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Veröffentlicht am 26.10.2020

Ernste Thematik unter dem Deckmantel einer typischen Liebesgeschichte

The Friend Zone
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Bold, das Imprint von DTV, veröffentlich nicht einfach nur Liebesromane, sondern Romane, die noch ein Stückchen weitergehen und oft sehr moderne Themen in den Blick nehmen. Durch dieses mehr ist der Verlag ...

Bold, das Imprint von DTV, veröffentlich nicht einfach nur Liebesromane, sondern Romane, die noch ein Stückchen weitergehen und oft sehr moderne Themen in den Blick nehmen. Durch dieses mehr ist der Verlag sicherlich der Zulaufpunkt, bei dem eine breite Mehrheit sich wohl fühlt, aber wenn man nicht nur Mainstream sein will, ist das wohl Konsequenz. Daher war ich insgesamt sehr überrascht, als ich mehr und mehr „Wenn aus Funken Flammen werden“ reingelesen haben, denn es beginnt eins zu eins wie ein klassischer Liebesroman. Mann trifft zufällig auf Frau, beide finden sich auf Anhieb attraktiv, aber vor allem sie gibt sich erstmal abweisend, bis nach einem Katz und Maus-Spiel beide erkennen, dass sie doch gegenseitig ihre große Liebe sind. Aber keine Sorge, das ist erstmal nur die äußere Verpackung, letztlich steckt in dem Buch doch noch deutlich mehr und das macht es wieder zur optimalen Wahl für bold.

Auch wenn definitiv sehr viele Aspekte eines typischen Liebesromans aufgegriffen wurden, so habe ich dennoch früh gemerkt, dass es dennoch kleinere Unterschiede gibt. So ist Hauptfigur Kristen in einer Beziehung, als sie Josh kennenlernt. Während sonst oft gleich der Betrug eine große Rolle spielt, ist Kristen sehr rigoros in Bezug auf ihre Treue in der Partnerschaft, auch wenn sie zunehmend etwas für Josh empfindet. Das hat mir unheimlich gut gefallen, denn das beweist starke Prinzipien und trotzdem habe ich es zu keinem Zeitpunkt als Schwächung der Liebesgeschichte empfunden, ganz im Gegenteil hat es sie in meinem Ansehen steigen lassen, denn auch Josh hat zu keinem Zeitpunkt übermäßig gedrängt und diese gegenseitige Akzeptanz für Werte hat mir zumindest bewiesen, dass sie auch in diesem Aspekt auf einer Wellenlänge sind.

Ein zweites Alleinstellungsmerkmal ist sicherlich die Darstellung von Kristens Krankheitsbild. So schonungslos dargestellt zu bekommen, von was eine Frau geplagt werden kann, was schließlich sogar zur Unfruchtbarkeit führt, war heftig, aber auch wichtig, denn bekanntlich wird über die Gründe, warum Frauen keine Kinder bekommen können, oft drüber hinweggesehen, sie werden lieber weiter als Gebärmaschinen gesehen. Es ist sicherlich nicht überdrastisch ins Details gegangen worden, aber als Frau, die einmal im Monat ihre Tage hat, kenne ich wie so viele andere Leserinnen auch, um welche Bereiche es hier geht, so dass man sich vieles denken kann, was Kristen erleidet. Die dadurch bei ihr ausgelösten inneren Prozesse, ihre Entscheidungen und Prinzipien, die sie dadurch ableitet, all das konnte ich sehr gut mit ihr fühlen. Und es ist tatsächlich eine Thematik, die die Liebe auf die Probe stellen kann, gegenseitige heftige Vorwürfe nicht ausgeschlossen.

Zuletzt kommt noch der Aspekt Vorhersehbarkeit ins Spiel. Auch wenn ich im Verlauf gemerkt hatte, dass die Geschichte nicht brav alle Schritte einer Liebesgeschichte durchläuft, so habe ich mir doch ein bestimmtes Ende ausgemalt. Und wie falsch ich damit lag, denn irgendwann gibt es wirklich ein Ereignis, mit dem ich null gerechnet hätte. Danach dachte ich, dass nun doch der Höhepunkt des Leids erreicht sein muss, doch die Autorin kann noch einmal drauflegen. Ich ziehe definitiv den Hut davor, dass es hier so unvorhersehbar wurde, auch wenn es die Geschichte von Kristen und Josh nicht gebraucht hätte. Hier wurden definitiv die Grundsteine für einen zweiten Band gelegt. Als gutes Stilmittel lasse ich es dennoch gerne stehen.

