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Veröffentlicht am 13.08.2018

Bisher süßester Band der Reihe

True North - Du bist alles für immer
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Die „True North“-Reihe von Sarina Bowen hat es mir bisher wirklich angetan, weil diese heimelige Atmosphäre in Vermont wirklich sehr einnehmend ist und weil prickelnde Liebesgeschichten erzählt werden, ...

Die „True North“-Reihe von Sarina Bowen hat es mir bisher wirklich angetan, weil diese heimelige Atmosphäre in Vermont wirklich sehr einnehmend ist und weil prickelnde Liebesgeschichten erzählt werden, die von einer sehr lebensnahen Dramatik begleitet sind. Der nun bereits dritte Band dreht sich um den bereits altbekannten Farmhelfer Zach und eine neue Figur namens Lark, die in der Familie Shipley aber keine Unbekannte ist.

Mir hat es sehr gefallen, dass wir nun auch endlich Zach richtig kennenlernen durften, da er immer so in sich ruhend wirkte, aber eben immer nur der loyale Anpacker war, der höchst mysteriös rüberkam, weil man so wenig über ihn wusste. Zach ist auch tatsächlich in sich ruhend und vermutlich der liebste Mann, der auf Erden wandelt. Seine empathischen Handlungen, seine Ruhe, mit der er die Späße seiner Kollegen erträgt und diese bedingungslose Loyalität sind unheimlich einnehmend. Seine Vergangenheit bei der Sekte wird immer mal wieder beleuchtet, aber nur aus seinen Erzählungen heraus, weswegen mir bei diesem Aspekt der Geschichte die letzte Dramatik gefehlt hat. Es hätte der Geschichte noch wesentlich mehr Tiefgang gegeben, wenn man Zachs Erlebnisse hautnah mit ihm erlebt hätte. Zudem war ich etwas enttäuscht, dass nicht mehr gegen die Sekte gearbeitet wurde, sondern dass das Konstrukt mit Ende der Geschichte kommentarlos bestehen bleibt. Schließlich geht in diesem Kult einiges nicht mit rechten Dingen zu, so dass man dadurch Handlungen zur Anzeige hätte bringen können.

Bei der weiblichen Protagonistin, Lark, war diese Dramatik eindeutig besser umgesetzt. Ihre Erlebnisse in Guatemala, wo sie als freiwillige Helferin beschäftigt wurde und wo sie schließlich für Lösegeld entführt wurde, haben bei ihr ein Posttraumatische Belastungsstörung ausgelöst, die sie sich nicht eingestehen will. Lark ist dennoch eine lebensfrohe Frau, die keinem Streit aus dem Weg geht und unheimlich bockig sein kann, trotzdem merkt man durch ihre Perspektive, was bei ihr wirklich los ist und begleitet sie zum absoluten Tiefpunkt. Hier zeigt also erneut, dass Bowen dramatische Geschichten geschickt in erotische Liebesgeschichten einweben kann, denn die Darstellung von PTBS wirkte sehr realistisch.

Die Liebesgeschichten von Audrey und Griffin und Jude und Sophie waren wirklich sehr erotisch aufgeladen. Auch der dritte Band hat seine erotischen Momente, die aber keinesfalls überhand nehmen. Zudem ist Zach und Larks Liebesgeschichte viel süßer. Bei den beiden geht es von Anfang an um mehr als des Körperliche, das merkt man, weil dieser explosive Charakter fehlt. Manches Mal fehlten mir die Szenen etwas, andererseits passte es auch zur Entwicklung der Handlung, dass die beiden Figuren sich auf Anhieb innerlich erkannt haben und darüber ihre Verbindung hergestellt haben. Das Ende der Geschichte war dann perfekt, aber das galt auch schon für die beiden Bände dafür.

