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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.06.2025

Nur ein Mädchen

Geliebte Mutter – Canım Annem
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Aynur wird mit neunzehn Jahren verheiratet, ihr Bruder, der sie unbedingt loswerden will, sucht ihr Alvin als Ehemann aus, einen ungebildeten jungen Mann aus einer frommen Familie, mit dem sie nach Deutschland ...

Aynur wird mit neunzehn Jahren verheiratet, ihr Bruder, der sie unbedingt loswerden will, sucht ihr Alvin als Ehemann aus, einen ungebildeten jungen Mann aus einer frommen Familie, mit dem sie nach Deutschland zieht, wo dieser unter Tage arbeitet. Ihre beiden Kinder Meryem und Ada schlagen Jahrzehnte später beide unterschiedliche Wege ein, der Kontakt zu den Eltern schläft ein, und als der Tod des Vaters im Raum steht, müssen sie sich entscheiden zwischen Hass und Vergebung.

»Ich war glücklich: das Glück einer Frau, die es geschafft hat, einen fast vierzig Jahre andauernden Hindernislauf zu überstehen. Ich bin Mensch, ich bin Frau, ich bin Tochter, ich bin Aus- und Aufsteigerin, Migrantin. Ich bin Meryem, mit Alvins Tod endlich angekommen.« (Seite 23)

Dies ist ein Mutter- und Tochter-Roman, aber nicht nur, denn weit nach hinten holt die Autorin aus und lässt Meryem zwar regelmäßig zu Wort kommen, erzählt aber auch über das Leben von Aynur, der Mutter, und wie sie zu der geworden ist, die Meryem liebt, aber auch verachtet, die sie hasst, aber dennoch regelmäßig vermisst und die sich letztendlich entscheiden muss, welche Gefühle vorrangig an die Oberfläche dürfen, wenn es um ihre Familie geht. Es geht um Zwangsheirat und Liebe, um Hoffnungen und Wünsche, aber auch gebrochene Versprechen und Sucht, Gewalt findet regelmäßig statt. Traurig, verstörend, erschütternd und berührend. Für mich ein Buch, das zu den besten gehört, die ich dieses Jahr gelesen habe. Große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 19.06.2025

Schöne Hässlichkeit

Achtzehnter Stock
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Wandas Leben hat nichts mit dem Leben zu tun, das sie sich ausgemalt hat; statt nach den Drehs erfolgreicher Filme auf Filmpremieren und Partys unterwegs zu sein, hängt sie mit ihrer fünfjährigen Tochter ...

Wandas Leben hat nichts mit dem Leben zu tun, das sie sich ausgemalt hat; statt nach den Drehs erfolgreicher Filme auf Filmpremieren und Partys unterwegs zu sein, hängt sie mit ihrer fünfjährigen Tochter Karlie im Hof einer Berliner Platte fest, wohnt dort im achtzehnten Stock und das auch nur schwarz zur Untermiete. Durch Zufall bekommt sie eine Chance, die glitzernde Welt der Reichen und Schönen zu betreten, ein entsprechendes Filmangebot liegt vor, aber ihre Herkunft scheint ihr dabei im Weg.

»Unerfüllte Träume sind auch Träume. Sie sind bloß viel gefährlicher. Man verbittert, man wird so, wie man niemals sein wollte, man wird wie all die anderen Versager, Verstörten und Vergessenen, man lässt sich gehen und gewöhnt sich an die flirrenden Abgase, die Absagen, den Lärm.« (Seite 61)

Dieses Buch ist wie eine sozialkritische Studie und genauso zwiegespalten lässt es mich zurück, was ich übrigens großartig finde, um das mal voranzustellen. Wandas Träume, ihre Wünsche, ihre Sehnsucht nach Normalität und einem sorglosen Leben für ihre Tochter und sich, berührten mich. Gleichzeitig wollte ich sie aber schütteln, ihr ins Gesicht schreien, dass sie sich zusammenreißen soll, wenn sie sich wieder gehen ließ, sich treiben ließ, sich Dinge ausmalte, die so fern der Realität waren, dass ich fast lachen musste, aber eben nur fast. Wenn sie die Zweifel übermannten, die Sorgen erdrückten, wollte ich sie trösten, irgendwie. Wenn sie geschubst wurde, abgedrängt, wenn ihr Unrecht geschah, wollte ich sie schützen, einfach so. Und trotzdem gab es Abschnitte, wo ich sie nicht mochte. Die Daumen gehalten habe ich trotzdem. Ist doch klar.

