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Veröffentlicht am 25.05.2026

Tödliche Feier

Akte Nordsee - Die letzte Predigt
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Tammo Gerdes, der Pastor von Estherwiek, wird tot in einem Priel gefunden. Am Vortag hat er noch anlässlich der Feier einer Silbernen Konfirmation aufwühlend über Verrat gepredigt. Unfall oder Suizid? ...

Tammo Gerdes, der Pastor von Estherwiek, wird tot in einem Priel gefunden. Am Vortag hat er noch anlässlich der Feier einer Silbernen Konfirmation aufwühlend über Verrat gepredigt. Unfall oder Suizid? Die Polizei beginnt zu ermitteln.

Eva Almstädt lässt in „Akte Nordsee - Die letzte Predigt“, dem 4. Band ihrer Nordsee-Reihe, Journalist Niklas John und Anwältin Fentje Jacobsen erneut gemeinsam ermitteln. Der neue Fall hat mich, abgesehen von kleineren Abstrichen, gut unterhalten.

Mit einer Reihe von Ereignissen beginnt der Krimi eher gemächlich. Erst die Trennung von Fentje und Niklas, dann eine kranke Katze, später die Feier zur Silbernen Konfirmation in Estherwiek. Lena, eine der damaligen Konfirmandinnen, macht in Sankt Peter-Ording eine überraschende Beobachtung, die sie zu einem langen Gespräch mit Pastor Gerdes bewegt. Am folgenden Tag ist dieser tot und Lena verschwindet über Nacht, ohne ihr Fremdenzimmer zu bezahlen.

Der neue Fall bietet Einblicke ins Dorfleben mit Klatsch und Tratsch. Ehemalige Einwohner, Zugezogene und Auswärtige haben hier zuweilen keinen leichten Stand. Der Mord am beliebten Pastor wirft genauso Fragen auf wie der Auftritt und das Verschwinden von Lena, die in Estherwiek aufgewachsen ist. Die Ermittlungen der Polizei und auch Fentjes Recherchen lassen Ereignisse aus der Vergangenheit wieder wachwerden. Hängt der Tod des Pfarrers mit einem Unfall in einem Ferienlager vor über 20 Jahren zusammen oder hat der Mörder jüngere Motive? In der zweiten Hälfte gewinnt der Krimi deutlich an Tempo und Spannung.

Viele Personen, viele Namen. Nicht alle spielen tatsächlich eine Rolle für die Handlung. Eva Almstädt schreibt gewohnt bildhaft und mit viel Lokalkolorit. Ihr Ermittlerpaar Niklas und Fentje funktioniert hervorragend, solange es nicht privat wird. Denn da haben die beiden ihre Probleme, die sie in diesem Band nicht angehen. Dagegen kommen sie dem Täter auf die Spur, lange vor der Polizei. Prompt gerät Fentje in Lebensgefahr.

„Akte Nordsee - Die letzte Predigt“ lässt mich etwas zwiespältig zurück. Der Krimi ist gut zu lesen, in der zweiten Hälfte kommt auch Spannung auf, doch manches Motiv und die daraus resultierende Handlung hat mich nicht völlig überzeugt. Die Hauptcharaktere, vor allem Fentje, sind glaubwürdig. Wobei Niklas` „Gutmenschentum“ mitunter etwas übertrieben wirkt und ihn wiederholt in Schwierigkeiten (schwerkranke Katze, Mordverdacht) bringt. Auch die Motive für die letzten Morde waren für mich nicht wirklich einleuchtend.

Letztendlich wird der Fall gelöst und die Umstände, die zu den Gewalttaten führten, aufgeklärt. Ich habe den Krimi gern gelesen und er hat mich gut unterhalten. Aber er ist nicht der stärkste der Reihe.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 24.05.2026

Ein gefährliches Erbe

Jagd durch Luxemburg
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Der Selfmade-Millionär und Medienpionier Charles Forestier Cannes stirbt mit 92 Jahren. Da er seinen Tod voraussah, hatte er ausreichend Zeit, ein wahrhaft perfides Testament zu verfassen. Die meisten ...