Fazit: Bowen liefert mit dem dritten Band den bisher bodenständigsten Teil ab, da die prickelnde Chemie am geringsten erzeugt wird. Dennoch haben Zach und Lark als einzelne Figuren viel zu bieten (vor allem Larks PTBS ist sehr realistisch dargestellt), aber auch zusammen haben sie etwas so Tiefes, dass man zufriedenstellend von ihrer Liebesgeschichte eingenommen wird.

Veröffentlicht am 12.08.2018

Nichts als gute Unterhaltung

Nichts als Liebe
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Christina Lauren ist auf dem Buchmarkt wahrlich keine Unbekannte, dennoch habe ich von ihr (beziehungsweise von ihnen, da hinter dem Pseudonym ja gleich zwei Autorinnen stecken) noch nichts gelesen. Bei ...

Christina Lauren ist auf dem Buchmarkt wahrlich keine Unbekannte, dennoch habe ich von ihr (beziehungsweise von ihnen, da hinter dem Pseudonym ja gleich zwei Autorinnen stecken) noch nichts gelesen. Bei einer Buchverlosung sah ich plötzlich ein wunderschönes Cover und stutzte, als ich den Autorennamen Christina Lauren entdeckte, denn in Deutschland wurde deren Werke bisher eher mit Covern vermarktet, die von Männern (gerne in Anzügen) bestückt sind. Als ich dann las, dass sich die beiden Autorinnen neu ausprobiert haben, dachte ich mir: das passt ja, so kann ich sie überhaupt mal kennenlernen.

Die Geschichte hat eine klare Aufteilung: einmal im Hier und Jetzt, wo sich Macy und Elliot nach elf Jahren wiederbegegnen und einmal Rückblenden in ihre Jugend, wo die beiden sich kennenlernten. Diesen Weg habe ich im Prinzip als sehr ansprechend empfunden, weil in der Gegenwart natürlich viele Andeutungen gemacht wurden, wo klar war, die Lösung liegt in der Vergangenheit und nur dort können wir sie entdecken. Das hat auch einen ungeheuren Spannungseffekt gehabt, was für einen Liebesroman doch eher ungewöhnlich ist. Denn die Autorinnen haben es geschafft, die Vergangenheitskapitel immer in spannenden Momenten zu verlassen, so dass man immer weiterlesen wollte, um zu erfahren: was war jetzt damals eigentlich mit Macy und Elliot, was ist da passiert? Gegen Ende hin kam leider aber etwas Frust dazu, da die Zeitsprünge zwischen den erzählten Episoden in der Vergangenheit sehr unrealistisch wurden, was aber auch viel mit den beiden Figuren zu tun hat, die ich im nächsten Abschnitt behandeln werde.

Macy und Elliot gefielen mir als Charaktere unheimlich gut. Vor allem Elliot ist natürlich der Traum eines jeden Mädchens, da er so viele Bücher liest. Wo gibt’s das heute noch so richtig? Er wirkt dadurch auch etwas nerdig, aber gleichzeitig ist er so empathisch und sensibel, dass man ihn einfach lieb haben muss. Macy ist nicht unbedingt eine Figur, die man sofort ins Herz schließt, da sie sowohl als Jugendliche, als auch als Erwachsene alles falsch zu machen scheint. Aber dennoch konnte ich ihr nicht böse sein, da ja klar war, warum sie so ist wie sie ist, denn an ihr wurde eindrucksvoll gezeigt, wie einnehmend Verluste im Leben eines Menschen sind, weil sie es so beeinflussen, dass man es gar nicht mitbekommt und sich auch nicht wehren kann. Unterschwellig sind die Themen bei mir auch sehr präsent, weswegen ich zu Macy auch einen besonderen Zugang gefunden habe.

