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Veröffentlicht am 10.05.2025

Unbedingt lesen!!!

Ein Mensch fällt aus Deutschland
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»Ganz gleich, wie es nun werden möge - so wie es kommt, so wird es mein Schicksal sein, und so will ich es nehmen, stumm und bereit, ich habe es nicht anders gekonnt, ich habe es auch nicht anders gewollt.«

Konrad ...

»Ganz gleich, wie es nun werden möge - so wie es kommt, so wird es mein Schicksal sein, und so will ich es nehmen, stumm und bereit, ich habe es nicht anders gekonnt, ich habe es auch nicht anders gewollt.«

Konrad Merz, eigentlich Kurt Lehmann, überlässt in seinem wohl bekanntesten und nun glücklicherweise neu aufgelegten Roman seinem Protagonisten, dem jungen Winter, das Wort. Durch Briefe und Tagebucheinträge erlebt man die Erlebnisse ab Ende 1933 bis Dezember 1934 hautnah aus seiner Sicht:
Sein bester Freund Heini wird von der Geheimen Staatspolizei gesucht und Winter hilft ihm. Nachdem sich dieser jedoch erschossen hat, fällt das Schicksal auf den Protagonisten und ihm bleibt nichts anderes als die Flucht. Er entscheidet sich für Holland. Dort angekommen, schlägt er sich – so gut er kann – durch, hungert, trauert, vermisst und sucht nach Arbeit.
Seiner in Berlin zurückgebliebene Ilse schenkt er jeglichen Gedanken und wünscht sich nichts mehr, als dass sie bei ihm wäre.
So vergehen die Tage und nichts ist mehr, wie es zuvor war, selbst als Ilse ihn besuchen kommt…

Der Anfang dieses Buchs ist nicht ganz einfach. Der Einstieg folgt abrupt mitten ins Geschehen und man muss sich erstmal in der Szenerie und sogleich mit der besonderen Form zurechtfinden.
Gibt man aber dem ersten Roman der Exilliteratur, der leider völlig zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist, eine Chance – und das sollte man(!) –, wird man es nicht bereuen. So nah wie dieser Text – durch Tagebucheinträge und Briefe –, die Lesenden am Alltag Winters teilhaben lässt, dadurch Sehnsüchte, Wünsche und das Leid schildernd, ist einzigartig. Somit ist das bereits 1936 im Amsterdamer Querido Verlag erschiene Buch für mich persönlich ein großartiger Roman und noch viel mehr – ein beachtenswertes Zeitdokument, besonders im Hinblick auf die darauffolgenden Jahre.
Zwischen all dem Leid und der Tragik, finden sich auch ironische und humorvolle Anspielungen. Je mehr man von diesem Buch liest, desto mehr wird auch Merz‘ rhetorisches Können deutlich.

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Veröffentlicht am 08.05.2025

»Ich mochte Thomas Mann eigentlich gar nicht.«

Neue Rundschau 2025/1
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»Ich mochte Thomas Mann eigentlich gar nicht.«

Mit diesen Satz beginnt sogleich der erste Beitrag, der sich für eine Spurensuche nach Brasilien begibt und sich dabei insbesondere mit der Mutter Thomas ...

»Ich mochte Thomas Mann eigentlich gar nicht.«

Mit diesen Satz beginnt sogleich der erste Beitrag, der sich für eine Spurensuche nach Brasilien begibt und sich dabei insbesondere mit der Mutter Thomas Manns – Julia da Silva-Bruhns – beschäftigt.
Nachfolgend geht’s über die „Buddenbrooks“ und die politischen Seiten jeglicher Familiengeschichten, um Werke wie „Doktor Faustus“ sowie „Der Erwählte“ und anschließend über Nidden bis Amerika. Aber auch die eigene Wiedererkennbarkeit in der Erzählung „Tonio Kröger“ findet Erwähnung, da sie auch diejenigen, die selbst nie Außenseiter waren, sich als solche fühlen lassen, auch wenn dies paradox zu sein scheint.
Der Verlust des gewohnten Zuhauses, den Thomas Mann mit vielen anderen Menschen verbindet, ganz egal inwiefern sich dieser unfreiwillige Verlust ausprägen mag, bestimmt jeden dieser Aufsätze.
Die Autor*innen machen deutlich, inwiefern Manns Exilerfahrungen sein Leben und sein literarisches Schaffen, sei es hinsichtlich des Inhalts oder sogar sprachlicher Einflüsse, geprägt haben.