Ein Roman über Freundschaft und Heimat, über Träume und Grenzen, aber auch Hoffnung und Glück. Ein Roman, der mich fast euphorisch zurücklässt mit einem Lächeln im Gesicht, weil er vollkommen anders war als erwartet und gerade deshalb so wunderbar. Lesen!

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Veröffentlicht am 16.06.2025

Mal etwas fürs Herz

Zwischen Ende und Anfang
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Lila hat einen Beziehungsratgeber geschrieben, in dem sie unter anderem über ihre glückliche Ehe schwärmt. Kurz nach dem Erscheinen verlässt ihr Mann sie für eine andere Frau, mit der er nun ein Kind erwartet. ...

Lila hat einen Beziehungsratgeber geschrieben, in dem sie unter anderem über ihre glückliche Ehe schwärmt. Kurz nach dem Erscheinen verlässt ihr Mann sie für eine andere Frau, mit der er nun ein Kind erwartet. Nach dem Tod ihrer Mutter zieht ihr Stiefvater bei ihr ein, was zu Spannungen führt, als plötzlich ihr leiblicher Vater vor der Tür steht. Als Lila sich unerwartet zwischen zwei Männern entscheiden muss, ist das Chaos fast perfekt.

»An manchen Tagen kommt es Lila so vor, als würde sie gegen alles kämpfen. Gegen ihre rasenden, blindwütigen Gedanken, ihre unkontrollierbaren Hormonschwankungen, ihr Gewicht, ihren Ex-Mann, ihr Haus, das anscheinend Stück für Stück auseinanderfällt, die ganze Welt.« (Seite 23)

Ich liebe die Bücher der Autorin, weil sie es trotz aller Schwierigkeiten und Probleme, in die ihre Figuren geraten, schafft, eine gewisse Leichtigkeit einzubauen, die sich durch die Geschichte zieht. Das turbulente Leben von Lila und ihrer Familie hat mir wunderbare Lesestunden geschenkt, was nicht zuletzt an dem großartigen und warmherzigen Humor lag, der mich immer wieder zum Schmunzeln oder Lachen brachte. Es gab in dieser Erzählung alles von Drama bis Tragödie, eine große Prise Liebe war vorhanden, aber auch ernste Themen wie Mobbing kamen nicht zu kurz. Der Wechsel der Perspektive war dabei klug gewählt, es waren witzige und emotionale Momente, die das Gesamtbild vervollständigten und mir ein unvergessliches Vergnügen bereitet haben. Gerne empfehle ich diesen tollen Roman weiter!

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Veröffentlicht am 12.06.2025

Auch für Erwachsene geeignet

Das letzte Aufgebot
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Der fünfzehnjährige Jakob ist verliebt, so lässt sich einiges ertragen; es ist das Jahr 1944, der Krieg wütet seit Jahren, ein Ende scheint nicht in Sicht. Als die SS in das kleine Dorf Steinbach kommt, ...

Der fünfzehnjährige Jakob ist verliebt, so lässt sich einiges ertragen; es ist das Jahr 1944, der Krieg wütet seit Jahren, ein Ende scheint nicht in Sicht. Als die SS in das kleine Dorf Steinbach kommt, wird es ernst. Die Sechzehnjährigen werden einberufen, den Jüngeren nahegelegt, sich ebenfalls freiwillig zu melden zum Dienst an der Front. Die Jungs sind begeistert; endlich können sie sich beweisen und dem Vaterland dienen, darauf warteten sie schon eine lange Zeit. Maria aber will Jakob nicht verlieren, sie ist am Boden zerstört. Dabei hütet sie ein Geheimnis, das nicht nur Jakob Verderben bringen kann.

