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Veröffentlicht am 22.04.2026

Bruno bekommt Gegenwind

Bredouille
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An einem kalten Dezembermorgen entdeckt Bruno die Leiche von Monique Duhamel, einer erfolgreichen Unternehmerin, in deren geparktem Fahrzeug. Offensichtlich hat sie sich selbst das Leben genommen. Aber ...

An einem kalten Dezembermorgen entdeckt Bruno die Leiche von Monique Duhamel, einer erfolgreichen Unternehmerin, in deren geparktem Fahrzeug. Offensichtlich hat sie sich selbst das Leben genommen. Aber warum auf einem abgelegenen Rastplatz, weit entfernt von ihrem Wohnort? Etwas erscheint Bruno merkwürdig und lässt seine Alarmglocken läuten. Während er sich um Totenschein und Abtransport der Verstorbenen kümmert, stellt er fest, dass zwei seiner Freundinnen, die Ärztin Fabiola und die Richterin Annette, mit der toten Monique bekannt waren. Noch ahnt er nicht, wie sehr dieser Zwischenfall sein Leben, beruflich wie privat, durcheinander wirbeln wird.

Als großer Fan der Reihe habe ich mich auf den 18. Fall Brunos gefreut. Martin Walker hat mich einmal mehr bestens unterhalten.

Bruno erfährt, dass Monique nach einer kürzlich erlittenen Fehlgeburt die Hoffnung auf eigene Kinder begraben musste. Dies konnte sie nicht verkraften und deshalb hat sie sich umgebracht. Erst viel später wird klar, was Brunos Alarmglocken läuten ließ. Während der Chef de police noch damit beschäftigt ist, Moniques Fall abzuschließen, gerät ein junger Rekrut der Polizeiakademie ins Zwielicht. Dass es sich dabei um den missratenen Neffen eines einflussreichen Generals handelt, sorgt für Erschütterung bis in die höchsten Kreise. Lange ist ungewiss, inwieweit die Straftaten des jungen Mannes aufgedeckt und belangt werden. Dass auch sexuelle Belästigungen zu seinen Untaten gehören, verleiht dieser Angelegenheit zusätzliche Brisanz.

Freundschaft und Zusammenhalt sind in St. Denis keine Einbahnstraße. Als Bruno in die Titel gebende Bredouille gerät, stellen sich seine Freunde und Bekannten, aber auch die Kollegen an seine Seite. Die Verwaltungsassistentin Colette erweist sich erneut als wertvolle Unterstützung und hervorragende Strategin. Bruno findet in ihr eine brillante Verbündete. Auch ihr Rat bezüglich seiner gut gemeinten Einmischung in die Belange seines Bekannten Xavier und dessen Frau erweist sich als richtig.

Gut gefallen hat mir, dass die Verzweiflungstat Moniques, Bruno über den eigenen Status und seine Träume nachdenken lässt. Da trifft es sich gut, dass eine Situation, die schon viel zu lange schwelte, jetzt zu Ende geht und Platz für Neues macht. Darauf hatte ich schon länger spekuliert. Einmal mehr hat mir Brunos Umsicht und Rechtschaffenheit imponiert. Zeitweise wünschte ich mir, er hätte irgendeine Marotte oder kleine Schwäche, die ihn ein bisschen weniger perfekt erscheinen ließe. Angesichts des abgrundtief Bösen, dem er in "Bredouille" die Stirn bieten muss, ist er jedoch genau richtig, so wie er ist.

Martin Walker bleibt sich, glücklicherweise, treu. Brunos Fälle bewegen sich immer etwas abseits der üblichen Krimis. Bei ihm spielen stets auch geschichtliche Bezüge oder gesellschaftliche Belange eine Rolle, über das Lokalkolorit in Form einer hervorragenden Küche und der spektakulären Landschaft weit hinaus.

Auch diesen Fall, eigentlich sind es zwei, kann Bruno aufklären. Alle offenen Fragen werden geklärt, aber es bleibt ein fahler Nachgeschmack angesichts der Kampagne gegen Bruno und was heute in dieser Richtung alles möglich ist. Auf Brunos 19. Fall freue ich mich jetzt schon und hoffe zuversichtlich auf ein weiteres Zusammentreffen mit Laura und George Sand.

