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Veröffentlicht am 15.01.2021

Wirkt recht soapig, dennoch fesselnder Thriller

Die perfekte Sünde
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Unglaublich, aber wahr, nun ist die Reihe rund um Ava Turner und Luc Callanach schon vier Bände alt. „Die perfekte Gefährtin“, die ich damals in einer Leserunde als Debüt entdecken durfte, war ein riesiger ...

Unglaublich, aber wahr, nun ist die Reihe rund um Ava Turner und Luc Callanach schon vier Bände alt. „Die perfekte Gefährtin“, die ich damals in einer Leserunde als Debüt entdecken durfte, war ein riesiger Coup für mich, danach ist es tatsächlich in der Qualität schwankender geworden, aber dennoch immer unterhaltsam. Wie schlägt sich nun also „Die perfekte Sünde“?

Ich finde es in jedem Fall beachtenswert, dass Helen Fields definitiv auf klare Strukturen setzt. Sie hat immer schon auf zwei parallele Fälle gesetzt, das hat mal mehr, mal weniger gut funktioniert, aber das findet man selten so konsequent, so dass ich es als Alleinstellungsmerkmal definitiv positiv finde. In diesem Band hat für mich die Waage zwischen beiden Ermittlungen auch wieder sehr gut funktioniert. Zwar waren die Angriffe auf die Drogenabhängigen deutlich weniger behandelt, aber das passte logisch in die Geschichte. Denn es brauchte diese Handlung, weil es der Band schlechthin für die Entwicklung von Ava, als neue Leiterin der MIT, war. Da hat für mich alles in den gewichteten Anteilen gepasst. Dennoch sorgt es gegenteilig eben auch dafür, dass die Bücher immer recht lang sind. Gerade bei Thrillern habe ich aber so eine persönliche Grenze, an der es gut sein muss. Die wurde in „Die perfekte Sünde“ definitiv gereizt. Zwar könnte ich nicht sagen, dass es unbedingt schneller hätte passieren müssen, weil die Länge der Erzählung seinen Grund hatte, aber einige Beschreibungen und Gespräche hätte man doch etwas kürzen können.

Was auch weiterhin für mich etwas befremdlich ist, ist die Tatsache, dass die Reihe immer mal wieder arg soapige Handlungsstränge hat. Im ersten Band war es noch okay, dass man sich vorstellen konnte, dass Luc und Ava mehr füreinander empfinden könnten, aber inzwischen sehe ich das als Störfaktor. Denn entschieden vor oder zurück geht es nicht, das verharrt zu sehr auf der Stelle und wird dadurch langweilig. Dazu gibt es eben auch im Umfeld der gesamten Polizeieinheit immer wieder Entwicklungen, die wie aus einer Soap zu entstammen scheinen. Ich will hier nichts spoilern, aber jeder, der diesen Band gelesen hat, wird genau wissen, welche Sequenz ich hier speziell meine. Damit könnte ich deutlich besser leben, wenn auch die sonstige Stilistik der Autorin eher leichter ist. Wenn ich beispielsweise jemanden wie Jussi Adler Olsen habe, der mit seinen Figuren fast schon Parodien geschaffen hat, dann ist das okay, aber die dargestellten Fälle sind brutal und hart, da passt das als Gegensatz nicht so gut.

Der Hauptfall wiederum sowie die Komposition aus beiden Fällen ist wirklich sehr gut gelungen. Ich fand beide für sich thematisch, vom Aufbau, aber auch vom Spannungsgrad her vorbildlich. Es war zwar nicht viel zu rätseln, weil sich für den Leser nach und nach die Elemente zusammengesetzt haben, aber es war dennoch extrem spannend mitzuverfolgen, wie sich die Ermittelnden den Lösungen jeweils nähern. Ich fand es auch sehr realistisch, dass am Ende beide keine Fälle kein pures Happy End hatten, denn so ist nun mal das Leben. Dennoch merke ich auch, dass vieles sich auch so bekannt und heimelig anfühlt, weil man mit den Figuren sehr vertraut ist. Diesmal war es zwar sehr deutlich auf Ava fokussiert, was aber in Ordnung war, denn der Kern der Truppe ist dennoch immer zusammen und ich freue mich wirklich, sie auch weiterhin zu begleiten.

