Flüssig zu lesen, aber auch genug Kritikpunkte
The Game Changer – Die Liebe ist ein süßes SpielLana Ferguson ist auf dem deutschen Buchmarkt noch relativ unbekannt, aber inzwischen hat der Aufbau Verlag schon zwei Werke von ihr übersetzen und veröffentlichen lassen. „The Game Changer“ ist mir dabei ...
Lana Ferguson ist auf dem deutschen Buchmarkt noch relativ unbekannt, aber inzwischen hat der Aufbau Verlag schon zwei Werke von ihr übersetzen und veröffentlichen lassen. „The Game Changer“ ist mir dabei ins Auge gefallen. Auch wenn ich Sports Romance eigentlich immer lesen kann, aber gerade im Sommer passt es doch noch besser und deswegen habe ich zugegriffen.
Mir hat es gefallen, dass es eine erwachsene Geschichte ist. Delilah und Ian stehen beide mitten im Leben und haben schon einiges hinter sich. Zudem haben sie sich beide erfolgreiche Karrieren aufgebaut. Sie kennen sich seit ihrer Kindheit, haben sich aber ewig schon nicht mehr gesehen. Die Geschichte wird mit dem Fake Dating-Trope aufgezogen, was eher etwas unnütz war, denn ich mag den Trope eigentlich nur, wenn er sich wirklich aufbaut, aber hier war es für beide Figuren schnell mehr. Für Lila, weil sie immer schon verknallt war und für Ian, weil er direkt sieht, dass aus dem Mädchen von einst eine richtige Frau geworden ist. Hier war Fake also wirklich nicht lange ein Thema, weil für alle, außer den Bruder, schnell klar war, dass da was in der Luft liegt. Ich mochte die Chemie zwischen den Figuren auch, weil sowohl die alte Sehnsucht, die sich endlich ausleben darf, und von ihm das abrupte Heftige gut gepasst hat.
Insgesamt würde ich auch sagen, dass man „The Game Changer“ gut lesen kann. Der Schreibstil lässt sich flott lesen und die Figuren haben einfach etwas, was auch Humor zulässt, sodass man viele Szenen gerne verfolgt. Dennoch glaube ich nicht, dass Ferguson für mich eine Autorin ist, die ich weiterhin verfolgen werde. Da lohnt sich vielleicht ein Vergleich zu Elsie Silver. Bei ihr habe ich lange gehadert, weil ich ihre Art der expliziten Szenen nicht völlig mag. Aber sie baut drum herum sehr intensive Geschichten auf, die das ausgleichen. Aber „The Game Changer“ hat mir zu wenig angeboten. Lilas Backshow geht irgendwann völlig verloren. Dabei fand ich diese Diskrepanz aus Sport und Backen richtig toll und hätte mir da eine ganz andere Geschichte vorstellen können. Stattdessen gab es zwei kleine Szenen, in denen Ian in der Show zu Gast ist und fertig. Irgendwann geht es gefühlt nur noch um Ian und das fand ich einfach nicht richtig im Gleichgewicht. Lila und ihr Bruder hatten selbst einen harten Schicksalsschlag, aber der spielt keine Rolle. Lila hat nur die Aufgabe, in Ian bedingungsloses Vertrauen zu haben und alles für ihn zu tun. Jetzt kann man umgekehrt nicht behaupten, dass Ian das einfordert. Denn er macht sich umgekehrt genauso Gedanken um Lilas Wohlempfinden. Doch ich fand die Botschaft etwas seltsam.
Dann wäre wir auch bei den expliziten Szenen bzw. auch bei dem, was darauf hingearbeitet hat. Ich fand die Wahl von ein- und demselben Schimpfwort extrem seltsam und habe auch nicht nachvollziehen können, warum das so wiederholt genutzt wurde, auch weil es für mich Dialoge aufgebrochen hat. Die Szenen selbst waren dann echt sehr ähnlich zu denen von Silver. Ich kann es lesen, keine Frage, aber in der Gesamtsicht sage ich dann, das ist der letzte Punkt, dass es für mich vielleicht nicht die passende Autorin ist. Denn es kommt auch hinzu, dass ich das Drama der ganzen Handlung künstlich erzeugt fand. Das Geheimnis von Ian und der Familie meine ich noch nicht mal, aber die ganze Art, wie der Einfluss von Social Media dargestellt wurde und wie Ian als vermeintlicher Ehebrecher gebrandmarkt wurde. Seltsam. Es steht außer Frage, dass es öffentliche Bereiche gibt, in denen alles seziert wird, aber umgekehrt wissen wir auch, dass der Mann sich wesentlich mehr erlauben darf als die Frau und selbst wenn es erstmal Kritik gibt, ist die schnell verschwunden, weil er die Erfolge als Eishockeyspieler noch bringt. Das fand ich also nicht realistisch, auch weil sich dadurch Lilas Produktionsteam ebenfalls Gedanken gemacht hat.
Fazit: „The Game Changer“ ließ sich schnell weglesen und Lana Ferguson hat auch ein Händchen für liebenswerte Charaktere, was auch für die kleineren Rollen gilt. Aber es ist nichts, was mich in dem Genre richtig umhaut. Dafür war zu viel künstlich erzeugt, es war zu einseitig, weil alles bei Ian aufgeladen wurde. Dazu ist die Art der Intimität nicht meins. Da kommt viel zusammen, dass ich das Fazit ziehen würde, für andere ist Ferguson sicherlich genau richtig, für mich leider nicht.