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Veröffentlicht am 02.10.2023

Liebe in zwei Zeiten mit Ausrufezeichen zum Schluss

The Things we leave unfinished
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Rebecca Yarros ist dank „Flammengeküsst“ in aller Munde, doch das Buch habe ich noch nicht gelesen, aber es hat sicherlich bewirkt, dass „The Things We Leave Unfinished“ nun so schnell auch auf den Buchmarkt ...

Rebecca Yarros ist dank „Flammengeküsst“ in aller Munde, doch das Buch habe ich noch nicht gelesen, aber es hat sicherlich bewirkt, dass „The Things We Leave Unfinished“ nun so schnell auch auf den Buchmarkt gekommen ist. Und der Erfolg bei TikTok hat sicherlich auch nicht geschadet, da es bekanntlich ein neuer Maßstab für das Interesse auf dem deutschen Buchmarkt ist. Ich jedenfalls war wegen des wirklich süßen und romantischen Covers an Bord, aber auch wegen der Aussicht, dass zwei Liebesgeschichten auf zwei Zeitebenen erzählt werden. Das habe ich früher öfters schon mal gelesen, warum also nicht nochmal?

Es war auf jeden Fall einfach in die Geschichte einzutauchen, doch beim Hörbuch hatte ich erst kleinere Irritationen. Nicht wegen den Erzählstimmen selbst, die ich beide als sehr angenehm empfunden habe, sondern weil es in der Gegenwart und in der Vergangenheit zwei verschiedene Erzählstile gibt. Bei Georgia und Noah haben wir klar geklärt, dass beide jeweils Kapitel aus ihrer Sicht haben, damit wird dann auch klar zwischen Mann und Frau als Erzählstimme gewechselt. Die Vergangenheit hat Yarros so deutlich nicht getrennt, weswegen die Perspektiven von Scarlett und Jameson oft ineinandergeflossen sind. Das aber wiederum hat mich dann etwas irritiert, weil die Gedanken der Frau dann schon mal vom Mann gelesen wurden und umgekehrt. Wenn man zwei Stimmen hat, dann passiert im Kopf automatisch eine Zuordnung, die hier aber nicht völlig erfüllt wurde. Dennoch habe ich im späteren Verlauf kaum noch darüber nachgedacht, das war also eine Gewöhnungssache. Spätestens in Buchform ist das sowieso kein Kritikpunkt mehr.

Kommen wir nun aber wirklich zum Buch, wo wir tatsächlich zwei Liebesgeschichten erzählt bekommen. Doch es ist deutlich zu merken, dass Yarros ein größeres Faible für Scarlett und Jameson hatte. Zwar gibt es dort auch Zeitsprünge, aber in einem solchen Maße, dass man als Leser und Leserin dennoch immer das Gefühl hat, mit den beiden Figuren und ihrer gemeinsamen Geschichte zu wachsen. Natürlich sind ihre Erlebnisse durch die Schrecken des Krieges auch automatisch dramatischer und aufwühlender, aber auch abseits davon hatte ich den Eindruck, dass den beiden als Paar etwas mitgegeben wurde, was unweigerlich mitreißt. Georgia und Noah sind als Figuren auch charmant und vor allem die erste gute Begegnung der beiden Figuren sorgt schnell dafür, dass man das unterbewusste Prickeln zwischen ihnen versteht. Aber so im Vergleich sind die Gefühle zwischen diesen beiden einfach da. Zudem tun hier eben die Zeitsprünge nicht gut, wenn sich Noah und Georgia genau auf die Bedingungen ihrer Beziehung geeinigt haben, entwickelt er einen Plan und schwupps sind wir auch schon am Ende des Plans, ohne aber die Zeit dazwischen erlebt zu haben, die mir aber eigentlich wichtig erschien. Zudem muss ich auch sagen, dass Georgias Denken und wie sie Noahs Entscheidungen eingeschätzt hat, leicht übertrieben vorkamen. Natürlich sollte es am Ende passend gemacht werden, dass die beiden Liebesgeschichten Parallelen eröffnen, woraus Georgia dann für sich selbst lernen soll, aber ich fand das Verhältnis aus Noahs ‚Fehler‘ und ihrem Beleidigtsein nicht angemessen. Das sind alles so Kleinigkeiten, die zusammengeführt dafür gesorgt haben, dass mich die Liebesgeschichten nicht gleichermaßen unterhalten haben.

