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Veröffentlicht am 28.02.2020

Hätte aus dem Thema mehr herausholen können

Insta Love - Nur perfekt ist gut genug
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„Insta Love“ hat mich vom Cover her nicht wirklich angesprochen, da es mir persönlich zu mädchenhaft war, aber der Inhalt hat mich durch den Umgang mit sozialen Medien gleich interessiert. Von der Autorin ...

„Insta Love“ hat mich vom Cover her nicht wirklich angesprochen, da es mir persönlich zu mädchenhaft war, aber der Inhalt hat mich durch den Umgang mit sozialen Medien gleich interessiert. Von der Autorin Tine Nell kannte ich bisher auch nichts, weswegen ich mich sehr neugierig an ihr zweites veröffentlichtes Buch gemacht habe.

Wenn ich eins nicht leiden kann, dass ist es Arroganz und Oberflächlichkeit. Da der Inhalt in der Modewelt spielt, war die Gefahr groß, genau diese beiden Attribute zu bekommen, aber zum Glück waren wir mit Protagonistin Jules gleich auf einer ganz anderen Wellenlänge. Von der ersten Seite an ist sie sehr sympathisch, weil sie bodenständig, empathisch und loyal ist. Sie passt in diesen Zirkus überhaupt nicht rein, aber natürlich kann man ihr nicht vorwerfen, dass sie die Chance des großen Geldes sich geschnappt hat, auch wenn es nicht das absolute Glück für sie bedeutet. Gleichzeitig ist sie damit auch ein Teil der sozialen Medien, aber man merkt gleich, dass sie dort nur unterwegs ist, weil es in der Branche so üblich ist.

Damit wären wir auch beim Thema soziale Medien, zu dem ich mir inhaltlich ja viel erhofft habe. Man muss sagen, dass das Thema im ersten Drittel sehr präsent war. Gerade an ihrem Ex-Freund Dan wurde dargelegt, in welche Spirale Menschen kommen, wenn sie nur noch eine Realität für die sozialen Medien inszenieren, die aber gar nicht der Wahrheit entspricht. Es war auch gut, dass Jules nicht gleich als Gegnerin dargestellt wurde, sondern dass sie etwas Abstand genommen hat und die Prozesse kritisch hinterfragt. Im weiteren Verlauf der Handlung ist das Thema dann aber gänzlich untergegangen. Später ging es um die Presse allgemein, aber nicht mehr konkret um die sozialen Medien, die noch einmal ganz andere Wirkung haben. Hier hätte ich mir gewünscht, dass das Medium noch mehr involviert wird, dass Jules vielleicht das Medium nutzt, um mit ihm abzurechnen etc. Gerade bei dem Titel hätte ich mir einfach ein mehr gewünscht.

Dennoch bin ich mit der Geschichte deswegen nicht gleich unzufrieden, denn es wurden auch viele Dinge richtig gemacht. Neben der tollen Jules ist es auch ihr neuer Love Interest Paul, der tatsächlich genau der richtige Gegenpart zu ihr ist. Nicht umsonst nennt Ellie die beiden langweilig. Das trifft es, aber gleichzeitig wird hier auch unterstrichen, dass langweilig nicht schlecht sein muss, denn wenigstens ist man dabei echt und ruht in sich selbst. Deswegen fand ich es am Ende auch schön, wie beide dem öffentlichen Zirkus den Rücken kehren und sich beruflich ganz bodenständig verwirklichen. Man würde den Blumenladen als gesellschaftlich als Abstieg bezeichnen, aber sie machen das, wofür ihr Herz schlägt und sie werden damit tausend Mal glücklicher sein, als Geld einen je machen könnte.