Der Selfmade-Millionär und Medienpionier Charles Forestier Cannes stirbt mit 92 Jahren. Da er seinen Tod voraussah, hatte er ausreichend Zeit, ein wahrhaft perfides Testament zu verfassen. Die meisten seiner Erben haben zu Lebzeiten des Millionärs gut von seinem Geld gelebt und trotzdem Schulden angehäuft. Jetzt gieren sie nach dem Erbe. Doch dieses will erst verdient sein. Cannes macht es seiner Sippschaft nicht leicht. Vielmehr steht mehr auf dem Spiel als die potenziellen Erben ahnen.

„Jagd durch Luxemburg“ von Romain Haas ist ein raffinierter Krimi, der mit überraschenden Wendungen und viel Lokalkolorit unterhält. Ein wirklich gelungenes Krimidebüt!

Die viel beachtete Testamentseröffnung durch den Notar, Maître Simon, droht zu eskalieren. In einem vom Erblasser verfassten Video nennt dieser die Bedingungen für das Erbe und die Suche danach. Juristisch unanfechtbar wie er aus gutem Grund betont. Er rät seinen Nachkommen, gemeinsam auf die Suche nach der Lösung zu gehen, denn bei 100 Millionen Euro bleibt für jeden ein üppiger Anteil. Der Verstorbene hat für alle potenziellen Erben ein Rätsel vorbereitet. Dazu noch eines für die Öffentlichkeit, das die anwesenden Medienvertreter publizieren sollen. Die Suche ist auf einen Monat begrenzt. Wird die Aufgabe nicht gelöst, wird das Erbe gespendet. Von acht möglichen Erben zerreißt nur eine ihr Rätsel. Die anderen machen sich auf die Jagd, die bald einen Todesfall nach sich zieht.

Die Protagonisten sind beinahe alle unsympathisch. Oft habe ich mich gefragt, ob großer Reichtum sich negativ auf den Charakter auswirkt. Im Fall des Cannes-Clans ist das eindeutig der Fall. Hat also der Medienmogul selbst schuld, dass seine Nachkommen in seinen Augen so missraten sind? Nur seine Enkelin Carlotta Isabella Cannes, genannt Charlie, aus Lëtzebuerg, Literaturstudentin in Zürich, ist ein sympathischer Charakter. Mit ihr gemeinsam begeben wir uns auf Schatzjagd, die wir aus ihrer Perspektive erleben.

Warum macht Charlie überhaupt mit? Sie hat keine Schulden und ist finanziell abgesichert. Weil sie neugierig ist und Kriminalromane liebt? Oder weil sie glaubt, ihrem Großvater, die Teilnahme schuldig zu sein oder weil sie ihrer buckligen, gierigen Verwandtschaft das Geld nicht gönnt?

Die Rätsel sind skurril und schwierig. Bald ist klar, dass nur Charlie und allenfalls ihr Onkel Edouard, der Anwalt, ausreichend intelligent sind, um die Lösungen zu finden. Prompt wird immer wieder versucht, Carlotta in die Enge zu treiben und ihr die gefundenen Lösungen abzujagen. Nachdem der perfide Plan, Charlie als Mörderin zu überführen, scheitert, holt sie sich Hilfe. Doch kann sie ihren Freunden aus der Kindheit vertrauen? Einer ihrer Verwandten verhält sich überraschend und ein gefährlicher Unbekannter scheint mit im tödlichen Spiel zu sein. Wird Charlie die Rätsel lösen und wird sie überleben?

Romain Haas hat mich mit seiner Schatzjagd spannend unterhalten. Seine bildhafte Sprache und die Reise quer durch Luxemburg haben mir gut gefallen. Manche der Handlungsorte habe ich nachgeschlagen. So wurde mir erst bewusst, was für ein lohnendes Reiseziel Luxemburg ist. Das Miträtseln macht Spaß. Bis zum Schluss war mir klar, dass noch eine weitere Partie mit im Spiel sein muss, ohne dass ich auf die Lösung gekommen bin. Im spannenden Showdown werden alle Fragen beantwortet und der Medienmogul sorgt für eine letzte Überraschung.

