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Veröffentlicht am 26.05.2025

Einblick in Jugendstrafanstalt mit Spannungselementen

Break to You
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Neal Shusterman ist ohne Frage ein Begriff für jemanden, der sich in der Bücherwelt zuhause fühlt, aber ich habe dennoch noch nie etwas von ihm gelesen. Als ich dann aber das Cover von „Break to You“ gesehen ...

Neal Shusterman ist ohne Frage ein Begriff für jemanden, der sich in der Bücherwelt zuhause fühlt, aber ich habe dennoch noch nie etwas von ihm gelesen. Als ich dann aber das Cover von „Break to You“ gesehen habe, da wollte ich es unbedingt mal ausprobieren. Mit dem Klappentext im Kopf habe ich mir beispielsweise auch eine Geschichte wie „The Hate U Give“ erhofft. Und was ist es geworden?

Shusterman hat „Break to You“ gemeinsam mit Michelle Knowlden und Debra Young verfasst. Mit einer oberflächlichen Recherche habe ich leider nicht herausfinden können, wie genau die Zusammenarbeit funktioniert hat, ob die Perspektiven untereinander aufgeteilt wurden, dann vielleicht noch die Gedichte von Adriana, aber ich könnte es mir zumindest gut so vorstellen, dass jeder genau seine Stärken einbringen konnte. Von der Handlung her würde ich jetzt nicht sagen, dass es so gesellschaftlich relevant wie „The Hate U Give“ ist, aber es ist in jedem Fall ein intensiver Einblick in eine Jugendhaftanstalt, auf die verschiedenen Menschen, die dort einsitzen oder für die das Sozialsystem keinen Platz hat (ist das wirklich möglich, wie entsetzlich das wäre!) und auf die Menschen, die dort arbeiten. Ich fand es erst etwas schwierig hereinzufinden, weil Adriana mit ihrem Einzug ins Gefängnis doch einen gewissen Widerstand in sich hat, sie ist rebellisch, damit die ganze Situation nicht so nah an sie herankommt, damit war da emotional erstmal eine Mauer. Zudem sind ihre Gedichte sprachlich herausfordernd, was eigentlich ein Kompliment sind, weil sich echt eine sprachlich kreative Seele in ihr verbirgt. Dementsprechend ist es aber schwierig, erstmal alle Bedeutungen zu erfassen. Das wird später einfacher, auch weil man Adriana besser kennenlernt.

Die Perspektive von Jon stößt erst später dazu. Denn zuerst sind die beiden Perspektiven miteinigen Kapiteln streng voneinander geteilt, erst später wird das miteinander vermischt. So dauert es also erst etwas, bis wir Jon kennenlernen. Im Grunde lernen wir ihn zuerst durch seinen Eintrag in dem Notizbuch kennen. Danach schauen wir ihm aber selbst in den Kopf und ich muss sagen, dass ich ihn viel spannender als Adriana fand. Das ist schwer zu bergründen, aber manchmal ist es einfach Chemie. Jon hat schon ein viel längeres Leben im Gefängnis hinter sich und es war sehr spannend, durch seine Augen die Dynamiken der Jungs untereinander zu deuten. Dazu das Personal und seine verschiedenen Eigenschaften einzuschätzen. Teilweise hat sich das Personal ja auch für beide Geschlechter überschnitten und da war es interessant, wie Adriana und Jon sie jeweils wahrnehmen. Aber bei Jon hat man einfach gemerkt, wie lange er schon da ist, wie abgestumpft er auf der einen Seite ist, aber wie er auf der anderen Seite auch etwas bewahrt hat, um für ein mögliches Leben nach dem Gefängnis jederzeit bereit zu sein. Es hat mich mehr mitgerissen. Aber auch Adriana hat interessante Charaktere um sich, wie Monessa und Pip.

