Fields-Welten verschmolzen
Body Number OneBislang habe ich alles von Helen Fields gelesen, was es auf den deutschen Buchmarkt geschafft hat und mit „Body Number One“ kann man endgültig sagen, dass alle bisherigen Welten der Autorin vollends verschmolzen ...
Bislang habe ich alles von Helen Fields gelesen, was es auf den deutschen Buchmarkt geschafft hat und mit „Body Number One“ kann man endgültig sagen, dass alle bisherigen Welten der Autorin vollends verschmolzen sind und ich bin nicht sicher, ob ich das gut oder schlecht finde.
Nachdem wir Ava und Luc wirklich lange durch Schottland begleitet haben und das bei Bastei Lübbe, ist inzwischen dtv die neue deutsche Heimat. Dort haben wir mit „The Institution“ einen Thriller zur Profilerin Connie Woolwine bekommen. Wie ich erst jetzt erfahren habe, ist es wohl nicht das erste Buch zu ihr, was dann leider etwas schade ist, aber ich habe diesen in der Anstalt spielenden Thriller auch so als sehr eng erzählten Roman empfunden und das passte. Mit „The Killer Profile“ haben wir dann wieder eine neue Figur mit Midnight kennengelernt, aber Connie hat immerhin noch eine Rolle gespielt, aber „Body Number One“ hat noch einmal alles auf den Kopf gestellt. Lively und Slater, die bei Ava und Luc immer wichtige Nebenfiguren werden, werden diesmal ins Zentrum gerückt und es war seltsam. Da habe ich mich sogar fast über mich selbst geärgert, weil wie oft wünscht man sich, dass genau so etwas passiert, weil man mehr über sie erfahren wird, und dann macht es dennoch nicht sofort Klick. Aber Lively ist auch keine Figur, die man leicht ins Herz schließt. Das ist bewusst so und auch zurecht, aber nun so viel aus seiner Perspektive zu haben, das war gewöhnungsbedürftig. Slater wiederum ist nicht so zentral gewesen, aber dennoch fand ich es schwer, bei ihr wirklich Neues zu erfahren.
Ansonsten taucht dann nach einem Viertel Connie in der Geschichte auf. Bei ihr hadere ich ein bisschen, dass die Connie von jetzt wenig mit der aus „The Institution“ hatte, einmal ein kompletter Persönlichkeitswechsel. Auch wenn sie mit ihrer aktuellen Art die Stimmung auflockert, so ist es gleichzeitig doch auch irgendwo seltsam. Umgekehrt fand ich es aber sehr schön, dass die speziellen Verbindungen aus „The Killer Profile“ ebenfalls aufgegriffen wurden, denn die waren mir noch am vertrautesten und die wurden gut dargestellt.
Kommen wir jetzt zum Inhalt, den wir hier geboten bekommen. Bei Fields ist es immer eine Sache, dass sie einen entweder echt lange an der Nase herumführen kann oder es doch nicht so geschickt hinbekommt, wie sie es sich vielleicht gedacht hat. Hier muss ich sagen, dass wir eine Mischung bekommen. Eine Sache war mir doch relativ früh klar, aber die genaue Erklärung dafür, darauf wäre ich nie gekommen. Dementsprechend Spannungsaufgabe halb erfüllt. Dann will ich aber noch loben, dass der psychologische Anteil gelungen ist. Eine Täterperspektive wird uns von Anfang an geboten. Das mag nicht jeder, aber ich weiß es zu schätzen, wenn man so wirklich mittendrin ist und nicht auf eine geballte Ladung ganz am Ende angewiesen ist, wo sich dann alles überschlägt. Das war so angenehmer, weil man viele Seiten der Psychose verstehen und miterleben konnte. Vielleicht fehlte ein wenig die professionelle Einschätzung des Ganzen, weil wir nur mit dem Täter ‚drin‘ sind, aber ich kann es zum Glück immer aus einer objektiven Perspektive einschätzen, weswegen ich es für mich sehr gelungen fand.
Ich habe „Body Number One“ als Hörbuch gehört. Kaja Sesterhenn hat mir als Stimme gut gefallen, aber bei einem Buch mit mehreren Perspektiven ist es angesichts vieler anderer Hörbücher echt schade, wenn man dann nur eine Stimme im Ohr hat. Sesterhenn war bemüht, jeder Perspektive etwas Individuelles mitzugeben, was sicherlich auch für einen selbst als Sprecher herausfordernd ist, aber es wäre für ein Hörerlebnis einfacher, klare stimmliche Unterschiede als Orientierung zu haben.
Fazit: „Body Number One“ ließ sich gut weghören. Auch wenn die Mischung aller bisherigen Figurenwelten von Helen Fields nicht ideal gelungen ist, aber ich finde es gut, dass sie mutig ist. Mut zahlt sich irgendwann aus. Hier ist noch Luft nach oben, vor allem in der Konsequenz der Figuren und im Aufbau des Falls, aber wer bislang alles von Fields gelesen hat, der wird hier einiges zu entdecken haben, im überwiegend positiven Sinne.