Dennoch habe ich bei Paul auch zu meckern. Man merkte mit jeder Faser, dass er ein wirklich guter Kerl ist, der das Herz auf dem richtigen Fleck hat, aber seine Perspektive wurde nicht geschickt genutzt und gerade gegen Ende hin hat er sich nur noch lächerlich verhalten und spätesten hier hätte ein Blick in seine Gedanken zeigen können, um was es wirklich geht. Wie er sich so lange als Lückenbüßer fühlen kann, obwohl sie ihr gesamtes Leben umgekrempelt hat, war mir ein Rätsel. Zudem hat er eben ganz oft Kapitel aus seiner Sicht bekommen, die keinen Mehrwert hatten. Dort durfte er ein paar Dinge kommentieren, aber wirklich weiter ging es nicht. Gerade nach seinem ersten Kapitel, wo seine Familiensituation dargestellt worden ist, hätte man viel mehr hier rausholen können. Stattdessen bleibt er oft blass und spätestens als Dan meinte, ob er vielleicht das Foto gefälscht hat, habe ich tatsächlich Zweifel bekommen, obwohl das gar nicht nötig gewesen wäre. Genauso unnötig wie seine störrische Haltung am Ende. Etwas schade, dass er auf lange Sicht nicht mit Jules mithalten durfte.

Fazit: „Insta-Love“ ist von der Idee her wirklich süß und in seinem Resultat genau meinem Weltbild entsprechend. Leider hätte man sowohl aus den sozialen Medien, als auch aus Paul viel mehr rausholen können, wenn nicht sogar müssen. So bleibt leider nur ein durchschnittlicher Eindruck zurück.

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Veröffentlicht am 28.02.2020

Überwiegend süß und nur minimal oberflächlich

Verloren sind wir nur allein
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Mila Sumners war mir bis zu „Verloren sind wir nur allein“ kein Begriff und offenbar ist die Veröffentlichung bei One auch ihr erstes größeres Projekt. Dementsprechend unbedarft bin ich an die Geschichte ...

Mila Sumners war mir bis zu „Verloren sind wir nur allein“ kein Begriff und offenbar ist die Veröffentlichung bei One auch ihr erstes größeres Projekt. Dementsprechend unbedarft bin ich an die Geschichte herangegangen und wurde mit einer süßen Liebesgeschichte belohnt.

Der Einstieg in das Buch ist problemlos gelungen, da die Verbindung zu Protagonistin Sky sofort da war. Der Verlust ihres Vaters mag zwar schon länger zurückliegen, aber ihre Trauer ist noch immer mit jeder Faser zu spüren und diese authentische Darstellung lässt den Zugang zu der Jugendlichen weit offen. Auch die Gedanken, die in ihrem Kopf kreisen, sind mehr als nachvollziehbar und zeugen in ihrem Alter auch von hohem Reflexionsbewusstsein und Rationalität, selbst wenn es beides natürlich subjektiv geschieht. In ihrem Umgang mit ihren Mitmenschen war sie oft sehr hart, gerade gegen Ende des Buchs hin dann schon wieder übertrieben, aber ich kenne es aus eigener Erfahrung, wenn man aus seiner Haut nicht rauskommt. Sky war somit für mich absolut nachvollziehbar, zwar auch anstrengend, aber wenigstens dabei stets authentisch.

Ihr zur Seite werden eine große Anzahl von weiteren Figuren gestellt. Während Jeff als ihr Gegenpart sehr gelungen ist und auch April und Rachel als neue Freundinnen, sind mir die restlichen Jungs leider ein Einheitsbrei geblieben und Kathleen war einfach nur abstoßend. Ja, an ihr sollte man sich stoßen, das ist klar, aber ich fand sie in ihren Handlungen null nachvollziehbar. Zuerst wollte sie ihr Revier markieren, aber irgendwann hat sie sich zu einer regelrechten Furie entwickelt, ohne dass die Hintergründe hierfür erläutert wurden. Das ist schade, weil auch Antagonisten eine Geschichte zu erzählen haben. Abschließend gibt es noch die Elternfiguren, die im Verhältnis auch etwas blass bleiben, aber gerade gegen Ende hin ergibt sich ein tolles stimmiges Gesamtbild.

