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Veröffentlicht am 28.02.2025

Schöner Schein

Wie du mich ansiehst
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Johanna hat vor kurzem ihren Vater verloren, der ihr einen verwilderten Garten hinterlassen hat nebst einer Sorgenfalte im Gesicht. Diese lässt sie sich kosmetisch entfernen und fängt damit an, sich Gedanken ...

Johanna hat vor kurzem ihren Vater verloren, der ihr einen verwilderten Garten hinterlassen hat nebst einer Sorgenfalte im Gesicht. Diese lässt sie sich kosmetisch entfernen und fängt damit an, sich Gedanken über ihr Alter sowie ihr Aussehen zu machen. Es bleibt nicht bei einem Eingriff und schon bald muss Johanna sich erklären; ihrem Mann, aber auch ihrer Tochter gegenüber, der sie immer gepredigt hat, dass wahre Schönheit nichts mit dem Aussehen zu tun hat.

»Sie sind immer noch dieselben, man altert nicht über Nacht, und trotzdem, da ist etwas in den Gesichtern, für das Johanna nur ein einziges Wort einfällt. Wir sind alle erschüttert, denkt sie.« (Seite 49)

Dieses recht schmale Buch hat mich drei Tage lang begleitet, denn jede Seite, jedes Kapitel enthielt so viele tolle Sätze, dass ich mit dem Markieren und auch Verarbeiten nicht mehr hinterher kam. Manche Absätze las ich mehrmals, einfach weil diese so authentisch waren und ich mich in vielen Situationen wiedererkannt habe, vor lauter Zustimmung und dem Nicken tat mir irgendwann fast schon der Kopf weh. Johanna dachte und sprach aus, was sicherlich jede Frau schon mal erlebt hat, sie sezierte und hinterfragte, sie zweifelte und stellte in Frage, was bis dahin doch so selbstverständlich war.

»Sich von einem Arzt helfen zu lassen, weil man krank ist, ist trotzdem etwas anderes, als sich helfen zu lassen, weil man sich nicht schön genug fühlt. Es ist seltsam, denkt Johanna. Alle wünschen sich, schön zu sein - aber niemand will sich bei diesem Wunsch erwischen lassen.« (Seite 72)

Wie bereits mit dem Vorgänger »Das leise Platzen unserer Träume« konnte mich Eva Lohmann auch mit ihrem neuesten Werk begeistern und mitreißen mit dem großartigen Schreibstil und ihrer klugen Art. Worte, die treffen, Sätze, die von einer Beobachtungsgabe zeugen, die ihresgleichen sucht. Ein Buch von einer Frau für und über Frauen, das sicherlich auch den ein oder anderen Mann interessieren wird. Eine Bereicherung im großen Teich der Bücher, eine unterhaltsame Lektüre und ein Highlight für mich!

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Veröffentlicht am 26.02.2025

Musik ist Liebe, Liebe ist Musik

Für Polina
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»Wenn sie gewusst hätten, wie kostbar diese letzten Tage der Unschuld waren, hätten sie sie schon nicht mehr ganz so schwerelos genießen können.« (Seite 53)

Hannes Prager liebt Polina und er liebt die ...

»Wenn sie gewusst hätten, wie kostbar diese letzten Tage der Unschuld waren, hätten sie sie schon nicht mehr ganz so schwerelos genießen können.« (Seite 53)

Hannes Prager liebt Polina und er liebt die Musik. Er komponiert ein Lied für Polina und schenkt ihr diese Melodie. Kurz nach seinem vierzehnten Geburtstag stirbt seine Mutter und damit zieht die Traurigkeit in sein Leben ein, er mag nicht mal mehr an Musik denken, seine und Polinas Wege trennen sich. Erst viele Jahre später gesteht er sich ein, dass er Polina braucht und der einzige Weg, sie zu finden, besteht darin, ihre Melodie zu spielen.

»Er konnte kein Klavier mehr spielen, weil sein Leben in dem Moment den Takt verloren hatte, in dem seine Mutter gestorben war.« (Seite 134)

Auf der Rückseite des Buches steht der Satz, es sei der Liebesroman des Jahres, und selten hat eine Bezeichnung so ins Schwarze getroffen. Die Geschichte von Hannes und Polina gehört für mich im Genre zu einem der schönsten Bücher, die ich gelesen habe, weil es um die Liebe, aber auch um die Musik geht. Takis Würger findet Worte, die mich begeistern, die mich zum Schmunzeln und zum Lachen bringen. Viele Sätze berühren mich aber auch sehr, manche Passagen lese ich mehrfach und weine, weil diese so intensiv und berührend sind, dass es weh tut. Er schreibt diese Erzählung nieder, mit viel Pathos, aber ohne Kitsch, und damit trifft er genau meinen Geschmack. Ich lese keine Liebesromane, aber ich weiß auch, dass der Autor mich bisher nie enttäuscht hat und so ist es auch hier. Meisterhaft!

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Veröffentlicht am 25.02.2025

Leider etwas überladen

Das Flimmern kleiner Lichter
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Ronja arbeitet als Pflegehilfskraft in Hamburg, als sie einen Anruf bekommt, dass eine ihrer Patientinnen zwangseingewiesen wurde. Der Ronja bis dahin unbekannte Enkel überredet diese dazu, seine Oma aus ...

Ronja arbeitet als Pflegehilfskraft in Hamburg, als sie einen Anruf bekommt, dass eine ihrer Patientinnen zwangseingewiesen wurde. Der Ronja bis dahin unbekannte Enkel überredet diese dazu, seine Oma aus der Klinik zu entführen und zu verstecken. Wider besseren Wissens lässt sich Ronja darauf ein, was schlimme Ereignisse nach sich zieht. Hilfe bekommt sie dabei von unerwarteter Seite.