Fazit: „Die perfekte Sünde“ ist definitiv zu den besseren Bänden aus der Feder von Helen Fields zu zählen, denn die Zusammenstellung der Fälle, deren Thematik und alles enge drum herum hat sehr gut funktioniert. Es gibt ein paar Längen und es hat sich wieder ein soapiger Charakter eingeschlichen, der nicht zum Rest passt, aber es ändert nichts daran, dass ich mich sehr gut unterhalten gefühlt habe.

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Veröffentlicht am 08.01.2021

Ungewohnte erzählerische Schwächen

Things We Never Said – Geheime Berührungen
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Samantha Young ist eine Muss-Autorin für mich, die vor einigen Jahren genau zum richtigen Zeitpunkt für mich kam. Inzwischen lese ich erotiklastige Literatur deutlich weniger, aber ihr würde ich dennoch ...

Samantha Young ist eine Muss-Autorin für mich, die vor einigen Jahren genau zum richtigen Zeitpunkt für mich kam. Inzwischen lese ich erotiklastige Literatur deutlich weniger, aber ihr würde ich dennoch weiterhin blind vertrauen. Deswegen war es für mich durchaus auch überraschend, dass sie in Deutschland in den letzten Jahren eine immer kleinere Nummer geworden ist. Denn von einem drastischen qualitativen Abfall kann man nun wahrlich nicht reden. Ein Argument ist für mich sicherlich, dass ihre Hartwell-Love-Serie mit großen zeitlichen Abständen entstanden ist. Die Wartezeit auf „Things We Never Said“ nach dem zweiten Band war wirklich elendig lang. Umso glücklicher bin ich, dass es der dritte Band nun endlich in die deutsche Übersetzung geschafft hat.

An der Hartwell-Reihe hat mir von Anfang an gut gefallen, dass sie etwas gemütlicher durch den kleinen Küstenort wirkt, in dem sie spielt. Natürlich werden immer noch leidenschaftliche Liebesgeschichten erzählt, aber es ist dennoch eine andere Atmosphäre. Daher war es für mich schon überraschend, dass „Things We Never Said“ so deutlich von diesem Muster abweicht. Denn nahezu der komplette erste Teil spielt in Boston, wo Hauptfigur Dahlia herkommt. Boston ist eine Großstadt, was zwar in der Geschichte nicht übermäßig zum Tragen kommt, aber dennoch hat sich die Atmosphäre sofort geändert. Zweitens kommt hinzu, dass ihre Liebesgeschichte zu Michael zwar stets präsent ist, aber im ersten Teil spielt sie dennoch nur eine Nebengeschichte. Denn der erste Teil ist im Grunde Dahlias Familie gewidmet. Das hat sich für die tragische Familiengeschichte mehr als angeboten, dennoch ist es total ungewöhnlich für Young.

Dementsprechend war ich auch ganz hin- und hergerissen, wie ich diese Fokusverschiebung empfinden soll. Warum es definitiv etwas zu kritisch zu beäugen ist, ist sicherlich auch der Erzählstil. Es gibt immer wieder mal Rückblenden, um die Anfänge der Liebesgeschichte von Dahlia und Michael sowie die Katastrophe darzulegen, die zum großen Bruch geführt hat. Diese Rückblenden sind zeitlich aber durcheinander gewählt worden, so dass die Orientierung hier hohe Konzentration erfordert hat. Zudem gibt es nach den Rückblenden jeweils eine gedankliche Einordnung von Dahlia, die aber in einer seltsamen Zeitform geschrieben sind. Ich weiß nicht, ob es hier an der deutschen Übersetzung liegt, aber ich fand diese Übergänge oft sprachlich sehr holprig und das kenne ich von Young sonst nicht. Zudem wird lange verzweifelt das große Geheimnis zurückgehalten, aber so offen dilettantisch, dass sich erneut Brüche für mich ergeben haben. Wenn Dahlia sich ihrer Familie anvertraut, der Leser aber nicht erfährt, was sie gerade anvertraut hat, dann ist das schon eine seltsame Entscheidung.

