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Veröffentlicht am 08.01.2017

Gut gegen Böse

Das Erbe der Macht - Schattenchronik 1: Das Erwachen (Bände 1-3)
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Zum Inhalt:

Die "normalen" Menschen bemerken nichts von einer Welt voller Magie, da gute und böse Kämpfer einen Wall mit ihren magischen Kräften speisen. Doch die "Schattenfrau" möchte genau diesen Wall ...

Zum Inhalt:

Die "normalen" Menschen bemerken nichts von einer Welt voller Magie, da gute und böse Kämpfer einen Wall mit ihren magischen Kräften speisen. Doch die "Schattenfrau" möchte genau diesen Wall zum Einsturz bringen, um das fragile Gleichgewicht zu zerstören und Chaos zu verursachen.

Mein Eindruck:
Herr Suchanek besitzt viel Fantasie, welche er in eine Menge höchst unterschiedliche Buchprojekte steckt, - aber dass es sich um eine zu große Menge handelt, merkt man dieser Geschichte irgendwann einmal an.
Ist der Beginn noch großartig, spannend und wortgewaltig, flaut die Story im Laufe des Buches immer weiter ab, die Personen sind nicht mehr herausgearbeitet sondern Stereotypen und der Schreibstil wirkt von Seite zu Seite gelangweilter.
Beispiel Seite 224: "der Kampf gegen die Schattenfrau hatte Spuren hinterlassen"... zwei Zeilen weiter: "der anschließende Kampf auf Leben und Tod gegen die Schattenfrau hatte sie ausgelaugt".
Diese Art einen Text herunterzuschreiben ist für die eigentlich preiswerte Produktion des monatlich angestrebten E-Books angemessen, die hochwertige Verarbeitung eines Hardcovers mit absolut schöner Gestaltung zu einem stolzen Preis lässt allerdings auf einen ebenso angemessen Inhalt schließen, - und diese Erwartungshaltung wird enttäuscht.
Doch nicht nur der Stil lässt an eine Fließbandarbeit denken, die Figuren sind zum größten Teil auch nicht besonders originell: Fast alle Lichtkämpfer(von den unsterblichen Personen der Zeitgeschichte abgesehen) sind wahnsinnig cool, jung, gut aussehend, stehen füreinander ein und haben das Herz auf dem rechten Fleck. Die Gegenspielerin wirkt wie eine Spätpubertierende (ich werde euch alle vernichten, nein, meine Identität verschleiere ich, aber ihr werdet noch alle staunen...) und agiert nicht immer glaubwürdig. Zuerst rettet sie eine Hauptperson, dann will sie sie umbringen, - was soll das?
Das Ende bleibt teilweise offen; da die Reihe auf 12 Teile konzipiert ist (in diesem Buch sind drei davon zusammengefasst), geht das in Ordnung.

Mein Fazit:
Fantasy vom Reißbrett, - viele gute Ideen leider zu lieblos umgesetzt

Veröffentlicht am 03.01.2017

Es gibt Angebote, die man doch besser ablehnen sollte...

Im dunklen, dunklen Wald
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…. wie zum Beispiel diese unerwartete Einladung zu einem Fest.

Zum Inhalt:
Nora ist überrascht: Nach zehn Jahren Funkstille wird sie zum Junggesellinnenabschied ihrer Jugendfreundin Clare eingeladen. ...

…. wie zum Beispiel diese unerwartete Einladung zu einem Fest.

Zum Inhalt:
Nora ist überrascht: Nach zehn Jahren Funkstille wird sie zum Junggesellinnenabschied ihrer Jugendfreundin Clare eingeladen. Nach kurzem Zögern sagt sie zu und findet sich mitten im Wald in einem mondänen Ferienhaus wieder, - ohne Verbindung zur Außenwelt, dafür mit inneren Dämonen, welche den Weg an die Oberfläche suchen … und finden …

Mein Eindruck:
Ruth Ware ist mit diesem Buch ein fantastisch gutes Debüt gelungen. Zwar ist der Plot „Hauptperson mit Amnesie sucht Erinnerung nach Todesfall und ihrer Beteiligung dabei“ nicht neu, die Autorin zeigt in ihrer Interpretation des Themas ein großes Können in Charakteraufbau, Storyline und Setting.
Obwohl die Ich-Erzählerin mit einigem hinter dem Berg hält versteht Ware es, dass die Leser sich davon weder verschaukelt, noch hingehalten fühlen. Vielmehr verspüren sie das gleiche Entsetzen, wie es Leonora selbst nach den Ereignissen des Wochenendes erlebt.
Dazu hat die Autorin einen interessanten Schauplatz für den größten Teil ihrer Geschichte gewählt. Ein gläsernes Haus, einsam und von der Zivilisation abgeschnitten gelegen. Die unterschwellige Bedrohung spiegelt sich nicht nur im Cover des Buchs, sondern zerrt ganz offen an den Nerven von Protagonisten und Lesern.
Die Auflösung und die Hinführung zum Finale sind stimmig und von hoher sprachlicher Güte, ohne langatmig oder zu ausschweifend zu werden.

