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Veröffentlicht am 05.05.2025

Qualitativ zweigeteilter Eindruck

Ashen Throne
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„Burning Crown“ von Marie Niehoff war letztes Jahr ein echter Überraschungshit für mich. Dabei ging es für mich noch nicht mal wirklich um die Drachen, sondern um das Konzept, was Drachen-Sein dort bedeutet. ...

„Burning Crown“ von Marie Niehoff war letztes Jahr ein echter Überraschungshit für mich. Dabei ging es für mich noch nicht mal wirklich um die Drachen, sondern um das Konzept, was Drachen-Sein dort bedeutet. Dazu war die Geschichte dicht und intensiv erzählt, sodass „Ashen Throne“ von mir sehr ersehnt wurde.

Da ich Band 1 schon als Hörbuch hatte, war es sehr passend, dass es auch bei Band 2 möglich war, denn so konnte ich wieder mit Leonie Landa und Sven Macht in die Welt von Yessa und Cassim eintauchen. Es hat mir auch erneut gut gefallen. Ich bin dieser Reihe wohl auch maßgeblich durch die Stimmen verfallen, sodass es wenig verwunderlich auch hier wieder sehr rund war. Dennoch muss ich sagen, dass „Ashen Throne“ für mich leider erst in der zweiten Hälfte inhaltlich das angeboten hat, was ich vom ersten Teil lieben gelernt habe. Zunächst bin ich aber gut in die Geschichte gestartet. Wir setzen unmittelbar am Cliffhanger aus Band 1 ein. Da auch nicht zu viel Zeit beim Hören vergangen ist, war ich sofort wieder im Geschehen drin. Zumal auch das Figurenrepertoire nicht übermäßig groß war und das World Building noch bewusst eng gehalten. Das hat es in jedem Fall erleichtert, auch ohne wiederholende Elemente sofort wieder gefesselt zu sein. Nach dem starken ersten Kapitel zum Einstieg, da hat mich die Geschichte dann aber etwas verloren. Ich hatte den Eindruck, dass alles etwas zu sehr auf der Stelle verharrte und dass es vor allem um die Vertiefung der Beziehung von Cassim und Yessa ging.

Die Liebegeschichte ist sehr wichtig für alles, auf jeden Fall, aber ich merke gerade bei Fantasy in letzter Zeit, dass es ein echter Spagat für viele Autoren ist. Wie viel soll es sein und wann ist es vielleicht zu viel? Eigentlich mochte ich das Tempo und wie viel Raum es einnimmt, bislang sehr gerne, aber die erste Hälfte von Band 2, da war es viel zu viel. Wenn ich die gesamte Handlung kenne, dann sehe ich natürlich, dass es auch auf etwas hingearbeitet hat und das in mehrfacher Hinsicht. Aber auch wenn ich immer ein Gesamtbild schätze und hinterher immer noch anders denken kann, so ist das konkrete Hörerlebnis in dem einen Moment damit nicht gleich vergessen und ich habe echt oft gedacht, wie bekloppt die beiden gerade sind. Es ging nur die ganze Zeit um Intimität und die Gefahr, was passieren könnte, aber es hat dennoch nicht interessiert.

Umgekehrt finde ich aber auch, dass die Spannungselemente, die wir in der ersten Hälfte haben, auf jeden Fall moralisch grenzwertig waren. Fantasy soll brutal, echt und schonungslos sein dürfen, auf jeden Fall! Aber gerade Romantasy, da fangen für mich schon die Einschränkungen an, zumal die Zielgruppe auch durchaus jüngere sein werden. Dementsprechend gab es zwei zusammenhängende Handlungselemente, die mich doch etwas skeptisch gemacht haben. In einem Krieg und wenn es ums Überleben geht, dann ist Moral nicht unbedingt das, auf was man gucken kann, aber ich weiß nicht, mir war es etwas zu heftig und vor allem im Nachhinein mit zu wenig Gedankengängen und Aufarbeitung.

