Freunde nicht fürs Leben
Die Sonne und die MondAls Jana von Mond im Bestattungsinstitut von Sonja »Sonne« Meling auftaucht, ist letztere nicht begeistert, was weniger an dem ungewöhnlichen Wunsch der Mond liegt, ihren Mann zusammen mit dessen Geliebten ...
Als Jana von Mond im Bestattungsinstitut von Sonja »Sonne« Meling auftaucht, ist letztere nicht begeistert, was weniger an dem ungewöhnlichen Wunsch der Mond liegt, ihren Mann zusammen mit dessen Geliebten zu bestatten, als daran, dass ihre Freundschaft bereits vor Jahren zerbrochen ist. Die Sonne und die Mond, das war einmal, denkt Sonja - Jana allerdings drängt mit aller Macht in ihr Leben und bringt das Chaos mit.
»Hatte sie keine Menschen, die sich um sie scheren? Kannte sie niemanden, den sie jederzeit anrufen konnte, ohne dafür bezahlen zu müssen? Niemand strahlte weniger Einsamkeit aus als Jana von Mond, aber irgendwie war das auch ihr Beruf, nicht einsam zu erscheinen, fand Sonne.« (Seite 157)
Der Klappentext versprach eine ungewöhnliche Geschichte und der Anfang war tatsächlich vielversprechend. Zwei vollkommen gegensätzliche Frauen, die früher ein trauriges und traumatisches Erlebnis verband, deren Freundschaft jedoch bestimmte Ereignisse nicht überstanden hat. Welche das sind, blieb zu Beginn im Dunkeln, erst allmählich entfaltete das damalige Drama sich vor meinen Augen und erklärte dadurch einiges. Ein ziemlich makabrer Humor zog sich durch das Buch, es gab viele amüsante, wenn auch oft respektlose Situationen rund um das Bestattungswesen, ich persönlich hatte damit aber keine Probleme, tot sind wir schließlich alle früh genug.
Leider ließ meine Begeisterung im Laufe der Geschichte ziemlich nach, was in erster Linie daran lag, dass ich beide Frauen äußerst unsympathisch fand und ihr Aufeinandertreffen meistens nur peinlich, die Charakterentwicklung ging nicht sehr tief. Die Rückblicke ihre Freundschaft betreffend und auch die Erzählungen zu anderen Personen in der Vergangenheit fand ich ungleich faszinierender, die Gegenwart interessierte mich einfach nicht genug. Dazu gab es für mich persönlich zu viele Längen, ein fast 600 Seiten langes Werk zu füllen, ist keine einfache Aufgabe. Insgesamt ein unterhaltsamer Roman, den ich trotzdem gerne gelesen habe.