Die Chemie der beiden ist am Anfang in erster Linie süß, in der Gegenwart ist sie bittersüß und verzehrend. Aber gerade im Jugendalter kommt es schnell zu einem Knackpunkt, der sehr eng mit meiner Kritik der unrealistischen Darstellung verknüpft ist. Die beiden entdecken ihre Gefühle füreinander, parallel erkennen sie, wie für das Alter üblich, ihre Sexualität und wenn sie sich dann einmal geküsst haben, sehen sie sich eben Monate nicht und das scheint sie nicht so sehr zu bewegen. Das empfinde ich aber als sehr unrealistisch, vor allem, als die beiden noch weiter miteinander gehen und trotzdem den Verstand über alles stehen, in dem Alter wirklich überhaupt nicht passend. Dadurch wurde mir bewusst, dass es den Autorinnen nur darum ging, die Spannung möglichst hochzuhalten und den Leser oder die Leserin auf die Folter zu spannen, dafür haben sie aber in Kauf genommen, dass die Vergangenheit doch irgendwie auch zäh wirkte.

Ansonsten gefällt mir die Geschichte aber wirklich gut. Es gibt viele ruhige, einnehmende Momente. Es gibt Oden an die Familie, das Thema Trauer wird intensiv beleuchtet, ebenso wie Beziehungen, die nicht der Liebe wegen geführt werden, sondern um der Einsamkeit zu entkommen. Diese Themenkomplexe hatten eine sehr berührende Note. Nur der Grund, warum sich Macy und Elliot elf Jahre nicht mehr gesehen haben, wurde am Ende dann wieder etwas überdramatisiert. Zwar schloss sich logisch ein Kreis, dennoch gab es kleinere Details an der Erklärung, die man dann eher mit einem Augenzwinkern sehen muss.

Fazit: „Nichts als Liebe“ ist wirklich eine schöne Liebesgeschichte, bei der es für Christina Lauren eher untypisch, weniger um die sexualisierte Komponente als um das Zwischenmenschliche geht. Dennoch ist die Geschichte nicht ganz rund erzählt, weil an einigen Stellen einfach zu viel gewollt wurde, was dann mit der Atmosphäre nicht ganz stimmig war. Aber ich habe auf jeden Fall gemerkt, dass sich hinter Christina Lauren zwei Autorinnen verbergen, die zu erzählen wissen.

Veröffentlicht am 10.08.2018

Ein wahnsinniger Thriller

Todeskäfig (Ein Sayer-Altair-Thriller 1)
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Nachdem ich jahrelang im Thriller-Genre eher Bücher von männlichen Autoren gelesen haben, da die oftmals wirklich bereit sind, die Grenze des Ertragbaren zu überschreiten und dadurch so geniale Psychothriller ...

Nachdem ich jahrelang im Thriller-Genre eher Bücher von männlichen Autoren gelesen haben, da die oftmals wirklich bereit sind, die Grenze des Ertragbaren zu überschreiten und dadurch so geniale Psychothriller kreieren, habe ich zuletzt bereits Helen Fields entdeckt, deren Erstlingswerk ich großartig fand. Nun bin ich auf Ellison Cooper aufmerksam geworden, bei der mich alleine schon faszinierte, dass sie eine Wissenschaftlerin ist, die ihre Forschungsgebiete und die Ergebnisse, die sie in diesen erlangt, in einen Psychothriller verpackt. Zudem war auch noch der Klappentext wirklich vielversprechend, so dass ich gesagt habe, ja, das könnte was werden.

Der erste großartige Aspekt von „Todeskäfig“ ist ganz klar die großartige Protagonistin Sayer Altair. Sie ist ganz sicherlich nicht die erste toughe Ermittlerin, dafür will ich Cooper also keine Lorbeeren zuweisen, aber sie nebenher noch so viel mehr. Sie ist eine starke Persönlichkeit, die viele Schicksalsschläge durchmachen musste. Sie ist sehr sensibel, sie ist empathisch, sie hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Sie akzeptiert Autorität und kann diese selbst ausstrahlen. Sie macht Fehler und steht zu diesen und bei all dem ist so sympathisch, dass ich sie eigentlich wirklich gerne mal kennenlernen würde. Sie bekommt auch eine ganze Reihe an tollen Nebenfiguren an die Seite gesetzt. Nicht nur Kollegen, sondern auch Familie, Freunde und Nachbarn, die zwar weit weniger transparent wie sie gestaltet sind, aber doch so viel Herz und Nahbarkeit haben, dass man sich jetzt schon freut, dass es eine Reihe sein soll, da man sie alle so noch lange begleiten darf. Allen voran möchte ich gerne Sayers Nana nennen, die so goldig ist, dass sie sogar für einige komische Momente sorgte, die ansonsten in einem eher düsteren Thriller den wunderbaren Gegenpol bildeten.

