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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.01.2026

Etwas langatmig, aber durchaus unterhaltsam

We Burn Daylight
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»Liebe besteht zu gleichen Teilen aus Angst und Vertrauen. Ein Leben ist immer auch ein anderes Leben, unzählige andere Leben. Wir sind Feuer und Öl zugleich, Rauch und Asche und der Wirbelwind, der alles ...

»Liebe besteht zu gleichen Teilen aus Angst und Vertrauen. Ein Leben ist immer auch ein anderes Leben, unzählige andere Leben. Wir sind Feuer und Öl zugleich, Rauch und Asche und der Wirbelwind, der alles in die Nacht hinausträgt. Und wir sind auch die Nacht.« (Seite 484)

Jaye macht sich zusammen mit ihrer Mutter auf den Weg nach Waco in Texas, um sich der Glaubensgemeinschaft von Perry Lamb anzuschließen. Dort lernt sie Roy kennen, den Sohn des Sheriffs, der genauso einsam ist wie sie. Die Jugendlichen fühlen vom ersten Moment an eine Verbindung zueinander. Roy weiß nicht, dass Jaye auf der Ranch eines fanatischen Predigers lebt, bekommt aber durch seinen Vater mit, dass etwas in der Luft liegt. Als ihm klar wird, wo Jaye ist, kommen kurz danach Dinge ins Rollen, die nicht mehr aufzuhalten sind.

»Ich drückte ihre Finger fester, und sie tat es mir gleich, und bald verwandelte sich das in ein Spiel ohne Punkte und Regeln. Wir waren noch Kinder. Bedenken Sie das, bevor Sie sich ein Urteil über uns bilden.« (Seite 81)

Rund um das schreckliche Ereignis in Waco, Texas, im Jahre 1993 hat Bret Anthony Johnston eine Liebesgeschichte ersponnen, im Mittelpunkt zwei Vierzehnjährige aus unterschiedlichen Familien. Auf der einen Seite Jaye, die zu klug ist, um auf den charismatischen Sektenführer reinzufallen, die dennoch ihre Mutter begleitet, aus Liebe und weil sie diese nicht alleine lassen will. Auf der anderen Seite Roy, einer langen Reihe von Männern entstammend, die Sheriff gewesen beziehungsweise es gerade sind. Beide schildern ihre Sicht der Dinge, unterbrochen von einem Podcast dreißig Jahre später mit Interviews verschiedener Personen, die damals dabei waren.

Der Schreibstil machte es mir einfach, ins Buch einzutauchen, allerdings hatte ich ein bisschen das Gefühl, dass der Autor unschlüssig war, welchen Strang er vorrangig verfolgen will. Einerseits war die Geschichte rund um die Sekte wichtig, andererseits wollte er den Jugendlichen Raum geben, dies führte dazu, dass ich anfangs nur langsam vorangekommen bin. Die erste Hälfte empfand ich als zäh, unwichtige Situationen nahmen viel Raum ein und so plätscherte die Story ein wenig vor sich hin. Erst als die Belagerung begann, kam Spannung rein, Dinge kamen ins Rollen, Action kam ins Spiel. Mir gefiel das letzte Drittel am besten und die Auflösung war genial gewählt. Ich glaube, hundert Seiten weniger hätten dem Gesamteindruck gutgetan, so zumindest mein persönliches Gefühl. Insgesamt ein unterhaltsamer Roman, den ich gerne gelesen habe.

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Veröffentlicht am 17.01.2026

Tragisch und wunderschön

Das Geschenk des Meeres
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Es ist Winter in Schottland des Jahres 1900, ein kleiner Junge wird an die Küste des kleinen Fischerdorfes Skerry gespült. Dorothy nimmt das Kind bei sich auf, das eine unheimliche Ähnlichkeit mit ihrem ...

Es ist Winter in Schottland des Jahres 1900, ein kleiner Junge wird an die Küste des kleinen Fischerdorfes Skerry gespült. Dorothy nimmt das Kind bei sich auf, das eine unheimliche Ähnlichkeit mit ihrem Sohn aufweist. Ihrem Sohn, der vor Jahren in einer stürmischen Nacht im Meer verschwand. Niemand weiß, was damals passiert ist, aber alle tuscheln hinter vorgehaltener Hand, besonders über Dorothy und Joseph, der so viel für sie empfand.