Drei Texte, von Annette Kolb, Hedwig Fischer und Agnes E. Meyer, die bereits in der Neuen Rundschau zu Thomas Manns 70. Geburtstag gedruckt wurden, erscheinen hier nochmal, erinnern an den wohl bedeutendsten deutschen Schriftsteller des letzten Jahrhunderts und runden die Sammlung thematisch ab.

So ist die Neue Rundschau zum 150. Geburtstag eine würdige, sehr lesenswerte, jedoch eher zum Nachdenken anregende Ausgabe, die, mit Ausnahme, dass die Werke Thomas Manns und das Interesse daran immer noch Bestand haben, weniger Anlass zum Feiern bietet.

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Veröffentlicht am 08.05.2025

»Die Wahrheit glaubt mir doch keiner!«

Horror-Date
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»Die Wahrheit glaubt mir doch keiner!«

Raphael ist schwer krank und er weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Um seine letzten Tage mit schönen Momenten zu füllen, hat er sich bei der Dating-App ...

»Die Wahrheit glaubt mir doch keiner!«

Raphael ist schwer krank und er weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat. Um seine letzten Tage mit schönen Momenten zu füllen, hat er sich bei der Dating-App „The Walking Date“ angemeldet, welche Menschen, deren letzte Tage gezählt sind, die letztmalige Chance zum Verlieben bietet. Dort trifft er auf Nala, deren Tumor ebenfalls ihre Lebenserwartung rapide geschrumpft hat. Als nun der Tag des ersten Treffens bevorsteht, geht es Raphael unerfreulicherweise schlechter und er überredet seinen besten Freund Julius für ihn einzuspringen, bzw. er überrumpelt ihn und lässt ihm kaum Möglichkeiten der Situation zu entfliehen.
Was dann als harmlos wirkendes Essengehen beginnt, verstrickt sich immer mehr in skurrile Kuriositäten, die den Lesenden Gefühle der Fremdscham empfinden lassen.
Es folgt ein lustiges und urkomisches Date, das neben einem Elefant, einem nackten Schlossbesitzer und vielen Missverständnissen so einiges bereit hält.
Irgendwann hat Raphael sich in so viele ungünstige Aussagen und Missgeschicke verstrickt, das eine Auflösung der Umstände kaum mehr möglich erscheint, dabei möchte er nichts lieber als das.

Zum Ende hin kommt alles anders als erwartet. Das lustige Date wandelt sich und aus Komik wird Ernst. Trotz der teils wirklich albernen Kapitel, die jede Seriösität missen lassen, gelingt es Fitzek auch in seinem neuen Buch die Thematik nicht der Lächerlichkeit zu überlassen, sondern darauf aufmerksam zu machen.
Somit endet sein dritter Nichtthriller mit einem Weckruf, das eigene Leben zu überdenken und die wichtigen Personen und Dinge herauszufinden, bevor es zu spät ist.
Denn das Leben ist nicht fair und das Ende kommt immer zu schnell und manchmal unerwartet.

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Veröffentlicht am 05.05.2025

Der zweite Fall für Mann & Müller

Unheimliche Gesellschaft
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»Er spürte, dass mit seiner Person zugleich der Humanismus, für den er stand, diese höhere deutsche Idee für das Bessere und Anständige und Wahre, verbannt worden war.«

Das Ermittler-Duo Mann & Müller ...