Insgesamt finde ich auch, dass „Break to you“ nicht nur durch Einblicke in zwei Jugendliche überzeugt, sondern auch einen sehr überzeugenden Spannungsfaktor erzeugt. Es gibt immer wieder was Neues zu entdecken. Spätestens mit der Hoffnung auf ein Treffen fiebert man dann richtig mit, ob es wohl klappen wird, wer sind Verbündete, wer sind Verräter? Wer hat welche Motive? Am Ende kam richtig ein Sog auf und ich wollte unbedingt wissen, wie es ausgeht. Auch wenn die Liebesgeschichte auf eine Art sehr übereilt erzählt ist, aber zu oberflächlich fand ich sie nicht. Denn man hat schnell gemerkt, auf welche Ebene es Adriana und Jon geschafft haben. Sie haben sich wirklich über einen ähnlichen Geist gefunden. Es gab zwar auch kreative Entscheidungen, an denen ich etwas eingehakt habe, aber ich kann sie respektieren, eben weil das Buch von gleich dreien stammt und ich mir vorstellen kann, dass dadurch erst recht vieles ein bisschen bricht, aber dadurch auch etwas aussagt. Aber das eigentliche Treffen war überraschend kurz und wortkarg. Dazu war das Ende auch sehr, sehr offen. Ich hatte noch viele Fragezeichen, fand aber gleichzeitig, dass es zur Geschichte passt. Denn es ist der Ausschnitt eines Lebens und da gibt es nicht immer alle Antworten.

Fazit: „Break to You“ brauchte vielleicht etwas Anlauf, aber hat sich dann immer mehr in mein Herz geschlichen. Es war charakterlich sehr interessant, es war aber auch ungeheuer spannend. Ich hätte mir vielleicht etwas mehr gesellschaftliche Einordnung angesichts der Thematik vorstellen können, aber es ist auf jeden Fall zu empfehlen, gerade auch für eine jugendliche Zielgruppe, aber es ist auch unterhaltsam darüber hinaus zu lesen.

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Veröffentlicht am 22.05.2025

Ein Flug und seine Folgen

Vorsehung
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Liane Moriarty. Es gibt kaum eine Autorin, von der in den letzten Jahren so viele Serienadaptionen auf den Markt gekommen sind. „Big Little Lies“ hat alles gestartet. Von „Nine Perfect Strangers“ startet ...

Liane Moriarty. Es gibt kaum eine Autorin, von der in den letzten Jahren so viele Serienadaptionen auf den Markt gekommen sind. „Big Little Lies“ hat alles gestartet. Von „Nine Perfect Strangers“ startet dieser Tage die zweite Staffel und dann gibt es auch noch „Apples Never Fall“, die ich selbst noch nicht gesehen habe. Auch wenn ich kein restloser Fan dieser Serien bin, aber es ist stets klar geworden, dass sich die australische Autorin viel mit Trauma und vor allem weiblicher Psychologie auseinandersetzt. Nun ist für deutsche Fans ganz frisch „Vorsehung“ erschienen und ich wollte einfach mal ergründen, wie mir ein Buch von ihr gefällt.

Der Klappentext hatte auf jeden Fall etwas, auf einem willkürlichen Flug bekommen alle Passagiere das Ende ihres Lebens prophezeit. Könnte auch ein wenig wie „Final Destination“ sein, eine Horrorreihe, die mich in meiner Jugend begleitet hat. Aber ich bin echt kein Horrorfan, von daher gut, dass Moriarty in diesem Genre nicht schreibt, sondern sich diese Ausgangslage für das zunutze macht, was sie auszeichnet. Psychologischen Tiefgang auf Basis der Frage, ob das Leben Schicksal oder Zufall ist, wie viel ist vorherbestimmt, wie viel bestimmen wir ganz alleine? Ich war vor dem Lesen ein bisschen am Rätseln, wie sich das Buch wohl gestaltet, denn würde es hauptsächlich im Flugzeug spielen und wenn nicht, was kommt danach?