»Nachdem er gegangen ist, sinkt sie tiefer in ihren Sessel und legt die Hände fest um ihre Teetasse, um das Zittern zu unterdrücken, denn die Vergangenheit steht wieder vor der Tür, hämmert drängend gegen das Holz und versucht hereinzukommen.« (Seite 76)

Im Wechsel zwischen Jetzt und Damals erzählt Julia R. Kelly eine Geschichte, die schöner, tragischer und trauriger könnte nicht sein. Hierbei lässt sie anfangs vieles weg, das sie erst langsam verrät, dadurch wird das Buch spannender, als ich es erwartet hätte. Eine junge Frau kommt voller Hoffnung und Zuversicht ins Dorf, die Gemeinschaft empfängt sie, aber anders als erwartet. Es wird getuschelt, es gibt Tratsch und Klatsch, Gerüchte entstehen, auf Hoffnung folgt Streit. Liebe kommt auf leisen Sohlen, wird im Keim erstickt, es gibt Scham, Lügen und sowas wie ein Happy End, das schnell ins Gegenteil umschlägt, aber etwas bleibt. Es folgt ein Drama, das anhält, bis das Meer etwas gibt, das anders ist, als es scheint.

Dieses Buch ist der wunderbarste und berührendste Roman, den ich in der letzten Zeit lesen durfte. Ganz unschuldig fing er an, dann entfaltete er eine Wucht, der ich mich nicht entziehen konnte, ich legte ihn irgendwann einfach nicht mehr aus der Hand. Drama, Tragödie, eine Prise Krimi, eine Liebesgeschichte und ein Familienroman, all dies vereint in einer Story, die mich tief bewegt und berührt hat. Die Autorin überraschte mich immer wieder mit Wendungen und Enthüllungen, die ich nicht kommen sah. Ich bangte und fühlte, litt und weinte, lächelte und schmunzelte, war entsetzt und wütend, wünschte und hoffte - es war wirklich wunderbar. Ein Herzensbuch und ein Jahreshighlight!

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Veröffentlicht am 13.01.2026

Hat mich leider nicht erreicht

Die letzten Tage
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Der Kreisleiter Johann Braun errichtet ein höchstpersönliches Standgericht, es ist April im Jahr 1945, die letzten Tages des Zweiten Weltkrieges sind angebrochen, die Rote Armee steht quasi vor der Tür. ...

Der Kreisleiter Johann Braun errichtet ein höchstpersönliches Standgericht, es ist April im Jahr 1945, die letzten Tages des Zweiten Weltkrieges sind angebrochen, die Rote Armee steht quasi vor der Tür. Es werden Menschen abgeurteilt, mit denen er oder einer seiner Helfer eine Rechnung offen haben, Junge, Alte, Unschuldige, Personen, die zur falschen Zeit am falschen Ort waren oder an denen ihnen etwas nicht passt. Wegen diesem Mordregime wird den Beteiligten etwas später der Prozess gemacht.

»Du bist ein halbes Kind. Sie haben dich nicht durchsucht. Sie haben dich aufgegriffen und in der Arrestbaracke eingesperrt. Sie haben deine Angst gesehen, sie mussten dich nicht durchsuchen. Dich und deine Angst. Sie war das Einzige, das dir geblieben ist.« (Seite 9)

Anhand von Gerichtsakten und anderen Unterlagen dokumentiert Martin Prinz einen ungeheuerlichen Vorgang aus den letzten Kriegsjahren, er zeigt auf, wie die Täter vorgingen und sich später herausredeten, keiner von ihnen stand zu seiner Schuld. Auf diesen Tatsachenroman hatte ich mich sehr gefreut, bin aber leider nicht warm geworden mit der Geschichte. Dies lag in erster Linie an dem Aufbau des Buches, der mehr als außergewöhnlich gewesen ist. Die Sprache trocken, für mich unzugänglich, veraltet, die Chronologie mir zu sprunghaft, stellenweise verstand ich gar nicht, was gemeint war. Für Leserinnen und Leser historischer Literatur sicherlich eine Bereicherung, für mich leider eher nichts.

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Veröffentlicht am 10.01.2026

Vom Loslassen und Festhalten

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Güstrow, Mai 1945: Die 14-jährige Marlen versteckt sich in der Schublade einer Kommode vor russischen Soldaten. Die Malerin Wilma, die ihr dabei geholfen hat, nimmt das junge Waisenmädchen bei sich auf. ...

Güstrow, Mai 1945: Die 14-jährige Marlen versteckt sich in der Schublade einer Kommode vor russischen Soldaten. Die Malerin Wilma, die ihr dabei geholfen hat, nimmt das junge Waisenmädchen bei sich auf. In ihrem Versteck findet Marlen ein Porträt, das sie an sich nimmt. Jahrzehnte später, Berlin 2023: Hannah Borowski wird plötzlich und unerwartet von ihrem Vater kontaktiert, den sie nicht kennt. Angeblich haben Hannahs Mutter und Großmutter das so gewollt.

