Wunderbarer Roman
Unterwasserblau»Wann wurden wir mehr als das, was unsere Eltern aus uns gemacht haben?« (Seite 252)
Mitten in einen Kurzurlaub mit ihrer Schwiegerfamilie erreicht Jessica ein Anruf ihrer älteren Halbschwester Sandra, ...
»Wann wurden wir mehr als das, was unsere Eltern aus uns gemacht haben?« (Seite 252)
Mitten in einen Kurzurlaub mit ihrer Schwiegerfamilie erreicht Jessica ein Anruf ihrer älteren Halbschwester Sandra, ihr Vater sei gestorben. Auf dem Weg zur Beerdigung fängt Jessica an, gedanklich in die Vergangenheit zu reisen, zurück ins Elternhaus, das voller Schweigen gefüllt war und ist, wo sie sich immer unsichtbar glaubte, damals als Kind.
»Das Treppenhaus hallte mit jedem Schritt und roch nach Gemüsesuppe. Vielleicht saß weiter oben ein einsames Mädchen auf den Stufen und wartete darauf, dass seine Mutter mit Schweißgeruch in den Klamotten und der Unzufriedenheit der Welt im Gesicht nach Hause kam.« (Seite 159)
Die Ich-Erzählerin Jessica ist ein spezieller Mensch, schüchtern und voller Ängste marschiert sie durch die Welt, versteckt sich hinter ihrem Mann und verschließt die Augen vor fast jedem Problem. Erst der Tod des Vaters bringt etwas ins Rollen, das sie wohl am meisten überrascht und mich als Leserin gleich mit. In schöner Sprache lässt Petra Hucke ihre Figur in der Vergangenheit schwelgen, die plötzlich anders erscheint, als bisher gedacht. Erste zaghafte Versuche folgen, aus alten Mustern auszubrechen, bis der Wille erwächst, auch die Gegenwart zu ändern, bevor es zu spät ist. Ein leises Buch, das zum Lachen und Weinen einlädt, aber auch amüsiert und nachdenklich macht. Ein toller Roman über Familie und Liebe sowie die eigene Kraft, die in uns ist.