Moriarty hat sich dafür entschieden, dass wir zunächst relativ stringent die Zeit im Flughafen haben, aber schon dort unterteilt sie das Erzählen für verschiedene beteiligte Menschen, darunter auch die im Klappentext angesprochene alte Lady, die wir irgendwann als Cherry kennenlernen. Sie ist die einzige Ich-Erzählerin, während die übrigen Perspektiven personale Erzählstimmen sind. An dieser Stelle ist sicherlich die Info hilfreich, dass ich „Vorsehung“ als Hörbuch hatte. Dadurch wurde ich durch das Geschehen von Heike Warmuth geleitet. Wie man sieht, nur eine Stimme. Gegen die Stimme selbst will ich auch gar nichts sagen, aber es hat das Hören tatsächlich etwas komplexer gemacht, weil ich, er und sie jeweils von einer Stimmfarbe begleitet wurde. Warmuth wurde für mich vor allem zu Cherry, weil durch das Ich da eine ganz andere Verbindung entstand. Beim Rest musste ich mich doch immer etwas sortieren. Auch wenn die jeweiligen Namen immer schnell genannt wurden, aber es war leider nicht so intuitiv wie bei anderen Hörbüchern mit vielen unterschiedlichen Perspektiven, die von verschiedenen Stimmen aufgefangen werden. Ich vermute an dieser Stelle mal stark, dass es beim Lesen ganz anders wirkt. Es wird sicherlich auch dort erstmal eine Herausforderung sein, alles auseinanderzuhalten, aber es wird bestimmt etwas zügiger gehen.

Grundsätzlich ist die Wahl verschiedener Perspektiven aber sehr clever. Wir haben Figuren, denen selbst ein relativ naher Tod prophezeit wurde, wir haben Figuren, bei denen nahe Menschen etwas Entsetzliches zu hören bekommen haben und wir haben eben Cherry, die das alles auslöst und mit der wir auf ihr bewegtes Leben blicken. Somit ist vom Umfang an Erzählmöglichkeiten viel da. Gleichzeitig ist es aber auch eine Erzählweise, die Risiken birgt. Cherry lernen wir wirklich ausgiebig kennen. Ich fand es zwar anfangs irritierend, als sie manche Geschehnisse mit gefühlten Einzeilern kommentierte (Auch weil nicht so richtig zu verstehen war, wie die Einschübe zu verstehen sind), aber später wird durchgängig ihr Leben erzählt und da konnte man viel draus mitnehmen. Ihr habe mich ihr echt sehr nahe gefühlt. Die übrigen Rollen mussten sich deutlich weniger Erzählzeit teilen und da war es dann einfach so, dass manche Figuren wie Ethan mir sehr fern blieben, andere wie Allegra und Paula waren leichter zu verstehen, aber es waren dennoch sehr knappe Einblicke in ihre Leben. Dennoch war es am Ende sicherlich geschickt, dass wir die Frage nach Bestimmung und Zufall sehr unterschiedlich beantwortet bekommen. Da auch „Vorsehung“ sicherlich adaptiert wird, musste ich gleich denken, dass gerade die Verwicklungen am Ende sicherlich genial rüberkommen. Wie sich alles langsam auflöst, kleine Überraschungen und all sowas. Inhaltlich habe ich für mich aber nicht so viel mitnehmen können. Moriarty bietet keine definitiven Antworten, was ich auch okay finde, aber dadurch bleibt es uns auch allen offen, was wir selbst mitnehmen und da habe ich nichts Neues über mich selbst gelernt.

Fazit: „Vorsehung“ als Hörbuch vs. Buch, da würde ich mich wohl nachträglich für Letzteres entscheiden. Ich bleibe dabei, Heike Warmuth war toll zum Lauschen, aber angesichts der Komplexität wären mehr Sprecher und Sprecherinnen sinnvoller gewesen. Inhaltlich war die Ausgangssituation spannend gestaltet. Auch das Ende fand ich geschickt und treffend. Dazwischen war es etwas wackliger, weil zu viele Perspektiven eher einen oberflächlichen Eindruck hinterlassen haben (bis auf Cherry). Ich habe Moriarty durch den Stil ihrer Serien auf jeden Fall wiedererkennen können, aber sowohl in bewegter Form als auch zwischen den Seiten stehend bleibt mein Eindruck zwiegespalten. Aber überdurchschnittlich kommt man dennoch auf die eigenen Kosten.

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Veröffentlicht am 20.05.2025

Abschied aus Chestnut Springs

Hopeless
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Elsie Silver ist relativ gesehen immer noch eine Neuentdeckung für den deutschen Buchmarkt, weswegen die Erscheinungen der Originalausgaben mit den Übersetzungen auch teilweise etwas weiter auseinanderliegen. ...

