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Veröffentlicht am 22.08.2025

Teuflisch böse

Luzifers Burnout
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Luzifer ist deprimiert, die Hölle ist nicht mehr das, was sie mal war, sein Verhältnis zu Gott ist zerrüttet und der den Menschen vorbehaltene Trübsinn ergreift auch von ihm Besitz. Die Menschen sind böse, ...

Luzifer ist deprimiert, die Hölle ist nicht mehr das, was sie mal war, sein Verhältnis zu Gott ist zerrüttet und der den Menschen vorbehaltene Trübsinn ergreift auch von ihm Besitz. Die Menschen sind böse, und zwar ganz ohne sein Zutun, davon ist Luzifer überzeugt. Eine Auszeit muss her, ein Sabbatical auf der Erde ohne seine Fähigkeiten, ohne Macht und ohne Handy. Ob das wohl gutgehen kann?

»Das Management entschied, dass die Hölle dem Mittelalter entrissen, modernisiert und künftig laufend dem Stand der Zeit angepasst werden muss. Ein modernes Jenseits für eine moderne Welt. Eines, in dem die Verdammten die mühseligen Seiten eines erwachsenen Alltags weiterleben. Bis in alle Ewigkeit und ohne Aussicht auf Erlösung.« (Seite 9)

Nicht ganz ernst gemeint, aber doch mit genügend eingeflochtener Realität nähert sich der Autor der Frage, was passiert, wenn der Teufel streikt. Und das tut er so meisterlich, dass es eine große Freude ist, ihm dabei über die Schulter zu schauen. Mit Witz und Ironie sowie einem riesigen Einfallsreichtum kreiert er ein Szenario, das mir regelmäßig die Lachtränen in die Augen treibt. Dabei wechselt er gerne die Perspektive, sodass ich mehrere Seiten zu sehen bekomme, unter anderem die meines absoluten Lieblingscharakters Samael, dessen frühere Unternehmungen mich wunderbar unterhalten. Gerne empfehle ich diese humorvolle Gesellschaftssatire weiter und hoffe auf eine Fortsetzung!

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Veröffentlicht am 19.08.2025

Vom Drehbuch zum Roman oder andersrum

Sommer Ende (Steidl Pocket)
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»Dieses Buch geht nicht Seite für Seite voran, sondern Minute um Minute, wie in einem Film.« (Seite 5)

Ein Ehepaar, erst Claire und Emil, dann Romy und Daddy genannt, macht sich auf den Weg aufs Land. ...

»Dieses Buch geht nicht Seite für Seite voran, sondern Minute um Minute, wie in einem Film.« (Seite 5)

Ein Ehepaar, erst Claire und Emil, dann Romy und Daddy genannt, macht sich auf den Weg aufs Land. Auf dem Weg dahin erleben sie allerhand Dinge, die Reise wird zunehmend skurriler. Mehr kann ich zum Inhalt nicht sagen, weil mir die Worte fehlen.

»Daddy und Romy laufen zum Auto. Daddy startet den Motor und setzt den Facel in Bewegung. Die Frau im blaugelben Kleid hinterher. Georg übergibt die Dackelleine an Robin Hood, legt die Schrottflinte an, zielt und schießt. POW!« (Seite 40)

Dieses Buch ist toll, dieses Buch ist doof, es ist ungewöhnlich und bekloppt, es ist eigentlich total crazy und ich frage mich tatsächlich immer noch: Was zur Hölle las ich da und wenn ja, warum? Als hätte Quentin Tarantino beschlossen, einen Film zu beschreiben, statt ihn auf die Leinwand zu bringen, dann aber völlig vergessen, dass es keine Bilder gibt und beschlossen, dass das eigene Kopfkino völlig reicht. Wo war ich? Ach ja, beim Inhalt. Oder auch nicht. Nagelt mich nicht darauf fest. Ich weiß es doch auch nicht. Ich schwöre!

Diese Geschichte wird nicht jedem gefallen, das muss sie aber auch nicht. Wer gerne Nebenstrecken geht und nicht immer den kürzesten Weg, quasi die Norm verschmäht und Spaß am Ungewöhnlichen hat, für den dürfte dieses Buch eine Offenbarung sein. Logik sollte man hier aber nicht suchen, sondern sich einlassen auf eine total verrückte Welt. Wer dies mag, wird hier fündig. Ich wünsche viel Spaß dabei!

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Über Generationen hinweg

Flusslinien
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Die 102 Jahre alte Margrit wohnt in einer Seniorenresidenz, der zuständige junge Fahrer bringt sie täglich in den Römischen Garten, wo sie an vergangene Zeiten denkt. Arthur hat Schuldgefühle, er schweigt ...

Die 102 Jahre alte Margrit wohnt in einer Seniorenresidenz, der zuständige junge Fahrer bringt sie täglich in den Römischen Garten, wo sie an vergangene Zeiten denkt. Arthur hat Schuldgefühle, er schweigt darüber und spricht auch sonst nicht viel. Das tut Luzie ebenfalls nicht, die gerade achtzehn Jahre alt wurde und die Schule geschmissen hat, die Gründe dafür behält sie für sich. Langsam und behutsam, immer auf dem Sprung zurück, nähern sie sich an, diese drei Menschen, deren Lebenslinien so unterschiedlich verlaufen sind.