»Natürlich verstand das Mädchen damals noch nichts vom Leben einer Frau, doch es verstand sehr gut, was ein Leben in Angst vor einem Mann aus einer Frau machen konnte.« (Seite 7)

Als ich den Prolog las, dachte ich, dass dies ein intensives und großartiges Leseerlebnis werden würde. Leider hielt das Buch nicht, was der Anfang versprach. Dies lag für mich in erster Linie daran, dass die Autorin in diesem schmalen Buch zu viele Bereiche angesprochen hat, was dazu führte, dass ich irgendwann den Überblick darüber verloren habe, worauf sie hinaus will. Gewalt in der Familie sowie solche gegen die sexuelle Selbstbestimmung, Promiskuität, Einsamkeit, Drogensucht kamen darin vor, nur um einige Themen zu nennen. Dazu handelte die Protagonistin entgegen ihrer eigenen Erfahrungen, sie benahm sich für mich einfach nicht authentisch genug. Es gab einige besondere Abschnitte und auch den ein oder anderen Satz, der bei mir hängen blieb, insgesamt aber fand ich die Geschichte zu überladen, auch wenn die Message letztendlich doch noch rüberkam. Weniger wäre hier wahrscheinlich mehr gewesen.

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Veröffentlicht am 23.02.2025

Das war schon immer so…

Im Schnee
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»Manche rief man hier noch nach ihren Höfen, egal wie ihre Namen waren. Wenn man aus dem Dorf war, wusste man Bescheid, und wenn nicht, ging es einen auch nichts an. Das war schon immer so.« (Seite 12)

Ein ...

»Manche rief man hier noch nach ihren Höfen, egal wie ihre Namen waren. Wenn man aus dem Dorf war, wusste man Bescheid, und wenn nicht, ging es einen auch nichts an. Das war schon immer so.« (Seite 12)

Ein Dorf stirbt aus, früher war es einmal lebendig und wach. Der Schorsch ist tot und Max, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband, sinniert leise über Gott und die Welt. Er erinnert sich an alte Geschichten, an Menschen, die gingen, aber auch solche, die da sind. Noch.

„»Dieses Dorf«, sagte er schließlich, nachdem er eine Zeit lang hin und her gedacht hatte, »ist wie jedes Dorf. Da wohnen Leute, und da gibt es Misthaufen. Und je näher man herankommt, desto mehr stinkt es.« Er ließ die Worte verklingen und lauschte ihnen hinterher. Sie gefielen ihm.“ (Seite 159

Wenige Tage lang lässt Tommie Goerz mich teilhaben an den Gedanken von Max, wenige Tage, die mir vorkommen wie ein ganzes Jahr. Da passiert eigentlich nicht viel, aber ganze Biografien laufen vor meinen Augen ab, passieren Dramen, ereignen sich Tragödien, werden Kinder geboren und Menschen verlieren ihr Leben. Ein leises Buch, das dennoch laut ist, in einer Sprache, die eine Vergangenheit aufleben lässt, die mich nostalgisch macht. Früher war auch nicht alles besser, es war einfach anders, aber dadurch nicht weniger lebenswert. Danke für diesen Einblick, der mich nachdenklich und zufrieden zurücklässt. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 19.02.2025

Trautes Heim ohne Glück

Unser Ole
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Ida war früher wunderschön, lebte ein sehr unstetes Leben und ließ sich aushalten. Letztendlich arbeitete sie gelegentlich als Model auf Seniorinnen-Modenschauen, wo sie Elvira kennengelernt hat, die alleine ...

Ida war früher wunderschön, lebte ein sehr unstetes Leben und ließ sich aushalten. Letztendlich arbeitete sie gelegentlich als Model auf Seniorinnen-Modenschauen, wo sie Elvira kennengelernt hat, die alleine mit ihrem Enkel, dem kognitiv beeinträchtigten Ole, zusammenlebt. Als Ida ihre Wohnung verlor, nahm Elvira sie auf, weil sie Hilfe brauchte im Haus, mit dem Garten, vor allem aber mit dem unberechenbaren und mittlerweile schwer zu bändigenden Ole. Als ein Unglück passiert, wird Ida mit Manuela konfrontiert, der Tochter von Elvira, die seit vielen Jahren keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie hat. Dabei prallen Welten aufeinander, denn nachgegeben wird nicht.

Idas Lebenslauf, der nicht wirklich erwähnenswert ist, zeigte eine oberflächliche und nicht sonderlich intelligente, allerdings mit allen Wassern gewaschene Person, die in erster Linie auf den eigenen Vorteil bedacht ist. Elvira hätte eigentlich jeden Grund gehabt, glücklich zu sein, hat aber früh den Weg der Unzufriedenheit und der Unterdrückung anderer gefunden. Und Manuela? Diese hatte mit der alleinerziehenden Elvira fast keine Chance, eine ausgeglichene und zufriedene Frau zu werden. Als sich die Wege dieser Frauen kreuzen, ist Ärger und Stress förmlich vorprogrammiert.

Die drei Frauen im Buch waren mir unsympathisch, jede von ihnen hatte Gründe, so zu werden, wie sie geworden ist, was ich nachvollziehen, aber tatsächlich nicht entschuldigen kann. Dies soll nicht heißen, dass mir die Geschichte nicht gefallen hat, denn das Gegenteil war der Fall. Ich habe mich aufgeregt, aber auch köstlich amüsiert, man könnte es zusammenfassend so beschreiben: Schadenfreude ist die schönste Freude. Lesenswert!

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