Als wir dann aber in die zweite Hälfte gekommen sind, da passte für mich wieder viel, viel mehr und ich bin echt froh, dass sich nach den Enttäuschungen das Gefühl wieder einstellen konnte. Nachdem Cassims Geheimnis einmal heraus ist und wir vor allem die Welt von „Dragenbound“ noch einmal enorm erweitern, da gab es wieder so viel zu entdecken, da habe ich mich wieder besser mit Yessa identifizieren können und da wurde durch Cassims Perspektive auch viel besser deutlich, was er empfindet. Seine Geschichte wird überhaupt entschieden um Informationen ergänzt und somit gab es viele neue Puzzleteile, die neue Facetten ermöglichen. Damit ist dann das Potenzial für Band 3 auch wieder sehr hoch, weil man jetzt auch wirklich sieht, was der Plan sein wird und das wir an genau den Punkt kommen, den Cassim und Yessa beide beeinflusst haben und auf den sie, ohne persönliche Anwesenheit des Antagonisten, immer hingearbeitet haben.

Fazit: „Ashen Throne“ hat mich Nerven gekostet. Auch wenn es insgesamt wieder ein echtes Erlebnis war, aber ich fand die erste Hälfte echt zäh, teilweise fragwürdig und damit auch als Enttäuschung nach meiner Begeisterung für Band 1. Aber am Ball bleiben, lohnt sich auch schon mal und so war die zweite Hälfte dann wieder all das, was ich mir versprochen habe. Ich bin sehr hoffnungsvoll für einen explosiven Abschluss, aber trotzdem schade um das schwache 2.1.

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Veröffentlicht am 30.04.2025

Man merkt die Drehbuchautorin

How To End A Love Story
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Yulin Kuang ist in Hollywood als Regisseurin und Drehbuchautorin bereits etabliert, aber als Romanautorin ist sie bis „How to End a Love Story“ nicht tätig gewesen. Ich fand es interessant, als ich las, ...

Yulin Kuang ist in Hollywood als Regisseurin und Drehbuchautorin bereits etabliert, aber als Romanautorin ist sie bis „How to End a Love Story“ nicht tätig gewesen. Ich fand es interessant, als ich las, dass Kuang für eine kommende Emily Henry-Adaption das Drehbuch anfertigen wird. Eben diese Autorin war eine große Überraschung der letzten zwei Jahre für mich, dementsprechend klang alles wie ein Kreis, der sich schließen musste und gleichzeitig ist das Thema Hollywood, Serienproduktionen etc. immer etwas, was mich anzieht.

Aufgrund der Verbindung zu Henry habe ich bei Kuang vor allem einen sehr ähnlichen Stil vermutet, das bedeutet, eine ordentliche Portion Humor und Lockerheit, ohne aber den Dramen des Lebens den Raum zu nehmen oder sie lächerlich zu machen. Dadurch war der Anfang von „How to End a Love Story“ schon ein gewisser Schock. Alles geht mit einem schweren Schicksalsschlag für unsere Protagonistin Helen los. Auch wenn da eine gehörige Portion Sarkasmus rauszulesen war, aber gleichzeitig ist es schon sehr echt und ein sehr komplizierter Start, der aber auch neugierig macht. Im Verlauf wurde dann aber auch deutlich, dass vielleicht ein gewisser übertriebener Ton anfangs Helens Schutzmechanismus auf die Welt ist, aber das verliert sich auch schnell. Danach würde ich Kuangs Stil als sehr ernst und sehr persönlich beschreiben. Aufgrund der großen Parallelen zwischen der Autorin und Helen, sowohl beruflich als auch kulturell, habe ich immer wieder gemerkt, dass es viel, viel Verarbeitung offensichtlich war. Aber keinesfalls als Abrechnung, sondern einfach als Bedürfnis, eine sehr echte Geschichte zu erzählen.

