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Veröffentlicht am 08.07.2020

Erst magisch, dann etwas beliebig

Wie die Ruhe vor dem Sturm
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Dafür, dass ich Brittainy C. Cherry als Autorin sehr bewundere, habe ich bisher viel zu wenig ihrer Bücher gelesen. Dabei muss man ihre Bücher noch nicht mal in einer bestimmten Reihenfolge lesen, weil ...

Dafür, dass ich Brittainy C. Cherry als Autorin sehr bewundere, habe ich bisher viel zu wenig ihrer Bücher gelesen. Dabei muss man ihre Bücher noch nicht mal in einer bestimmten Reihenfolge lesen, weil sie trotz der Zuordnung zu Reihen völlig unabhängig voneinander sind. Bei „Die Ruhe vor dem Sturm“ habe ich jetzt aber zugegriffen, denn zu lange ohne Cherry geht dann eben doch nicht.

Warum ich diese Autorin so großartig findet, hat mich gleich das erste Drittel des Buchs wieder extrem gelehrt. Es sind nur wenige Sätze geschrieben und schon entfaltet sich für mich eine besondere Magie. Dabei hat Cherry noch nicht einmal einen Schreibstil, wo man sagen würde, der ist so außergewöhnlich, den kann niemand anderes erreichen. Denn ihre Sprache ist einfach, manchmal sogar so einfach, dass es sogar kindgerecht wirkt, aber genau in dieser Simplizität entfaltet sich dann die Besonderheit. Wenn man den entscheidenden Satz dieses Buch hat „Er ist er, ich bin ich, wir sind wir“, dann geht mir sofort das Herz auf, denn es zeigt, dass es nicht viel braucht, um die Essenz von Liebe und so vielen anderen Gefühlen auf den Punkt zu bringen. Cherry scheint genau zu wissen, wie sie die breite Masse erreicht und dabei dennoch das gewisse Etwas zu transportieren.

Das erste Drittel des Buchs war aber auch so mein absolutes Highlight, denn sowohl die jugendliche Eleanor und der jugendliche Greyson haben mein Herz von Minute 1 an aufgehen lassen. Es sind bei Cherry eben auch immer Figuren, die wie absolute Normalos wirken und die trotzdem genug anbieten, um die anbetungswürdigen Helden unserer Geschichte darzustellen. Ich habe mich heftig in die beiden als Paar verliebt, auch weil sie solange eher Freunde waren, weil so eine wirklich tiefe Verbindung entstanden ist, die in ihren Grundfesten nicht so schnell zu erschüttern ist. Ich hätte den beiden genauso immer weiterfolgen können, aber für Cherry üblich schlägt irgendwann das Schicksal zu.

Dieses Schicksal hat aber leider auch dafür gesorgt, dass die Geschichte für mich einen gewissen Bruch erlitten hat. Zum einen fand ich es leider völlig übertrieben, wie Ellies Vater auf den Tod seiner Frau reagiert hat. Trauer zeigt sich in höchst unterschiedlichen Formen, aber wir haben Kevin eben so erleben dürfen, wie er tatsächlich ist und ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Mann seine Tochter einfach so hängen lässt. Natürlich sollte so eine Parallele zu Greyson geschafft werden, die auch am Ende schöne Momente mit sich gebracht hat, aber dennoch fand ich diese Entwicklung nicht richtig für die Figur.

Das andere ist eben, dass dieses Thema „Nanny heilt trauernde Familie“ schon oft ausgelutscht wurde, zumal Cherry hier nahezu auch das übliche Schema anbietet. Wir haben den Unterschied, dass die Nanny schon einmal mit dem Familienvater liiert war, aber alles andere, sei es die aufsässige Jugendliche, die allen die Hölle auf Erden bereitet oder eben Greyson, der völlig ungerechtfertigt und launisch daherkommt, das war alles leider nicht neu. Auch wenn es in Liebesromanen weniger um Überraschungselemente geht, so fand ich die Geschichte leider völlig vorhersehbar. Aber Cherrys Kunst ist dann, dass man trotzdem selig weiterliest, weil sie trotz einer gewissen Enttäuschung immer noch Mage kreiert.