Nach »Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid« und »Bei euch ist es immer so unheimlich still« legt Alena Schröder mit dem vorliegenden Buch, das wieder einen ungewöhnlichen Titel trägt, den Abschluss ihrer Trilogie vor. Ich kenne das erste Buch nicht, bin in der Mitte eingestiegen und habe nun mit dem Ende weitergemacht. Wenn man sich die Klappentexte anschaut, könnte es egal sein, in welcher Reihenfolge man die Bücher liest, ich hatte jedenfalls beim Lesen des mittleren Teils nicht das Gefühl, dass mir Informationen fehlen, was hier ebenfalls nicht der Fall war. Ich kann nicht sagen, ob es ratsam gewesen wäre, vor dem Abschluss das erste Buch zu kennen, schließlich zieht sich die Geschichte des auch hier thematisierten Bildes durch alle drei Bände.

Wie bereits der zweite Teil, lässt auch dieser Roman mich nach dem Lesen restlos begeistert zurück. Auf zwei Zeitebenen und mittels verschiedener Perspektiven führt die Autorin durch die Geschichte und lässt mich durch kleine Hinweise Dinge wissen, die ihren Figuren verschlossen bleiben. Dies führt zu einer gewissen Intimität, die mich berührt und manches mal ein Taschentuch brauchen lässt. Die komplexe Geschichte und der feine Humor ergänzen sich wunderbar und hinterlassen fast ein Gefühl der Leere, als das Buch ausgelesen ist. Großartig!

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Veröffentlicht am 07.01.2026

Höllisch gut!

The Puppet Master
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Der Selbstmord eines Mannes gibt DCI Cara Elliot Rätsel auf, die Umstände scheinen mehr als verdächtig. Als ein weiterer Selbstmord hinzukommt, werden sie und ihre Mitarbeiter stutzig, die ersten Ergebnisse ...

Der Selbstmord eines Mannes gibt DCI Cara Elliot Rätsel auf, die Umstände scheinen mehr als verdächtig. Als ein weiterer Selbstmord hinzukommt, werden sie und ihre Mitarbeiter stutzig, die ersten Ergebnisse der Ermittlungen geben ihnen recht. Das Team der Major Crimes Unit arbeitet fieberhaft, kann den nächsten Todesfall aber nicht verhindern. Anscheinend ist ein Serienmörder am Werk und er ist noch lange nicht fertig.

»Als Mordermittler bekommt man im Leben vielleicht einen Serienmörder - und sie hat jetzt schon zwei. Drei, wenn man die Geschehnisse vom letzten Jahr dazuzählt, wobei sie die Ermittlungen nicht geleitet hat.« (Seite 131)

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den dritten Teil der Major Crimes Unit-Reihe, die bedauerlicherweise bisher nicht vollständig übersetzt worden ist. Der erste Band »The Echo Man« erscheint hierzulande im Herbst 2026, worüber ich mich nun leider nur mäßig freuen kann, denn im vorliegenden Buch wurden nicht nur Einzelheiten der Ermittlung gespoilert, sondern auch verraten, wer die Täterperson war. Auch die Lösung des zweiten Falles wird thematisiert, allerdings in einem Nebensatz, sodass dies leicht übersehen werden kann. Wer auf unfassbar spannende, einfalls- und wendungsreiche, brutale Thriller mit interessanten Beteiligten steht, greift hier zu, fängt allerdings am besten direkt von vorne an, um sich nicht um das Vergnügen zu bringen, mitraten und mitfiebern zu können. Diese Buchreihe ist übrigens so phänomenal gut, dass ich die Neuerscheinung im Herbst lesen werde, obwohl ich weiß, wer die Täterperson gewesen ist.

War ich beim ersten Band begeistert, bin ich es hier nicht weniger. Der Thriller hat das perfekte Maß an Brutalität, die Todesfälle sind ungewöhnlich und die Ermittlung spannend. Die privaten Beziehungen der beteiligten Personen ergänzen das Gesamtbild, auch hier hat die Autorin es perfekt umgesetzt, nicht zu übertreiben, was persönliche Dinge angeht. Das hohe Level an Spannung konnte bis zur letzten Seite gehalten werden und eine kleine Anmerkung in der Danksagung lässt mein Herz höher schlagen, wenn ich an die Fortsetzung denke, die dringend auf die Übersetzung wartet und Großes verspricht. Ich freue mich drauf!

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