Zwei Außenseiter, die sich in dein Herz bohren
Der andere ArthurDer ehemalige Literaturprofessor Arthur Opp lebt zurückgezogen in seinem Elternhaus in Brooklyn. Aus Scham wegen seines enormen Gewichtes, das er sich in den letzten Jahren angefuttert hat, hat er sich ...
Der ehemalige Literaturprofessor Arthur Opp lebt zurückgezogen in seinem Elternhaus in Brooklyn. Aus Scham wegen seines enormen Gewichtes, das er sich in den letzten Jahren angefuttert hat, hat er sich von der Außenwelt abgeschottet. Einzig zu den Menschen der verschiedenen Lieferdienste hat er Kontakt. Ein unerwarteter Anruf seiner ehemaligen Studentin Charlene, mit der er viele Jahre im Briefkontakt stand, bringt Arthur dazu, sich aus seiner Komfortzone zu wagen. Doch nicht nur Arthurs Leben steht vor Veränderungen. Auch der 17-jährige Kel sieht sich nach dem Suizid seiner Mutter gezwungen, zukunftsweisende Entscheidungen zu treffen.
Als ich mit dem Buch begonnen habe, dachte ich, der Großteil der Geschichte würde sich um Arthur drehen. Deshalb habe ich mich lange Zeit gewundert, warum Kels Geschichte so viel Raum einnimmt. Was überhaupt nicht negativ gemeint ist, da ich Kel sehr gern begleitet habe. Wie er sich in einer neuen gehobeneren Schule zurechtfinden muss, wie er Freunde findet und einen Platz im Baseballteam bekommt. Auf der anderen Seite das Leben ohne Vater und nur mit seiner alkoholkranken Mutter, das er vor seinen neuen Freunden verheimlicht. Kel bleibt lange beim Training und verbringt viel Zeit bei Freunden, nur um nicht nach Hause zu müssen. Dennoch liebt er seine Mutter, umsorgt sie, verwaltet das wenige Geld, das sie haben, bezahlt die Stromrechnung, kauft Lebensmittel ein. Für seine Mutter würde Kel sogar aufs College verzichten, nur um bei ihr bleiben zu können. Auch wenn sein großer Traum ein Sportstipendium ist.
Ich habe in vielen Situationen mit Kel mitgelitten. Vor allem nach dem Suizid seiner Mutter, der ihn total aus der Bahn geworfen hat, hätte ich ihn gern in den Arm genommen, ihn unterstützt, aber auch geschüttelt und angeschrien, dass er gerade seine Zukunft als Baseballer gefährdet, weil er so blöde Aktionen startet.
Aber auch Arthurs Geschichte hat mir gut gefallen. Wie er sich aufgrund eines Ereignisses in die Einsamkeit zurückzieht, die er durch Essen zu füllen versucht. Dabei geht ihm seine Hilfsbereitschaft und Empathie für andere Menschen nicht verloren. Sogar für Menschen, die er noch nicht lange kennt, überwindet er seine Bedenken und Ängste und wagt sich langsam aus seinem Schneckenhaus.
Die Autorin hat mit Arthur und Kel zwei ganz liebenswürdige Außenseiter geschaffen, deren Gedanken- und Gefühlswelt ich sehr gut nachvollziehen konnte, wodurch sie mir sehr nah waren. Ein ruhiger und etwas melancholischer, aber dennoch intensiver Roman, der aus meiner Sicht mit einem sehr passenden Ende aufwartet: offen, aber mit einem positiven Blick in die Zukunft.