Helen ist keine Figur, die man sofort und bedingungslos ins Herz schließen kann. Ihre Ablehnung Grant gegenüber ist lange hart und sie ist sich mit ihren Unsicherheiten selbst ihr größter Feind. Umgekehrt ist er eigentlich gleich die Figur, die einem näher ist, weil er insgesamt stabiler und mehr mit sich im Einklang wirkt. Umso überraschter war ich eigentlich, dass sich dieser Eindruck durch beide angebotenen Perspektiven verändert hat. Helen ist Kuang so nah, dass man ihr auch immer näher kommt. Helen ist auch am Ende keinesfalls die Figur, bei der man weiß, es gelingt alles leicht, nein, sie wird immer alles zerdenken, aber sie ist mir einfach sehr nahe, weil ich sie verstehe. Bei Grant waren die Ansätze sehr interessant, aber ich finde, dass seine Ausgestaltung irgendwann etwas abfällt. Da merkt man schon bald, dass es mehr um Helen und sie und Grant als Paar geht, aber sein Weg wird nicht mehr so konsequent dargestellt. Das Ungleichgewicht ist für mich definitiv ein Kritikpunkt. Hätte Kuang sich nur für Helens Perspektive entschieden, es wäre gar nicht so aufgefallen.

Auch wenn die Handlung schon mal von übertreibenden Momenten geprägt ist, aber wie gesagt, Humor war nicht mehr das Erste, an was ich bei dieser Geschichte denken musste. Der Kampf in Hollywood, Helens persönliche Situation mit ihrer Schwester, das angespannte Verhältnis zu den Eltern, all das hat der Geschichte viel mehr Tiefe gegeben, als ich anfangs gedacht hätte. Aber ich muss auch gestehen, dass „How to End a Love Story” nicht immer überall die Konsequenz zeigt, die ich mir intuitiv gewünscht hätte. Das gilt vor allem bei der Gestaltung der Adaption von Helens Bestsellerreihe. Die Sequenzen im Writer’s Room waren vielversprechend, aber die genauen Abläufe fielen dann irgendwann ab. Die Handlung entfernte sich davon und ich habe es echt vermisst. Beispielhaft kann ich das an einem Moment aufzeigen, den ich auch nicht als wesentlichen Spoiler empfinde. Grant schreibt eine der Episoden und Helen scheut sich, das dazu gehörende Drehbuch zu lesen, weil sie etwas gespiegelt bekommen könnte. Das ist okay, aber letztlich wirkt es so, als hätte sie es nie gelesen, wobei das nicht sein kann. Da hat mir einfach eine logische Erklärung gefehlt. Da war also öfters etwas aufgebaut, was dann aber nicht erfüllt wurde. Denn die ganzen Ideen, die waren alle super.

Zuletzt will ich auch noch ein paar Worte zur Liebesgeschichte verlieren. Für mich war es ein ziemliches Auf und Ab. Erst wirkte es etwas wie Frenemies to Lovers, dann passte auch das Spielchen. Aber es löste sich dann auf, aber nicht auf eine Art, bei der ich gut mitgekommen bin. Dann gab es echt tiefe, innige Momente, dann wieder viel Tempo, ausgelassene Momente, um die beiden besser zu verstehen. Unterm Strich hat mich dennoch alles mitgerissen, aber es war keine komplett weghauende Liebesgeschichte, dafür fehlte leider etwas Chemie.

Fazit: „How to End a Love Story” ist das Debüt von Yulin Kuang als Romanautorin. Drehbücher und Romane sind einfach nicht dasselbe, das wird auch sie wissen, aber es wird sicherlich auch nicht einfach sein, diese eine Seite in sich abzustellen. Denn mein Eindruck war schon, dass es Brüche in der Handlung gibt. Man kann sich den Roman wunderbar als Film vorstellen, aber Bücher und Adaptionen sind oft sehr unterschiedlich, weil es nicht eins zu eins zu kopieren ist. Dementsprechend war es inhaltlich sehr interessant, es war überraschend ernst, mit wenigen lustigen Momenten, aber es war auch an manchen Stellen zu sehr an der Oberfläche verharrt. Jetzt bin ich gespannt auf Kuangs Adaption von „Kein Sommer ohne dich“.

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Veröffentlicht am 28.04.2025

Zu wenig nordische Mythologie

A Fate inked in Blood (Skaland-Saga 1)
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Als Fan von Matthias Hirst, der sich schon vielfältig mit den Wikingern und damit auch den nordischen Göttern auseinandergesetzt hat, habe ich dann mal einen genaueren Blick auf „A Fate Inked in Blood“ ...