Elsie Silver ist relativ gesehen immer noch eine Neuentdeckung für den deutschen Buchmarkt, weswegen die Erscheinungen der Originalausgaben mit den Übersetzungen auch teilweise etwas weiter auseinanderliegen. Dementsprechend habe ich nicht mitbekommen, ob dieser fünfte Teil überhaupt geplant war, aber angesichts von allen Kommentierungen von Silver gehe ich schwer davon aus, dass sie Beaus Geschichte nicht direkt auf dem Schirm hatte. Zum Glück haben wir sie mit „Hopeless“ jetzt aber.

Auch wenn alle Eaton-Brüder ihre eigene Geschichte mit Tiefen haben, aber Beau als mittlerer Bruder ist sicherlich derjenige, der ein richtiges Trauma hinter sich hat. Seine Einsätze für die Armee haben die anderen Bände immer begleitet und wir haben immer schon Anteil an seinem Schicksal genommen. Dementsprechend war es ein spannender Gedanke, in seinen Kopf blicken zu können. Ich denke zwar, dass man Stichwort PTBS noch etwas mehr hätte rausholen können, aber sowohl seine Schlafprobleme als auch seine verbrannten Füße mit transplantierter Haut sind sehr gute Ansätze, um das Bild eines unsteten Mannes, der nach dem Kriegsgeschehen seinen Sinn im Leben noch nicht gefunden hat, zu zeichnen. Umgekehrt haben wir dann ergänzend Bailey, die ebenfalls schon Auftritte hatte, aber sie war tatsächlich eher eine Randerscheinung, sodass wir mit ihr doch eigentlich eine ganz neue Figur kennenlernen. Und das war großartig. Mir gefallen die Frauen bei Silver eigentlich alle immer gut, weil sie alle einen sehr eigenwilligen Kopf haben und für etwas einstehen, woran sie glauben (am liebsten für sich selbst). Bailey kommt aus ganz schwierigen Familienverhältnissen und ihr Nachname ist so mit Vorurteilen behaftet, dass niemand die echte Bailey kennt. Es war schon extrem lustig, aber auch bewundernswert, welche Schlagfertigkeit, welche Unverblümtheit und letztlich auch Mut sie hat. Ich mochte sie echt sehr.

Ich habe ja auch schon mehrfach zugegeben, dass ich mit Silvers Beschreibungen von intimen Szenen schon mal etwas hadere, aber hier in „Hopeless“ hat es mir einfach auch gefallen, dass die Annäherung aneinander so wunderbar gelungen ist. Der physische Teil wurde erst spät bedeutend und das verrät mir immer wieder, dass Silver auch an einer emotionalen Bindung interessiert ist, die alles weitere erst richtig intensiv macht. Bei Beau und Bailey haben wir einen größeren Altersunterschied und dementsprechend auch sehr unterschiedliche Erfahrungen. Das wird behutsam beleuchtet, auch weil ich bei Beau immer gemerkt habe, welchen Respekt er vor ihr hat. Obwohl das Fake Verlobtsein sich schnell dadurch auszeichnet, dass sie sich körperlich und emotional näherkommen, aber es gibt immer eine Grenze, die Beau bewahren will. Auch wenn es Bailey zwischendurch verrückt macht und frustriert, aber es ist dennoch eigentlich die Eigenschaft, die ihn am Ende so wertvoll für sie als Partner macht. Denn er wird sie immer priorisieren und aufgrund seiner Erfahrungen auch Möglichkeiten für sie sehen, die sie noch gar nicht erahnen kann. So hilfreich Beau für Baileys Entwicklung ist, so gilt das aber auch anders herum. Sie lernt seine wahren Gefühle zu allem kennen und sie ermuntert ihn zu ergründen, wer er sein will.

„Hopeless“ hat mich echt durchgängig wieder unterhalten. Denn Beau und Bailey funktionieren perfekt, aber auch die anderen Paare sowie die Familie der Eatons sind wieder überzeugend eingebunden worden. Die Ansätze zu Beau und Winter wurden toll aufgegriffen, Bailey wird eingebunden in die Frauenwelt, die Freundschaft zwischen Beau und Jasper. So viel Cooles war wieder da und es hat sich alles organisch eingefühlt. Silver hat echt ein Händchen dafür, ihre Paare und sonstige Figuren in einen Kontext zu bringen. „Hopeless“ war jetzt wohl wirklich der Abschluss und das ist okay, denn alle haben ihr Happy End. Wir haben sehr unterschiedliche Geschichten bekommen und die allermeisten haben mich richtig mitgerissen. Auch wenn ich die intimen Szenen wohl niemals vollends feiern werde, aber Silver bittet drum herum so viel an, dass es dann fast schon wieder egal ist.