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Veröffentlicht am 21.05.2026

Mord und Vorurteile

Strandopfer
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Im kleinen Misdroy, einem beliebten Touristenort an der polnischen Ostsee wird ein toter Deutscher am Strand gefunden. Anscheinend ertrunken. Joachim Hundt hat zusammen mit seiner Frau und drei befreundeten ...

Im kleinen Misdroy, einem beliebten Touristenort an der polnischen Ostsee wird ein toter Deutscher am Strand gefunden. Anscheinend ertrunken. Joachim Hundt hat zusammen mit seiner Frau und drei befreundeten Paaren in der Nähe Urlaub gemacht. Da einer aus der Clique im deutschen Innenministerium arbeitet, wird Lena Schuldt, Kriminaloberkommissarin vom BKA, nach Misdroy geschickt. Sie soll abklären, ob es sich tatsächlich nur um einen Unfalltod ohne Fremdeinwirkung handelt. Als sie und ihr polnischer Kollege Adam Krawczyk die Leiche untersuchen, entdecken sie ein großes geschliffenes Stück Bernstein in der Kehle des Toten. Außerdem ist Luisa, die zehnjährige Tochter eines der Paare spurlos verschwunden. Schwierige Ermittlungen beginnen.

„Strandopfer“ ist der Auftakt zu Frank Goldammers neuer Reihe mit einem polnisch-deutschen Ermittlerduo. Schon die Leseprobe hat mich in ihren Bann gezogen, doch wurden meine hohen Erwartungen nicht ganz erfüllt.

Die Suche nach Luisa läuft auf Hochtouren, gleichzeitig ermitteln Schuldt und Krawczyk im Mordfall Hundt. Während sie einen Racheakt der polnischen Bernsteinmafia vermutet, glaubt Adam, dass der Täter einer der Reisegefährten sein könnte. Die Zeit drängt und bald ist ein weiteres Opfer zu beklagen.

Hier ist nichts so wie es scheint. Weder klappt die Zusammenarbeit zwischen Schuldt und Krawczyk besonders gut, noch kooperieren die Freunde des Toten mit der Polizei. Vorurteile, Misstrauen, Klischees und Kompetenzgerangel erschweren die Ermittlungen in hohem Maß. Es liest sich erschreckend, wie wenig die letzten Jahrzehnte und eine Europäische Union in den Köpfen der Menschen bewirkt haben. Das gilt für die Polizisten genauso wie für die Urlauber.

Während Adam fließend Deutsch spricht, versteht Lena kein einziges polnisches Wort, obwohl sie ganz in der Nähe aufgewachsen ist. Dies macht ihr neben ihren zahlreichen Vorurteilen gegenüber Polen, von Beginn an zu schaffen. Unterstellt sie doch Adam nicht korrekt zu übersetzen, ohne dafür einen Beweis zu haben. Außerdem hat sie Schwierigkeiten damit, dass er das Kommando hat.

Keiner der Protagonisten ist sonderlich sympathisch. Die Ermittler machen Fehler, da sie nicht vernünftig zusammenarbeiten und ihren Vorurteilen frönen. Lena hat eine traumatische Kindheit und Jugend hinter sich und hasst die Region. Ihren Flashbacks wird sehr viel Raum gegeben. Adams gescheiterte Ehe mit einer Deutschen hat ihre Spuren hinterlassen. Die Mitglieder der Reisegruppe sind einander lange nicht so zugetan, wie sie den Anschein erwecken wollen. Sie verschweigen wichtige Beobachtungen und Vorkommnisse. Einig sind sie sich nur in der Beurteilung der kleinen Luisa, die als schwieriges, verzogenes Gör beschrieben wird. Ich habe mich wiederholt gefragt, warum diese Gruppe freiwillig ihren Urlaub gemeinsam und in Polen verbringt.