Neben diesen handwerklichen Aspekten, die den Leseeinfluss doch erheblich beeinträchtigt haben, ist es aber dennoch so, dass ich von der Geschichte eingenommen war. Insgesamt ist sie mir zu dramatisch. Sei es Beziehung mit bestem Freund, sei es Beziehung mit Schwester, sei es die Probleme mit der Mutter, sei es die große Tragik. Es gibt immer wieder Enthüllungen, die die zuvor noch einmal toppen, wobei das etwas ironisch gemeint ist. Ich mochte die Chemie zwischen Dahlia und Michael, vor allem auch, weil man ihnen abgekauft hat, dass es eine epische Liebesgeschichte ist, der immer wieder Steine in den Weg gelegt wird. Der zweite Teil des Buchs ist auch wieder Liebesgeschichte durch und durch und spielt auch wieder in Hartwell. Die altbekannten Figuren tauchen auf, es fühlt sich direkt wieder vertrauter an. Auch der kriminelle Aspekt durch die Devlins bleibt wieder erhalten und gibt eine gute Portion Spannung mit. Schade fand ich wiederum, dass das letzte Geheimnis von Dahlia für Michael im Endeffekt eine Art Kopie von Jessica aus dem ersten Band ist. Das wird zwar auch selbstreflexiv angesprochen, deswegen wirkt es innerhalb einer Reihe nicht variabel genug. Zumal es für mich persönlich ein Argument ist, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann.

Fazit: Die Wartezeit auf „Things We Never Said“ war lang und die Vorfreude konnte mit dem Endergebnis nicht gänzlich bedient werden. Das Buch weist ungewohnte holprige Erzählstilelemente auf, wobei ich hier nicht einschätzen kann, ob ein Teil nicht der Übersetzung anzulasten ist. Jedenfalls war vieles für ein Young-Roman ungewöhnlich und dennoch ist es kein Roman, der mich völlig enttäuscht hat. Aber ihr bester ist es definitiv auch nicht.

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Veröffentlicht am 05.01.2021

Trotz anhaltender Kritikpunkte sauber zu Ende gebracht

Shadowscent - Die Krone des Lichts
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Vor etwa einem Jahr bin ich in die Welt von „Shadowscent“ eingetaucht. Als ich nun den zweiten und gleichzeitig auch finalen Band entdeckte, kamen nur sehr vage Erinnerungen bei mir hoch, weswegen ich ...

Vor etwa einem Jahr bin ich in die Welt von „Shadowscent“ eingetaucht. Als ich nun den zweiten und gleichzeitig auch finalen Band entdeckte, kamen nur sehr vage Erinnerungen bei mir hoch, weswegen ich meine damalige Rezension herausgekramt habe, wodurch tatsächlich einiges vor meinigen Augen wieder entstanden ist. Mein schärfster Kritikpunkt war dort das mangelnde Worldbuilding und das habe ich zurecht kritisiert, denn es ist mir schwer gefallen, in den zweiten Band reinzufinden. Das mag zum einen auch an Luz‘ Perspektive liegen, die mir als Figur ohnehin nicht viel gibt, aber eben daran, dass sich mir die Welt schon im ersten Band nicht richtig erklärt hat. Warum sollte sie so also sofort präsent sein? Deswegen fand ich es wirklich schade, dass es keinerlei Form von Rückblick gab. Durch Lübbe bin ich im letzten Jahr mit der Sci-Fi-Reihe von Mari Grasshoff verwöhnt worden, wo in Band 2 und 3 jeweils eine kurze Zusammenfassung beinhaltet war, die wirklich großartig war und die ich mir als Standard bei Reihen wünschen würde.

Aber nach den Anfangsschwierigkeiten hat sich das ungute Gefühl zum Glück gelegt, denn es wäre wirklich die Höchststrafe gewesen, gar nicht mehr reinzufinden. Aber mehr und mehr wurde mir einiges wieder präsent und ich habe mich einfinden können. Nichtsdestotrotz muss ich am Ende der Lektüre doch schmunzeln, weil die damaligen Kritikpunkte auch hiernach noch allesamt gelten. Das mit dem Worldbuilding relativiert sich natürlich, weil ich nun insgesamt zwei Bände in der Welt von „Shadowscent“ verbracht habe, da bleiben natürlich nicht mehr so viele Fragezeichen, wie es noch nach Band 1 der Fall war. Was aber definitiv wieder anzubringen ist, ist das Tempo der Erzählung. Schon der erste Teil kannte keine Pausen, das kennt der zweite im Grunde auch nicht. Es mag einzelne Sequenzen geben, die langatmig erscheinen, aber die Zeitabstände zwischen einzelnen Handlungen werden grundsätzlich pulverisiert. Strecken sind mal eben zurückzulegen. Da das aber stets konsequent gestaltet ist, kann ich damit leben.