Warum gebe ich trotzdem keine fünf Sterne? Gegen Ende hin geht dem Buch leider aus zweierlei Gründen die Puste aus. Zum einen hat mir die Autorin mindestens eine, wenn nicht sogar zwei Runden zu viel der Frage beschert, ob die beiden Protagonisten nun zusammenkommen. Dieses ewige Hin und Her war irgendwann ermüdend. Zum zweiten ist es das Ausmaß des Happy Ends, das geboten wird. Es war für die Thematik des Buchs zu happy. Ich hätte wunderbar damit leben können, wenn es einen gewissen Entwicklungsschritt so nicht gegeben hätte, da es der Geschichte an sich gerechter geworden wäre. Dennoch ist es insgesamt eine empfehlenswerte Lektüre.

Fazit: „Wenn aus Funken Flammen werden“ beschäftigt sich auf eindrückliche Weise mit dem Thema Unfruchtbarkeit bei der Frau und wie sich das auf eine Beziehung auswirken kann. Zunächst unter dem Deckmantel einer 08/15-Liebesgeschichte, zeigt sich schnell, dass dieses Buch eine Botschaft hat und dass auf viel Drama nicht verzichtet wird. Dieses kommt aber so unvorhersehbar, dass es definitiv mit allem nachhallt. Erst am Schluss zieht sich das Geschehen zu lange hin und das Happy End ist zu happy, womit sicherlich viele andere Leserinnen sofort wissen, was ich damit meine.

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Veröffentlicht am 21.10.2020

Anstrengend, aber wie immer ein emotionales Erlebnis

All das Ungesagte zwischen uns
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Ich kann es nur immer wieder betonen, Colleen Hoover hat es inzwischen doppelt und dreifach verdient, von LeserInnen weltweit verehrt zu werden, denn diese Frau schreibt inzwischen in so vielen Genres ...

Ich kann es nur immer wieder betonen, Colleen Hoover hat es inzwischen doppelt und dreifach verdient, von LeserInnen weltweit verehrt zu werden, denn diese Frau schreibt inzwischen in so vielen Genres und doch immer mit ihrer eigenen Stimme, dass man sie nur bewundern kann. Nach „Verity“, das sich im Thrillergenre ausprobiert hat, wird es mit „All das Ungesagte zwischen uns“ wieder eindeutig dramatischer, aber durch die Mutter- und Tochter-Perspektive ist es für Erwachsene und Jugendliche gleichermaßen, für Mütter und Töchter eben. Aber auch für so viele mehr, denn in dargestellten Konflikten werden sich genug Menschen wiedererkennen.

Wirkungstechnisch hat mich „All das Ungesagte zwischen uns“ schon stark an „Was perfekt war“ erinnert. Darin ging es vor einigen Jahren um ein Paar, dessen grandiose Liebe auf einmal in Scherben liegt, während das neuste auf Deutsch erschiene Werk nun eine ganze Familie am Boden liegen hat. In einer selbstzerstörerischen Manier kommt es zu zahlreichen Konflikten, die aber nie aus dem Weg geräumt werden und sich dadurch in ihrer Intensität nur immer weiter anstauen. Dadurch sind beide Lektüren durchaus schwer zu ertragen, denn das Leid, was sich anstaut, ist nur schwer zu ertragen, denn als Leser kenn man beide Seiten und würde am liebsten schreien: „Jetzt redet doch endlich miteinander!“ Aber das kann man eben nicht, weswegen die Sache ihren Lauf nimmt und man doch irgendwie erleichtert ist, wenn die Lektüre dann doch beendet ist. Denn solche emotional anstrengenden Erzählungen kann man nicht ewig mitmachen. Trotzdem ist es bewundernswert, dass Hoover regelmäßig bereit ist, so tief zu gehen.