Der Autor schildert den Fall mit bilderreichem Lokalkolorit, was mir sehr gefällt. Die teilweise düstere Atmosphäre passt gut. Der Fall an sich ist spannend, doch die zahlreichen Rückblicke Lenas und das ständige Aufblitzen von Vorurteilen, führen zu Längen. Ich denke, dass dies der Einführung geschuldet ist. Letztendlich wird das Verbrechen aufgeklärt und alle Fragen beantwortet. Teilweise hat mich das Ende überrascht. Ich hatte zwar eine Ahnung in diese Richtung, aber die Perfidität des Täters hat mich doch verblüfft.

Im Epilog klingt an, dass Adam und Lena sich besser verstehen lernen und erfolgreich ihre Vorurteile bekämpfen wollen. Das lässt mich auf eine Fortsetzung hoffen, die das Potenzial des Plots voll ausschöpft.

Ein Glossar am Ende mit polnischen Begriffen rundet das Buch ab.

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Veröffentlicht am 17.05.2026

Eine Nonne verlässt ihr Kloster, um ein Verbrechen aufzuklären

Mord in der Pension Möwennest
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Schwester Agnes verlässt nach dreißig Jahren ihr Kloster und wird wieder Nora Breen. Dieser Entschluss fällt ihr nicht leicht, aber sie sieht keine andere Möglichkeit. Schließlich geht es um Frieda. Die ...

Schwester Agnes verlässt nach dreißig Jahren ihr Kloster und wird wieder Nora Breen. Dieser Entschluss fällt ihr nicht leicht, aber sie sieht keine andere Möglichkeit. Schließlich geht es um Frieda. Die ehemalige Novizin ist Nora ans Herz gewachsen wie eine Tochter. Als Frieda das Kloster wegen eines Lungenleidens verlassen musste, gab sie ihrer alten Freundin das Versprechen, wöchentlich einen Brief zu schreiben. Daran hat sie sich strikt acht Monate lang gehalten bis die Briefe abrupt ausblieben. Frieda war plötzlich spurlos verschwunden und niemanden schien das zu kümmern - außer Agnes. Und deshalb wurde sie wieder Nora Breen.

Jess Kidd hat mit „Mord in der Pension Möwennest“ einen Kriminalroman mit einem ungewöhnlichen Ermittlerpaar geschrieben. Das Buch spielt in den 1950er Jahren und hat mich gut unterhalten.

Nora folgt Friedas Spur in die Pension Möwennest, in der sie vor ihrem Verschwinden gewohnt hat. In der heruntergekommenen Herberge lebt eine kleine Gruppe ziemlich skurriler Menschen. Sie alle können oder wollen nur vage Angaben zu Friedas Plänen und möglichen Zielen machen. Kurze Zeit nach Noras Einzug stirbt einer der Mieter. Die Polizei tippt auf Suizid, nur die Witwe geht von einem Mord aus. Nora sucht nach einer Spur von Frieda, aber auch im nahe gelegenen Städtchen Gore-on-Sea bleibt sie erfolglos. Mittlerweile sterben der nächste Bewohner des Möwennests und sein Hund eines unnatürlichen Todes. Während der Detective Inspector weiterhin von Suiziden bzw. Unfällen ausgeht, glaubt Nora an eine Mordserie, der auch Frieda zum Opfer gefallen ist.

Die Geschichte spielt 1954 und entwickelt sich in einem gemächlichen Tempo. Die Abläufe im Möwennest, Noras Nachforschungen und gelegentliche Ausflüge in die Stadt dominieren die Erzählung. Noch leidet die Gesellschaft unter den Nachwehen des Krieges. Geld und Arbeitsplätze sind knapp. Es herrscht eine etwas düstere, resignierte Atmosphäre. Nach und nach werden Details aus Noras früherem Leben und ihre Beweggründe für den Klostereintritt offenbart, ebenso warum ihr Frieda derart ans Herz gewachsen ist.

