Kopie oder eigenständig?
Silver EliteIm Romantasy-Bereich ist zuletzt ein eindeutiger Trend zu beobachten, dabei lese ich in dem Genre gar nicht so viel, aber es ist auch an mir nicht vorbeigegangen. Wir haben im ersten Band eine Art Internat/Bootcamp-Setting, ...
Im Romantasy-Bereich ist zuletzt ein eindeutiger Trend zu beobachten, dabei lese ich in dem Genre gar nicht so viel, aber es ist auch an mir nicht vorbeigegangen. Wir haben im ersten Band eine Art Internat/Bootcamp-Setting, Ausbilder verliebt sich in Schülerin und umgekehrt und danach geht es in den großen Kampf und die Folgebände sind deutlich weiter und unberechenbarer zu erzählen. Ein altes Vorbild ist da sicherlich auch die „Divergent“-Reihe, aber natürlich auch die Drachenreihe von Rebecca Yarros. Letztere habe ich nach Band 1 bislang noch nicht weiterverfolgt, weil ich viele negative Stimmen gehört habe. Dementsprechend kam mir der Inhalt von „Silver Elite“ alleine vom Klappentext her sehr bekannt vor. Reingelesen habe ich aber trotzdem.
Auch wenn ich insgesamt wirklich bestätigen kann, dass ich viele bekannte Themen wiedergefunden habe, so habe ich mich von „Silver Elite“ von Dani Francis sehr gut unterhalten gefühlt. Das Buch ist auch nicht gerade mit wenig Seitenzahlen ausgestattet und trotzdem bin ich durch die Seiten geflogen, weil sich ein toller Lesefluss eingestellt hat. Ich habe mir zwar immer mal gewünscht, wir hätten mehr als diese eine Perspektive, um diese reiche Buchwelt noch besser ergründen zu können, aber Wren als Protagonistin eignet sich gut als Charakter, die wir bei allem begleiten. Sie ist zwar extrem anders als ich selbst, aber mir hat es unfassbar gut gefallen, dass sie im Gegensatz zu anderen Frauen dieser Reihen von Anfang unglaublich begabt, gewieft, vorlaut und mutig ist. Sie wird nicht in eine herausfordernde Situation geworfen und ist dann magisch talentiert, nein, sie kennt ihren Wert und versucht es eher zu verbergen, um ihre Identität nicht zu enthüllen. Es ist eine andere Ausgangssituation, die mich sehr unterhalten hat, zumal Wren mit vielen Figuren, auf die sie trifft, verbal richtige Gefechte ausführt. Das war sehr unterhaltsam. Ihre impulsiven Momente waren durchaus öfters anstrengend, aber ich fand, dass ihr moralisches Verständnis sowie ihre große Empathie das gut ausgeglichen haben.
Cross ist als Figur da nicht ganz so leicht für mich zu charakterisieren, weil wir seine Perspektive nicht haben, aber er hat zunächst eine ansprechende Mischung aus Unnahbarkeit, Stärke, aber auch direkt eine sichtbare Schwäche für Wren. Ich fand es auch im Gegensatz zu seinen Brüdern sehr gelungen, dass man bei ihm am meisten bemerkt, dass seine berufliche Fassade nach außen nicht seinen inneren Gedanken entspricht. Die Liebesgeschichte ist dadurch zwar von viel Konfrontation geprägt, aber auch viel von Tiefgang, von unerwartet nahen Momenten. Ich finde im Vergleich zu anderen Büchern auch, dass die Art, wie die Liebesgeschichte erzählt ist, gerade im Hinblick auf die intimen Szenen, sehr angemessen ist. Es existiert, aber nicht unangenehm viel, weil da dennoch genug andere Handlung ist. Aber die Chemie war toll, deswegen waren alle Szenen auf jeden Fall anziehend.
Auf inhaltlicher Ebene finde ich, dass das World Building vom Prinzip her eher simpler ist, aber nicht weil die Autorin zu wenig aufbaut, sondern weil das Konzept einfach simpler gedacht ist. Es bietet aber genug Potenzial, auch weil ersichtlich ist, dass die Silverbloods im Grunde viel zu unerforscht sind, was wohl auch die große Angst bzw. Abscheu ihnen gegenüber erklärt. Ansonsten gibt es viele brutale Szenen, hier geht die Autorin zu keinem Zeitpunkt zimperlich vor. Auch viel aus dem Training ist sehr unterhaltsam, weil ich da an SWAT oder andere Eliteeinheiten denken musste. Das war auf jeden Fall abwechslungsreich. Insgesamt ist die Handlung eng erzählt, weil Band 1 eigentlich fast nur die Ausbildung erzählt. Erst am Ende wird es etwas breiter und mit Band 2 wird sich auch erst entscheiden, wie gut die Idee von Francis wirklich ist. Es waren Aspekte für mich vorhersehbar. Zwar konnte ich nicht immer alles zu 100% vorhersagen, aber die Ahnungen waren zumeist richtig. Das hat mich aber nicht allzu sehr gestört, auch weil zwischendurch Wrens innerliches Dilemma viel Raum bekommen hat. Die Abwechslung war da ansprechend. Am Ende ist aber klar, dass da alles etwas über den Haufen geschmissen wurde. Die entstandenen Konflikte werden schnell aufgelöst, um am letztlichen Cliffhanger auszukommen. Das ist okay, aber unterstreicht als letzter Punkt, warum „Silver Elite“ echt gut, aber weit weg von perfekt ist.
Fazit: „Silver Elite“ von Dani Francis hat mich wunderbar unterhalten. Ein flüssiger Schreibstil, wenig zimperlicher Handlungsaufbau, ein Liebespaar mit Chemie, das aber nicht alles einnimmt, weil auch andere Charaktere und Handlungsbögen Raum bekommen. In der Sache etwas simpel und am Ende überhastet für Band 2 vorbereitet, aber wer bei den Geschichten gerne zugreift, wird hier nicht enttäuscht.