Dennoch ist das auch Klagen auf hohem Niveau, denn „The Things We Leave Unfinished“ ist eine wirklich volle Erzählung, die viel zu bieten hat. Durch die Sprünge zwischen den beiden Ebenen entsteht auch ein sehr spannender Lesefluss, denn eigentlich will man ja immer auf beiden Zeitebenen unbedingt wissen, wie es jetzt weitergeht. Dadurch werden gewisse Schwächen in der Geschichte auch ausgemerzt bzw. sie fallen auch gar nicht so schlimm auf. Dazu gibt es eben auch so kleine Mysterien, die dieses Buch so antreiben. Es ist wahrlich kein Thriller, das nicht, aber die Geschichte hat sich einige kleine Aspekte bewusst offen gelassen und kommt daher auch zwischendurch immer wieder mit kleineren Überraschungen um die Ecke. Die größte kommt aber ganz zum Schluss und ich fand es wirklich gelungen. Es war sicherlich auch ein Wagnis, weil es einiges nochmal auf den Kopf stellt. Aber wenn ich dann in Ruhe nochmal alles durchgehe, dann muss ich auch sagen, es passt alles und im Endeffekt macht es die Geschichte sogar noch runder, als wenn Yarros es einfach so hätte auslaufen lassen, wie man vielleicht gedacht hat. Manchmal muss man eben wagen, um groß zu gewinnen.

Fazit: Rebecca Yarros hat mit „The Things We Leave Unfinished” einen sehr komplexen Liebesroman erschaffen, der mit gleich zwei Geschichten das Herz berühren will. Zwar war die Gegenwart für mich etwas konstruierter, aber dennoch wurde ich von Anfang bis Ende gut durch die Geschichte getragen und die große Wendung zum Schluss gibt dem Roman noch einen speziellen Faktor.

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Veröffentlicht am 26.09.2023

Nur die Stilistik verhindert ein Highlight

Jedes Herz ist ein Puzzle aus Scherben
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„Jedes Herz ist ein Puzzle aus Scherben“ ist mir mehrfach begegnet, ehe ich dann wirklich auch mal zugeschlagen haben. Das mag daran liegen, dass der Titel jetzt nicht unbedingt eine romantische Geschichte ...

„Jedes Herz ist ein Puzzle aus Scherben“ ist mir mehrfach begegnet, ehe ich dann wirklich auch mal zugeschlagen haben. Das mag daran liegen, dass der Titel jetzt nicht unbedingt eine romantische Geschichte versprochen hat und der Klappentext hat das dann auch noch bestätigt. Aber das Cover war dagegen einfach süß. Jetzt ist es nicht so, dass ich nur süße Liebesgeschichten lesen würde, aber die verschiedenen Signale haben mich schon etwas stutzig gemacht. Aber letztlich habe ich eben doch dem Buch eine Chance gegeben.

