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Veröffentlicht am 11.02.2025

Mystisch und voller Geheimnisse

Das Haus der Bücher und Schatten
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Die Lektorin Paula Engel reist mit ihrem Verlobten Jonathan Zirner kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges im Jahre 1913 ins Baltikum, um dort den Schriftsteller Aschenbrand zu treffen und dessen Manuskript ...

Die Lektorin Paula Engel reist mit ihrem Verlobten Jonathan Zirner kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges im Jahre 1913 ins Baltikum, um dort den Schriftsteller Aschenbrand zu treffen und dessen Manuskript mit nach Leipzig zu nehmen. Zwanzig Jahre später rettet der von den Nazis entlassene Kommissar Cornelius Frey der jungen Emilie das Leben, die ihm einen mysteriösen Satz zuflüstert, bevor sie verschwindet. Am nächsten Tag wird das Mädchen ermordet aufgefunden, neben ihr ein toter Polizist. Cornelius tut alles dafür, zurück in den Dienst zu kommen, um herauszufinden, was geschehen ist. Welche Verbindung gibt es zu Paula und Jonathan und was haben die Freimaurer damit zu tun?

»Die Einsamkeit ist ein Land voller Menschen, hatte jemand gesagt. Oder war ihm das selbst eingefallen? Die Vorstellung hatte etwas Verlockendes - ein Landstrich, in dem sich alle versammeln, die immer allein gewesen sind -, aber er machte sich nichts vor: Das Bild hatte nichts mit der Wirklichkeit gemein. Die Einsamkeit war hier, zwischen diesen Häusern, an der Grenze von Nacht und Morgen, und ihr Klang war der trostlose Schlag seiner Schritte auf dem nebelfeuchten Pflaster.« (Seite 7)

Meine Liebe zu den Büchern von Kai Meyer über das bei einem Luftangriff Ende 1943 fast vollständig zerstörte Graphische Viertel in Leipzig fing mit »Die Bücher, der Junge und die Nacht“ an, es folgte »Die Bibliothek im Nebel« sowie das vorliegende Buch mit dem wunderbaren Titel »Das Haus der Bücher und Schatten». Die Bücher hängen nicht zusammen, man muss diese auch nicht in einer bestimmten Reihenfolge lesen, es gibt aber kleine Querverbindungen zu Figuren, die unerwartet auftauchen hier und da. Diese kleinen Bezüge machen viel Spaß.

Wieder einmal nahm mich Kai Meyer mit auf eine phantastische Reise, zwei Zeitebenen bemühte er dafür, die er nach und nach meisterlich miteinander verband. Ich konnte mich eine Zeit lang nicht entscheiden, welches Zeitfenster ich interessanter fand, das der manchmal unzuverlässigen Ich-Erzählerin Paula oder doch eher die Erlebnisse des sympathischen und integren Kommissars Cornelius Frey, dessen Ermittlungen ihn tief in den Sumpf der damaligen Zeit führten, aber auch mit mystischen sowie mafiösen Strukturen in Berührung brachten. Letztendlich war es der Mix aus beiden Erzählsträngen und die Bewegung aufeinander zu, die einen großen Reiz ausgeübt haben. Einzig die mystischen Passagen sowie solche, die mögliche Geister betrafen, empfand ich manchmal etwas to much. Zur Atmosphäre sowie der wunderbaren Stimmung im Buch passten diese aber allemal. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Keine Gerechtigkeit

Unschuldig
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»Im Jahr 1976 hob der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten ein vierjähriges Verbot von Hinrichtungen auf, und die fünfunddreißig Todesstrafe-Staaten gingen sofort an die Arbeit. Seit damals sind ...

»Im Jahr 1976 hob der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten ein vierjähriges Verbot von Hinrichtungen auf, und die fünfunddreißig Todesstrafe-Staaten gingen sofort an die Arbeit. Seit damals sind 1572 Männer und fünfzehn Frauen durch Gas, die Todesspritze oder den elektrischen Stuhl getötet worden, eine Person wurde durch Erhängen und eine weitere durch ein Erschießungskommando hingerichtet.« (Seite 407)

In diesem Buch sind zehn Storys versammelt, die einer der erfolgreichsten amerikanischen Schriftsteller John Grisham zusammen mit Jim McCloskey, dem Gründer von Centurion Ministries, einer Non-Profit-Organisation, die sich für zu Unrecht Verurteilte in den USA einsetzt, geschrieben hat. Nach dieser Lektüre bin ich mir nicht mehr sicher, vor wem ich in Amerika mehr Angst hätte; vor den Verbrechern, oder doch eher vor den Strafverfolgungsbehörden und anderen Organen der Justiz. Die handverlesenen Fälle sind alle so unglaublich weit davon entfernt von dem, was ich mir unter einer unvoreingenommenen Gerichtsbarkeit vorstelle, dass ich kaum Worte dafür finde. Die Personen, die für Recht und Ordnung zuständig sind, lügen und betrügen, fälschen Beweismittel oder lassen diese ganz verschwinden, beeinflussen Zeugen, erfinden Tathergänge, die so abenteuerlich sind, dass ich mich an Märchen erinnert fühle, und sorgen so dafür, dass völlig Unschuldige verfolgt und verurteilt werden, bestraft für Taten anderer oder für solche, die überhaupt nicht stattgefunden haben. Dies alles unter dem Deckmantel der Gerechtigkeit.

