Cover-Bild Stammzellen
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25,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Kremayr & Scheriau
  • Themenbereich: Gesellschaft und Sozialwissenschaften - Gesellschaft und Kultur, allgemein
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 312
  • Ersterscheinung: 12.03.2025
  • ISBN: 9783218014465
Alina Lindermuth

Stammzellen

Roman
Ronja und Elio teilen ihre Faszination für die Natur, frisch verliebt beginnen sie ein gemeinsames Leben in einer Kleinstadt am Fuße der Alpen. Doch schon bald werden auch sie von einem Phänomen eingeholt, das die Welt seit einigen Jahren in Atem hält: der willkürlichen Entwicklung erwachsener Menschen zu Bäumen.

In ihrem neuen Roman nähert sich Alina Lindermuth einer Zukunftsvision, die gleichzeitig aufrüttelt und tröstet. Wie erleben Betroffene die sogenannte Dendrose und wie gehen ihre Familien damit um? Wie reagiert die Gesellschaft, was bedeutet das Phänomen für Politik, Unternehmen oder auch Krankenhäuser? Allmählich wird klar, dass die bestehenden Risse in der Bevölkerung dadurch immer tiefer werden.

Eine feinfühlige Liebesgeschichte im Zentrum der größten Herausforderung unserer Zeit: Die Autorin denkt angesichts der Klimakrise zu Ende, was geschehen würde, wenn die Natur auf sanfte, aber irreversible Art ihren größten Widersacher zu einem Teil von sich selbst zurückbildet.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.01.2026

Wenn die Natur zurückschlägt

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Menschen entwickeln sich zu Bäumen. Dieses Phänomen, Dendrose genannt, tritt weltweit auf. Niemand weiß, was der Auslöser ist, welche Menschen eher davon betroffen sein können, ob es ansteckend ist und ...

Menschen entwickeln sich zu Bäumen. Dieses Phänomen, Dendrose genannt, tritt weltweit auf. Niemand weiß, was der Auslöser ist, welche Menschen eher davon betroffen sein können, ob es ansteckend ist und wie man sich davor schützen kann. die Symptome sind immer dieselben: "kribbelnde Zehenspitzen, steife Sprunggelenke, trockene, sich verfärbende Haut an den Füßen" (S. 10), dann Verholzung, Verwurzelung und die endgültige Verwandlung in Anthrodendren, die zum weiteren "Überleben" eingepflanzt werden müssen.

Ronja ist Ärztin, begeistert sich schon seit Kindheitstagen für Pflanzen und engagiert sich ehrenamtlich im Dendro-Team, welches sich um die Betreuung und Begleitung der Angehörigen Betroffener kümmert. Während einer Zugfahrt lernt sie Elio kennen, der im Ort das Haus seiner "verstorbenen" Tante herrichtet, um sich dort niederzulassen. Beide verlieben sich und beginnen eine Beziehung, deren Entwicklung ich gefühlsmäßig nicht ganz nachvollziehen konnte.

Viel spannender fand ich die Beschreibung der "Krankheit" Dendrose und den Umgang damit durch Gesellschaft, Politik und Wirtschaft.
Wie die Menschen nach Schuldigen suchen, lieber Gerüchten glauben, als sich mit wissenschaftlichen Erkenntnissen auseinanderzusetzen, sich innerhalb der Familien aufgrund verschiedener Meinungen zerstreiten usw.
Wie die Politik bzw. die einzelnen Parteien das Thema für den Wahlkampf ausschlachten.
Wie einfallsreich Firmen werden, um neue Produkte und Dienstleistungen im Zusammenhang mit den zu Bäumen gewordenen Menschen zu entwickeln und zu vermarkten.

Dendrose - ein Thema, dass sich wunderbar auf andere politische und gesellschaftliche Themen übertragen lässt. Und irgendwie auch ein schöner Gedanke, dass die Natur zurückschlägt und ihren größten Widersacher in die Knie zwingt.

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Veröffentlicht am 31.03.2025

Menschen werden zu Bäumen

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"Wie es sich wohl anfühlt, fragt sie sich? Ob man wirklich nichts davon spürt? Ob man einfach in den Zustand übergeht? Oder ob man doch stirbt?"

Menschen werden zu Bäumen. In Alina Lindermuths Roman "Stammzellen" ...

"Wie es sich wohl anfühlt, fragt sie sich? Ob man wirklich nichts davon spürt? Ob man einfach in den Zustand übergeht? Oder ob man doch stirbt?"

Menschen werden zu Bäumen. In Alina Lindermuths Roman "Stammzellen" ist das eine neuartige Krankheit, die sich global ausgebreitet hat. Bei der sogenannten Dendrose verwandeln sich die Körper von Menschen allmählich in Wurzeln, Rinde und Äste. Die Gründe für die Krankheit sind zunächst unbekannt und auch eine Aussicht auf Heilung gibt es nicht.

Ronja ist Ärztin und betreut die betroffenen PatientInnen und ihre Familien. Als sie Elio kennenlernt, der über Sprichwörter forscht, verliebt sie sich. Fortan versuchen die beiden in einer Welt, die zunehmend unsicherer wird, sich ein gemeinsames Leben aufzubauen.

DIe Natur schlägt in "Stammzellen" zurück, indem sie den Menschen auf radikale Art und Weise wieder zu einem Teil von ihr werden lässt. Sie zwingt ihn dazu, sich zu verwurzeln, sich in das Ökosystem einzufügen und zum natürlichen Gleichgewicht beizutragen. Dem gegenüber steht der von menschengemachte Klimawandel, der währenddessen voranschreitet und zu Umweltkatastrophen führt.