Freestone hält sich aber nicht nur nicht mit Logistik auf, sondern auch die Handlungen fallen weiterhin sehr gekürzt aus. Es entspricht tatsächlich eher meiner Vorliebe von Stilistik, aber selbst ich denke mir an einigen Stellen, „Wäre da nicht noch mehr möglich gewesen?“ Beispielhaft sucht Rakel in einer Höhle nach einer Waffe und wird von der Flut überrascht. Statt dort einen ewig währenden Überlebenskampf draus zu machen, wie ich es bei anderen Autoren zu 100% erwartet hätte, geschieht die Rettung hier sogar abseits der Buchseiten. Da hätte ich mir sogar etwas mehr gewünscht. Damit verbunden ist auch mein innerliches Rätsel, ob es richtig war, dass diese Reihe aus nur zwei Bänden besteht. Ich habe genug dreiteilige Reihen gelesen, die auch in zwei Teilen gut abgewickelt hätten werden können, daher kann ich den schmalen Grat. Aber „Shadowscent“ hat tatsächlich einiges offen gelassen, dass ich eigentlich normalerweise als Muss empfinde. Neben dem besseren Worldbuilding sind das auch die Antagonisten, die mehr Profil vertragen hätten. Bis zum bitteren Ende ist mir nicht klar, wer sie eigentlich waren und dementsprechend sind sie auch mal eben zu beseitigen. Freestone ist einfach keine Autorin, die offensichtlich den langen Weg gehen kann. Aber ich wusste, was ich in Band 2 bekomme, von daher kann ich das hier nicht mehr grundlegend kritisieren, denn sonst hätte ich meine Finger davon lassen sollen.

Da ich mich trotzdem auf den zweiten Band eingelassen habe, resultiere ich nun, dass dieser mir insgesamt trotz der weiterhin vorhandenen Kritikpunkte besser gefallen hat. Die Welt war nach ersten Schwierigkeiten der Wiederorientierung definitiv vertrauter. Zudem ist mir dieses Erzähltempo dann doch lieber als ewiges Verlieren in Details. Und das wichtigste: es gibt ein Ende, mit dem ich wirklich leben kann. Es ist zwar durchaus offen und doch irgendwie abgeschlossen, zumindest in den Kernelementen, die mich als Leser am meisten begleitet haben. Da kann ich nicht meckern, da hat jeder das bekommen, was er verdient hat.

Fazit: Die Welt von „Shadowscent“ wird vermutlich immer irgendwie sieben Siegel für mich haben, aber dennoch habe ich mich reinfuchsen können. Die Kritikpunkte vom ersten Band bleiben erhalten und dennoch relativiert sich das hier in der Gesamtschau, denn irgendwann zählt mehr der Inhalt als die Stilistik und in dem Sinne bringt der zweite Band alles sauber zu Ende. Daher empfinde ich ihn stärker als den Auftakt.

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Veröffentlicht am 31.12.2020

Erneut nicht tiefgehend genug

The Brooklyn Years - Was niemand erfährt
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Ich betone es immer wieder, dass mir die „True North“-Reihe von Sarina Bowen bislang mit Abstand am besten von ihr gefallen hat. Nach den „Ivy Years“ hatte ich die Hoffnung, dass die „Brooklyn Years“, ...

Ich betone es immer wieder, dass mir die „True North“-Reihe von Sarina Bowen bislang mit Abstand am besten von ihr gefallen hat. Nach den „Ivy Years“ hatte ich die Hoffnung, dass die „Brooklyn Years“, wiederum mit erwachsenerem Setting, mir besser gefallen würden, aber der erste Band war durchschnittlich. Leider kann auch der zweite Band nun auch nicht das entfalten, was ich mir erhofft hätte. Das heißt zwar nicht, dass ich eins der Bücher als Enttäuschung einstufen würde, aber es ist eben noch nicht die Magie aus True North.