Mich überkam beim Lesen sehr oft das Gefühl der Ohnmacht, ich konnte zwischen den Zeilen oft die Verzweiflung, die Ungläubigkeit, aber auch die Angst und die Wut spüren, die die zu Unrecht angeklagten Menschen überkommen haben müssen. Oft konnte ich nicht glauben, was da passiert ist, hatte immer wieder die Hoffnung, dass die nächste Instanz doch erkennen muss, was so klar auf der Hand lag, wurde aber wiederholt enttäuscht. Jahrzehntelang wurden unschuldige Menschen weggesperrt und sogar die Beweise ihrer Unschuld führten nicht zur sofortigen Freilassung, geschweige denn Rehabilitation, sondern es vergingen wiederum Jahre, oft fast ein Jahrzehnt, bis überhaupt darüber entschieden wurde, ob über die Wahrheit verhandelt werden wird. Mein Mitleid war grenzenlos, umso mehr habe ich der Auflösung entgegen gefiebert, weil ich so unbedingt wollte, dass der Gerechtigkeit Genüge getan wird.

Eine bewegende und wichtige Sammlung ist dieses Buch, für Fans von True Crime fast schon eine Pflichtlektüre, für mich eine Bereicherung im Genre und absolut lesenswert!

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Veröffentlicht am 03.02.2025

Vielversprechender Reihenstart

Ein Espresso für den Commissario
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Ein zweiundzwanzigjähriger Student wird tot aufgefunden, der junge Mann liegt erwürgt in seinem Bett. Die Ermittlungen gestalten sich zäh, da fällt Commissario Marco Pellegrini eine Aufnahme in die Hände, ...

Ein zweiundzwanzigjähriger Student wird tot aufgefunden, der junge Mann liegt erwürgt in seinem Bett. Die Ermittlungen gestalten sich zäh, da fällt Commissario Marco Pellegrini eine Aufnahme in die Hände, die den Toten mit einem Motorrad zeigt. Kurz vor seinem Tod hat der Student sich eine Ducati gekauft, die weit über zweihundert Tausend Euro gekostet haben soll. Es bleibt abzuwarten, ob hierin das Motiv für den Mord zu finden ist.

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den ersten Teil der Buchreihe mit dem sympathischen Commissario Marco Pellegrini, der viel lieber im elterlichen gastronomischen Betrieb Karriere gemacht hätte, als sich einen anderen Beruf suchen zu müssen. Aus familiären Gründen war dies leider nicht möglich, sodass er letztendlich bei der Mordkommission gelandet ist. Anfangs war ich skeptisch, nachdem das Buch als Überraschung bei mir angekommen ist, bin aber nach dem Lesen tatsächlich angenehm überrascht. Aber der Reihe nach.

Zu Beginn musste ich mich auf die bildlichen Beschreibungen einlassen, man merkte der Geschichte die Liebe des Autors zu Italien an. Der Fall selbst war interessant, unblutig und der Weg zur Lösung überwiegend kreativ gestaltet. Zwischendurch erfuhr ich einige Dinge, die privater Natur waren und die Vergangenheit erklärten, was mir die Person des Commissarios näher brachte. Ich wurde sehr gut unterhalten und war selbst erstaunt darüber, wie gut mir dieser eher unaufgeregte Krimi gefiel. Mein einziger Kritikpunkt hat mit der Ermittlung zu tun, denn Verdachtsmomente reichen meines Erachtens nicht dafür aus, dass die volle Maschinerie der Justiz in Bewegung gesetzt wird, hier hätte ich mir eine realistischere Lösung gewünscht. Ansonsten gibt es aber wenig zu meckern und erfreulicherweise gehts nicht nur weiter, sondern es gibt bereits weitere drei Fälle auf dem Markt. Ich freue mich drauf!

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Veröffentlicht am 02.02.2025

Gewohnt spannend

Blutbuße
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Die Stockholmer Immobilienentwicklerin Charlotte Wretlind wird in ihrem Hotelzimmer brutal ermordet. Hanna und Daniel werden mit dem Fall betraut. Die getötete Frau wollte ein kostspieliges Projekt umsetzen, ...