Das Buch ist für Fans von Sally Rooney und Colleen Hoover beworben worden. Während ich Erstere nur vom Namen her kenne und das vor allem wohl wegen ihrer Serienadaptionen, ist Hoover für mich tatsächlich eine Art Queen und das eben nicht, weil sie nur klassische Liebesgeschichten schreibt. In diesem Sinne hat das Marketing also recht, denn Genevieve Wheeler hat auch eine Geschichte geschaffen, die sich abseits von klassischen Normen bewegt. Es geht schon irgendwo um Liebe, aber um keine Bildbuchliebe, sondern um eine Liebe mit vielen tiefen Nuancen, wo es Schmerz genauso wie schöne Momente gibt. Tatsächlich liest man genau solche Geschichten viel zu wenig, wofür ich Wheeler sehr gerne lobe. Ihre Dankesworte lassen auch darauf schließen, dass „Jedes Herz ist ein Puzzle aus Scherben“ eine sehr persönliche Geschichte ist und das erfordert eben dann auch noch Mut, zumal eben nichts beschönigt wird, sondern stattdessen eine ganz reale Erzählung geboten wurde.

Nun flippe ich bei „Jedes Herz ist ein Puzzle aus Scherben“ aber nicht völlig aus und das liegt am Schreibstil. Schon während des Lesens, aber jetzt auch im Nachhinein habe ich mir viele Gedanken gemacht, was mir das Lese manches Mal erschwert hat. Der Stil ist auf jeden Fall ungewöhnlich. Wenn ich nicht gerade wissenschaftliche Lektüre lesen, so sind mir wahrscheinlich noch nie so viele Sätze in Klammern begegnet. Das war sicherlich schon einmal der erste Punkt, über den ich gestolpert bin. Zumal die Umklammerungen sehr unterschiedliche Funktionen übernommen haben. Mal ging es um direkte Kommentierungen, mal gab es Einblicke in die Zukunft und dann wieder sind andere Perspektiven eingeschoben worden. Ja, es war schon irritierend, zumal diese Technik dann auch noch einen anderen Eindruck verschärft haben. Dass eben die Autorin eine Stilistik gewählt hat, die sie von ihrer Geschichte oft genug entfernt hat. Ich hatte wirklich den Eindruck einer distanzierten Geschichte, was mich dann wiederum sehr überrascht hat, eben weil es für Wheeler ja persönlich zu sein scheint. Aber vielleicht brauchte sie dadurch umgekehrt die Distanz zu Adelaide, um diese Geschichte schreiben zu können. Das ist alles natürlich nur spekulativ, aber für die emotional doch so zugepackte Handlung habe ich nicht immer genug Nähe gespürt, um wirklich alles nachfühlen zu können.

Kommen wir aber nun noch zum Inhalt, denn eigentlich mochte ich sehr, was Wheeler durch Adelaide zu erzählen hatte. Denn es ist im Grunde nur ihre Geschichte. Ich habe gar nicht damit gerechnet, worauf die Handlung am Ende hinauswollte, weil ich eben mehr en Fokus auf toxischen Liebesgeschichten gesehen habe, da Adelaide eben schon als Jugendliche schwer missbraucht wurde und nun mit Rory auch in einem Sog steckt, der ihr sichtlich nicht gut tut. Deswegen habe ich wohl auch die ganzen Zeichen übersehen, was dann aber wiederum sinnbildlich ist, weil wir eben zu oft die Augen vor mentaler Gesundheit verschließen, entweder weil wir ihre Ernsthaftigkeit verleugnen oder weil wir als Teil eigener Unzulänglichkeiten sagen, kann ich nicht gebrauchen, kann ich mich nicht mit aufhalten. Ja, vielleicht ist es auch entlarvend. Aber das macht die Geschichte deswegen auch so gut. Auch wenn es mir die Stilistik oft genug erschwert hat und ich mindestens ein Drittel brauchte, um richtig reinzufinden, aber wenn ich am Ende komplett weiß, was passiere, dann ist eine wirklich gut ausgearbeitete Entwicklung gelungen, mit vielen Themenschwerpunkten, wo es stets um Realität statt um romantische Träumereien ging und wo trotz vielem Negativen immer das Positive doch blieb und andere Perspektiven noch angeboten hat.