Mein Fazit:
Ein Thriller, wie man ihn sich wünscht: Geheimnisvoll, spannend und berührend

Veröffentlicht am 22.12.2016

Bonjour Tristesse

Schattenkiller
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Zum Inhalt:
Mancini ist ein sehr guter, wenn nicht der beste Profiler Roms. Deshalb wird er von seinem Chef genötigt, Ermittlungen in einer Mordserie zu übernehmen. Obwohl er durch den Krebstod seiner ...

Zum Inhalt:
Mancini ist ein sehr guter, wenn nicht der beste Profiler Roms. Deshalb wird er von seinem Chef genötigt, Ermittlungen in einer Mordserie zu übernehmen. Obwohl er durch den Krebstod seiner Frau verunsichert ist und sich nicht wirklich auf der Höhe seines Könnens fühlt, gibt Mancini nach und stellt sich ein Team zusammen, mit dem er schließlich einen Fall um Schuld und Sühne aufklärt.

Mein Eindruck:
Italien ist sonnig und insbesondere seine Hauptstadt voll von beeindruckenden Sehenswürdigkeiten und sympathischen, lebensbejahenden Menschen....
..... das war mein Eindruck, bevor ich diesen Krimi gelesen habe. Dieser relativiert dieses Bild nicht nur, sondern stellt es vollständig auf den Kopf.
Zilahy schickt ein Team voller problembehafteter Menschen in die hässlichsten Orte der Stadt. Die schlechte Laune des Chefs, sein Alkoholkonsum und mannigfaltige Ticks werden noch durch das miese Wetter getoppt - den Dauerregen meinte man schon auf der Haut zu spüren. Dieser Stimmung stehen die Morde in nichts nach, welche zum größten Teil in jeder grausigen Einzelheit geschildert werden. Doch trotz aller Blutrünstigkeit bleibt der Leser auf Distanz zum Geschehen, da es der Autor versäumt, echte Tiefe in seine Figuren zu bringen. Man fühlt nicht mit, sondern steht eigentlich mehr oder weniger fassungslos neben der Geschichte. Möglicherweise ist es auch der Übersetzung geschuldet, dass man bis zum Schluss mit diesem Team nicht warm wird. Ein Team, welches eher neben- als miteinander arbeitet und dadurch nicht als Gruppe, sondern als Ansammlung von Einzelkämpfern wahrgenommen wird (bei denen die Frauen alle hochhackige Schuhe tragen - egal, wie das Wetter ist). Ein positiver Aspekt ist jedoch zu vermerken: Der Fall ist glänzend konstruiert, gut durchdacht und sehr schlüssig bis zum bitteren Ende komponiert. Dieser Teil rettet dem Buch die durchschnittliche Bewertung.

Fazit:
Farblose Polizisten an unschönen Plätzen im Regen, jedoch ein interessantes Motiv mit guter Auflösung

3 Sterne

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Charaktere
  • Spannung
  • Handlung
  • Stil
Veröffentlicht am 04.12.2016

Tote Giftspritze in Schottland

Hamish Macbeth fischt im Trüben
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Zum Inhalt:
Ein bunt gemischter Angler-Kurs wird von einer boshaften Teilnehmerin aufgemischt. Sie scheint über jedes Mitglied etwas zu wissen - und nutzt dieses Wissen weidlich aus. Aber schließlich dreht ...

Zum Inhalt:
Ein bunt gemischter Angler-Kurs wird von einer boshaften Teilnehmerin aufgemischt. Sie scheint über jedes Mitglied etwas zu wissen - und nutzt dieses Wissen weidlich aus. Aber schließlich dreht sie die Daumenschrauben zu fest, findet ihr unrühmliches Ende im Wasser und Hamish Macbeth löst seinen ersten großen Fall.