Im ersten Band hatte ich schon den Eindruck, dass das Geschehen sehr oberflächlich bleibt. Man ist zwar mittendrin im Geschehen und fiebert auch für das Pärchen mit, aber trotzdem hat man am Ende das Gefühl, dass nicht tief genug gegangen wurde. Dieser Eindruck wiederholt sich hier. Hauptfigur Patrick kennen wir schon aus dem ersten Band, wo er Georgia kurzfristig schöne Augen gemacht hat. Ich hatte jedoch arge Probleme, den Patrick aus dem ersten Band mit dem aus dem zweiten überein zu bringen. Es wirkte nicht so natürlich, wie man das normalerweise hat. Ehrlicherweise hatte ich mich auf den Band mit ihm auch gar nicht gefreut, weil er eben eher rüde, prollig etc. rüberkam. Dementsprechend ist es natürlich gut, dass er hier deutlich nachbarer ist. Zwar immer noch eine Art einsamer Wolf, aber doch besser zu packen.

Diese oberflächliche Betrachtungsweise zeigt sich dann auch in der Entwicklung von Patrick. Er lässt sich anfangs von niemandem anfassen, Beziehungen sind für ihn ein Fremdwort und all diese Baustellen werden recht schnell losgeworden. Natürlich animiert ihn Ari, ein anderer Mensch zu sein, aber dennoch war es mir zu schnell und das gilt dann auch insgesamt für ihre Liebesgeschichte. Ihr erstes gemeinsames Mal miteinander kam für mich an der gesetzten Stelle völlig unerwartet. Dennoch kann ich nicht leugnen, dass die beiden etwas Schönes miteinander haben. Er, der seinen Beschützerinstinkt entdeckt und sich dadurch immer mehr öffnet und sie, die trotzdem nicht das hilflose Mädchen ist, sondern völlig eigenständig, aber zuvor in einer gefährlichen Beziehung steckte. Die Entwicklung des Geschehens war für mich so logisch und nachvollziehbar, da habe ich wirklich nichts zu meckern. Aber wenn man eben „True North“ kennt, dann weiß man, was bei Bowen möglich ist und da kratzt leider auch die „Brooklyn Years“-Reihe nur an der Oberfläche von.

Fazit: Auch mit dem zweiten Band kann mir die „Brooklyn Years“-Reihe leider nicht beweisen, dass sie von der großartigen Bowen stammt, die ich über „True North“ kennengelernt habe. Es ist definitiv eine unterhaltsame Lektüre, in der der Sport die Entfaltung bekommt, die für so eine Thematik auch nötig ist, aber dafür bleibt die tiefere Ebene auf der Strecke. Es sind genug Emotionen und Gefühle da, aber nicht so tiefgehend, wie ich es kenne und erwarte.

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Veröffentlicht am 30.12.2020

Zufriedenstellend, aber etwas weniger Magie

When We Hope
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Anne Pätzold war mit ihrer Trilogie zu K-Pop rund um Ella und Jae-yong definitiv eine der größten Überraschungen für mich in diesem Jahr, wenn nicht sogar die größte. Zum einen habe ich bis dato keine ...

Anne Pätzold war mit ihrer Trilogie zu K-Pop rund um Ella und Jae-yong definitiv eine der größten Überraschungen für mich in diesem Jahr, wenn nicht sogar die größte. Zum einen habe ich bis dato keine Ahnung von dieser Musikrichtung gehabt und habe die Bücher als wirklich hilfreiche Einführung empfunden, zum anderen ist es eine durchweg süße Geschichte. Hier musste nie eine sexuelle Spannung im Fokus stehen, sondern es war eine wunderbar langsam erzählte Liebesgeschichte, wo aber alles gepasst hat. Über allem schwebte natürlich der Erzählstil von Pätzold, der wirklich der größte Gewinn ist, denn dieser warmen Umarmung kann man sich einfach nicht entziehen. Wie schlägt sich nun also „When We Hope“, der Abschluss der Reihe?

Nach diesen Vorschusslorbeeren in meiner Einleitung bricht es mir fast das Herz, dass der dritte Band mich leider nicht mehr auf so magische Weise abholen konnte. All das zuvor Gesagte trifft immer noch zu, aber dennoch habe ich oft gemerkt, dass meine Gedanken abschweiften, was niemals passieren darf. Es fällt mir schwer, hierfür Erklärungen zu finden. War die Geschichte vielleicht doch irgendwie auserzählt? War es für mich die richtige Geschichte zum falschen Zeitpunkt? So dramatisch das nun klingen mag, eine rational riesige Enttäuschung ist „When We Hope“ definitiv nicht. Ich spreche auch definitiv eine Empfehlung aus, aber wenn man zweimal die volle Punktzahl gegeben hat, dann wirkt die Diskrepanz nun so riesig.