Fazit: „Wie die Ruhe vor dem Sturm“ wird mir nicht unbedingt als Cherrys bestes Werk im Kopf bleiben, denn nach dem magischen Beginn, ist die Idee mit der Nanny, die die Familie aus dem tiefen Tal der Trauer reißt, zu oft schon inhaltlich verpackt worden. Trotz Cherrys grandioser erzählerischer Fähigkeiten wirkte das Buch daher leider etwas beliebig. Mitreißen konnte es mich natürlich dennoch, denn Gefühle erzeugt die Autorin immer.

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Veröffentlicht am 06.07.2020

Nachdenklich machende alternative Realität

NSA - Nationales Sicherheits-Amt
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Andreas Eschbach war mir bereits vor der Lektüre von „NSA“ ein Begriff, da Bücher wie das „Jesus-Video“ natürlich im Gedächtnis hängenbleiben, selbst wenn man sie selbst gar nicht gelesen hat. Aber die ...

Andreas Eschbach war mir bereits vor der Lektüre von „NSA“ ein Begriff, da Bücher wie das „Jesus-Video“ natürlich im Gedächtnis hängenbleiben, selbst wenn man sie selbst gar nicht gelesen hat. Aber die Idee, neue Realitäten zu schaffen, die sich aber auf alte Realitäten zu beziehen und dabei zu provozieren und viele spannende Fragen aufzuwerfen, das kann auf dem Buchmarkt nicht untergehen, weil es ziemlich einzigartig ist. So gesehen bin ich froh, dass ich meine erste literarische Begegnung mit Eschbach nun auch hatte.

Die Buchstabenkombination NSA ist nun wahrlich keine Unbekannte, steht aber eigentlich eher für den großen Bruder in Übersee, der uns Deutsche alle abhört. Daher fand ich es zunächst mal witzig, dass auch im Deutschen zu diesem Akronym eine wunderbare Entsprechung gefunden werden konnte und dass wir Deutschen diesmal darunter versteckt sind. Ansonsten bekommen wir eine Welt präsentiert, die von den Grundgedanken her nicht weit von 2020 entfernt liegt, die aber tatsächlich fast 100 Jahre zuvor spielt. Unglaublich, mag man sagen, aber ich fand den Gedanken höchst faszinierend, dass nur winzige Veränderungen diese Realität wirklich hätten machen können. Aber diese Faszination darüber ist auch immer von Entsetzen abgelöst worden, denn zu lesen, wie der 2. Weltkrieg so vielleicht verlaufen wäre, hat mir einige Schauer über den Rücken gejagt. Es war schon in der Realität schlimm genug, aber auch andere Realitäten haben Grauen bereitgehalten.

Ich fand es strategisch sehr klug, welche Stilistik dieses Buch aufwies. Zum einen war das die Erzählreihenfolge. Dass wir zunächst in der „Zukunft“ starten und schon zentrale Knackpunkte dieser Geschichte präsentiert bekommen haben, bis es dann wieder zurückging, um den Leser vertraut mit den Hauptfiguren zu machen. Dieses Mysterium hat den Lesefluss doch ordentlich angeheizt, denn ansonsten können einen 800 Seiten doch ordentlich erschlagen, aber so wollte man unbedingt wissen, wie es weitergeht. Der zweite gute Kniff war, so zwei gegensätzliche Hauptfiguren zu wählen. Helene ist die klassische Protagonistin, die Heldin einer Geschichte. Sie ist ein durch und durch guter Mensch, die eine Faszination fürs Programmieren entwickelt, was sie aber in eine Welt von ethischen Dilemma einführt, womit sie wohl niemals gerechnet hätte. Ihr inneren Kampf, wenn sie ihrem Job nachging, gleichzeitig aber wissend, dass es anderen das Leben kostet, das war sehr nahbar transportiert. Auf der anderen Seite haben wir Eugen, der ziemlich widerlich daher kommt, den man aber trotzdem nicht einfach als Antagonisten bezeichnen könnte, da er trotz seiner widerwärtigen Neigungen eben doch auch eher ein Skeptiker des Hitler-Regimes war. Zudem waren auch seine inneren Kämpfe sehr transparent dargelegt, so dass selbst im Schlechten hier noch das Nachvollziehbare zu sehen war.