Vor der Lektüre von „All das Ungesagte zwischen uns“ war ich zunächst vor allem begeistert, dass durchgesickert war, dass es vorrangig um eine Mutter-Tochter-Geschichte gehen würde. Warum? Hoover schafft großartige Liebesgeschichten, aber Eltern haben dabei ganz oft keine Rolle gespielt, ganz im Gegenteil war das Verhältnis oft zerrüttet. Da ich als Fan der Autorin aber weiß, dass sie zu ihrer eigenen Mutter ein sehr enges Verhältnis hat, hat es mich immer ein wenig gewundert, dass Eltern in ihren Geschichten oft keine bis eine geringe Rolle gespielt haben. Damit räumt „All das Ungesagte zwischen uns“ definitiv auf, denn hier steht genau das im Fokus und ich finde, dass es eine sehr authentische Darstellung geworden ist, denn gerade in der Pubertät ist eine Phase erreicht, in der es ganz gewaltig schiefgehen kann und obwohl sich Mutter und Tochter ohne Frage lieben, ist da auch viel Hass und das kann ich aus meiner eigenen Warte, auch mit den Erfahrungen von Mitschülern, nur bestätigen.

Die Voraussetzung für diese Geschichte ist natürlich ganz viel Drama, aber das ist für Hoover nun wahrlich nicht ungewöhnlich. Aber ich fand, dass die Handlung einen wirklich geschickten Weg gefunden hat, dass man in all dem Leid, all den Ungerechtigkeiten eben doch genug Lichtschimmer hatte, die dann auch wieder so Hoover-typisch waren, so dass mir alleine in Erinnerung daran, das Herz schmilzt. Hoover kann wie kaum eine sonst großartige Liebesgeschichten ohne viel Schnickschnack, aber eben doch mit der besonderen Note erzählen und diesmal haben wir gleich zwei dieser Sorte, was definitiv ein Gewinn ist. Sowohl Morgan und Jonah als auch Clara und Miller hatten jede für sich einzigartige Geschichten, mit kleineren Parallelen, aber einfach großartig. Gerade in dem überraschend friedlichen Ende ist das auf die Spitze getrieben worden, denn gerade der private Kurzfilm hat mich endgültig innerlich zerstört, weil es so wunderschön war.

Fazit: Auch wenn „All das Ungesagte zwischen uns“ definitiv eine emotional sehr anstrengende Lektüre ist, so ist es aber auch unheimlich echt und wie immer für ein Hoover-Buch großartig geschrieben worden. Bei ihren Büchern kann man nicht rund um die Uhr happy sein, man muss schon durch all die Tiefen mitgehen, damit man sich das Happy End dann doch noch verdient.

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Veröffentlicht am 15.10.2020

Trotz guten Inhalts zu schlampig erzählt

Unvergesslich
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Roni Loren ist für mich eine völlig neue Autorin und da ich zuletzt immer eher zu NA als zu den eher erwachseneren Büchern gegriffen habe, war es hier definitiv das Cover was mich gepackt hat. Als ich ...

Roni Loren ist für mich eine völlig neue Autorin und da ich zuletzt immer eher zu NA als zu den eher erwachseneren Büchern gegriffen habe, war es hier definitiv das Cover was mich gepackt hat. Als ich mich dann mit dem Klappentext und den ersten Seiten beschäftigt habe, ist mir auch direkt positiv ins Auge gefallen, dass der Ausgangspunkt für diese Reihe ein sehr tragisches Ereignis ist: ein Amoklauf in einer Schule mit vielen Toten. Das ist sicherlich keine einfache Thematik, aber eine, die alleine emotional unheimlich viel Potenzial birgt, denn solche Erfahrungen hinterlassen Spuren und diese zu erkunden muss man sich nur trauen. Macht Loren das mit „Unvergesslich“?