»Er spürte, dass mit seiner Person zugleich der Humanismus, für den er stand, diese höhere deutsche Idee für das Bessere und Anständige und Wahre, verbannt worden war.«

Das Ermittler-Duo Mann & Müller schlägt zurück.
Es ist Herbst 1933. Die Manns kehrten nach einer Vortragsreise nicht mehr zurück nach Deutschland, sondern wohnen nun in der sog. neutralen Schweiz. An eine Rückkehr nach Deutschland ist nicht zu denken.
Als der litauische Übersetzer Žydrūnas Miuleris nach längerer Funkstille ein beunruhigendes Telegramm von Thomas Mann bekommt, macht er sich sofort auf den Weg nach Zürich. Was ihn dort erwartet, enttäuscht ihn zuerst, denn dort gibt es ausschließlich Probleme mit Katia Manns nicht eben ungefährlichen Autofahrkünsten.
Doch der Schein trügt. Was Žydrūnas zuerst als harmlose Banalität erscheint, entpuppt sich als ernst zu nehmende Gefahr für alle Beteiligten und hält sogar ein unvorhergesehenes und nicht eben wünschenswertes Wiedersehen mit einem Bekannten aus Nidden bereit.

Auch der zweite Fall des Ermittlerduos hat mir gut gefallen, jedoch sollte man auch hierbei keinen spannenden Krimi erwarten. Diesmal gingen mir manche Sachen auch zu schnell, bzw. bestimmte Geschehnisse und auflösende Situationen erschienen mir etwas unlogisch. Trotz dessen ist dieser Krimi eine gelungene Mischung aus Fiktion und Realität in brisanten Zeiten, die sich zu lesen lohnt.

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Veröffentlicht am 23.04.2025

»Der S. Fischer Verlag bedeutete für Thomas Mann einen Schritt in die Welt.«

»... ich will Euch niemals verlassen«
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»Der S. Fischer Verlag bedeutete für Thomas Mann einen Schritt in die Welt.«

Samuel Fischer und dessen gleichnamiger Berliner Verlag sowie Thomas Mann und sein aufstrebendes literarisches Werk – zwei ...

»Der S. Fischer Verlag bedeutete für Thomas Mann einen Schritt in die Welt.«

Samuel Fischer und dessen gleichnamiger Berliner Verlag sowie Thomas Mann und sein aufstrebendes literarisches Werk – zwei Visionäre, die sich gewissermaßen gesucht und gefunden haben. Trotz vermehrter Uneinigkeiten wird diese Beziehung von einer stets wertschätzenden Haltung getragen, schließlich wissen beide, was sie aneinander haben.
Für Thomas Mann war der Fischer Verlag sein Einstieg in die Literaturbranche, indem er seine ersten Erzählungen in einem Novellenband veröffentlichte und vom Verleger selbst angeregt wurde, sich an einem größeren Projekt zu versuchen, woraus die „Buddenbrooks“ entstanden.
Für den Verlag wurde er immer mehr zum Zugpferd.

Wenngleich sich das Buch mit Thomas Mann und dem S. Fischer Verlag beschäftigt, ist diese Auseinandersetzung in geringerem Umfang, als es verspricht. So erfahren die Lesenden auch etwas über wichtige Motive und Aspekte des Werk Thomas Manns, sein Leben und seine persönlichen Sehnsüchte. Darüberhinaus wird seine persönliche Einstellung hinsichtlich des Judentums analysiert, immerhin bediente er sich gerne antisemitischer Stereotype.
Dementsprechend beschäftigten sich einige Abschnitte und Kapitel Hoffmeisters nicht explizit mit Thomas Mann und seinem Verlag, sondern streifen diese Verbindung eher, was dem Text jedoch an sich keinen Abbruch tut.

Und so hielten Verlag und dessen berühmtester Autor, nicht nur zeitlebens – annähernd sechzig Jahre – gegenseitige Treue, sondern auch darüberhinaus. Bis heute ist Thomas Mann einer der Hauptautoren des S. Fischer Verlags, was nicht nur in diesem Jubiläumsjahr ersichtlich ist.
Manns Bekenntnis dem Verlag treu zu bleiben, schrieb er schon am 06. Februar 1906 in einen Brief an Samuel Fischer, als er selbst noch am Anfang seiner schriftstellerischen Karriere und vor Herausforderungen der Zeit stand:
»So wahr meine Seele lebt, ich will Euch niemals verlassen.«

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