Mit so zwei konträren Hauptfiguren war natürlich auch in jedem Kapitel etwas Neues zu entdecken. Selbst wenn sich ihre Handlungen irgendwann zunehmend überschnitten, es war dennoch so unterschiedlich, dass ich an beiden Geschichten sehr gehangen habe. An Helene letztlich natürlich mehr, da sie einfach sympathischer daherkam. Da ich mich thematisch bis dato nie viel mit unserer Überwachungsgesellschaft auseinandergesetzt habe, weil ich quasi schon zur Generation gehöre, die damit großgeworden ist, war es doch entsetzlich für mich mitzuverfolgen, bis in welche kleinen Bereiche diese Überwachung geht und wie viel man über den einzelnen Menschen herausfinden kann. Gewarnt wurde schon viel, aber es auch so drastisch vor Augen geführt zu bekommen, war definitiv noch einmal eine andere Hausnummer.

Dennoch muss ich auch sagen, dass Eschbach sich insgesamt kürzer hätte halten können. 800 Seiten sind wirklich eine Hausnummer. So spannend die Geschichte auch zwischendurch war, so gab es eben leider auch Passagen, die meine Geduld mehr gefordert haben. Gerade für die Sachen zur Programmierung habe ich wenig Verständnis und die wurden so detailliert erklärt, dass man wahrscheinlich auch als Laie auf den Expertenzug hätte aufspringen können, aber ich hätte es für das Gesamtverständnis des Geschehen so nicht gebraucht. Insgesamt 100 Seiten hätte man sich locker sparen können.

Abschließend möchte ich noch ein paar Worte über die letzten Kapitel des Buchs verlieren, da mich diese wirklich extrem mitgenommen haben. Lange verlief die alternative Realität doch recht parallel zur tatsächlichen Historie, aber am Ende wurde dem ganzen Kuchen noch das Sahnehäubchen aufgesetzt. Hier hat Eschbach wirklich auf eine drastische Alternative gesetzt, die ich aber sehr gut nachvollziehen konnte. So ein Buch braucht ein Ausrufezeichen zum Abschluss. Und das war definitiv eins. Es verabschiedet den Leser mit neuen Horrorszenarien, die definitiv zum Nachdenken anregen und ich denke genau das wollte der Autor auch erreichen.

Fazit: Mein erstes Eschbach-Buch und ich bin nun auch weit 24 Stunden nach Beendigung der Lektüre noch erschüttert. Er hat eine alternative Realität geschaffen, die auf Drastik und das Wachrütteln setzt und dabei sehr intelligent erzählt ist. Einige Längen vor allem im Kontext des Programmierens kann man diesem Buch verzeihen, aber dennoch hätten es 100 Seiten weniger sein müssen, dann wäre es perfekt gewesen. Aber auch sonst empfehlenswert für jeden Interessierten, der sich reflexiv mit einem Thema auseinandersetzen möchte.

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Veröffentlicht am 21.06.2020

Hinkende Ode an die Freundschaft

Die Mädchen aus der Firefly Lane
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In diesem Jahr wird auf Netflix die TV-Adaption von „Die Mädchen aus der Firefly Lane“ erwartet. Das Buch von Kristin Hannah erschien erstmals unter dem Titel „Immer für dich da“ 2009 beim Ullstein-Verlag, ...

In diesem Jahr wird auf Netflix die TV-Adaption von „Die Mädchen aus der Firefly Lane“ erwartet. Das Buch von Kristin Hannah erschien erstmals unter dem Titel „Immer für dich da“ 2009 beim Ullstein-Verlag, während es nun anlässlich der Verfilmung neu bei atb unter dem Titel aufgelegt wurde, die auch die Serie tragen wird. Grund genug, um sich mit dem Inhalt vertraut zu machen, der über mehrere Jahrzehnte hinweg die Geschichte eine Freundschaft erzählt, die trotz aller Enttäuschungen, verschiedener Lebensentwicklungen immer erhalten bleibt.