Ich fand es sehr hilfreich, dass gleich mit dem Amoklauf und den dazu gehörenden Erfahrungen angefangen wird, denn es wäre schade gewesen, das als Mysterium über der Geschichte schweben zu haben. So weiß man als Leser gleich, was damals passiert ist und was unsere beiden Protagonisten Liv und Finn erlebt haben. Was genau die beiden damals hatten, ist damit noch nicht verraten, aber man merkt gleich, dass die beiden sich einst sehr viel bedeutet haben. Auch wenn die Ausgangslage für „Unvergesslich“ also wirklich sehr gut ist, so haben sich jedoch rein technisch doch einige Hindernisse für mich ergeben. Es wird leider nicht immer klar, was wann passiert ist. Wann genau war der Amoklauf? Im letzten Schuljahr, im vorletzten? Wie konnte Liv mit drei anderen Schülerinnen ein enges Band knüpfen, während das zu Finn offenbar von heute auf morgen geplatzt ist? Auch vom Kontext haben sich für mich einige Lücken ergeben. Während Finns Familie im Verlauf noch auftaucht, ist von Livs Familie kaum mal die Rede. Sie ist auch von diesen maßgeblich mitgeprägt worden, aber dennoch sind sie in der Gegenwart überhaupt kein Thema. Weiterhin fand ich es seltsam, dass es zwischen Liv und Rebecca, mit der Finn in der damaligen Nacht ein Date hatte, nie ein klärendes Gespräch gibt. Das sind alles nur Kleinigkeiten, aber welche, die in der Summe mich immer wieder etwas haben kritisch hinterfragen lassen und das will ich als Leserin nicht tun müssen. Ich will zwar eine intensive Auseinandersetzung, aber auch eine, bei der ich mich fallen lassen kann und nicht alles kritisch hinterfragen muss.

Das äußere Korsett steht also auf wackligen Füßen, aber dennoch finde ich die Liebesgeschichte zwischen Finn und Liv schön erzählt. Ich hatte anfangs eher das Gefühl, dass Liv eine sehr zurückhaltende Persönlichkeit ist, die wirklich tief von den Ereignissen mitgenommen wurde, aber sie ist eine überraschend starke und eigenständige Person, die nur falsch abgebogen ist. Finn ist da deutlich mysteriöser und auch undurchschaubar, aber dennoch merkt man, dass er einer von den Guten ist, aber einer, der das nicht mehr so leicht zeigen kann. Die beiden haben eine gute Chemie und ich habe mich leicht von ihnen mitziehen lassen können. Auch der Aufbau ihrer gemeinsamen Geschichte ist sehr logisch und stringent aufgebaut, weswegen ich mit dem eigentlichen Kern, dem Inhalt, durchaus zufrieden sein kann.

Und dennoch muss ich letztlich zu dem Fazit kommen, dass „Unvergesslich“ jetzt nicht der Auftakt einer Reihe war, die das Gefühl erzeugt, unbedingt alles gelesen haben zu müssen. Dafür ist einfach das erzählerische Handwerk an einigen Stellen zu schlampig. Die Liebesgeschichte zwischen Liv und Finn mag noch so ziehen und berühren, aber ich hatte einfach zu viele kritische Fragezeichen im Gesicht, die das Lesevergnügen geschmälert haben.

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Veröffentlicht am 15.10.2020

Madly in Love mit diesem Buch

Madly
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„Truly“ war meine erste Begegnung mit der deutschen Autorin Ava Reed und es war eine sanfte erste Begegnung. Es war keine Liebe auf den ersten Blick, aber es war vor allem Anerkennung dafür, dass sie eine ...

„Truly“ war meine erste Begegnung mit der deutschen Autorin Ava Reed und es war eine sanfte erste Begegnung. Es war keine Liebe auf den ersten Blick, aber es war vor allem Anerkennung dafür, dass sie eine sehr talentierte Erzählerin ist, die sich mit einigen Aspekten sicherlich erst bei New Adult eingrooven muss, aber mir war gleich klar, diese Reihe wird komplett gelesen.

Wie so üblich bei NA-Reihen waren June und Mason als Protagonisten für den zweiten Band „Madly“ keine Unbekannten für mich und ich fand die beiden schon seit ihrem ersten Aufeinandertreffen wahnsinnig vielversprechend. Warum sollte ich also verheimlichen, dass ich regelrecht auf die beiden hingefiebert habe? Und ich bin so unfassbar dankbar, dass diese dadurch aufgebauten hohen Erwartungen vollends erfüllt wurden. Ich liebe nahezu jede einzelne Seite von „Madly“, denn diese krasse Chemie zwischen June und Mason hat diese Geschichte so dermaßen getragen, dass ich wirklich kaum noch meinen Blick von den Seiten lösen konnte und tatsächlich Gänsehaut und eine innere Anspannung verspürt habe, weil es mich so mitgenommen hat. Ich stehe einfach auf diese gleichberechtigten Spielchen zwischen Mann und Frau, weswegen dieser Band vom Inhalt her voll in mein Beuteschema passte.