Fazit: „Hopeless“ ist wohl nun das Ende der Chestnut Springs-Reihe und es gab nochmal ein echtes Ausrufezeichen. Beaus Geschichte hat alles rund gemacht und Bailey war eine geniale Ergänzung, weil sie fast meine liebste Frauenfigur ist. Es geht viel um Selbstfindung, zu überwindendes Trauma, um Respekt und so viel mehr. Silver hat mit der Reihe nicht zuletzt so viele Leser international für sich gewonnen.

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Veröffentlicht am 19.05.2025

Poetik mit außergewöhnlichen Themen

A Poet's Heart (Broken Artists, Band 1)
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Vor dieser Rezension zu „A Poet’s Heart“ dachte ich, dass es mein erstes Buch von Rebekka Weiler ist, nur um dann festzustellen, oh nein, inkorrekt. Das war „The Moment I Lost You“, was etwa drei Jahre ...

Vor dieser Rezension zu „A Poet’s Heart“ dachte ich, dass es mein erstes Buch von Rebekka Weiler ist, nur um dann festzustellen, oh nein, inkorrekt. Das war „The Moment I Lost You“, was etwa drei Jahre her ist. Beim Klappentext kam es mir auch sofort wieder in den Sinn, aber dass es noch einen zweiten Band gab, völlig verpasst. Die Northern Hearts-Reihe wiederum habe ich öfters bei Social Media erblickt, weswegen ich eben dachte, die habe ich nicht gelesen, also kenne ich Weiler nicht. Verrückt, wie es manchmal geht, aber ich bin froh, dass die vermeintliche Neuentdeckung eine Rückkehr zu Wurzeln sind, die mir immer gut gefallen.

Denn wenn ich mich noch vage erinnere, dann hat Weiler schon mit „The Moment I Lost You“ bewiesen, dass sie sehr sensibel und intensiv erzählen kann. Das wird mit dem Auftakt zur Broken Artists-Reihe wieder bestätigt. Denn das erleben wir in „A Poet’s Heart“ gleich von beiden Seiten. Das finde ich auch direkt sehr, sehr positiv. Denn es gibt Bücher, sogar manchmal ganze Reihen, in denen ich merke, dass nur eine Figur eine schwere Last trägt und es die Aufgabe des anderen ist, sie aufzubauen oder bei der Heilung zu unterstützen. Auch wenn das natürlich realistisch ist, weil in Beziehungen immer mal einer das größere Päckchen zu tragen hat, so finde ich bei so einem Ausschnitt aus dem Leben doch wichtiger zu zeigen, dass beide keine perfekte Leben haben, denn am Tiefpunkt kann man die Charakterzüge am besten erkennen. Bei Yva und Fenn wird das genau erfüllt. Sein Päckchen bleibt länger verborgen, auch wenn man sich gewissen Gedanken natürlich vorher schon machen kann, ihres steht gleich am Anfang, aber prägt die Geschichte auch durchgehend.

Die Themenauswahl finde ich dabei sehr spannend. Bei ihr ist es häusliche Gewalt, bei ihm eine Sprechstörung. Gerade Fenns Päckchen fand ich auch total neu und hat die Geschichte extrem ungewöhnlich gemacht. Ich fand das als Botschaft echt super, weil es unterstreicht, wie viele Formen verzaubernde Liebesgeschichten haben können. Zudem hat Fenn ein starkes Mittel zum Ausdrücken und zwar seine Musik. Wie der Reihenname es schon angedeutet hat, haben wir es bei den Paarungen mit mindestens einem Künstler zu tun. Zentral gilt das hier für Fenn, wenn ich Yva auch nicht ausnehmen würde. Mit ihrer Malerei, die sie auch mit seinen Songs verbindet, steht sie ihm in nichts nach, dennoch nehmen seine Songs mehr Raum ein, auch weil es zu jedem Kapitelanfang einen Auszug gab. In Weiler schlummert definitiv auch eine Poetin, denn schon die wenigen Zeilen haben mich immer schon sehr berührt. Auch wenn ich mir keine Musik dazu denken konnte, aber Worte haben eben genauso eine Wirkung. Zudem waren die Texte perfekt, um Fenn neben seinen Kapiteln besser zu verstehen. Ich fand im gesamten Buch, dass es auch sehr einfühlsam dargestellt wurde, wie Yva mit Fenn umgeht. Auch wenn wir viele Beispiele von Mobbing erleben, aber wir haben das Gegengewicht von Toleranz deutlich und wir haben eine Liebesgeschichte, die durch den Faktor von Fenn besonders geworden ist. So kann man positiv herausstechen.