Kristin Hannah schreibt bereits seit den 90ern Liebesromane, in denen aber auch stets die Freundschaft eine ganz besondere Stellung eingeräumt bekommt. Mit diesem Erfolgsrezept begeistert sie nun schon seit nahezu 30 Jahren ihre Leser weltweit. Auch ich habe bereits Romane von ihr gelesen, die zwar oft sehr dramatisch sind, aber dabei stets die LeserInnen abholt, die von der ersten bis zur letzten Seite mitfühlen können. „Die Mädchen aus der Firefly Lane“ lese ich nun tatsächlich erst zum ersten Mal, aber man erkennt von der ersten Seite an Hannahs Handschrift. Auf den ersten Blick kann man bei ihr schnell den Eindruck gewinnen, dass sie etwas oberflächlich schreibt. Sie hat eine einfache Sprache und erzählt nur aus der personalen Erzählperspektive, was ein Gefühl von Distanz erzeugt. Als ob man von weit oben über der Geschichte schweben würde und nur erahnen könnte, was tatsächlich passiert.

Dieser Eindruck täuscht aber, denn Hannah ist keine Autorin, die die Gefühle ihrer Figuren hinter dem Berg hält. Es wird immer auf den Punkt gebracht, was sie bewegt und antreibt, denn Trauer, Freude, Eifersucht und all die anderen menschlichen Regungen werden nicht verklausuliert, sondern dem Leser oder der Leserin einfach an die Hand gegeben. Zudem hält sich die Autorin nicht mit ausführlichen und detaillierten Beschreibungen auf, was man vor allem daran sieht, dass sie in diesem Roman eine sehr lange Zeitspanne abbildet und sich daher gar nicht die kleinen Momente konzentrieren kann. Das mag dem einen oder der anderen zu oberflächlich erscheinen, aber diese Stilistik erzeugt ein sehr schnelles Tempo und passt eben hervorragend zu der Grundidee des Buchs, das die Besonderheiten einer Freundschaft darstellen will, die über mehrere Jahrzehnte andauert. Wenn man keine Saga schreiben will, ist das wohl die richtige Methode der Wahl.

Während ich stilistisch also sehr einverstanden mit „Die Mädchen aus der Firefly Lane“ bin, so habe ich dennoch charakterlich Abstriche zu machen. Das liegt nicht daran, dass mir die Charaktere zu oberflächlich erscheinen, denn man kann sich auch von den Nebenfiguren ein sehr klares Bild machen, es liegt schlichtweg vor allem an Hauptfigur Tully. Sie soll natürlich das nahezu größtmögliche Gegenteil zu Kate darstellen und damit auch zu mir selbst, aber ich habe sie durchgängig als sehr anstrengend empfunden. Man versteht, warum sie so ist, wie sie ist, aber dennoch würde ich daher nicht all ihre Handlungen entschuldigen wollen. Da es eben vorrangig um Freundschaft geht, muss ich feststellen, dass es eine sehr einseitige Darstellung war. Tully war nicht immer eine schlechte Freundin und sie hat es oft gut gemeint, aber sie hatte schlichtweg nie ein Verständnis dafür, was in Kate vorgeht und spätestens nach 20 Jahren Freundschaft ist das ein Problem. Auch wenn sich am Ende alles rund anfühlt, ist es für mich leider nicht die Freundschaft, die ich als erstrebenswert empfinden würde, weswegen ich mich nicht so auf die Geschichte einlassen konnte, wie ich es mir gewünscht hätte.

Fazit: „Die Mädchen aus der Firefly Lane“ trägt unfraglich die Handschrift von Kristin Hannah. Dramatik reiht sich an Dramatik und bei all dem dürfen die unterschiedlichsten Gefühle nie zu kurz kommen. Dennoch geht es in erster Linie um Freundschaft und die war wegen Charakterschwächen bei Tully nicht so überzeugend, wie ich es mir gewünscht hätte. Es war also ein leichtes Lesevergnügen, das aber oft auch Stirnrunzeln verursacht hat.

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Veröffentlicht am 16.06.2020

Sehr durchschnittliche YA-Lektüre

Never Let Me Down
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Sarina Bowen hat sich in den letzten Jahren spielerisch leicht mit ihren Reihen in mein Herz schreiben können, denn sie hat prickelnde Romantik stets mit sehr dramatischen Geschichten garnieren können, ...

Sarina Bowen hat sich in den letzten Jahren spielerisch leicht mit ihren Reihen in mein Herz schreiben können, denn sie hat prickelnde Romantik stets mit sehr dramatischen Geschichten garnieren können, wobei natürlich „True North“ deutlich erwachsener vom Stil her wirkte als die „Ivy Years“, bei denen ich etwas mehr zu mäkeln hatte, die aber dennoch andere Reihen des gleichen Stils problemlos hinter sich lassen konnten. Mit „Never Let Me Down“ steht nun ein Einzelband an, den man vom Klappentext her nicht richtig einordnen konnte, der aber nach der Lektüre ganz eindeutig YA zuzuordnen ist.