Als Fan von Matthias Hirst, der sich schon vielfältig mit den Wikingern und damit auch den nordischen Göttern auseinandergesetzt hat, habe ich dann mal einen genaueren Blick auf „A Fate Inked in Blood“ von Danielle L. Jensen geworfen. Das Cover zog natürlich auch an, aber wenn ich zuletzt vor allem Drachen und der griechischen Mythologie begegnet bin, so schien mir etwas im hohen Norden als Abwechslung.

Ich habe den ersten Band als Hörbuch gehabt und damit hatte ich Leonie Landa im Ohr. Sie habe ich jetzt wohl mit am häufigsten gehabt und sie hat die ideale Stimmfarbe für die Altersgruppe. Alles in allem eine clevere Wahl und ich würde mit ihr nahezu alles hören. Auch wenn sie sehr ähnliche Frauenrollen zu Freya spricht, aber dennoch ist jede Figur immer für sich zu identifizieren. Doch diesmal hat Landa mit Freya eine Rolle gesprochen, die es mir leider einfach nicht angetan hat. Wir lernen sie in einer zugegeben schwierigen Situation kennen. Ihre Ehe wäre auch für mich total weit weg von einem Ideal. Dementsprechend habe ich sie zunächst auch bewundert. Dann brauchte es aber nur die erste Begegnung mit Bjorn und ich merkte direkt einen Widerstand: nicht nur gegen die Rolle, sondern auch den Schwerpunkt, den Jensen offenbar für ihre Dilogie gewählt hat. Wenn ich Fantasy lese, dann möchte ich auch in erster Linie Fantasy haben und nicht eine Liebesgeschichte, dafür greife ich zu NA. Bitte nicht falsch verstehen, ich mag Liebesgeschichten in Fantasy-Geschichten, aber keinesfalls als Schwerpunkt, denn dann brauche ich Fantasy nicht.

Genau das wurde hier aber zum Problem. Wenn schon die erste Begegnung von Freya und Bjorn rein von Oberflächlichkeiten geprägt ist, dann verrät mir das leider auch früh, dass es auch die restliche Geschichte viel Raum einnehmen wird. Und das Ergebnis war auch so. Auch wenn Jensen sich prinzipiell kein kompliziertes World Building ausgedacht hat, weil es um einige Kinder mit einem göttlichen Tropfen Blut, ansonsten aber um typische Machtkämpfe geht, hätte man es trotzdem viel größer aufziehen können. Ich weiß nicht, wie das ganze gelesen auf mich gewirkt hätte, aber speziell angesichts des Hörerlebnisses habe ich gedacht, dass es alles etwas dünn ist. Wir haben liebestrunkene Szenen, wir haben ein bisschen Kampf und wir haben Freya, die völlig ausflippt. Das ist die durchgängige Struktur der Geschichte und wiederholt sich dabei mehrfach. Auch wenn ich Bjorn von Kern her sehr interessant finde, gerade angesichts der Enthüllungen gegen Ende, aber Freya ist so dominant und dabei leider einfach anstrengend. Sie ist auf der einen Seite sehr naiv und dann wiederum ist sie unglaublich im Einklang mit ihren Gefühlen, was viel impulsives Verhalten zur Folge hat. Wenn man beispielsweise „Vikings“ gesehen hat, dann weiß man, dass die Schildmaiden extrem wichtig waren. Ohnehin sind Frauen in dieser Zeit sehr angesehen gewesen, weil sie nicht nur zuhause die Kinder erzogen haben. Dementsprechend habe ich mir für Freya eine Persönlichkeit versprochen, die dazu passt, aber nein, das kann ich nicht bejahen.

Wenn es nicht gerade nur um das Eine ging, was Freya das Denken erschwert hat, dann hat sie einige undenkbare Dinge getan und war dann auch noch so stur. Aber auch abseits von ihr gab es einige unsympathische Figuren. Manche sollten bewusst suspekt wirken, das war klar, aber es fiel mir in dieser Handlung echt sehr schwer, jemanden zum Andocken zu finden. Bjorn setze ich wie gesagt etwas in Klammern, aber angesichts des Handlungsverlaufs fällt es schon schwer, ihn richtig individuell zu betrachten. Ich war nach dem ersten Band schon sehr enttäuscht und werde die Reihe daher nicht weiterverfolgen.

