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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.01.2024

Kinderschicksale

Waiseninsel
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Zum Inhalt:
Weil Jessica Niemi nicht nur handgreiflich geworden ist, sondern sich dabei auch noch filmen ließ, schickt ihre Chefin sie in eine Auszeit. Diese verbringt Jessica auf einer Insel im Schärengarten, ...

Zum Inhalt:
Weil Jessica Niemi nicht nur handgreiflich geworden ist, sondern sich dabei auch noch filmen ließ, schickt ihre Chefin sie in eine Auszeit. Diese verbringt Jessica auf einer Insel im Schärengarten, welche früher ein Waisenhaus beherbergte. Aus dieser Zeit stammt die Spuk-Legende um ein kleines Mädchen, das am Bootssteg auf seinen Vater wartete. Als eine Leiche an diesem Steg aufgefunden wird, erfährt Jessica, dass diese Tote nicht die erste war und alles mit dem Waisenhaus im Zusammenhang zu stehen scheint.

Mein Eindruck:
Musste man sich, nachdem sie ihre wichtigste Bezugsperson verloren hat, wirklich Sorgen um Jessica machen, hat es der Autor Max Seeck mit einer geschickten Idee geschafft, die Polizistin wieder zurück in die Spur zu bringen. Seine Geschichte gliedert Seeck in zwei Teile (wenn man von dem kurzen Ausflug in die 80er Jahre absieht) und bringt beide jeweils nur ein Stück voran. So möchte man unbedingt wenigstens an ein Ende kommen und liest munter immer weiter, um Gewissheit zu erhalten. Das Spiel mit den Erwartungen lullt dabei nicht nur Jessica ein; auch die Leser lockt Seeck ein ums andere Mal auf die falsche Fährte. Motiv und verantwortliche Person sind glaubhaft, der Showdown grandios und das Ende lässt einen fast weinen. Damit ist das Buch nicht nur als Thriller perfekt. Als Ausblick noch ein kleiner, privater Cliffhanger für die spröde Kommissarin, der Hoffnung macht.

Mein Fazit:
Geht ans Herz und an die Nerven

Veröffentlicht am 02.01.2024

Gefangen

Das Nord
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Zum Inhalt:
Es ist fast zu schön, um wahr zu sein. Nachdem Alex als Jugendlicher für den Tod eines kleinen Mädchens verantwortlich gemacht wurde, wandten sich Freunde und Familie von ihm ab. Doch dann ...

Zum Inhalt:
Es ist fast zu schön, um wahr zu sein. Nachdem Alex als Jugendlicher für den Tod eines kleinen Mädchens verantwortlich gemacht wurde, wandten sich Freunde und Familie von ihm ab. Doch dann taucht ein alter Schulfreund auf und vermittelt Alex eine Stelle in einem Toprestaurant. Dort angekommen, beginnt sich die Chefin für ihn zu interessieren. Sehr zu interessieren. Zu sehr!

Mein Eindruck:
Ein Sternerestaurant in unwirtlicher Gegend, - alleine dieser Gegensatz (der von einem echten Restaurant inspiriert ist) macht schon richtig Appetit auf das Gesamtmenü, welches die beiden Autorinnen als Leckerbissen komponieren. Der Protagonist Alex weckt schon deshalb Beschützerinstinkte, weil er nicht aufgibt, obwohl ihm das Leben übel mitgespielt hat. Dazu Geld, Sex und Liebe - wie soll so etwas nicht munden? Die Spannung wird immer weiter angezogen und man fliegt praktisch durch die Seiten der kurzen Kapitel. Dabei bleibt man trotz der Perspektive in der dritten Person immer an Alex' Seite - man weiß nichts, was er nicht weiß und sieht alles durch seine Augen. So ist immer unklar, wer Freund, wer Feind und wer absolut unbeteiligt an den Vorkommnissen ist. Und man weiß nicht, ob und wer überlebt - grandios für einen Kriminalroman, denn die Autorinnen enden mit einem fiesen Cliffhanger.

Mein Fazit:
So lässt man es sich gerne schmecken.

Veröffentlicht am 01.01.2024

Männliche Gewalt

Mord im Christmas Express
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Zum Inhalt:
Roz, gerade pensionierte Kommissarin, ist per Zug auf dem Weg von London nach Schottland zu ihrer kurz vor der Entbindung stehenden Tochter. Unter den Reisenden befindet sich ein von den Illustrierten ...

Zum Inhalt:
Roz, gerade pensionierte Kommissarin, ist per Zug auf dem Weg von London nach Schottland zu ihrer kurz vor der Entbindung stehenden Tochter. Unter den Reisenden befindet sich ein von den Illustrierten geliebtes Influencer-Paar, doch schnell wird klar, dass der männliche Part sich gegenüber seiner Freundin übergriffig zeigt. Kurze Zeit später entgleist der Zug, es gibt eine Leiche und die geruhsame Fahrt findet damit ihr Ende. Roz beginnt zu ermitteln.