Die Stockholmer Immobilienentwicklerin Charlotte Wretlind wird in ihrem Hotelzimmer brutal ermordet. Hanna und Daniel werden mit dem Fall betraut. Die getötete Frau wollte ein kostspieliges Projekt umsetzen, bei der Planung ging sie dabei sprichwörtlich über Leichen. Widerstand gab es bei der Bevölkerung, aber auch im Bereich der Kommunalverwaltung. Die Ermittler tappen noch im Dunkeln, als ein zweiter Mord geschieht.

Beim vorliegenden Buch handelt es sich bereits um den dritten Teil der Reihe mit der Polizistin Hanna Ahlander und ihrem Kollegen Daniel Lindskog. Man muss die ersten beiden Teile »Kalt und still« sowie »Tief im Schatten« nicht lesen, um folgen zu können, denn die Fälle sind in sich abgeschlossen und im neuen Buch wird zwar auf vorherige Ermittlungen eingegangen, die Lösungen werden aber nicht verraten. Im Hinblick auf die Verhältnisse der beteiligten Personen zueinander und auch deren persönlichen Umstände wäre es allerdings von Vorteil, diese großartige Buchserie in der richtigen Reihenfolge zu lesen.

Wie ich es bereits gewohnt bin, tauche ich schon mit dem Prolog tief ins Buch ein und lese mich fest. Viveca Sten versteht es meisterhaft, die Spannung kontinuierlich zu steigern, dazu verschiedene Schauplätze zu bemühen und natürlich legt sie einige falsche Fährten, denen sie mich folgen lässt. Dabei vergisst sie nicht, mir Einblicke in das Privatleben der ermittelnden Personen zu gewähren, und auch Szenarien zu beschreiben, die zuerst verwirrend erscheinen, später jedoch einen Sinn ergeben, wenn das große Ganze in Sichtweite ist. Erst allmählich steige ich dahinter, welche Ereignisse den schrecklichen Taten zugrunde liegen und verfolge mit angehaltenem Atem, wie sich die Situation zuspitzt. Das Finale schraubt die Spannung noch ein bisschen mehr in die Höhe, bis die Auflösung uns alle erlöst. Das Ende zündet noch ein paar Feuerwerke im privaten Bereich und ich glaube, dass ich wahnsinnig werde vor Neugierde, wenn es nicht schnellstmöglich weitergeht. Ich kann es kaum erwarten!

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Veröffentlicht am 31.01.2025

Was wir lieben

Ein klarer Tag
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Der verarmte schottische Pfarrer John Ferguson reist 1843 auf eine kleine Insel im Nordmeer, um den letzten Bewohner des Eilands dazu zu überreden, diese zu verlassen. Der Gutsbesitzer möchte die Insel ...

Der verarmte schottische Pfarrer John Ferguson reist 1843 auf eine kleine Insel im Nordmeer, um den letzten Bewohner des Eilands dazu zu überreden, diese zu verlassen. Der Gutsbesitzer möchte die Insel mit Schafen bevölkern und will den Einsiedler dafür von dort verjagen. Auf der Insel angekommen, stürzt John Ferguson, er verletzt sich lebensgefährlich, wird von Ivar gefunden und gesund gepflegt. Es entsteht eine Freundschaft zwischen den ungleichen Männern, die nicht einmal eine gemeinsame Sprache haben. Indessen reist Johns Frau Mary diesem nach, weil sie davon überzeugt ist, dass ihr Mann seiner Aufgabe nicht gewachsen ist.

»In der Mitte des achtzehnten und bis in die zweite Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts hinein wurden ganze Dorfgemeinschaften gewaltsam von Grundbesitzern vertrieben, die durch erzwungene und systematische Enteignung mehr Platz für Ackerbau, Rinderzucht und später vor allem für Schafe schaffen wollten.« (Seite 215)

Die Autorin verbindet hier einige historische Fakten und webt diese in ihre Geschichte ein, so wie ich es am liebsten mag. Die Lossagung von einem Drittel der Pfarrer von der Schottischen Kirche im Jahr 1843 verbindet sie mit dem mittellosen John Ferguson, die Vertreibung einer ganzen Bevölkerungsschicht mit dem auf der Insel alleine lebenden Ivar und dazu zwingt sie beide Männer dazu, miteinander in einer Sprache zu kommunizieren, die mittlerweile ausgestorben ist.

Die laufende Erzählung wurde unterbrochen durch Rückblenden, die das Leben von John und Mary beleuchteten, Ereignisse aus dem Leben von Ivar erfuhr ich nebenher. Das langsame Herantasten der beiden Männer genoss ich, verstand Johns Ängste und konnte die Sorgen, aber auch die hoffnungsvollen Gedanken von Ivar ganz gut nachvollziehen. Mich überraschte es, welche Wendung die Geschichte nahm, wie sich behutsam und vorsichtig eine Richtung herauskristallisierte, die mich berührte und fast schon seufzen ließ. Ein kleiner Nervenkitzel und ein furchtsamer Moment folgte, um in einem Finale zu münden, das mich zufrieden stellte. Lesenswert!

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