Fazit: Auch wenn die Ausgangssituation von „Fate Inked in Blood“ vielversprechend wirkte, so bleibe ich enttäuscht zurück. Ich bin durch Leonie Landas Stimme zwar wunderbar durch die Handlung geleitet worden, aber ich habe mich schon sehr an Hauptfigur Freya gestört. Angesichts der Mythologie und den Legenden rund um Schildmaide hätte ich mir etwas anderes ausgemalt. Es war mir auch zu einseitig in der Handlung, auch weil die Liebesgeschichte zu dominant war. Für mich ist die Reihe damit abgeschlossen.

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Veröffentlicht am 16.04.2025

Abgründe im NYFD

Devil's Kitchen
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Wenn ich außergewöhnliche Thriller-Literatur brauche, dann ist Candice Fox für mich immer schon eine Bank gewesen. Ich erkenne ihren Stil immer wieder, aber gleichzeitig erfindet sie sich doch immer wieder ...

Wenn ich außergewöhnliche Thriller-Literatur brauche, dann ist Candice Fox für mich immer schon eine Bank gewesen. Ich erkenne ihren Stil immer wieder, aber gleichzeitig erfindet sie sich doch immer wieder neu, sodass jede Geschichte wieder völlig unvorhersehbar für mich ist und das ist der Gewinn.

Hätte mich nicht der Autorinnenname schon angelächelt, dann wäre es sicherlich „Devil’s Kitchen“ als Titel gewesen. Da vor Kurzem erst das Revival „Daredevil: Born Again“ bei Streamingdienst Disney+ gestartet ist, das bekanntlich Hell’s Kitchen als Handlungsort nutzt, war der Reiz sofort da. „Devil’s Kitchen“ ist zunächst als Standalone angekündigt, aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass sich Fox hier noch weiter austoben könnte. Sollte es nicht so sein, dann steht dieser Band auch wunderbar für sich selbst. Ich musste bei Andy und Ben, aus deren Perspektive das Geschehen erzählt wird, daran denken, was bei Fox oft immer gleich ist. Wir haben eigentlich immer eine sehr abgedrehte Frauenrolle (im besten Sinne gemeint) und dazu eine Männerrolle, bei der man immer das Herz am rechten Fleck meint, auch wenn er wahrlich kein Saubermann ist. Genau das trifft auch diesmal auf die Protagonisten zu.

Wir starten mit einer Vorausschau, an der es für Andy und Ben lebensgefährlich wird, dann springen wir in der Zeit zurück. Fox ist keine Erzählerin, die sich darum kümmert, einen gleich am Anfang mit allen Infos abzuholen, nein, sie verpackt alles nach und nach, sodass man nie müde wird, die einzelnen Geschenke (Informationen) auszupacken. Zunächst war für mich Ben der emotionale Fokus. Inmitten seiner Kollegen fällt es aber auch nicht schwer, ihn als Engel zu sehen, während die anderen drei, besonders Matt und Engo, richtig schlimme Kerle sind. Nach und nach werden uns Infos angereicht. Zum einen erfahren wir viel über Bens Geschichte in der Kindheit/Jugend, dann seine Anfänge beim NYFD und letztlich dann die Involvierung in gefährliche Coups mit den Kollegen. Dazu erfahren wir mehr über Luna und Gabe, die seine Wahlfamilie sind. Speziell die letzten beiden Charaktere sind es dann auch, die sein Herz weiter nach außen tragen. Auch wenn überdeutlich klar ist, dass Ben zwei Seiten in sich trägt, aber er hat es inmitten der anderen Charaktere dieses Buchs leicht, mein Anker zu bleiben.