Yvas Päckchen habe ich schon etwas öfters zu lesen bekommen, aber es ist dennoch auch eher die Seltenheit. Auch das hat Weiler gut umgesetzt. Mit der Schwester und Yva selbst haben wir verschiedene Formen von häuslicher Gewalt gut beleuchtet und es sind alle Gedanken drin gewesen, die ich mir von so einem sensiblen Thema dann auch erhoffe. Auch wenn wir Szenen aktiv mitbekommen und eine Triggerwarnung dementsprechend richtig war, aber ich finde, dass es genau das Maß hat, um aufzurütteln, aber keinesfalls eine Sensationsgier oder ähnliches zu befriedigen. Neben dieser Dramatik haben wir auch kleine Momente der Leichtigkeit, wir bekommen etwas von Stockholm mit (wenn ich mir das auch etwas mehr erhofft hatte) und wir bereiten die nächsten beiden Geschichten vor. Mir hat auch die Selbstverständlichkeit von Frauen-Männer-Freundschaften sehr gefallen, ohne dass es Pärchenbeziehungen entstanden ist. Insgesamt hat mir die Mischung aus den vielen Entscheidungen echt sehr gut gefallen.

Fazit: „A Poet’s Heart“ holt auf jeden Fall alle die ab, die zarte, intensive und gefühlvolle Liebesgeschichten mögen. Das Miteinander von Yva und Fenn, die Geschichten der beiden individuell, die Songtexte, da war schon echt viel, was mich sehr berührt und mitgerissen hat. Eine klare Leseempfehlung spreche ich da mit Leichtigkeit aus.

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Veröffentlicht am 13.05.2025

Raffinierte und gleichberechtigte Liebesgeschichte

Heartless Hunter. Der rote Nachtfalter, Band 1
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Bei Fantasy-Geschichten war zuletzt öfters mein Kritikpunkt, dass die Liebesgeschichte einen zu großen Raum einnimmt. Auch wenn ich die Symbiose aus fantastischem World-Building und mitreißender Liebesgeschichte ...

Bei Fantasy-Geschichten war zuletzt öfters mein Kritikpunkt, dass die Liebesgeschichte einen zu großen Raum einnimmt. Auch wenn ich die Symbiose aus fantastischem World-Building und mitreißender Liebesgeschichte durchaus zu schätzen weiß, aber es muss auch eine Balance geben. „Heartless Hunter“ von Kristen Ciccarelli widerlegt die Beobachtung und doch irgendwie auch nicht.

„Heartless Hunter“ steigt gleich an einem spannenden Punkt ein. Wir lernen die Protagonistin Rune und die verschiedenen Welten, durch die sie wandelt, schnell und einnehmend kennen. Es ist spannend, welche Geschichte sie hinter sich hat, was für sie daraus für eine Aufgabe gewachsen ist und wie sie wie eine Schauspielerin die sehr kontrastreichen Versionen leben muss. Rune ist definitiv eine Figur, die einem sofort ans Herz wächst, weil sie ein tragisches Schicksal hat, weil sie dennoch eine Kämpferin ist und weil sie für etwas eintritt, was ihr sichtbar wichtig ist. Umgekehrt haben wir Gideon, der erst etwas später so richtig in die Geschichte eintritt. Es war schon spannend, wie die beiden sich erleben und wie gegensätzlich das zu dem ist, was ich von ihnen wahrnehme. Im Grunde finde ich auch, dass die beiden sich extrem ähnlich sind. Für Rune und Gideon gilt definitiv eher, dass gleich und gleich sich gerne zusammengesellt. Beide haben eine ungeheure Loyalität ihrer Familie gegenüber, beide haben ein Trauma, das sie antreibt und beide sind echt clevere Figuren.