Mein Eindruck:
Nach Agatha Raisin hat M.C. Beaton einen neuen Protagonisten für eine hübsch altmodisch angehauchte Reihe erdacht: Den sympathischen Dorfpolizisten Hamish, rothaarig und auf unauffällige Weise nicht halb so dämlich, wie er zu wirken beabsichtigt. Die Idee, ihn für seinen ersten Fall mit einer Anglergruppe zusammenzubringen, ist auf eine besondere Art sehr gelungen: Das Angeln ist ein Hobby, welches Menschen mit sehr unterschiedlichen beruflichen und gesellschaftlichen Hintergründen und alt wie jung verbindet, - teilweise kommen die Teilnehmer aus Übersee. Leider geht die Autorin sehr über die dafür benötigten Fertigkeiten ins Detail und stößt in ungeahnte (und ungewollte) Tiefseegründe vor, was Haken, Fliegen und Angelschnüre angeht. Die Erklärung darüber, wie welcher Knoten zu knüpfen ist, treibt die Geschichte nicht wirklich voran und verwirrt und/oder langweilt den ungeübten Leser eher. Hier hätte Frau Beaton zugunsten von ausführlicheren Beschreibungen von Wesen und Tun ihrer Charaktere Platz sparen können. Diese (und dabei insbesondere der titelgebende Hamish) kommen nämlich ein wenig zu kurz und zu oberflächlich daher. Dass die Geschichte dennoch Spaß macht, liegt an dem wirklich schönen Setting und dem eingängigen Schreibstil der Autorin. Schottland ist eben selbst bei Regen eine Naturschönheit und die Schotten - von den typisch britischen Standesdünkeln einmal abgesehen - ein liebenswerter, knorriger Menschenschlag.

Mein Fazit:
Ein guter Auftakt mit Potenzial

Veröffentlicht am 21.11.2016

Recht und Gerechtigkeit

Wer Furcht sät
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Zum Inhalt:
Clubs sind eine typisch britische Einrichtung, ganz neu etabliert sich der "Club der Henker". Menschen, die von der Justiz mit zu nachsichtigen Strafen bedacht wurden, werden von dieser Gemeinschaft ...

Zum Inhalt:
Clubs sind eine typisch britische Einrichtung, ganz neu etabliert sich der "Club der Henker". Menschen, die von der Justiz mit zu nachsichtigen Strafen bedacht wurden, werden von dieser Gemeinschaft entführt, verurteilt und öffentlich (via Internet-Stream) hingerichtet. Max Wolfe wird mit den Ermittlungen betraut und kämpft nicht nur gegen die Verbrecher, sondern auch gegen die mit dem Club sympathisierenden Menschen.

Mein Eindruck:
Gerade in der heutigen Zeit, die von der vermeintlichen "Kuschel-Justiz" geprägt ist, entpuppt sich die Grundidee von Tony Parsons Thriller als Geniestreich. Dadurch, dass er den Club immer selbstgefälliger auftreten lässt und Täter wie Opfer der Aktionen nuancenreich darstellt, fällt es dem Leser schwer, sich wirklich mit einer Seite zu identifizieren. Das führt zu einer Nachdenklichkeit auf der Seite über dem Buchdeckel, die bei diesem Genre nicht unbedingt zu erwarten ist. Einen weiteren Pluspunkt verbucht der Autor mit dem angenehm unaufgeregten Privatleben seiner Hauptfigur. Zwar ist nicht alles Gold was glänzt, von größeren Katastrophen bleibt Max jedoch verschont, - der schon übliche Liebeskummer mit einer weiblichen Nebenfigur sei Parsons verziehen. Und dann gibt es noch ein großes Pfund in der Geschichte: London mit seinem Glamour, seiner Vergangenheit und seinen unbekannten Winkeln und Geheimnissen wird auf eine treffliche Weise verewigt.
Doch bei all dem Lob sollte ein Kritikpunkt nicht unerwähnt bleiben: Zwar gehört zu einem Thriller ein gewisser Thrill, dieser sollte sich aber nicht in quasi schon übermenschlichen Fähigkeiten seiner Figur zeigen. Bei der sonstigen Güte ist dieses Manko jedoch eine lässliche Sünde. Die Auflösung des Falls und das Ende gefallen und passen sich in die Grundstimmung ein.

Mein Fazit:
Viel Spannung mit einem Plot, der zum Nachdenken bringt. Und das ganz ohne den üblichen, erhobenen Zeigefinger

Alle fünf Sterne

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  • Spannung
  • Tempo