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Veröffentlicht am 21.04.2026

Die Richterin und das Wunder

Die Richterin und die Tote im Kloster
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Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt wird von Père Joseph, ihrem alten Freund, um einen Gefallen gebeten. Nahe dem Kloster von Sainte-Agathe-Lys soll eine Marienerscheinung stattgefunden haben. ...

Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt wird von Père Joseph, ihrem alten Freund, um einen Gefallen gebeten. Nahe dem Kloster von Sainte-Agathe-Lys soll eine Marienerscheinung stattgefunden haben. Drei Kindern und, was noch geheim ist, der Nonne Angelina, soll die Mutter Gottes erschienen sein. Die Bürgermeisterin der Gemeinde plant die Benediktinerinnen umzusiedeln und das Klostergelände in ein Luxus-Golf-Resort umzuwandeln. Der Priester befürchtet nun, dass die Nonnen, um die Evakuierung zu verhindern, die erneute Marienerscheinung bekannt machen wollen. Mathilde soll sich von Schwester Angelina und dem angeblichen Wunder ein Bild machen. Diese Aufgabe reizt die Richterin und sie sagt Père Joseph ihre Hilfe zu.

Ihr neunter Fall bringt Mathilde in Berührung mit dem Übersinnlichen. Löst tatsächlich eine Marienerscheinung die folgenschweren Ereignisse in Sainte-Agathe-Lys aus? Der spezielle Plot hat mich getriggert und einmal mehr wurde ich von Liliane Fontaine nicht enttäuscht. Der Krimi ist auch für Neueinsteiger gut lesbar.

In Sainte-Agathe-Lys wurde inzwischen mit dem Abriss des alten Klosterschuppens begonnen. Dabei finden die Arbeiter ein menschliches Skelett. Im Dorf wird sofort der Verdacht laut, das könnten die Überreste der jungen Julie sein, die vor knapp zwanzig Jahren über Nacht spurlos verschwunden ist. Bis heute. Mathilde macht sich auf den Weg. Ihr Lebensgefährte Rachid, Commandant der Police judiciaire in Nîmes, kann sie leider nicht begleiten, da ihn eine Kindesentführung und der Suizid einer Reporterin beschäftigen. Eher zufällig entdeckt Mathilde, dass die in Nîmes tot aufgefundene Journalistin Yvette Vaudemont, kürzlich erst in Sainte-Agathe-Lys war. Wegen des vermeintlichen Wunders, aber auch zur Recherche des aktuellen Skelettfunds und einer vor Jahren entdeckten unbekannten Frauenleiche. Als Rachid Zweifel an der Suizidtheorie äußert, beginnt Mathilde zu ermitteln. An Zufälle hat sie noch nie geglaubt.

Dieses Mal kommt die Richterin in ihrer Freizeit einem Serientäter auf die Spur, der schon sehr lange unentdeckt sein Unwesen treibt. Mathilde forscht im Umfeld der ermordeten Julie. Coco aus Rachids Team gelingt es, mehrere ähnlich gelagerte Cold Cases in der Region aufzuspüren. Während die Dorfbewohner an einen Täter von außerhalb glauben, vermutet Mathilde, dass die Journalistin Yvette dem Mörder vor Ort auf die Spur gekommen ist und deshalb sterben musste. Doch wen hat sie enttarnt? Die Ermittlung erweist sich als äußerst schwierig. Erst ein erneuter Mordanschlag bringt Bewegung in den Fall.

Mit Mathilde, Rachid und ihrem Team treffen wir die bekannten, sympathischen Protagonisten. Seit neuestem sind die Richterin und ihr Partner zusammengezogen und es funktioniert sehr gut. Felix unterstützt Mathilde in seinem Heimatort und beschließt, der Familie wieder mehr Raum in seinem Leben zu geben. Wie immer überzeugt Liliane Fontaine mit Lokalkolorit und ihrer flüssigen, bildhaften Sprache.

Schließlich wird der Fall gelöst und ein Serienkiller, der gut getarnt, jahrzehntelang junge Frauen ermordete, wird gestoppt und endlich entlarvt. Einmal mehr haben Mathilde, Rachid, Coco und Felix einen Schwerverbrecher überführt. Die Tätersuche war spannend und die Szenen im Kloster bzw. die Begegnungen mit dem Team des Vatikans boten einen ungewohnten Hintergrund.