Fazit: „Jedes Herz ist ein Puzzle aus Scherben“ könnte wirklich richtig gut sein, wäre die Stilistik nicht. Sie ist etwas, woran man sich erstmal gewöhnen muss. Sie ist aber auch etwas, was unnötig Distanz schafft, was speziell in dieser tiefgründigen und vielschichtigen Handlung einfach schade ist. Dennoch würde ich das Lesen empfehlen, denn Wheeler hat eine sehr persönliche Geschichte verfasst, die mich trotz der Hindernisse berührt hat.

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Veröffentlicht am 19.09.2023

Guter zweiter Streich von Stehn

Nur eine Lüge – Zwei Familien, eine tödliche Verbindung
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Von Malin Stehn hatte ich über die Feiertage zwischen Weihnachten und Neujahr passenderweise „Happy New Year“ gelesen, was mich wirklich gut unterhalten hatte und nun kommt mit „Nur eine Lüge“ schon das ...

Von Malin Stehn hatte ich über die Feiertage zwischen Weihnachten und Neujahr passenderweise „Happy New Year“ gelesen, was mich wirklich gut unterhalten hatte und nun kommt mit „Nur eine Lüge“ schon das zweite Buche, was nach einem recht ähnlichen Prinzip funktioniert. Wir wissen, dass am Ende etwas Schlimmes passiert und wir haben mehrere Perspektiven, um uns nach und nach der Wahrheit zu nähern.

Während ich das erste Buch von der Autorin selbst gelesen habe, war „Nur eine Lüge“ als Hörbuch vorliegend und ich muss wirklich sagen, dass es bei so multiperspektivischen Erzählungen wirklich ein besonderes Geschenk ist, zumal eben für alle vier Perspektiven auch eine eigene Stimme gewonnen wurde, so dass ich alleine schon mit der Stimme jeweils perfekt in die Figur einfinden konnte. Natürlich macht es das Buch nicht weniger gut, aber so zu lauschen und wirklich verschiedene Stimmen im Ohr zu haben, das ist nochmal ein besonderes Highlight. Ich habe mich auch wirklich gut durch die Geschichte leiten lassen, weil die Erzählung gut aufgebaut ist. Sie wird über zwei Zeitebenen hinweg erzählt. Wir haben verschiedene Ereignisse in der Vergangenheit sowie den Hochzeitstag, der einiges noch einmal auf den Kopf stellt. Das Gute ist auch, dass auf beiden Ebenen immer wieder so kleine Hinweise gestreut werden, die eine kleine Wendung darstellen, so dass die bislang getätigten Gedanken sich wieder auflösen und man wieder anders denken muss. Deswegen finde ich auch nicht, dass „Nur eine Lüge“ einen Hänger oder Ähnliches aufweist.

Ich habe zwar zwischendurch mal kritisch darüber nachgedacht, ob es wirklich so clever war, die Perspektiven nur auf Familie Brandt zu verteilen, denn irgendwo ist es doch auch die Geschichte der Nihlzéns. Dennoch hatte es natürlich auch etwas Spezielles, eben diese eine Familie zu haben und dann aus vier Perspektiven sowohl auf die Vergangenheit als auch auf die Gegenwart einen Blick zu bekommen, der viele Dissonanzen offenlegt. Denn das bleibt in Stehns Stilistik sehr klar erhalten. Natürlich haben wir Fragen zu beantwortet, die aus einem klassischen Kriminalroman entstammen könnten, aber vor allem ist es eben eine Charakterstudie, die am Ende auch so offen gestaltet ist, dass man sich aufgrund der angehäuften Informationen über die Figuren ausgiebig Gedanken machen kann, wie es wohl weitergeht. Es bleibt zwar offen, aber weil man sie kennengelernt hat, bleiben dann doch nur wenige Optionen übrig und das ist eben faszinierend, wie intensiv Stehn da Charaktersierungen schaffen kann.