Die Art, wie Fox Charaktere schreibt, das ist nie die große Liebe, dafür schaut sie viel zu viel in Abgründe, in die man eigentlich nicht viel gucken will, weil man automatisch auch auf sich selbst blickt. Aber sie kann immer Respekt entstehen lassen und das wiederum sorgt für Mitfiebern. Das habe ich bei Ben erlebt, aber auch bei Andy. Sie ist eine Schlange, die sich für ihre Arbeiten immer eine neue Haut zulegt. Sie ist also wirklich zu glitschig, um sie ideal zu packen zu bekommen und trotzdem ist es Fox toll gelungen, dass in der fortschreitenden Ermittlung viel über ihr wahres Ich verraten wird. Dazu ist es einfach genial, wie gewieft Andy ist, was sie alles kann. In Rückblenden erfahren wir nach und nach mehr über ihren Lebensweg, aber es ist schon zu erkennen, dass zunächst Ben der Fokus ist, während danach erst richtig Andys Auftritt kommt. Auch die Beziehung der beiden zueinander ist spannend. Denn sie müssen sich bis zu einem bestimmten Punkt vertrauen, haben aber dennoch große Vertrauensprobleme einander gegenüber. Das ist ein gelungenes Spannungsfeld, weil sie sich so auch gegeneinander richten, um sich im nächsten Moment aus etwas rauszuschlagen. Es ist keine romantische Geschichte, aber in dem Chaos der Ereignisse doch auch sehr echt.

Aber auch wenn wir abseits der beiden echt ekelhafte Exemplare an Charakteren haben, aber so ist hier die richtige Wahl, so wenige zu haben, weil man sich so auch an sie gewöhnt und dennoch immer wieder überrascht wird. Die zahlreichen Wendungen, die waren auf jeden Fall sehr mitreißend. Denn nicht nur Andy beherrscht das Spiel, sondern auch Matt. Es ist viel Pingpong, aber es ist auch spannende Feuerwehrarbeit und interessante Pläne. Man hätte sicherlich aus der Gesamtidee noch richtig viel mehr machen können, aber gerade weil nicht klar ist, ob es noch mehr Abenteuer von Andy geben wird, finde ich es auch angemessen. Wir bekommen am Ende alle Antworten und vieles davon fand ich sehr tragisch, was mir auch gezeigt hat, wie sehr mir diese Welt trotz ihrer Düsterheit ans Herz gewachsen ist. Ein wilder Ritt bis zum Schluss.

Fazit: Candice Fox hat mich mit „Devil’s Kitchen“ voll abgeholt. Das NYFD als Setting, wo die Helden zu Antihelden werden, höchst clever. Dazu zwei Charaktere, die auch nicht ganz koscher sind, die einem aber ans Herz wachsen. Es entwickelt sich ein rasantes Spiel, viele Fragen und auch alle Antworten. Wer die Thriller von ihr liebt, der wird wieder voll auf seine Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 11.04.2025

Spannende Idee mit zu braver Umsetzung

Fighting Through Deep Waters
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Auch wenn ich die erste Buchreihe von Julia Hausburg, die „Dark Elite“-Reihe, optisch durchaus wahrgenommen habe, so ist der Name mir doch völlig durchgegangen ist, weswegen ich bei „Fighting Through Deep ...

Auch wenn ich die erste Buchreihe von Julia Hausburg, die „Dark Elite“-Reihe, optisch durchaus wahrgenommen habe, so ist der Name mir doch völlig durchgegangen ist, weswegen ich bei „Fighting Through Deep Waters“ zunächst dachte, es wäre möglicherweise ein Debüt oder zumindest ein Durchbruch beim größeren Verlag. Unabhängig davon stürzen wir uns mal in die Lesebewertung.

Zunächst möchte ich einen Aspekt herausheben, der mir sehr gefallen hat und das ist das ganze Setting, die intensive Auseinandersetzung mit meeresbiologischen Themen und überhaupt diese Idee, die für mich auch ein gewisses Wagnis bedeutet, denn das Geschehen ist so sehr an das Schiff gebunden, was eher so einen Lagerkoller-Effekt haben kann. Aber es ist frisch, das habe ich so noch nirgendwo sonst gelesen, von daher klasse Idee. Ich finde auch grundsätzlich, dass das Konzept aufgegangen ist. Ich werde zwar gleich auf einige stilistische Aspekte eingehen, die mich nicht überzeugt haben, aber nichts davon lag am Setting oder an der Grundidee. Hausburg hat in der Dankesrede auch angedeutet, dass sie selbst eine gewisse Zeit Meeresbiologin werden wollte. Das merkt man, denn es steckt viel Leidenschaft drin, es sind Details da und ich habe viel gelernt. Ich fand auch, dass die Mischung aus Liebesgeschichte und eher so wissenschaftlichen Einschüben absolut richtig war. Es war keinesfalls zu viel und es war dann in den Szenen auch nicht zu intensiv, als dass sie mich verloren hätte. Zudem hat sich das ganze Setting für einige höchst spannende Entwicklungen nutzen lassen. Da kam richtig Spannung und Mitfiebern auf. Auch wenn unterm Strich Henriette schon arg viel passiert ist, aber als Kritikpunkt sehe ich das keinesfalls. Machen wir hier also einen positiven Rahmen drum.