Aber nun genug mit meinem kleinen emotionalen Ausraster, denn nun will ich doch etwas objektiver meine Gründe darlegen, warum mich „Madly“ so umgehauen hat. Von June wussten wir bereits, dass sie sich für etwas was ihr Äußeres betrifft schämt. Ich habe die ganze Zeit gedacht, dass es um ihr Gewicht geht, was definitiv auch ein interessantes Thema gewesen wäre, aber mit dem Feuermal hätte ich nicht gerechnet, aber ich kann auch damit wunderbar leben, denn sowohl eine körperliche Entstellung als auch Übergewicht sind zwei Themen, die man oft in New Adult nicht findet, wo die Welt gerne etwas oberflächlicher konstruiert ist. Daher fand ich diesen inneren Kampf von June als Thema wirklich wunderbar gewählt und ich finde auch, dass ihr Trauma ausgelöst durch ihre Eltern sehr authentisch rübergebracht wurde. Egal was June macht, ständig sind ihre Gedanken dabei, ob diese Mal auch ja nur nicht so zu sehen ist und wer kennt das nicht, wenn sich alle Gedanken nur noch um genau ein Thema drehen und einen wahnsinnig macht, bis man nicht mehr klar sehen kann? Umso beeindruckender bin ich, dass June daher eine so starke Persönlichkeit abbekommen hat. Dieses freche, das laute, das ist ihre Rüstung. Sicherlich eine Rüstung mit Rüstung, aber sicherlich genauso logisch wie umgekehrt, wenn man sich komplett in sich selbst zurückzieht.

June gegenüber steht Mason, der sicherlich eine eher oberflächlichere Geschichte hat, aber trotzdem eine, die zu überzeugen weiß und letztlich finde ich es auch besser, wenn nicht überall gleich viel Drama aufgebaut wird, denn sonst wirkt es irgendwann zu gekünstelt. Und viel entscheidender als die Einzelgeschichten ist dann auch die Geschichte der beiden zusammen, denn vorrangig ist es eine Liebesgeschichte und „Madly“ schreit ganz laut nach Liebe. Die beiden haben wirklich die bereits erwähnte unfassbare Chemie miteinander. Wenn sie nur in der Gegenwart voneinander sind, dann merkt man bereits als Leser eine unterschwellige Spannung, die sich durch jeden gewechselten Blick, durch jedes gewechselte Wort und durch alles andere aufbaut, um dann zum Platzen gebracht zu werden, weil June und Mason es sich eben gegenseitig schwer machen. Natürlich ist ein gewisser Frust dabei, wenn einer von beiden die Handbremse zieht, aber es ist positiver Frust, denn man fiebert nur umso mehr mit den beiden mit.

Ganz leicht möchte ich nur meckern, dass es teilweise eher unnötige Szenen gab, vor allem bei June, wo wir sie bei Ereignissen begleitet haben, die ich in dieser Ausführlichkeit nicht gebraucht hätte. Aber viele haben „Truly“ ja vorgeworfen, dass zu viel beschrieben und erzählt wird, so dass inhaltlich nichts passiert. Das kann man bei „Madly“ wirklich nicht sagen. Es passiert immer etwas, weswegen man „Madly“ definitiv noch schneller lesen kann als „Truly“:

Fazit: Mit „Madly“ hat mich Ava Reed nun endgültig am Haken, denn dieser zweite Band sprüht nur so von Energie und Chemie, von ganz viel Liebe für diese genial zusammenpassende Paarung. Auch wenn es ein echt wunderbares Ende war, ich hätte von ihnen beiden noch ewig weiterlesen können und das ist definitiv ein großes Kompliment.