Jess Kidds Geschichte bevölkern eher schräge Charaktere. Nora, intelligent, stur und zupackend, findet sich erstaunlich gut in ihrem neuen Leben zurecht. Sie hat das Zeug zur Ermittlerin, da die Menschen gern mit ihr reden und sich ihr öffnen. Inspector Rideout ist Noras Thesen gegenüber zwar skeptisch, pflegt aber nicht die Vorurteile gegenüber Frauen, die in den 1950ern üblich sind. Er ist gewillt ihr zuzuhören und nimmt sie ernst. Die Bewohner des Möwennests bilden eine Zweckgemeinschaft, die die Not zusammengeführt hat. Die vornehme Pensionswirtin Helena, die sich in Krankheiten flüchtet und ihre wilde kleine Tochter nicht bändigen kann. Diese kleine Dinah weigert sich zu sprechen, bekommt aber mehr mit als die meisten glauben. Die schroffe Haushälterin Irene, die nicht so gefühllos ist, wie sie sich gibt. Und die Pensionsgäste: Poppy, der Puppenspieler, angeblich vornehmer Abkunft. Bill, der ehemalige Seemann, der jetzt Barkeeper ist und Helena liebt. Teddy und Stella, ein junges berufstätiges Ehepaar. Karel, der junge Fotograf und Frieda, die verschwundene ehemalige Novizin.

Die Geschichte hat mich erst allmählich in ihren Bann gezogen. Obwohl die Zahl der Verdächtigen klein ist, erfordert es einige Zeit, die Fälle aufzuklären. Letztendlich gelingt es, den Täter zu entlarven. Auch Friedas Schicksal wird aufgeklärt.

Jess Kidd gelingt es, die Atmosphäre der 1950er Jahre einzufangen und diese Zeit ihren Lesern näherzubringen. Mit Nora hat sie eine sympathische Ermittlerin geschaffen, die hervorragend mit Inspector Rideout zusammenarbeitet. Was mich leider während des gesamten Romans gestört hat, ist, dass die Autorin einerseits mehrfach Noras klamme finanzielle Situation thematisiert, sie aber gleichzeitig unsinnige Dinge kaufen lässt, obwohl es ihr an den einfachsten Sachen mangelt wie vernünftigen Schuhen. Auch lässt sie ihre Heldin keinen Gedanken daran verschwenden, wie sie diese Notlage beheben könnte. So geht sie nicht auf Arbeitssuche, obwohl ihre Ermittlungen dies zeitlich gut zuließen und sie als Krankenschwester Arbeit finden könnte.

Insgesamt gesehen haben mir Noras Geschichte, ihre Tatkraft und ihr Humor gut gefallen. Ich werde auch ihrem zweiten Fall eine Chance geben.



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Veröffentlicht am 11.05.2026

Die Woche des Serienmörders

Schlafende Vulkane
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Wie jeden Morgen versorgt der alte Hilmar die Pferde im großen Reitstall von Hafnafjörður. Doch heute verläuft die Arbeit anders als geplant. In einer leerstehenden Pferdebox liegt eine nackte junge Frau ...

Wie jeden Morgen versorgt der alte Hilmar die Pferde im großen Reitstall von Hafnafjörður. Doch heute verläuft die Arbeit anders als geplant. In einer leerstehenden Pferdebox liegt eine nackte junge Frau - tot. Aufgrund der Personalknappheit bei der isländischen Kripo wird der Fall an Helga übertragen, die erst vor kurzem ihre Ausbildung an der Polizeihochschule abgeschlossen hat. Schnell stellt sich heraus, dass ein Gewaltverbrechen vorliegt. Als die Polizei das Haus des Opfers untersucht, entdeckt Helga, dass Kristófer, der zehnjährige Sohn der Toten, durch das Toilettenfenster vor dem Mörder geflohen ist. Eine hektische Suche nach dem Jungen beginnt ...