Mein Eindruck:
Trotz relativ großer Personenanzahl gelingt es der Autorin, ihren Figuren genug Tiefe zu verleihen, dass man sie sich wunderbar vorstellen kann. Ihre Geschichte hat viel Spannung und wird gut vorangetrieben und das auch dadurch, dass sich gleichzeitig ein privates Drama entblättert. Bis kurz vor Schluss ist es ein sehr gutes Buch mit interessanter Faktenlage und schlüssiger Entwicklung. Aber was dann passiert, ist in seiner Masse an männlichen Übergriffen und den Reaktionen darauf unglaubwürdig und entbehrt zusätzlich jeder moralischen Grundlage. Das nimmt viel von dem Spaß, den man bis dahin an dem Krimi hatte.

Mein Fazit:
Sehr lange sehr gut, dann jedoch (leider) schlecht

Veröffentlicht am 31.12.2023

Familiengeschichte

Heimwärts
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Zum Inhalt:
Jess erfährt im fernen England, dass ihre Großmutter Nora in Australien ins Krankenhaus gebracht wurde. Da Jess sowieso nichts in London hält, fliegt sie direkt nach Sydney, - schließlich hat ...

Zum Inhalt:
Jess erfährt im fernen England, dass ihre Großmutter Nora in Australien ins Krankenhaus gebracht wurde. Da Jess sowieso nichts in London hält, fliegt sie direkt nach Sydney, - schließlich hat Nora Jess nach dem Weggang von deren Mutter aufgezogen. Dort eingetroffen kommt Jess langsam einer großen Familientragödie auf die Spur: Ihre Großtante und deren drei Kinder sind gestorben und ein viertes verschwand; ein erweiterter Suizid stand im Raum.

Mein Eindruck:
Kate Morton benutzt die Figur eines Schriftstellerkollegen, um die Geschichte der Todesfälle und der folgenden Ermittlungen darzustellen. So wechseln sich die Vorkommnisse im Hier und Jetzt mit denen der Vergangenheit ab, als Jess das Buch dieses Schriftstellers in die Hände bekommt. In beiden Strängen ist das dramatische Ereignis (in der Vergangenheit der Tod, in der Gegenwart der Unfall) nicht das Ende, sondern der Beginn der Geschichte, welche die Autorin mit viel Zeit und Einfühlungsvermögen entwickelt. Leider insbesondere in der Vergangenheit mit sehr vielen Charakteren, so dass es schwer ist, den Überblick zu behalten. Was Morton jedoch absolut gelingt, ist die Unklarheit darüber, warum und wie es zu den Todesfällen kam.

Mein Fazit:
Am Schluss ist alles geklärt. Wirklich alles!

Veröffentlicht am 30.12.2023

Das ganze Leben ist eine Reality-Show

Spiel der Lügner
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Zum Inhalt:
Sieben Teilnehmer eines neuen Fernsehformats denken, dass sie an einer Survival-Show teilnehmen. Doch dann verkündet die Moderatorin, dass es um ihre intimsten Geheimnisse gehen soll. Die Preisgabe ...

Zum Inhalt:
Sieben Teilnehmer eines neuen Fernsehformats denken, dass sie an einer Survival-Show teilnehmen. Doch dann verkündet die Moderatorin, dass es um ihre intimsten Geheimnisse gehen soll. Die Preisgabe dieser Geheimnisse könnte Leben zerstören, - und bald passiert genau das. Ein Leben wird zerstört.

Mein Eindruck:
Zum zweiten Mal führt uns Clare Mackintosh nach Wales, um der dortigen Polizistin Ffion beim Ermitteln über die Schulter zu gucken, zum zweiten Mal von Leo Brady unterstützt. Die Autorin spinnt nicht nur die komplizierte Beziehung zwischen den beiden Polizisten und Ffions Familiengeschichte weiter, sondern präsentiert eine spannende und kurzweilige Mörderjagd. Obwohl sie die verantwortliche Person dann relativ früh präsentiert, ist durch das Drumherum noch genügend Futter für interessante Wendungen zum Schluss.
Am meisten Spaß macht jedoch die Entlarvung des angeblichen "Reality"-TV, welches mit Realität genauso viel zu tun hat, wie ein Ochse mit der Milchabgabe: Ein gewisser äußerer Rahmen täuscht etwas vor, was nicht existiert und hinter die Fassade kann nicht jeder blicken.
Gelungen ist der Schluss, der eine perfekte Öffnung für weitere Fälle mit den Ermittlern sein kann - alten wie neuen. Dass auch diese ohne handwerkliche Fehler in Hinsicht auf die Arbeit der Polizei funktionieren wird, kann Mackintosh als Kommissarin garantieren.

Mein Fazit:
Nicht übertrieben, sondern lebensecht