Ich habe weiterhin zig Aspekte gefunden, die mich an der Geschichte beeindruckt haben. Zunächst fand ich es großartig, dass für Ella in diesem Band die Reise nach Korea ging. Das war der logische Schritt, der erfolgen musste, weil er ihre Welt in so vielen Facetten kennengelernt hat, aber sie seine kaum bis gar nicht kannte. Deswegen habe ich auch ihr Bedürfnis nachvollziehen können, viel über Jae-yongs Kultur lernen zu wollen, da sie ihn ausmacht, wie ihre sie ausmacht. Zudem fand ich die Beschreibungen von Korea sehr gut nachvollziehbar. Ich weiß nicht, ob die Autorin schon einmal vor Ort war, aber es fühlte sich echt an. Zudem war die gemeinsame Entdeckung der Umgebung so behutsam gestaltet, dass ich mich auch mit meinem schlecht ausgeprägten Vorstellungsvermögen nicht überfordert fühlte. Weiterhin haben die beiden als Pärchen weitere wichtige Schritte in ihrer Beziehung getätigt. Damit meine ich nicht nur das erste gemeinsam Mal miteinander, sondern auch die Offenbarung, dass sie jeweils die Personen füreinander sind, an denen sie sich in Krisen aneinander wenden wollen. Zudem bin ich dankbar, dass für den noch nötigen Herzschmerz keine künstliche Dramatik erzeugt werden musste. Aus den vorhandenen Mitteln ist genau das gemacht worden, was ich mir selbst beim Lesen gedacht habe, natürlicher hätte es in der Abfolge also nicht sein können.

Nun kommen wir aber zu meinen Kritikpunkten, die ich klar benennen kann. Der Abschlussband war eng auf Ella und Jae-yong als Pärchen fokussiert, was natürlich nicht verboten ist, aber die Reihe hat auch von wichtigen Nebenfiguren gelebt und deswegen fand ich es schade, dass so einiges in den Hintergrund gedrängt wurde. Seien es die Schwestern, sei es die beste Freundin, sie schweben gefühlt in der Luft und auch wenn ich so nun die freie Fantasie habe, wie es für sie weitergeht, so war es dennoch nicht befriedigend. Insgesamt ist mir die Geschichte zu offen ausgegangen. Klar, es gab das Happy End, aber ich fand die Entwicklung der Band nicht weitreichend genug. Schön, dass sie am Ende etwas Eigenes präsentieren, aber warum noch mit diesem Label? Wir leben in einer Zeit, wo sehr viele Künstler sich auf eigene Beine stellen und wagen, etwas von sich in die Welt rauszulassen. Und gerade wenn man schon bereits eine erfolgreiche Band ist, so dürften die Hürden noch niedriger als bei vielen anderen gewesen sein. Zuletzt fand ich es schade, dass nicht mal eine Vision aufgezeigt wurde, wie die gemeinsame Zukunft von Ella und Jae-yong wohl aussehen könnte. Es wurden schließlich viele Konflikte angesprochen, die sich in einer Beziehung mit einem Promi ergeben und die sind ja nicht auf einmal aus der Welt geschaffen. Hier hätte ich mir ein stärkeres Bekenntnis von beiden Seiten gewünscht, wie kann es werden und wie wollen wir es?

Fazit: „When We Hope“ ist immer noch ein extrem unterhaltsames Buch, das noch viele wichtige Hürden nimmt und nötige neue Seiten der Beziehung des Pärchens Ella und Jae-yong beleuchtet und dennoch war es leider nicht die Magie der ersten beiden Bände für mich. Vielleicht hätte ich mir hier tatsächlich ein etwas schnelleres Erzähltempo gewünscht, damit die Geschichte nicht so eng, sondern weiter hätte enden können. Mir ist nämlich zu viel offen, aber ich weiß, dass andere wiederum offene Enden zu schätzen wissen, von daher wohl eine reine Geschmacksfrage.

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