„Schlafende Vulkane“ ist das erste gemeinsame Buch der Schriftstellerkollegen Michael Hjorth und Bjarni Thorsson. Der Auftaktband der neuen Island-Thriller-Reihe glänzt mit ungewöhnlichen Ermittlern und anhaltender Spannung in düsterer Atmosphäre

Der erste Tatverdächtige, der Ex-Mann der Toten, stellt sich „nur“ als Dealer heraus. Immerhin beschert er der Polizei den größten Drogenfund des Jahres. Ein Motiv für den Mord lässt sich nicht finden. Die Rettung von Kristófer dagegen glückt. Kurz bevor er erfroren wäre, wird er vom Suchteam, bestehend aus Helga, der Polizeihündin Salka und dem Verkehrspolizisten und Outdoorspezialisten Bjarki gerettet. Inzwischen hat der Täter bereits sein nächstes Opfer im Visier. Obwohl die ehrgeizige Helga und ihr Team nahezu rund um die Uhr ermitteln, können sie den zweiten Mord nicht verhindern. Es zeichnet sich ab, dass ein Serienmörder die Taten verübt - für Island eine völlig neue Situation!

Die Charaktere gefallen mir ausgezeichnet. Helga, die sich beim Jugendamt hilflos vorkam und deshalb die Polizeihochschule besuchte, ist in Schweden aufgewachsen, hat aber einen isländischen Vater. Sie ist taff, intelligent und sehr ehrgeizig. Nach der Scheidung von einem Kontrollfreak, der sie systematisch verunsicherte, sieht sie sich mit einem Sorgerechtsstreit konfrontiert, der ihr Stresslevel zusammen mit der schwierigen Ermittlung und der ungewohnten Rolle als Teamleiterin in ungekannte Höhen steigen lässt. Bjarki, den seine Freunde Grettir nennen, war bei der Drogenfahndung und wurde aufgrund eines zunächst unbekannten Vorfalls degradiert und zur Verkehrspolizei versetzt. Er ist ein Naturmensch und hat Probleme mit Hierarchien und Vorschriften. Yvette stammt ursprünglich aus Bosnien und hat in Island eine neue Heimat gefunden. Sie ist eine äußerst fähige und engagierte Kriminaltechnikerin. Im vorliegenden Fall überschreitet sie aus Zeitnot Regeln, erhält dadurch aber entscheidende Informationen. Auch die weniger sympathischen Teamkollegen wie der karrierebewusste Dezernatsleiter Gisli Freyr („Chef zu sein war die Hölle, egal, was Dale Carnegie behaupten mochte“) oder der arbeitsscheue Benni, der Helga aus Neid das Leben schwer macht, aber sich als loyal erweist, haben Tiefe. Und nicht zu vergessen der Täter, der akribisch seine Verbrechen plant, kontrolliert und methodisch agiert. Die aus seiner Sicht geschriebenen Einschübe haben für Gänsehaut bei mir gesorgt.

Überhaupt passen die kurzen Kapitel, die häufig wechselnden Perspektiven und der bildhafte flüssige Schreibstil hervorragend zusammen. Egal ob die beeindruckende Natur Islands beschrieben wird oder die zermürbende Polizeiarbeit, die die stundenlange Sichtung unscharfer Bilder von Überwachungskameras und das Durchforschen zahlloser Social-Media-Accounts beinhaltet. Die sorgfältige Recherche der Autoren war hier für mich spürbar. Die Spannung hat mich bis zum Schluss gefesselt, sodass es mir schwerfiel das Buch aus der Hand zu legen. Erschütternd fand ich die Einblicke ins Darknet, die Beschreibung und die Klientel von Snuff-Videos und die Folgen dessen, was heute als „toxische“ Männlichkeit bezeichnet wird. Das sorgt für eine düstere Atmosphäre und erhöht zusätzlich den Druck auf die Ermittler, denen nicht nur der Fall schwer zu schaffen macht, sondern auch Politiker und Medien.

Selten hat mich der Auftaktband einer Serie so in den Bann gezogen, wie dieser. Die Ermittlung, die sich über eine Woche hinzieht, hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt.
Ich freue mich schon auf den bereits angekündigten zweiten Band und vergebe die volle Punktzahl.

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