Bevor ich zu NA kam, war ich natürlich ganz logisch bei YA gut aufgehoben. Vor etwa zehn Jahren waren das auch noch Bücher, in denen es natürlich oftmals um eine Liebesgeschichte ging, wo aber mehr als ein paar keusche Küsse nicht erwünscht waren, womit ich vor dem Hintergrund der eigentlichen Zielgruppe auch absolut leben konnte. Heute aber sind selbst diese Bücher oftmals mit Sexszenen ausgestattet, da kommt „Never Let Me Down“, wo es nur kleinere Andeutungen gibt, sehr bieder daher. Und natürlich muss man sagen, dass es für Bowen extrem ungewöhnlich ist, die Sexszenen sehr gut beherrscht und davor auch nie zurückscheut. Aber es ist YA und deswegen finde ich es lobenswert, dass sie sich auf andere Aspekte fokussiert und zielgruppengerecht geschrieben hat.

Ich fand es zunächst sehr ansprechend, dass der Bezug zu der Musik, den diese Geschichte hatte, auch durch die unterschiedlichen Teile, die mit Fachbegriffen versehen waren, unterstützt wurde. Zudem waren diese Begrifflichkeiten auch stets passend gewählt, so dass es schon von Anfang an gut durchdacht wurde. Ansonsten konnte man schnell feststellen, dass es in „Never Let Me Down“ nicht in erster Linie um eine Liebesgeschichte ging. Es gab natürlich eine, auch eine unheimlich süße, aber mit Jake hatten wir eine unheimlich nette Figur, ohne Ecken und Kanten, die er aber auch nicht brauchte, weil es eben nicht vorrangig um ihn und Rachel ging, sondern um sie alleine. Es geht in diesem Buch um Selbstfindung, seine Wurzeln zu begreifen, um die eigene Identität zu manifestieren. Diese Reise zu sich selbst ist ein gern gewähltes Thema bei Jugendbüchern, von daher passte hier auch alles.

Dennoch muss man insgesamt sagen, dass die Geschichte trotz guter Ansätze nur an der Oberfläche gekratzt hat. Es hat zwar viele Wendungen gegeben, das Buch war auch unheimlich schnell zu lesen, aber gewisse Kniffe, gewisse emotionale Momente, die man sich gewünscht hätte, die kamen nicht. Am Ende blieben sogar kleinere Fragen offen und ich hatte sogar das Gefühl, dass „Never Let Me Down“ an dieser Stelle noch gar nicht zu Ende war.

Somit ziehe ich am Ende des Fazits, dass es für Sarina-Bowen-Fans sicherlich eine ungewöhnliche Lektüre ist, die aber genau auf die beabsichtige Zielgruppe zugeschnitten ist. Aber auch wenn ich das Buch für das beurteile, was es sein will, komme ich doch zu dem Ergebnis, dass es leider zu oberflächlich und teilweise auch lückenhaft geworden ist. Es ist absolut okay und es waren auch angenehme Lesestunden, aber „Never Let Me Down“ ist definitiv weit davon entfernt ein Buch zu sein, das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

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Veröffentlicht am 07.06.2020

Wartezeit hierauf kostete etwas Lesevergnügen

Children of Virtue and Vengeance
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„Children of Blood and Bone“ wurde vor über zwei Jahren veröffentlicht, weswegen es ganz ehrlich für mich eine gewisse Überwindung war, mich auf „Children of Virtue and Vegeance“ einzulassen. Zwar kann ...

„Children of Blood and Bone“ wurde vor über zwei Jahren veröffentlicht, weswegen es ganz ehrlich für mich eine gewisse Überwindung war, mich auf „Children of Virtue and Vegeance“ einzulassen. Zwar kann ich mich noch an viele Aspekte erinnern, die mich am ersten Band sehr begeistert haben und dass es natürlich ein Ende gab, das einen mehr bekommen lassen wollte, aber nach so einem langen Zeitraum habe ich eben auch wieder 100 Bücher dazwischen gelesen, zahlreiche Serien und Filme gesehen und dann noch alle Details parat zu haben, erfordert schon ein heldenhaftes fotographisches Gedächtnis. Deswegen fand ich es auch sehr schade, dass der zweite Band nicht den geringsten Service anbietet, dass man den Inhalt vom ersten Band noch einmal aufgewärmt bekommt. Selbst im Ursprungsland USA lag die Veröffentlichung ja weit auseinander, so dass es doch eigentlich der logische Schritt hätte sein müssen.