Fast wäre er mir entgangen, dieser großartige Roman mit Margrit, Luzie und Arthur, fast hätte ich ihn nicht gelesen, nicht in die Hand genommen und nicht beigewohnt dieser Reise aus dem Schatten ins Licht. Ein toller Schreibstil, drei Perspektiven und ein Fluss, mehr brauchte es nicht, um mich zu begeistern mit einer Geschichte, die so abwechslungsreich war. Zeitgeschichte, Familienroman, Drama und Tragödie, dazu eine Prise Liebe und Verzweiflung, Verrat und auch Schmerz. So viel erlebt, so viel ertragen, wie soll man das verarbeiten, wie weiterleben und hinter sich lassen? Und geht das überhaupt, wo lässt man diese Wut? Ich war gespannt, wo es hingeht, war neugierig darauf, welche Auflösung es gibt, enttäuscht wurde ich nicht. Gerne empfehle ich diesen Generationenroman weiter. Lesen!

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Veröffentlicht am 15.08.2025

Zusammen ist man trotzdem allein

Dein Herz, ein wildes Tier
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Staci, Ray, Ernie und Coral sind auf der Flucht, sie verstecken sich in Texas, mieten sich mit geklautem Drogengeld ein Haus und spielen heile Welt, was ihnen erstaunlich leicht gelingt. Bald aber ist ...

Staci, Ray, Ernie und Coral sind auf der Flucht, sie verstecken sich in Texas, mieten sich mit geklautem Drogengeld ein Haus und spielen heile Welt, was ihnen erstaunlich leicht gelingt. Bald aber ist klar, dass die zehn Riesen, die sie unterschlagen haben, nicht ausreichen und auch sonst sind die Tage ihrer Gemeinschaft gezählt.

»Die Angst, auf der Flucht zu sein, war dem großen Unbehagen gewichen, als Fremde aufeinander angewiesen zu sein. Sie wussten, dass sie zu einem neuen Zuhause fuhren, auch wenn es nicht von Dauer sein würde, aber die Heimatlosigkeit umhüllte sie wie ein Schwarm Kriebelmücken.« (Seite 72)

Eine Ex-Stripperin, ein abgekämpfter Biker, ein ehemaliges Heimkind mit Depressionen und Aussetzern sowie ein Teenager, Kind von Junkies, der nicht spricht und meistens neben der Spur ist, um es vorsichtig auszudrücken. Alle haben eine Vorgeschichte, Narben auf der Seele, und auch sonst sind ihre Körper gezeichnet, manche Spuren sieht man außen nicht und dennoch sind sie da. Diese vier machen sich auf, unfreiwillig, nicht geplant, aber nicht planlos und mit einem gewissen Ziel auf den Weg.

Ehrlich gesagt, war ich zu Beginn ein wenig irritiert, als ich den ersten Satz las: »Dies ist eine Liebesgeschichte, nebenbei gesagt«. Und das war es, aber irgendwie auch wieder nicht. Es war ein Roadtrip der besonderen Art, eine Suche nach einem Zuhause, nach einer Gemeinschaft, Vertrauen, Liebe und Glück. Wünsche, Träume, Hoffnungen, aber auch der Kick nach dem schnellen Geld spielten eine Rolle und über allem schwebte permanent ein Unheil, wie ein fernes Grollen, das man körperlich spürt, auch wenn es noch weit genug entfernt ist. Die Erzählstimme kam zudem regelmäßig darauf zurück. Ich fand die Story abgedreht, total crazy, zuweilen lustig, aber auch traurige Momente waren zur Genüge dabei. Wer nun wissen möchte, was der auf dem Cover abgebildete Gepard mit dem Ganzen zu tun hat, macht sich auf die Reise und findet es selbst heraus. Ich wünsche gute Unterhaltung, aber auch Glück. Es lohnt sich!

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Veröffentlicht am 14.08.2025

Widersprüchlich

Zwischenschritte
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Brigitte ist am Boden zerstört, seit ihr Sohn Michael vor einem Jahr bei einem Unfall ums Leben kam. Sie verlässt Haus und Mann und reist nach Frankreich, das Land, das ihr Sohn geliebt hat. Dort trifft ...

Brigitte ist am Boden zerstört, seit ihr Sohn Michael vor einem Jahr bei einem Unfall ums Leben kam. Sie verlässt Haus und Mann und reist nach Frankreich, das Land, das ihr Sohn geliebt hat. Dort trifft sie auf den über fünfzehn Jahren jüngeren Buchhändler Christian, der ebenfalls eine sehr emotionale Zeit durchmacht. Die beiden so unterschiedlichen Menschen nähern sich einander an, ohne zu wissen, wo die Reise hingeht.

Dieses Buch lässt mich zwiespältig zurück. Die beiden Hauptprotagonisten haben mich leider nicht erreicht, obwohl es thematisch sicherlich einiges mitzufühlen gibt. Aber - und natürlich folgt nun das Aber, das ich gerne versuche, zu begründen. Brigitte trauert ihrem Sohn hinterher, den sie allerdings seit vielen Jahren nicht mehr gesehen hat, mit dem sie lange keinen Kontakt hatte. Christian trauert, obwohl es keinen wirklichen Trauerfall in seinem Leben gibt. So richtig sympathisch sind sich beide nicht, sodass ich die Anziehung an dieser Stelle nicht nachvollziehen kann. Bedauerlicherweise finde auch ich Brigitte und Christian nicht liebenswert genug, was schwierig ist, wenn es um Gefühle zwischen ihnen und auch solche geht, die ich beim lesen empfinden sollte und wollte, was mir jedoch nicht gelang.

Ich könnte nun so weitermachen, was dazu führen würde, dass ich die komplette Geschichte verrate, diese spoilere, wie es heutzutage so schön heißt, was ich hier natürlich vermeiden will. Am besten macht sich die Leserin und der Leser selbst ein Bild. Gute Unterhaltung!

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