Dennoch waren die Perspektiven für mich nicht immer gleichwertig. Manchmal hätte ich mir eine andere Gewichtung gewünscht, manches Mal schienen gewisse Kapitel das Geschehen nicht vorwärts zu bringen, aber gerade im Nachhinein denke ich doch, dass alles seinen Sinn hatte. Manches vom Anfang konnte man erst am Ende wieder gebrauchen, um sich da etwas zu erklären. Deswegen muss man klar sagen, dass Stehn es schafft, mit ihren Büchern wirklich komplexe Zusammenhänge zu erzeugen, die einfach zu unterhalten wissen. Mir wurde auf jeden Fall zu keinem Zeitpunkt langweilig.

Fazit: „Nur eine Lüge“ ist ein zweites wirklich empfehlenswertes Buch von Malin Stehn und speziell als Hörbuch mit vier verschiedenen Stimmen gab es nochmal einen Extrakick. Die Figurenstudien sowie die erzeugte Spannung sitzen und kleinere Fragezeichen zwischendurch bleiben eben genau das: klein.

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Veröffentlicht am 13.09.2023

Guter Settingwechsel nach London

Immortality
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„Anatomy“ hat die Buchwelt im vergangenen Jahr definitiv wegen des beeindruckenden Covers verrückt gemacht. Und ja, auch ich bin verführt worden, das Buch von Dana Schwartz deswegen zu lesen. Ich habe ...

„Anatomy“ hat die Buchwelt im vergangenen Jahr definitiv wegen des beeindruckenden Covers verrückt gemacht. Und ja, auch ich bin verführt worden, das Buch von Dana Schwartz deswegen zu lesen. Ich habe danach viele Stimmen gelesen, die doch enttäuscht waren und ich muss zugeben, ich hätte bei „Anatomy“ aufgrund des Covers und des Untertitels „Eine Liebesgeschichte“ auch nicht diese Geschichte erwartet. Aber enttäuscht war ich nicht, denn ich habe stattdessen etwas bekommen, was mich überrascht hat und das sehr positiv, weswegen mir immer klar war, dass ich gerne wieder in die Welt eintauchen werde und das ist mit „Immortality“ nun der Fall.

Der zweite Band steigt mit einem kleinen Zeitsprung ein, aber tatsächlich hat sich die Ausgangslage nicht drastisch verändert, denn Hazel wartet auf die Rückkehr von Jack, der den Unsterblichkeits-Trank bekommen hat, der aber natürlich dennoch tot sein könnte und in der Wartezeit hat sie ihren Ruf als Ärztin einfach weiter ausgebaut, so dass sie ständig für Behandlungen gefragt ist. Das wiederum löst dann das zweite Abenteuer aus, das geschickterweise ganz anders konstruiert ist als das erste. So wird Hazel aus Edinburgh rausgerissen und es geht raus nach London an den königlichen Hof. Ich musste zwischendurch doch sehr grinsen, weil es inhaltlich ähnliche Parallelen wie zum Prequel von „Bridgerton“ gibt, wo es um Königin Charlotte und ihre Nachfahren geht, und in dem Kontext finden wir uns auch wieder. Da Hazel als Frau schon etwas neues verkörpert, ist es nun wenig verwunderlich, dass wir auch einen recht modernen Eindruck zu London und den dort lebenden Menschen bekommen. Die Geschichte wird dort auf jeden Fall auf den Kopf gestellt, aber das finde ich nicht schlimm, weil es einfach zu Hazel und ihrer ganzen Art passt.