Der Fall mit dem entführten Mädchen, das in einem Käfig verhungert und verdurstet, ist auf den ersten Blick nicht besonders speziell. Schließlich werden in Thrillern ständig Opfer entführt und auf irgendeine Art und Weise gefoltert. Jedoch zeigt sich erst im Laufe der Geschichte, dass dieser Fall nur ein kleiner Teil von etwas Großem ist und dieses Große ist so gewaltig und in seiner Komplexität berauschend, dass es mich furchtbar ärgert, dass ich nicht allzu viel dazu sagen kann, da ich sonst anderen LeserInnen einen entscheidenden Lesemoment vorwegnehmen würde. Daher verharre ich in Andeutungen, die besagen, dass man diesen Thriller wirklich gelesen haben muss. Es herrscht eine nervenzehrende Spannung, ab der Hälfte habe ich das Buch nicht mehr aus der Hand gelegt. Es ist höchst wissenschaftlich, was ich als nette Abwechslung empfand, da die meisten Thriller ja doch eher auf den psychologischen Aspekt setzen und es ist wirklich so viel Input auf den 485 Seiten, dass man sich eigentlich überfordert fühlen müsste, es aber nicht tut, weil es eben so gut war. Natürlich stellt sich nun die Frage, was die Autorin in einem zweiten Band liefern kann, das hiermit mithalten soll. Aber das ist eine Frage, die ich mir aufbewahre, bis es wirklich soweit ist. Solange will ich den „Todeskäfig“ einfach nur genießen!

Fazit: Ich habe wirklich nichts zu meckern, was für mich wirklich höchst selten ist. Dieser Thriller von Ellison Cooper ist von den Charakteren, der Spannung und der wissenschaftlichen Fundierung her ein wahnsinniger Trip, den man immer wieder erleben möchte!

Veröffentlicht am 31.07.2018

Wasser kann nicht mit den Bienen mithalten

Die Geschichte des Wassers
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Maja Lunde hat sich mit ihrem angekündigten „Klima-Quartett“ ein wirklich ambitioniertes Projekt vorgenommen, das eindrücklich auf die menschlichen Gefahren für Klima und Umwelt hinweisen soll. „Die Geschichte ...

Maja Lunde hat sich mit ihrem angekündigten „Klima-Quartett“ ein wirklich ambitioniertes Projekt vorgenommen, das eindrücklich auf die menschlichen Gefahren für Klima und Umwelt hinweisen soll. „Die Geschichte der Bienen“ bot den Auftakt, den ich wirklich großartig fand, weil zum einen der wissenschaftliche Faktor literarisch ansprechend verarbeitet wurde, weil die Geschichten auch generell etwas zu sagen hatten und weil die einzelnen Erzählebenen geschickt miteinander verwoben waren. Daher war ich sehr gespannt, ob der zweite Teil, „Die Geschichte des Wassers“ dabei mithalten könnte.