Und was ist mit dem Marienwunder? Der Vatikan stuft es vorerst als „Prae oculis habeatur“ ein. Das bedeutet, es wird weiter beobachtet. Alles ist offen. Und der Leser entscheidet selbst, was er glaubt oder nicht.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Manchmal ähnelt das Leben Kintsugi

Das letzte Buch von Marceau Miller
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Der Bestsellerautor Marceau Miller ist tot. Mit 4o Jahren tödlich verunglückt beim Freeclimbing. Oder war es Mord? Der Leser weiß durch den Prolog schon mehr. Aber was ist tatsächlich wahr? Sarah Miller ...

Der Bestsellerautor Marceau Miller ist tot. Mit 4o Jahren tödlich verunglückt beim Freeclimbing. Oder war es Mord? Der Leser weiß durch den Prolog schon mehr. Aber was ist tatsächlich wahr? Sarah Miller glaubt, dass ihr Mann ermordet wurde. Niemand scheint ihre Überzeugung zu teilen. Schon gar nicht der ermittelnde Polizeibeamte Delmas. Aber Sarah lässt nicht locker.

Zunächst scheint alles klar. Marceau wird vermisst und schließlich zerschmettert am Fuß eines steilen Felsens gefunden. Überspannter Schriftsteller stirbt tragisch durch seinen gefährlichen Sport, so der Tenor von Polizei und Freunden. Doch die verzweifelte Sarah kann und will das nicht glauben. Beharrlich sucht sie nach Indizien und geht ihrer Umgebung, vor allem Delmas auf die Nerven. Angeblich hat Marceau ein letztes geheimnisvolles Buch hinterlassen, aber dieses ist spurlos verschwunden. Akribisch verfolgt Sarah jede Spur. Dabei fühlt sie sich mehr und mehr verfolgt. Seltsame Dinge geschehen. Verliert sie langsam den Verstand oder steckt etwas Anderes dahinter? Wem kann sie noch vertrauen? Im Verlauf der Ereignisse gerät ihre Welt immer mehr aus den Fugen. Wie gut kannte sie Marceau eigentlich?

Die Geschichte wird vorwiegend aus der Sicht von Sarah erzählt. So sind ihre Gedanken, Motive und was sie antreibt gut nachvollziehbar. Gelegentlich kommt ihre Freundin und Kollegin Karen zu Wort. Sie ergänzt Sarahs Beschreibungen. Und dann sind da die Erinnerungen und Überlegungen von Marceau selbst, die vor allem die Vergangenheit betreffen.

Entgegen meinen Erwartungen rückt statt des toten Bestsellerautors die Witwe ins Zentrum der Erzählung. Sie ist eine starke, beinahe unbändige Persönlichkeit, die impulsiv handelt und sich nicht einschüchtern lässt. Grundsätzlich habe ich mir etwas schwergetan mit ihr. Voll verständlicher Wut und Trauer poltert sie los. Dabei nimmt sie keinerlei Rücksicht auf ihre trauernden Kinder, die sie egoistisch vernachlässigt. Es klingt an, dass auch zu seinen Lebzeiten, Marceau für die Kinder „zuständig“ war. Jetzt schiebt sie Benjamin und Hermione zu Karen ab. Sarah konzentriert sich auf die Suche nach dem Manuskript, dem sie eine Schlüsselrolle zumisst.

Die anderen Charaktere bleiben ziemlich flach und erscheinen bis zum Ende undurchsichtig. Liegt das daran, dass Sarah sich nie die Mühe gemacht hat, die anderen richtig kennenzulernen? Eigentlich hatte sie nur zu Jade, Marceaus vor Jahren verschwundener Schwester eine echte Verbindung.

Aus meiner Sicht ist die Erzählung mehr ein Spannungsroman als ein Krimi. Was treibt die Menschen an? Warum handeln sie so, wie sie es tun? Warum werden sie zu Verrätern? Kennt man diejenigen, die einem nahestehen wirklich? Diese Fragen werden gestellt, aber nur teilweise beantwortet. Zwar blieb mein Interesse am Fall Marceau Miller immer wach, doch gab es kleine Längen im Mittelteil. Obwohl die Zahl der Protagonisten klein ist, waren Täter und Motiv für mich überraschend, aber logisch passend. Leider bekam die Auflösung für meinen Geschmack etwas zu wenig Raum.

„Das letzte Buch des Marceau Miller“ hat mich gut unterhalten. Es ist flüssig, teilweise „blumig“ geschrieben („Ein Uhu, einsamer Bariton, stimmt eine Arie an“) und punktet mit einer beeindruckenden Naturkulisse. Ein „psychologisches Meisterwerk“ wie es der Verlag nennt, ist es für mich allerdings nicht.