Da wären wir dann auch bei dem Punkt, wie viel Raum die Liebesgeschichte einnimmt. Ich hatte schon den Eindruck, dass es immer mehr wurde, auch um die späteren Konflikte und Ausrufezeichen zu erzeugen, aber ich hatte dennoch nicht den Eindruck, dass es eine überwiegend körperliche Anziehung ist, die alles beeinflusst. Stattdessen war es beeindruckend, wie gleichberechtigt alles gestaltet worden ist. Gideon und Rune wollen beide etwas voneinander, was wenig mit Liebe zu tun hat, aber weil sie sich von einer Verbindung beide etwas erhoffen, zeigen sie auch Versionen von sich, die immer echter werden, sodass Gideon und Rune eigentlich sich wirklich selbst kennenlernen und das war schön mitzuerleben. Auch weil es sich alles so gleich anfühlt. Rune ist nicht wichtiger als Gideon oder umgekehrt. Beide sind wichtig für die Handlung, beide müssen Siege und Niederlagen erfahren. Es war ein Katz-Maus-Spiel, was echt spannend war und einfach clever erzählt. Dementsprechend habe ich diesen Fokus als sehr, sehr gut empfunden. Und es zeigt wieder, dass es einfach auf die Art und Weise ankommt, wie man eine Liebesgeschichte in ein übernatürliches Setting packt.

Wie ist es aber mit dem Fantasy-Anteil? Ich würde sagen, dass ich es keinesfalls kritisch gesehen habe, aber ich hatte doch schon ein paar Gedanken, ob ein gewisser Schwerpunkt auch eingespart wurde, um ihn für den finalen Band 2 zu haben. Das werde ich erst in der Zukunft bewerten können. Solange ist aber klar, dass es ein relativ simples World Building ist. Rune hat auch nicht wirklich eine Mentorin gehabt, weil ihre gewählte Großmutter zu früh gestorben ist, weswegen sie sich als Hexe einiges selbst beibringen musste. Damit ist ihre Magie nicht sonderlich ausgereift. Dementsprechend ist die Magie nicht übermäßig gegenwärtig im ersten Band. Wir werden aber in die verschiedenen Stufen von Zaubersprüchen eingeweiht und wir bekommen vor allem in Rückblenden erzählt, welches Potenzial Hexen schon entfaltet haben und warum es zur Revolution kam. Das finde ich in jedem Fall auch interessant, weil wir ein sehr ambivalentes Bild auf Hexen bekommen. Rune kämpft verbissen für ihre Spezies und mit ihr haben wir eine Hexe, die einfach ein gutes Herz hat. Genauso haben wir aber auch Geschichten von Hexen, die ihre Magie für Schreckliches genutzt haben. Das finde ich sehr realistisch, weil es egal bei welcher Fertigkeit immer die gibt, die es für Gutes anwenden und die, die nur an sich denken. Das macht es so spannend, weil ich so auch keinerlei Ahnung habe, was die Lösung für einen zweiten Band sein könnte.

Der erste Band endet derweil auf vielen Ausrufezeichen. Das ist sehr gut gemacht worden, weil es genau so ein Cliffhanger ist, bei dem man dran bleiben will. Ich habe definitiv den Wunsch, dass es mehr Magie geben wird. Dass Rune ihre Wurzeln mehr kennenlernt und dadurch sich auch die Frage stellen muss, welche Art von Hexe sie sein möchte. Genauso bin ich gespannt, wie die Liebesgeschichte von diesem Punkt aus weitergeführt werden kann. Es wird nicht einfach werden, genauso deswegen habe ich aber auch die Hoffnung, dass es weiterhin gut gemacht wird.

Fazit: „Heartless Hunter“ mit Band 1 hat mir echt sehr gut gefallen. Henriette Schreurs und Moritz Frinberg haben Rune und Gideon beeindruckend zum Leben erweckt. Ihre gemeinsame Geschichte, die Gleichberechtigung beider Figuren und wie sie sich trotz der Vorurteile einander gegenüber kennenlernen, das hat mich besonders eingenommen. Es wäre mehr Fantasy drin gewesen, aber wer weiß schon, was in Band 2 alles rausgehauen wird. Das Potenzial ist jedenfalls immens.

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