Dennoch gab es leider auch einige Aspekte, die mich „Fighting Through Deep Waters“ sehr zwiespältig sehen lassen. Ich würde auch alles auf der stilistischen Ebene verorten wollen, weil die Figuren an sich überzeugend angelegt sind. Henriette und Lukas sowieso, aber neben ihnen auch Kai, Abi, Emily und so viele andere. Die Paare der nächsten beiden Bände sind fast kaum von Bedeutung, was ich hier auch noch positiv nennen will, weil so die Konzentration auf einen kleineren Kreis bleibt und da einiges aufgearbeitet werden kann. Aber dennoch war immer ein Fuß auf dem Bremspedal. Ich habe zwischendurch auf regelrechte Explosionen gewartet, aber es kam kaum etwas. Das fängt schon bei den Kapiteln an, die als Rückblende dienen. Die haben mir echt gar nichts gegeben. Mit Henriettes Gedanken angesichts der ersten Begegnung nach all der Zeit wussten wir unheimlich viel und durch Lukas‘ Ergänzung gibt es auch keine Geheimnisse. Dementsprechend lagen alle Karten auf dem Tisch und die Szenen aus der Vergangenheit haben grundsätzlich alles ausgebremst, weil wir nichts Neues herausgefunden haben. Es werden auch verschiedene Jahre dargestellt und alleine von der Erzählweise ist nicht zu bemerken, dass sich das Alter verändert hat. All das hat für mich auch die Chemie zwischen Henriette und Lukas eingebremst, weil es zu brav wirkt und weil er sich gerade am Anfang auch nicht gerade galant verhält.

Auch wenn es sicherlich Gefühle zwischen den beiden gibt, aber sie kamen aus den Seiten mir nur zäh entgegen. Ich finde zwar, dass sie auch sehr gute Momente haben, aber da merkt man vor allem, dass sie auf der langjährigen Freundschaft fußen. Das Romantische, der sexy Teil, der wird mal eben drauf gepustet und es kam nicht so gut rüber. Beide Figuren bringen auch ihr Päckchen mit. Das Päckchen jeweils hat mir gefallen und auch was beide daraus für sich resultiert haben, auch das passte. Aber es fühlte sich am Ende unvollständig an. Es geht weiter und in den anderen Bänden wird es offenbar auch parallele Entwicklungen geben, aber wie viel werden wir Henriette und Lukas tatsächlich noch erleben? Warum ihre Geschichte dann so unvollständig lassen? Lukas hat am Ende den Durchbruch geschafft, doch ein persönliches Gespräch steht aus. Und bei Henriette gab es zwar mit Annelie einen wichtigen Schritt, aber die gesamte Familie gehört für mich eigentlich dazu und das wirkte unfertig. Es mag auch dem Umstand geschuldet sein, dass die Autorin einen Cliffhanger wollte, der wirklich alles mittendrin abbrechen lässt. Auch alles okay, man will ja Lust auf mehr machen, aber vorher hätten die Meilensteine bei Lukas und Henriette dennoch abgehakt werden können. Am Ende ging vielleicht die Lust/Zeit aus, ich weiß es nicht, aber sowohl individuell als auch die Paargeschichte und dann Aspekte des Studiums mit Wettbewerb etc., alles schweb nun im Raum.

Fazit: Ich lobe Julia Hausburg zunächst gerne für das Wagnis mit dem Auslandssemester auf dem Schiff, weil es neu ist und weil es für mich auch funktioniert hat. Es war voller Abenteuer und auch lehrreich. Jedoch gab es klare erzählerische Schwächen, weswegen mir die Liebesgeschichte zu brav war. Am Ende wirkte auch alles überstürzt abgebrochen, sodass ich mit gemischten Gefühlen aus dem Leseerlebnis gehe.

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