat mir dieser Fall besonders gut gefallen.
Ich weiß nicht, wie Oliver Pötzsch es schafft, dass ich bei seinen historischen Krimis gegen Ende immer überrascht bin, wie es ausgeht, da er so viele Figuren einführt und falsche Fährten legt. Offensichtlich habe ich keinen guten Riecher dafür oder – was unanzweifelbar ist – er ist ein wahnsinnig guter Autor, nicht nur von Krimis.

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