Durch die fehlenden Informationen war der Einstieg wirklich nicht einfach für mich. Die Hauptfiguren hatte ich von ihrem Wesen und ihren Beziehungen zueinander auf dem Schirm, aber es war doch schwer, mir den Inhalt und somit die Ausgangslage vor Augen zu halten. Ich musste mir vieles zusammenreimen, denn noch nicht mal in der Geschichte selbst hat man sich die Mühe gemacht, Informationen einzubauen. Somit war das Leseerlebnis zunächst sehr zäh. Auch die Mythologie hinter der Geschichte war mir nicht mehr so präsent und da es zig Völker und damit unterschiedliche Fähigkeiten gibt, war es eine Menge an Informationen. Zum Glück ist aber die Geschichte selbst so stark, dass man über die mangelhaften Bedingungen hinaus dabei bleibt.

Die Geschichte lebt von den schnellen Perspektivwechseln. Die Kapitel sind verhältnismäßig sehr kurz, so dass auch durch die unterschiedlichen Perspektiven immer neuer Input hinzukommt. So entsteht eine wirklich gute Dynamik, die den Leser durch das Buch gleiten lässt. An diese Dynamik passt sich auch eine wirklich spannende Handlung an, denn es gibt gleich mehrere erzählerische Höhepunkte über knapp 500 Seiten verteilt. Dazwischen wiederum geht es viel um unsere drei Hauptfiguren und ihre inneren Kämpfe. Auch hier war es spannend mitzuverfolgen, wie sie mit ihrem Gewissen kämpfen, was sie für andere, für sich und für Realität wollen und wie man das am besten zusammenknüpft. Dennoch muss ich an der Stelle auch sagen, dass sich bei diesen Gedankenspielen doch vieles im Kreis gedreht hat. Gerade das Auf und Ab bei Zélie und Amari war oft anstrengend, da sie zueinander keinen Schritt weitergekommen sind. Insgesamt würde ich die Charakterentwicklung in diesem zweiten Band als sehr schwach bewerten. Erst am Ende überschlagen sich die Ereignisse bei den Figuren und dadurch wirkt es zu abrupt.

Dennoch ist dieses Ende mit zahlreichen Wow-Momenten schon ein wahrer Hammer, denn er stellt vieles auf den Kopf und bietet ganz am Ende wieder ein gänzlich neues Mysterium mit unheimlich viel Potenzial für Band 3 parat. Jedoch befürchte ich, dass die Wartezeit erneut nicht zu knapp werden wird. Natürlich wollen die Verlage, dass man die Bücher rasch kauft, weil die ersten Zahlen natürlich über den Erfolg einer Reihe entscheiden, aber diese Reihe ist doch so komplex, dass die Wartezeit hier die Vorfreude nicht steigert, sondern im Keim erstickt. Allen anderen interessierten Lesern würde ich raten, diese Reihe besser in einem durchzulesen. Sie ist gut, aber vieles entfaltet wahrscheinlich gar nicht seine Wirkung, weil zu viel Zeit dazwischen liegt. Natürlich kann der Verlag nichts dafür, wie schnell die Autorin schreibt, aber ich denke doch, dass diese Wartezeit viele Fans gekostet hat und das hat die Reihe eigentlich nicht verdient.

Fazit: Die Wartezeit zwischen Band 1 und 2 war einfach zu lang. Es fiel mir schwer, wieder in das Geschehen hinzufinden und die wichtigen Ereignisse so auf dem Schirm zu haben, wie es die Geschichte bräuchte. Dennoch bin ich dran geblieben und bin wieder mit wirklich überzeugenden Handlungen überrascht worden. Wirklich Luft holen ist bei den 500 Seiten nicht drin, zumal die Handlungen auch nicht in einem erwartbaren Rahmen stattfinden. Daher allgemein mein Rat: lieber schnell hintereinander lesen.

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