Zurück zu Sky und Jeff. Die beiden haben direkt eine besondere Beziehung und sind im Umgang miteinander einfach nur süß, ein anderes Adjektiv fällt mir hierzu nicht ein. Ihre gemeinsame Geschichte ist sicherlich etwas überhastet erzählt. Von absoluter Abneigung von Seiten Skys bis hin zur großen Liebe war es nur ein Wimpernschlag, aber für die Art der Erzählung ist es auch nicht schlimm. Sie ist in der ganzen Art nicht darauf angelegt, dass man sie bierernst nimmt und alles nach Authentizität hinterfragt. Es ist eine absolut altersgerechte Erzählung für Jugendliche, die auch Erwachsenen gefallen kann. Denn wie Sky und Jeff ihre Verbindung zueinander finden, geht sehr tief und kratzt nicht nur an der Oberfläche. Auf den Nebenschauplätzen bleibt dadurch vieles auf der Strecke, aber damit kann man leben.

Fazit: „Verloren sind wir nur allein“ ist ein wunderschöner Titel, der perfekt auf diese süße Lektüre für Jugendliche passt. Trauer und Verlust wird hier geschickt mit der ersten großen Liebe verknüpft und das lässt sich flott und auch sehr gut lesen. An den Nebenbaustellen bleibt es etwas oberflächlich, aber das mindert das Lesevergnügen nicht allzu sehr.

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Veröffentlicht am 20.02.2020

Gibt der Dilogie das Gefühl zurück

Light Up the Sky
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Ich habe mich auf die Erscheinung von „Bring Down the Stars“ vor einigen Monaten sehr gefreut, denn Emma Scott hat Gefühle im Übermaß für sich abonniert. Da es zudem um die Macht der Sprache gehen sollte, ...

Ich habe mich auf die Erscheinung von „Bring Down the Stars“ vor einigen Monaten sehr gefreut, denn Emma Scott hat Gefühle im Übermaß für sich abonniert. Da es zudem um die Macht der Sprache gehen sollte, war ich erst recht begeistert, denn als Germanistin ist es für mich ein Herzensthema. Das Buch fing auch wunderbar an, verlor sich aber in auf halber Strecke, da die Handlung in eine Richtung gedrängt werden musste und dadurch ging das Gefühl verloren. Natürlich war ich also enttäuscht, dennoch war für mich immer klar, dass ich die Dilogie beenden würde, denn die Charaktere und ihre Geschichten waren geschaffen und diesen Weg wollte ich mit ihnen zu Ende gehen.

Für die Rezension muss ich aber mit dem Ende anfangen, denn hinterher steht in den Anmerkungen der Autorin, die ohnehin viel Wert auf Diversität legt, dass sich ihre Tochter einen Rollstuhlfahrer für eine ihrer Geschichten gewünscht habe. Das ist für NA auch tatsächlich nicht zu verachten, denn wie oft haben wir den perfekten Adonis als männlichen Protagonisten, der vor Sexualität strotzt und dem nichts etwas anhaben kann. Nun also einen körperlich behinderten Mann zu nehmen und damit einhergehende Konsequenzen und Denkweisen zu behandeln, ist gut und zeigt sich auch ganz klar in diesem zweiten Teil, der definitiv besser als Teil 1 ist. Er präsentiert wieder die Essenz von Autorin Emma Scott und dennoch bleibt ein wenig Wehmut, ob diese Geschichte diese aufwendige Vorbereitung, die ein ganzes Buch eingenommen hat, wirklich brauchte. Teil 2 hätte mit einigen Abstrichen auch wunderbar alleine funktioniert.