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Veröffentlicht am 19.04.2026

Mord in besseren Kreisen

Verrat an der Loire
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Baron Philippe du Pléssis, neuerdings auch Duc de Cotignac, hat nicht nur den Titel und ein marodes Schloss geerbt. Sondern auch lästige Pflichten wie die Teilnahme am Begräbnis des Vicomte Claude de Murot. ...

Baron Philippe du Pléssis, neuerdings auch Duc de Cotignac, hat nicht nur den Titel und ein marodes Schloss geerbt. Sondern auch lästige Pflichten wie die Teilnahme am Begräbnis des Vicomte Claude de Murot. Insgeheim empfindet er es als Ironie des Schicksals, dass der Verstorbene, seit mehr als vierzig Jahren Vorstand der Jagdvereinigung Vénerie de Sologne, ausgerechnet durch einen Jagdunfall gestorben ist. Doch seine energische Tante Aude verkündet, dass Claude ermordet wurde und verpflichtet ihren widerstrebenden Neffen als Privatdetektiv. Tatsächlich stößt Philippe auf Ungereimtheiten und informiert Commissaire Charlotte Maigret über seinen Verdacht. Nur widerstrebend beginnt diese zu ermitteln. Aber bald steht fest: Tante Aude hat wieder einmal recht.

Auch in seinem dritten Fall ermittelt Philippe du Pléssis im Loiretal. Obwohl er seine Ermittlerrolle eigentlich aufgegeben hat, lässt ihm Tante Aude keine Wahl. Der amüsante Cosy Crime ist auch für Neueinsteiger gut geeignet.

Wie so oft fehlt anscheinend das Motiv für einen Mord. Denn Claude hatte nur ein Kind, Olivier, das gemeinsam mit seiner Mutter erbt. Für die beiden ändert der Todesfall wenig. Der Titel bringt dem Erben eher Nachteile, da er sich lieber mit seinen skurrilen Hobbys als mit Verwaltung und sonstigen Pflichten beschäftigt. Seine Eltern hatten ohnehin „ein Arrangement wie Trump und Melania“ so Tante Aude und die Witwe wird weiterhin in Saint-Tropez oder Monte-Carlo leben. Also wer hatte ein Motiv für den Mord? Und wie passt der Tod eines Joggers ins Bild, den ein riesiger Hund getötet haben soll?

Baron Philippe erscheint auf den ersten Blick ein oberflächlicher Lebemann und notorischer Frauenheld zu sein. Wird er mit Problemen konfrontiert, tröstet er sich mit leckeren Delikatessen oder teuren Outfits darüber hinweg. Seit seine große Liebe Juliette gestorben ist, lässt er sich auf keine ernsthafte Beziehung mehr ein. Seine Intuition als Ermittler ist allerdings überdurchschnittlich. Meine Lieblingsfigur ist Philippes achtzigjährige Tante Aude, die stets unverblümt ihre Meinung kundtut, am Schießstand ihren Neffen abzieht und messerscharf analysiert. „Das Versagen quillt ihm wirklich aus jedem Knopfloch“ urteilt sie über den Erben. Sie liebt Klatsch und hat immer ihren Flachmann dabei. Auch die anderen Charaktere, allen voran die undurchsichtige Charlotte Maigret, haben mich überzeugt.

Catherine Duval unterhält mit ihren bildhaften Beschreibungen der Handlungsorte, der adligen Gesellschaft und dem französischen Savoir-vivre. Sie beschreibt die Jagd aus der Sicht von Befürwortern und Gegnern. Philippe ist kein Jäger. Obwohl oder weil er schon als Kind von Hochstand zu Hochstand geschleppt wurde, kann er sich für die Jagd nicht erwärmen. Seine panische Angst vor Hunden, die auf einem Kindheitstrauma beruht, macht ihm bei den Ermittlungen schwer zu schaffen. Bekommt er es doch gleich mit zwei Hundemeuten und deren Piqueure (Hundeführer) zu tun.