Lindermuth nähert sich ausgehend von dieser originellen Grundidee der Beziehung zwischen Mensch und Natur und dem Umgang des Menschen mit der Natur an. Es ist diese Grundidee, die den Roman zunächst ausmacht, sich allerdings im letzten Drittel ein wenig verliert, da dann der Fokus vor allem auf der Beziehung der beiden Hauptfiguren liegt. Die Entwicklung der Beziehung ist zwar nicht schlecht erzählt und auch das Ende ist durchaus stimmig, aber sie nimmt unerwartet und meiner Ansicht nach unnötig viel Raum ein.

Im Gesamten ist "Stammzellen" jedoch ein kluger Roman, der sich Themen widmet, die für unsere Zeit von Bedeutung sind - und das auf besondere Art und Weise.

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Veröffentlicht am 02.04.2025

Liebesgeschichte vor nature writing und climate fiction in gut konsumierbarer Form

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Okay, Wow, denke ich, als ich den neuen Roman von Alina Lindermuth zum ersten Mal in der Hand halte. Das Cover ist mega und die Buchgestaltung wie immer bei den Büchern von Kreymayr & Scheriau einfach ...

Okay, Wow, denke ich, als ich den neuen Roman von Alina Lindermuth zum ersten Mal in der Hand halte. Das Cover ist mega und die Buchgestaltung wie immer bei den Büchern von Kreymayr & Scheriau einfach nur wunderschön.
Auch der Klappentext verspricht eine einzigartige Geschichte ganz nach meinem Geschmack.

Auf der ganzen Welt gibt es seit einigen Jahren das Phänomen der Dendrose, das ähnlich wie eine Pandemie um weiter um sich greift. Die betroffenen Menschen verwandeln sich Bäume. Es beginnt mit einem harmlosen Kribbeln in den Fußzehen und Fingerspitzen und schreitet dann mit der Verholzung und Verwurzelung der Beine fort. Als nächstes versteifen sich die Gelenke und auch das Bewusstsein schwindet. Ab einen gewissen Grad der Verwandlung müssen die Anthrodendren in die Erde gepflanzt werden um ihr Weiterleben als Baum sicherzustellen.
Für Angehörigen ein äußerst schmerzhafter Prozess.
Es ist eine Dystopie, die gleichzeitig als Parabel bereits stattfindet. Denn das Auftreten, die Verbreitung und sozialen Konsequenzen des Phänomens erinnert mich stark an die Jahre der Corona Pandemie.
Auch in Lindermuths Roman arbeiten Wissenschaftlerinne und Medizinerinnen fieberhaft an einer Erklärung und nach Behandlungsmöglichkeiten für das rätselhafte Phänomen.

Doch es geht in „Stammzellen“ gar nicht so sehr um die politischen und gesellschaftlichen Hintergründe der Derndrosen, obwohl natürlich klar ist, dass diese Veränderungen für eine Art Backlash der Natur stehen. Später verdichten sich die Hinweise, dass die Dendrose durch die Klimaveränderungen und Umweltverschmutzungen ausgelöst wurde.
Lindermuth erzählt ihren Roman ganz aus der individuellen Sicht ihrer Protagonistin Ronja und in Form einer Liebesgeschichte vor dem Hintergrund dieser Krise. Für mich ist das gleichzeitig die Stärke, aber auch die Schwachstelle des Romans.
Ronja lernt in den ersten Kapiteln Elio kennen und nach einem etwas holprigen Start verlieben sich sich und werden ein Paar.
Als Ärztin arbeitet Ronja in Dendrose-Teams, die die Angehörige von Betroffenen während des Prozesses begleiten und unterstützen und ist deshalb direkt mit den Auwirkungen dieser Metarmorphose konfrontiert.
Seit einiger Zeit verspürt sie selbst manchmal ein minimales Kribbeln in den Zehen. Alles nur Einbildung?

Wie sieht die Zukunft von Ronja und Elio aus? Sollen sie eine Familie gründen trotz dieser Ungewissheit? Wie geht es weiter, wenn kein Heilmittel gefunden wird?

Das ist definitiv ein sehr interessantes Szenario, dass Lindermuth entwirft und das trotz der fantastischen Elemente nicht weit von unserer aktuellen Lebensrealität entfernt ist. Der Roman ist spannend geschrieben und mir gefällt die Geschichte von Ronja und Elio gerade in den ersten Kapiteln sehr gut.
Dennoch fehlt mir persönlich etwas in dem Roman der Wiener Autorin und das ist eine gewisse Vielschichtigkeit und Komplexität in den Figuren und auch in der Geschichte. Das ist ein individueller Kritikpunkt meinerseits und kein universeller, denn ich denke dass gerade diese Gestaltung den Roman für sehr junge oder sogar jungendliche Leser*innen sehr gut zugänglich macht. Lindermuth überfordert nicht mit den komplexen Wechselwirkungen aus unserem eigenen Verhalten, globalen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhängen und der Klimakrise, sondern fokussiert sich auf die lokalen und persönlichen Auswirkungen für das Liebespaar Ronja und Elio.

“Die Wärme des Nachmittags ist abgekühlt, das Sanfte der vergangenen Stunden und Wochen ist an der Realität scharfkantig geworden. Ihr Verstand weiß schon, dass es begonnen hat, vorbei zu sein.”

„Stammzellen“ ist nature writing und climate fiction in gut konsumierbarer Form mit einer niederschwelligen Einladung zum Nachdenken, blieb aber hinter meinen Erwartungen an einen gesellschaftskritischen Roman zurück.

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