Über „Light Up the Sky“ steht natürlich auch das große Lügenkonstrukt, das sich Conner und Wes aufgebaut haben und das erneut künstlich unerträglich in die Länge gezogen wird. Diese Geschichte funktionierte für mich im ersten Band schon nicht und wurde diesmal auch nicht besser. Zum Glück ist es aber eher ein unterschwelliges Thema, es hängt wie ein Damoklesschwert über allem und dennoch kann man es gedanklich auch wegdrängen. Hat man das geschafft, ist wieder Raum für das Gefühl, das mir im ersten Band ab der Hälfte gefehlt hat. Sei es Connors Schuldgefühle, dass er im besseren Zustand überlebt hat, sei es Wes komplizierter Weg zurück ins Leben, das nun völlig anders aussieht als zuvor oder sei es wie Autumn überall dazwischen steht. Das war die Geschichte, die ich mir stets erhofft und nun hier bekommen habe. Zwar bleibe ich dabei, dass im Bereich der Nebencharaktere wenig richtig gemacht wird, denn Connor verschwindet diesmal viel von der Bildfläche, Ruby ist ohnehin ohne Worte für eine angeblich beste Freundin und auch die Mutter mit ihren Töchtern bleibt weiterhin anstrengend. Dafür gibt es Paul und den Literaturprofessor von Wes, die beide kleine Rollen haben, aber doch so wichtige.

Die Kernessenz ist aber bei Wes und Autumn und das ist gut so. Während ich im ersten Band doch noch oft genug mit ihm gehadert habe, ist seine Entwicklung diesmal von der ersten Seite an nachvollziehbar. Zuerst ist er in einem tiefen Loch, um dann in eine Spirale zu geraten, aus der es nur schwerlich rausgeht. Hier kommt Autumn ins Spiel, die mit ihrer allumfassenden Liebe alles aus dem Weg schafft. Ja, sie ist furchtbar naiv, aber das aus den wunderbarsten Motiven, das ist mir nochmal sehr bewusst geworden. Zudem gefällt es mir auch gut, dass Wes keine Wunderheilung durchmacht. Seine körperliche Beeinträchtigung wird auch auf das Sexleben übertragen, hier Punkte für die Authentizität. Es geht also, wenn man nur will.

Fazit: „Light Up the Sky“ ist in meinen Augen klar der stärkere Teil der Dilogie von Emma Scott, denn hier musste ich mich deutlich weniger ärgern und es war wieder viel Platz für Gefühl und wunderbare charakterliche Entwicklungen. Doch die Fehler aus Band 1 schwingen natürlich mit, so dass es insgesamt ein holpriges Gesamtkunstwerk ist.

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Veröffentlicht am 13.02.2020

Noch tiefer eindringen kann man nicht

Was perfekt war
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Meiner Meinung nach gehört Colleen Hoover schon länger ein Denkmal gesetzt, denn diese Frau schafft mit nahezu jedem Buch von ihr Erstaunliches und behält dennoch immer gewisse Stilelemente bei, die jedes ...

Meiner Meinung nach gehört Colleen Hoover schon länger ein Denkmal gesetzt, denn diese Frau schafft mit nahezu jedem Buch von ihr Erstaunliches und behält dennoch immer gewisse Stilelemente bei, die jedes einzelne Buch einwandfrei ihr zuordbar macht. Niemand schreibt so intensiv über Liebe wie sie und das noch nicht mal mit ausschweifenden Worten, sondern mit dem absoluten Ausstülpen des Inneren nach außen und das ist eine wahre Kunst, denn wer traut sich schon diese Verletzbarkeit?