Die Spannung kommt nicht zu kurz. In einem rasanten Showdown wird der Fall schließlich gelöst und der Täter gestellt. Der französische Cosy Crime kommt mit relativ wenig Gewalt aus, obwohl die Hetzjagd mit ein paar schaurigen Details aufwartet. Wie in allen bisherigen Bänden spielt eine historische Persönlichkeit, hier Leonardo da Vinci eine gewisse Rolle. Abgesehen von kleinen Längen im Mittelteil, die sich aus Philippes Befindlichkeiten ergeben, wurde ich sehr gut unterhalten. Ich bin schon auf den nächsten Loire-Fall gespannt und frage mich, wie es mit dem Liebesleben des Barons weitergeht.
4,5 Sterne

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Veröffentlicht am 14.04.2026

Ein mysteriöser Tod in märchenhafter Kulisse

Tod auf Hohenzollern
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In der St. Michael-Kapelle der Hohenzollernburg wird der Wachmann Basti tot aufgefunden. Die herbeigerufene Polizei geht von einem Unfall aus wie auch die Kollegen des Verstorbenen, der ein Alkoholproblem ...

In der St. Michael-Kapelle der Hohenzollernburg wird der Wachmann Basti tot aufgefunden. Die herbeigerufene Polizei geht von einem Unfall aus wie auch die Kollegen des Verstorbenen, der ein Alkoholproblem hatte. Nur Bastis Freund Wolfgang, einer der Schlossmeister, glaubt an ein Verbrechen. Erst vor wenigen Tagen starb Frank, ein weiteres Mitglied ihrer Clique unter mysteriösen Umständen. Wer hat es auf Wolfgang und seine Freunde abgesehen? Der Schlossmeister ermittelt.

Die Faszination Burg und geliebte Kindheitserinnerungen an die Region haben Yvette Eckstein zu „Tod auf Hohenzollern“ inspiriert. Herausgekommen ist ein spannender Krimi mit vielen Fakten zum berühmten Gemäuer.

Wolfgang Kramer ist überzeugt, Basti wurde ermordet! Was wollte ihm der Freund kurz vor seinem Tod so dringend mitteilen? Da ihm weder die Polizei noch sonst jemand glaubt, beginnt er selbst zu ermitteln. Nur seine Tochter Hannah unterstützt ihn bei seinen Recherchen. Diese fördern einige Ungereimtheiten und Verdachtsmomente zutage. Doch erst nach einem weiteren Todesfall und dem Verschwinden von Hannahs bester Freundin Clara, kommt Bewegung in die Ermittlungen des Vater-Tochter-Gespanns.

Da ich im ehemaligen Hohenzollern lebe, war es klar, dass ich diesen Krimi lesen würde. Auch das ansprechende Cover hat diesen Wunsch unterstützt. Das Setting hat mich überzeugt und die vielen Infos über die Burg, die ich schon besucht habe, sind spannend. Mit der Beschreibung von Land und Leuten, wie bspw. Passagen im schwäbischen Dialekt, kommt das Lokalkolorit bei Frau Eckstein nicht zu kurz. Ihre Sprache ist flüssig und bilderreich. Für den Leser wird die Begeisterung der Autorin für die Region spürbar. Trotzdem bin ich nicht so schnell in die Geschichte eingetaucht wie erwartet. Das lag am anfänglich widersprüchlichen Hauptcharakter. Wolfgang hat ein völlig anderes Bild von Basti als dessen gesamtes Umfeld. Den Rest seiner Clique, mit der er ein düsteres Geheimnis teilt, scheint er nicht richtig zu kennen. Auch zeigt er wenig Empathie, wenn er beispielsweise eine trauernde Witwe ausgerechnet beim Leichenschmaus mit Fragen löchert. Gut, dass ihn Tochter Hannah immer wieder bremst. Überhaupt war mir der Rest der Familie Kramer sympathisch. Bemerkenswert fand ich die Beschreibung der liebenswerten Oma und Mutter Marlies, die mit ihrer beginnenden Demenzerkrankung ringt, und die Reaktionen der Familie darauf.

Schlussendlich wird der Fall gelöst und noch einige Aspekte aus der Vergangenheit geklärt. Eine dramatische Wendung gegen Ende kommt überraschend, erweist sich aber als schlüssig. „Tod auf Hohenzollern“ zeigt sich als spannender Krimi in traumhafter Kulisse. Die Geschichte kommt mit vergleichsweise wenig Gewalt aus. Trotzdem handelt es sich für meinen Geschmack nicht um einen typischen Wohlfühlkrimi, da Humor und Gemütlichkeit eine eher kleine Rolle spielen.

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