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Veröffentlicht am 07.10.2020

In seiner Wichtigkeit doch schwer zu ertragen

War’s das jetzt?
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Holly Bourne gehört meiner Meinung nach zu den völlig unterschätzen Autorinnen. Ob sie nun für Jugendliche oder Frauen schreibt, ihre geschriebenen Werke sind einfach jedes Mal ein Mehrwert, denn sie blickt ...

Holly Bourne gehört meiner Meinung nach zu den völlig unterschätzen Autorinnen. Ob sie nun für Jugendliche oder Frauen schreibt, ihre geschriebenen Werke sind einfach jedes Mal ein Mehrwert, denn sie blickt tief. Und das noch nicht mal mit ihrem Stil oder besonderer Wortgewandtheit zu tun, sondern mit ihrem Talent so zu schreiben, wie Leute wirklich fühlen und das völlig unverblümt. Zuletzt hat sie das mit der Reihe für Jugendliche, „Spinster Girls“ bewiesen, wo sie die Herausforderungen von weiblichen Jugendlichen zwischen Feminismus und jugendlichen Schwärmereien eindrucksvoll beleuchtet hat. Mit „War’s das jetzt?“ geht es diesmal um eine Frau in einer toxischen Beziehung, auch ein wichtiges Thema, da es genug Frauen, aber sicherlich auch Männer in solchen Beziehungen gibt, die aber die Reißleine nicht ziehen können.

Gleich vorweg kann ich sagen, dass ich zwar Bournes schonungslos ehrlichen Stil sehr bewundere, aber bei der Thematik einer toxischen Beziehung, die fast zur Selbstzerstörung führt, kommt auch auf den Leser eine ordentliche Portion emotionale Belastung hinzu. Ich hätte wahnsinnig oft schreien können, weil das, was Hauptprotagonistin Tori denkt und macht, so schrecklich ist, dass es kaum zu ertragen ist. Wo ich bei meiner Freundin sofort den Drang verspüren würde, etwas zu sagen oder auf welche Weise auch immer zu helfen, war ich als Leserin zur Untätigkeit verbannt und das hat unendlich geschmerzt. Es ließ sich zum Glück flüssig lesen, denn ansonsten hätte ich es wahrscheinlich irgendwann in die Ecke gepfeffert, um dann erst wieder runterzukommen. Aber das Leseerlebnis ist auch wie eine Achterbahnfahrt. Wo man mit ihr leidet, da wird einem im nächsten Moment ein Brotkrumen hingeworfen, wo man wieder Hoffnung schöpft, damit die Blase dann schon wieder zerplatzt wird.

Und obwohl es oft am Rande des Ertragens war, so muss ich definitiv auch anerkennen, dass Bourne die Geschichte einer Frau geschaffen hat, bei der sich jede einzelne Leserin, vielleicht auch sogar Leser, zu einem gewissen prozentualen Teil mit identifizieren können. Während Toris Geltungssucht nach digitaler Aufmerksamkeit mir nicht ferner liegen könnte, so ist das ewige Vergleichen mit Gleichaltrigen, sei es nun angesichts des Körperzustandes oder an dem, was sozial schon erreicht wurde, mir definitiv nicht unbekannt. Vieles von dem, was Tori gedacht oder teilweise sogar ausgesprochen hat, hat in mir bewogen zu sagen: „Das kenne ich doch!“ Und die Botschaft ist so wichtig. Indem Bourne diesen Typ Beziehung nicht beschönigt hat, sondern eher mit allem, was sie hat, in den Boden gerammt hat, ist es auch ein Weckruf und was für einer! Am Ende fand ich es nur etwas schade, dass mit dem Beziehungsende auch das Buch endet, denn es sollte eigentlich klar sein, dass es eben nicht nur die Beziehung war, die Tori so zugesetzt hat, sondern sie hat eben auch genug eigene Dämonen gehabt, die in dieser Beziehung besonders gefüttert wurden. Im Grunde geht mit dem Ende der Selbstheilungsprozess erst richtig los.

Fazit: „War’s das jetzt?“ ist definitiv ein extrem eindrückliches Buch, das unseren aktuellen Zeitgeist perfekt auffängt und das schonungslos ehrlich. Daher kann man nicht unbedingt von einem Lesevergnügen sprechen, weil man viel zu viel im Prozess des Lesens leidet, aber das Buch ist wichtig und das ist seine Stärke.

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