Schon bei „Die tausend Teile meines Herzens“ sprachen alle davon, dass das Buch so anders sei. Fand ich aber gar nicht, denn die eben angesprochenen Kernelemente waren wie immer zu erkennen, die Verpackung war nur anders. Was man der Autorin aber auch zugestehen muss, denn die 100. Liebesgeschichte nach ihrem Schema F würde irgendwann auch allen die Ohren raushängen. Auch „Was perfekt war“ gehört nun ganz sicher in die Kategorie, wo viele sagen würden, es ist anders, aber auch hier würde ich dem argumentativ ein Riegel vorschieben wollen. Die Hauptfiguren Quinn und Graham mögen ja älter sein als jede Protagonisten der Autorin zuvor, aber das war auch nur für die Thematik der Zerrüttung einer Ehe notwendig. Wäre nicht klar, dass die beiden mindestens 30 sein müssen, hätte man das ansonsten nicht gemerkt, denn Hoovers Schreibstil und ihre Art, die Figuren lieben zu lassen, ist nicht ans Alters gebunden, sondern an das Wesen ihrer Figuren und mit Quinn und Graham hat sie wieder zwei Prachtexemplare erfunden.

„Was perfekt war“ hat eine Thematik, die wirklich sehr an die Nieren geht. Aus meinem eigenen Bekanntenkreis weiß ich, wie unterschiedlich Kinderplanung sein kann. Die eine führt das normale Eheleben mit Kind und Kegel, die nächste hat Probleme, sich auch diesen Wunsch zu erfüllen und die übernächste will gar keine Kinder und wird es leid, dass jedem erklären zu müssen. All diese unterschiedlichen Modelle haben eins gemeinsam, auch die beste Ehe schützt davor nicht, wenn äußere Umstände alles zu zerstören drohen. Hier ist Hoover ein wirklich extrem authentischer Einblick geglückt, denn die Gedankengänge beider Figuren dazu, dass sie kinderlos bleiben, waren so, wie es tatsächlich ist. Deswegen war es aber nicht weniger schmerzhaft mitzuerleben.

Hoover hat es dennoch geschickt gemacht, denn während das „heute“ einen innerlich mitschreien lässt vor Ungerechtigkeit, ist das „damals“ eine sanfte Liebkosung, die einen trotz des Wissens, dass selbst diese Innigkeit zu einer Krise der Ehe führen kann, immer wieder aus der Trauer herausreißt und Hoffnung gibt. Sehr wichtig war für mich auch, dass die Figuren beide gleichmäßig den schwarzen Peter zugeschoben bekommen haben. Ich finde Hoovers Männer in der Regel immer besser und trotzdem ist es doch oft so, dass man sich hinterher doch auf die Seite der Frau schlägt, weil ihre Perspektive ausführlicher dargestellt wird. Aber Quinn beweist selbst ein hohes Maß an Reflexion, so dass sie nicht nur immer Graham beschuldigt, sondern auch um ihre eigenen Fehler weiß. Das war sehr, sehr angenehm, denn so musste man nicht Partei ergreifen, sondern nur dafür die Daumen drücken, dass sie es wieder hinbekommen.

Das Ende ist vielleicht etwas zu kitschig geraten und wirkt auch etwas überhastet. Grahams Briefe, die das Ruder noch einmal rumreißen, sind zwar genial und herzerwärmend, aber er sagt an so vielen Stellen das perfekte Gegenstück zu Quinns Gedanken, dass es fast unheimlich wirkt. Vielleicht sollte das ihre Seelenverwandtschaft unterstreichen, die vor allem Graham immer wieder betont hat, aber gleichzeitig fragt man sich, wenn etwas so perfekt ist, wie konnte es dann tatsächlich so weit kommen. Die restlichen Happy End-Kapitel sind zwar nach einem Zeitsprung erzählt und somit ist klar, dass sich natürlich vieles wieder verändert hat, aber für ganze Atmosphäre des Buchs ist es zu glücklich, auch wenn das vermutlich sehr seltsam klingt.

Fazit: „Was perfekt war“ war wieder ein einzigartiger Lesegenuss, der sich traut, in tiefe Abgründe zu steigen und dabei dennoch stets Hoffnung zu vermitteln. In dieser höchst authentischen Darstellung war das Ende etwas zu perfekt, aber liebe perfekte Enden also unbefriedigende Enden, oder?