Direkt auf den ersten Seiten erkennt man sehr schnell den Stil von Lunde wieder, sowohl im Aufbau der Geschichte, als auch im Schreibstil, der sehr einfach ist und dennoch Eindringlichkeit verströmt. So gut mir dieser Stil auch gefällt, kann er doch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Niveau diesmal nicht so stark ist. Das liegt in meinen Augen im ganz besonderen Maße an Signes Geschichte. In „Die Geschichte der Bienen“ gab es noch drei Zeitebenen und damit drei Perspektiven. „Die Geschichte des Wassers“ bietet nur zwei Perspektiven. Das ist eigentlich ja sogar ganz nett, da man sich so mehr Zeit für eine einzelne Figur nehmen könnte, aber bei Signe versagt das Ganze deutlich. Ich habe sie zu keinem Zeitpunkt als sympathische Figur empfunden. Ich habe keinen richtigen Zugang zu ihren Gedanken, Gefühlen und Handlungen gefunden. Zudem hatte sie wenig Handlung in der Gegenwart, sondern schwelgte immer in der Vergangenheit, die zwar auch bereits mit dem Wasser zu tun hat, aber dennoch viel zu sehr persönliches Drama war. Persönliches Drama aber, das mich nicht berühren könnte.

Davids Geschichte ist dagegen vom ersten Moment an viel einnehmender, auch weil die Dringlichkeit der Situation mit Dürre und gnadenloser Hitze eindrücklich dargestellt wird, so dass man sich schnell mit David und seiner Tochter verbunden fühlt. Auf ihre Erlebnisse habe ich so sehr hingefiebert, dass ich mich dabei erwischte, bei Signes Kapiteln die Zeilen eher zu überfliegen. Dadurch wurde für mich schnell die Diskrepanz der beiden Geschichten deutlich, die einfach zu schwerwiegend waren, um mich erneut auf sehr hohem Niveau zu unterhalten. Schön fand ich am Ende aber wieder, wie die beiden einzelnen Geschichten miteinander verknüpft waren.

Die Folgen für das Element Wasser wurde durchaus in beiden Geschichten angedeutet und behandelt, jedoch fehlte mir am Ende die letzte Botschaft. „Die Geschichte der Bienen“ war auch in diesem Aspekt viel runder und hat mich auch nachdenklicher gemacht. „Die Geschichte des Wassers“ bleibt dabei aber doch sehr blass.

Fazit: Der zweite Teil des „Klima Quartetts“, „Die Geschichte des Wassers“ fällt im Gegensatz zum ersten Band deutlich ab. Zum einen konnte mich einer der beiden Zeitebenen zu keinem Zeitpunkt packen, zum anderen wurde das Ausmaß des menschlichen Handelns auf die Konsequenzen für das Wasser ganz klar den persönlichen Dramen untergeordnet, so dass mir am Ende leider die klare Botschaft fehlt.

Veröffentlicht am 30.07.2018

Eine etwas andere Cherry

Wie die Erde um die Sonne
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Da man die „Romance Elements“-Reihe von Brittainy C. Cherry nicht in einer bestimmten Reihenfolge lesen muss, habe ich dankbar bei „Wie die Erde um die Sonne“ zugegriffen, da ich nach dem ersten Band, ...

Da man die „Romance Elements“-Reihe von Brittainy C. Cherry nicht in einer bestimmten Reihenfolge lesen muss, habe ich dankbar bei „Wie die Erde um die Sonne“ zugegriffen, da ich nach dem ersten Band, „Wie die Luft zum Atmen“, nicht mehr hinterhergekommen war. Schnell habe ich jedoch bei der Lektüre festgestellt, dass dieser Abschlussband sehr, sehr anders wirkt, als das was ich bisher von Cherry gelesen habe. Neben dem Auftaktband dieser Reihe ist das noch „Verliebt in Mr Daniels“. Die Autorin habe ich bisher für ihren unheimlich tiefsinnigen und gefühlvollen Schreibstil gefeiert, sie hat sich stets viel Zeit für die zwischenmenschlichen Beziehungen genommen und gleichzeitig habe ich immer etwas kritisiert, dass das Drama überportioniert wirkt. Zu diesem Endergebnis komme ich bei „Wie die Erde um die Sonne“ überraschenderweise teilweise nur bis hin zu gar nicht.