»Wenn es verboten ist, das Richtige zu tun, und wenn man gezwungen wird, Dinge zu tun, die falsch und feige sind, dann kann das ja nicht passen. Dann passt irgendwann überhaupt nichts mehr. Das wird mir plötzlich klar. Vieles wird jetzt klarer.« (Seite 172)

Eigentlich wollte ich vorerst keine Jugendbücher mehr lesen, bin beim vorliegenden Buch aber froh darüber, eine Ausnahme gemacht zu haben. Die Geschichte von Jakob steht sicherlich stellvertretend für Tausende und Abertausende von Schicksalen und kann sich so oder so ähnlich abgespielt haben, auch wenn das Dorf Steinbach fiktiv ist. Moritz Seibert hat es geschafft, einen Jungen vor meinen Augen entstehen zu lassen, der authentisch war und dem ich jeden Gedanken sowie jedes Gefühl abgenommen habe. Ich konnte nachvollziehen, wie er sich gefühlt hat in Situationen, die furchterregend waren. Ich verstand seine Hoffnung, seine Trauer, konnte seinen Hass und seine Wut gut nachempfinden. Bis zuletzt verfolgte ich voller Spannung Jakobs Weg und bin besonders mit dem Ende sehr zufrieden. Große Leseempfehlung gibt es dafür von mir.

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Veröffentlicht am 11.06.2025

Ein Volltreffer!

Aschesommer
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Eine ungewöhnliche Todesanzeige in der Zeitung führt die Ermittler der Gruppe 4 zu einem Bauernhof, auf dem in einem Kellergewölbe zwei tiefgefrorene Leichen aufgefunden werden. Die dazugehörige Botschaft ...

Eine ungewöhnliche Todesanzeige in der Zeitung führt die Ermittler der Gruppe 4 zu einem Bauernhof, auf dem in einem Kellergewölbe zwei tiefgefrorene Leichen aufgefunden werden. Die dazugehörige Botschaft lautet: Das Sterben hat begonnen, geschrieben mit Asche. Es ist ein heißer Sommer, Jakob, Mila und ihr Team geben ihr Bestes, aber das ist nicht genug. Der einzige Verdächtige führt sie an der Nase herum und scheint ihnen immer einen Schritt voraus zu sein.

»Ich bin nicht zur Gruppe 4 gekommen, um vor verschlossenen Türen zu stehen. Ich will rechtzeitig auf der anderen Seite sein und Dinge verhindern, von denen wir auf dieser Seite der Tür nicht mal wissen, dass es sie gibt.« (Seite 99)

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den zweiten Fall für die Gruppe 4, angeführt von Mila Weiss und Jakob Krogh. Der erste Band hat mich letztes Jahr wahnsinnig gut unterhalten, sodass ich ungeduldig auf die Fortsetzung gewartet habe, die - soviel kann ich jetzt schon verraten - meine Erwartungen weit übertroffen hat. Man muss den Reihenauftakt nicht gelesen haben, um dem Geschehen folgen zu können, allerdings würde ich dazu aus zwei Gründen raten: Die Gruppe 4 setzt sich aus den unterschiedlichsten Personen zusammen, die zueinander finden müssen, gleiches gilt für die Ermittlungsleitung. Die einzelnen Personen sind so verschieden wie faszinierend, deren kleine und große Geheimnisse ebenso, hier lohnt es sich, von Beginn an dabei zu sein. Der zweite wichtige, wenn auch einfache Grund ist der, dass der vorherige Fall einfach phänomenal war und das Herz eines jeden Thriller-Fans höher schlagen lassen dürfte.

Nun ging es also weiter und erneut hat Benjamin Cors sich eine Mordserie einfallen lassen, die mich entsetzt und erschüttert, aber auch vom Thema her total überrascht hat, was gar nicht so einfach ist bei der Menge an Büchern, die ich in diesem Genre lese. Der Fall war sehr komplex, der Weg zur Lösung steinig und voller Wendungen, was dazu führte, dass es mir nicht möglich war, zu erraten, wer schuld an allem ist, obwohl der Autor mit verdächtigen Personen sehr großzügig war. Die Spannung konnte im letzten Drittel sogar noch ein bisschen gesteigert werden, einige Enthüllungen waren so unglaublich wie genial, dies erfreute mein dunkles Herz. Die Auflösung beantwortete alle Fragen, was folgte habe ich nicht kommen sehen und bin nun gespannt, wie es weitergeht. Das war mörderisch gut!

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