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Veröffentlicht am 10.02.2020

In ergreifender Liebesgeschichte fehlte manchmal das Fingerspitzengefühl

Redwood Love – Es beginnt mit einer Nacht
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Ich würde nie ein Geheimnis daraus machen, dass ich diese familiären Liebesgeschichten, die in Reihen angeordnet sind, wirklich sehr ins Herz geschlossen habe, denn es ermöglicht in tollen Settings viele ...

Ich würde nie ein Geheimnis daraus machen, dass ich diese familiären Liebesgeschichten, die in Reihen angeordnet sind, wirklich sehr ins Herz geschlossen habe, denn es ermöglicht in tollen Settings viele interessante Figuren zu begleiten und mit ihren Geschichten gemeinsam zu wachsen. Die „Redwood“-Reihe von Kelly Moran schließt sich hier nahtlos an und meine Freude auf die Geschichte von Drake und Zoe war wirklich groß.

Mir war von Anfang an klar, dass die Liebesgeschichte von Drake die komplizierteste werden würden, denn wenn eine Figur schon seine große Liebe hatte, dann entsteht unweigerlich ein Vergleich, bei dem es selten Sieger gibt. Mit Zoe hat man aber einen Gegenüber gefunden, der am meisten Sinn machte, denn dadurch, dass sie mit Heather selbst befreundet war, kann sie das Andenken an sie hochhalten, ohne dass es wie eine hohle Phrase klingt. Dennoch hat mir an der ein oder anderen Stelle das Fingerspitzengefühl gefehlt, auch wenn dies auch für mich mit der Frage der Übersetzung verbunden ist. War es wirklich die Autorin, die diese Wortwahl getroffen hat oder doch die Übersetzung erst? Jedenfalls waren manche Vergleiche von Drake nicht ganz glücklich und immer wenn von „bester Frau“ die Rede war, hat es mich geschüttelt. Wenn er später wiederum sagt, dass er zwei Frauen lieben würde, nur auf unterschiedliche Art, dann wird der Nagel auf den Kopf getroffen.

Abseits dieser kleinen Fauxpas fand ich die Erzählung erneut wunderbar, ja sogar ergreifend, denn Drakes Eroberung von Zoe war wirklich intensiv. Oftmals sind die männlichen Protagonisten ja für die Gesten da, hier ist er aber der Meister der Worte und das nicht nur wegen seinem Faible für Dichtkunst. Viele Sätze, die er gesagt hat, sind mir sehr ans Herz gegangen. Ich fand es auch gut, dass Initiative von ihm als trauernder Witwer ausging, denn so wirkte es echter und nicht erzwungen. Ohnehin ist mir Drake als liebster der drei Brüder ans Herz gewachsen, denn seine Entwicklung war wirklich großartig mitanzusehen. Und ihn am Ende so zu erleben, wie er wohl immer war, ist wirklich toll.

Neben dem Verlust einer geliebten Person haben wir aber noch ein anderes wichtiges Thema in dieser Geschichte verpackt, nämlich die Demenzerkrankung von Zoes Mutter. Diese war in den anderen Bänden ja schon sehr präsent, kann sich hier aber restlos entfalten. Insgesamt muss ich sagen, dass mir die Darstellung etwas zu stereotyp war und dass man schnell erahnen konnte, wie es hier zu Ende gehen wird und dennoch war es eine gute Idee für Zoe an sich, um ihre Persönlichkeit besser aufgreifen zu können und auch wie sehr sie diese Sorge zu einem anderen Menschen gemacht hat.

Fazit: Der erste inhaltliche Abschnitt der „Redwood“-Reihe ist nun leider vorbei für mich, weiter geht es ja mit eher ausstehenden Figuren, aber dieser Band hat sich noch einmal gelohnt. Thematisch hat mir an wenigen Stellen das Fingerspitzengefühl gefehlt, aber entscheidend war ohnehin die ergreifende gemeinsame Geschichte von Drake und Zoe.

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