Hazel ist sowieso weiterhin der große Gewinn der Reihe, eben weil sie nicht klein beigibt, weil sie ihre Träume verfolgt und weil sie sich nicht wegen gesellschaftlichen Konventionen in eine Ehe treiben lässt. Sie ist auch keine Figur, die schnell durch Versprechungen verführt ist, sondern immer erst ihren Kopf einschaltet. Sie ist für die damalige Zeit sicherlich ein Unikum, aber selbst für unsere moderne Zeit ist sie noch keine Selbstverständlichkeit. Neben ihren diversen Aufträgen als Ärztin kommt sie dann auch mit einem Geheimbund in Kontakt. Der ist inhaltlich nicht unbedingt mein Fall, weil das eben in eine Richtung geht, die mir schon im ersten Band nicht unbedingt gefallen hat, weil es mehr übernatürlich wird. Aber es fügt sich insgesamt schon passend ins Geschehen ein und ich hatte nicht den Eindruck, dass wild irgendetwas zusammengeschrieben wird, was dann nicht zusammenpasst. Die Geschichte hat auch mehrere Handlungsbögen mit gut verteilten Höhepunkten. Vielleicht ist es etwas am Anfang zäh, aber spätestens in London geht es dann wieder rund und am Ende ist es richtig spannend. Da kamen mir dann auch wieder ganz deutlich die Analogien zu Enola Holmes in den Sinn. Hazel löst zwar keinen Fall, aber sie stolpert immer wieder über Geheimnisse, die der Handlung eine Wendung geben oder wo sie dann noch selbst letzte Puzzleteile zusammensetzt.

Fazit: „Immortality“ setzt die von Dana Schwartz intendierte Geschichte konsequent fort und bereitet mit dem Schauspielort London aber einen neuen Aspekt, den ich sehr gelungen fand. Nach einem etwas zähen Einstieg geht es auch später gut rund und Hazel als eigenständige und clevere junge Frau macht diese Handlung auf jeden Fall wieder sehr interessant.

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Veröffentlicht am 05.09.2023

Genau meine Welt

Infinity Falling - Mess Me Up
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Von Sarah Sprinz hat mir die letzte Reihe an der Danbridge Academy nicht so ideal wie die Reihe davor gefallen, weil ich schnell den Eindruck gewonnen hatte, dass die Autorin einen Stil für ihre Figuren ...

Von Sarah Sprinz hat mir die letzte Reihe an der Danbridge Academy nicht so ideal wie die Reihe davor gefallen, weil ich schnell den Eindruck gewonnen hatte, dass die Autorin einen Stil für ihre Figuren hat, der einfach erwachsener ist und damit zu Jugendlichen nicht optimal gepasst hat. Die neue Reihe nun handelt von jungen Erwachsenen, also genau perfekt für den Stil und spielt in der Film- und Serienwelt, wo neben den Büchern mein zweites Zuhause ist. Die Voraussetzungen waren also ideal, dass die neue Reihe wieder genau den Sprinz-Charme für mich entwickelt.

Die geschaffene Welt war wirklich großartig. Man hat gemerkt, dass die Autorin sehr gut recherchiert hat. Da ich beruflich genauer weiß, wie es so bei Produktionen und damit verbundenen Promoauftritten läuft, kann ich wirklich nur festhalten, dass ich alles zwischen den Seiten wiedergefunden habe. Ich finde es auch genau richtig, dass Sprinz eben keine rosarote Welt dazu erschafft, sondern tatsächlich lieber die reale Version, die die Schattenseiten dieses öffentlichen Lebens sehr gut abbildet. Mir haben wirklich viele Details gefallen, wie die Darstellung, warum manche gecastet werden, die Dreharbeiten selbst, das Intimitätscoaching am Set und auch die Veranstaltungen drum herum. Ich fand nichts überzeichnet, somit hat die Autorin angemessen mit der Dramatik gearbeitet, so dass ich eine sehr natürliche Erzählung bekommen habe, bei der ich jetzt schon gespannt bin, wie sie mit den weiteren zwei Bänden fortgesetzt wird.