Mit Graham und Lucy haben wir ein sehr starkes Protagonistenpärchen. Lucy war von Anfang an eine lebenslustige, sehr offenherzige und warme Persönlichkeit, die die Welt vielleicht etwas zu positiv sieht. Mit Graham hatte ich anfangs meine Schwierigkeiten, weil er wirklich sehr gefühlskalt und abweisend eingeführt wird. Natürlich weiß man als alteingesessene Liebesromanleserin, dass das immer nur nach außen so wirkt und dennoch ist es nicht selbstverständlich, dass die Figur noch die Kurve kriegt. Hier hat es gepasst, denn am Ende war mir Graham sogar lieber, da er ab einem bestimmten Punkt nur noch richtige Dinge getan hat und es gab wirklich so viele Szenen, wo ich ihm gerne laut applaudiert hätte.

Die Chemie zwischen den beiden Figuren wirkt trotz Grahams anfänglicher abweisender Art sehr gut, da die beiden klassisch nach dem Motto „Gegensätze ziehen sich an“ funktionieren. Dadurch gibt es einige spannungsgeladene Momente, die sich aber schnell in die richtige Energie entwickeln. Dennoch bin ich letztlich mit ihrer Liebesgeschichte nicht gänzlich zufrieden. Eigentlich passt wirklich alles, vom Aufbau und auch von der Entwicklung her, aber die Geschichte ist mir insgesamt zu schnell erzählt. Das gilt aber nicht nur für ihre Liebesgeschichte, sondern für das Buch insgesamt. Es gibt immer wieder die Momente, die in aller (nötiger) epischen Breite ausgeführt werden und dann gibt es viele Sprünge, wo ich mir denke, dass inhaltlich etwas fehlt oder zumindest knapp behandelt wurde. Wir überbrücken auf den Seiten immerhin über ein Jahr, das geht leider etwas auf Kosten der wunderschönen Langsamkeit, die die Autorin schonmal erschaffen kann.

An der Sprache kann ich aber wie immer überhaupt nicht meckern. Man merkt erneut, dass die Autorin sich einen tieferen Sinn ausgedacht hat und gerade über diese Hippie-Art (die leider nicht näher ergründet und definiert wird) sprachlich sehr geschickt und spannend gestaltet wird. Zudem gibt es ein sehr schönes sprachliches Themenfeld zu Grahams Autorendasein, auch das sorgt für zahlreiche wunderschöne Zitate. In einem letzten Punkt komme ich auf die normalerweise übertrieben inszenierte Dramatik von Cherry, wo jeder mindestens einen Toten in der Familie haben und es dann noch zig neue Dramen gibt. Die Grundvoraussetzung stimmt zwar auch für Graham und Lucy, aber die Geschichte an sich kommt erfreulicherweise auch mit kleineren Drehungen und Wendungen hervorragend aus. Das Ende ist absolut stimmig in seinem Höhepunkt und findet ein würdiges Ende. Das Ganze passt sogar so gut, dass ich sagen würde, dass es Cherrys bisher realistischstes Werk ist.

Fazit: Mit „Die Erde um die Sonne“ habe ich definitiv eine neue Seite an Brittainy C. Cherry kennenlernen dürfen. Für ihre Verhältnisse gibt es wirklich wenig überdramatisierte Entwicklungen, was die Geschichte erfreulich realistisch macht. Dafür wirken manchen Szenen ausgespart. Die Szenen, die zwischenmenschlich geboten werden, sind sehr intensiv und gefühlvoll, aber ich habe dafür das Gefühl, dass andere Szenen gänzlich fehlen, denn bei mir ist definitiv das Gefühl einer (zu) kurzweiligen Geschichte entstanden. Also zwei unerwartete Entwicklungen und trotzdem spreche in der Gesamtschau eine Leseempfehlung aus!

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