Nächster Bonus: die ganzen Verbindungen zur „What If“-Reihe. Mit der fing alles an und mit der hat mich die Autorin eingefangen, weswegen es überhaupt nicht wundert, dass mein Herz aufgegangen ist, die lieben Figuren wiederzusehen. Und tatsächlich habe ich auch erst mit diesem Buch begriffen, dass der Cole aus dem angekündigten dritten Band der ist, den ich bereits kenne. Was für eine Idee! Vor allem finde ich diese Verbindungen so passend, weil es eben in der Film- und Serienwelt immer mehr verschachtelte Welten gibt, sogenannte Spin-Offs und die Autorin überträgt das perfekt, indem sie die Welten zweier Reihen von sich miteinander verbindet, aber ohne dass es erzwungen wirkt. Sehr gut!

Kommen wir wieder zurück zum eigentlichen Buch und da muss es jetzt natürlich noch um die Figuren gehen. Ich fand beide wirklich gut gemacht, denn man konnte mit ihnen von Anfang an mitfühlen, denn durch die wechselnden Perspektiven ist man stets in ihrem Innenleben dabei und kann alles nachvollziehen. Die thematischen Inhalte sind natürlich schwer, weswegen es wichtig war, dass die beiden Manager sowie dann eben die Nebenfiguren wie Hope und Scott als Ausgleich da waren, um immer wieder Gemütlichkeit und eine gewisse Zufriedenheit zu erzeugen. Aber Aven und Hayes haben sich natürlich auch gegenseitig viel gegeben, weswegen die Chemie der beiden das A und O war. Grundsätzlich konnte ich mich mehr mit Aven identifizieren, denn ich verstehe den Reiz dieser Welt, kann aber auch gleichzeitig nachvollziehen, dass er privat zu viele Opfer verlangt, weil man sich gefühlt auch nicht mehr selbst gehört. Man hat es deutlich gemerkt, indem sie am Set völlig in ihrem Talent aufgegangen ist, aber dann abseits davon größere Probleme hatte und vor allem nachts von Dämonen heimgesucht wurde. Die Geschichte von Hayes wiederum hat mich mehr mitgenommen, auch wenn mir die entsprechenden Gedanken selbst fremd sind. Zunächst aber Kompliment, das Thema Essstörung mit einem Mann zu behandeln. Sowieso ist generell das Thema erstmal schon ein Risiko, aber die Wahl des Geschlechts ist der Bonus. Ich fand auch die innere Gefühlslage sehr intensiv dargestellt und es hat mich wirklich erschüttert, zumal es eben so konsequent durchgezogen wurde, dass es nicht wie ein Nebenthema wirkte. Richtig stolz hat mich aber gemacht, dass die Autorin keine Wunderheilung dargestellt hat, dass also Hayes mit seinem Problem auch am Ende noch da steht und dass Aven als Gegenstück wirklich gut in vielen Situationen reagiert hat und ihm auch an seinem Tiefpunkt stets mit Liebe begegnet ist. Diese ganze Entwicklung hat mich wirklich tief beeindruckt.

Zum Abschluss habe ich noch einen Punkt, der mir weniger gut gefallen hat, aber zum Glück auch nur wenig Raum eingenommen hat. Die Rückblicke waren in einer merkwürdig unpersönlichen Stilistik geschrieben und haben emotional bei mir für eine Barriere gesorgt. Das fand ich etwas schade, denn im Grunde waren diese Szenen der Anfang von Aven und Hayes und da hätte bei mir mehr ankommen müssen. Nicht optimal waren letztlich auch die vermittelten Hinweise auf den Inhalt des Films. Ich kann mir zwar ungefähr vorstellen, in welche Richtung es geht, aber auch hier wären ein paar Details mehr nicht schlecht gewesen.

Fazit: „Infinity Falling“ ist der Auftakt einer Reihe, der schon jetzt richtig Lust auf mehr macht. Die Stärken von Sarah Sprinz kommen hier wieder optimal zur Geltung, denn sie kann sich bestens in andere Welten einfinden und ausgiebige Recherchen zu einem Thema authentisch fiktional rüberbringen. Setting und Figuren haben mich gleichermaßen mitgenommen und hier will ich unbedingt mehr von lesen.

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