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Veröffentlicht am 11.08.2025

Alles fließt

Finale Curioso
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Ein brutaler Vierfachmord erschüttert Bozen. Was ist in der alten Villa im vornehmsten Wohnviertel geschehen? Die Kripo steht vor einem Rätsel. Warum werden ihre Ermittlungen von den eigenen Vorgesetzten ...

Ein brutaler Vierfachmord erschüttert Bozen. Was ist in der alten Villa im vornehmsten Wohnviertel geschehen? Die Kripo steht vor einem Rätsel. Warum werden ihre Ermittlungen von den eigenen Vorgesetzten behindert? Ralph Neubauer hat mit „Finale Curioso“ einen spannenden und würdigen Abschluss seiner Südtirol-Krimireihe geschrieben, der mich gut unterhalten hat.

Die Geschichte teilt sich in drei Handlungsstränge. Da ist der Vierfachmord, den Fabio Fameo und sein Team aufklären sollen. Ein Trickbetrüger, der mit scheinbar wertvollen Uhren handelt und der Diebstahl einer Trompete, der einem hoffnungsvollen Talent die Chance auf eine Weltkarriere zerstören könnte.

Commissaria Francesca Giardi und ihr Kollege Eduard Thaler ermitteln im Mordfall. Schnell entdecken sie, dass die alte Villa ein Bordell der Luxusklasse beherbergt, mit entsprechendem Kundenkreis. Auch Verbindungen zu einem einflussreichen Oligarchen lassen sich erahnen. In ihren Ermittlungen werden sie behindert und bald entdecken sie den Grund dafür. Ihr Teamleiter Fabio muss sich derweil mit plötzlichen Veränderungen im Kommissariat auseinandersetzen. Der Quästor wird unangekündigt über Nacht durch eine alte Bekannte von Fameo ersetzt, die er in schlechter Erinnerung hat. Denn einen ähnlichen Vorgang hat er schon einmal erlebt. Mit Angelo Buffo erhält sein Team einen Kollegen, der mit der neuen Chefin aufgetaucht ist. Diesen Aufpasser setzen sie auf den Trickbetrüger an. Im dritten Handlungsstrang schließt sich der pensionierte Commissario Tommaso auf der Suche nach Beschäftigung einer Musikkapelle an. Prompt wird deren aufstrebendem Star sein Instrument gestohlen. Einmal Polizist, immer Polizist, sagt sich Tommaso und beschließt den ermittelnden Maresciallo zu unterstützen.

Der Autor schreibt flüssig. Seine Beschreibung von Land und Leuten gefällt mir. Es gelingt ihm, das spezielle Südtirol-Flair einzufangen, wobei die Neigung zu gutem Essen und Trinken eine Rolle spielt. Seine Charaktere überzeugen. Fabio, das Team, die Freunde und Verwandten sind sympathische, bodenständige Charaktere. Das Privatleben der Ermittler ist in einem angemessenen Verhältnis mit eingeflochten. Die Antagonisten sind skrupellos und machtgierig. Ein Angelo Buffo wird vermutlich einsam sterben.

Letztendlich werden die Fälle restlos aufgeklärt. Doch die Intrigen und Machenschaften innerhalb der Polizei haben Spuren hinterlassen, die auf beiden Seiten Folgen nach sich ziehen.

Mir hat der Krimi bis auf ein paar Längen im Mittelteil gut gefallen. Etwas weniger Details über Musikkapellen, dafür mehr Informationen über die Drahtzieher im Hintergrund hätte ich bevorzugt. Der Vierfachmord ist grauenhaft, aber noch mehr haben mich der geschilderte politische Machtmissbrauch, Ränke, Korruption und Intrigen erschüttert. Leider befürchte ich, dass der Autor der Wahrheit damit ziemlich nahekommt. Angenehm habe ich empfunden, dass die Stimmung des Krimis trotz deprimierender Machenschaften, nicht durchgehend düster ist, sondern durch positive Entwicklungen wie die um Tommaso, Claudia und Christian aufgelockert wird.

Meine Leseempfehlung geht an Fans von Regionalkrimis mit Anspruch und viel Lokalkolorit.

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Veröffentlicht am 10.08.2025

Wer rettet Estraora vor dem ewigen Eis?

Die Prinzen des Winters
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In einer kalten Schneelandschaft beginnt die Geschichte des Feuermädchens Eyra und der drei Winterprinzen. Mit „Die Prinzen des Winters: Eisfunken“ startet K. T. Steen ihre Eisfeuer-Saga. Die Autorin steht ...

In einer kalten Schneelandschaft beginnt die Geschichte des Feuermädchens Eyra und der drei Winterprinzen. Mit „Die Prinzen des Winters: Eisfunken“ startet K. T. Steen ihre Eisfeuer-Saga. Die Autorin steht für spannende und romantische High Fantasy. Mit dem Auftaktband ihrer neuen Reihe konnte sie mich sofort begeistern.

Eyra ist ein Feuermädchen, das früh die Mutter verlor, und vom Vater wegen einer neuen Frau verlassen wurde. Seither sorgt sie allein für ihren kranken jüngeren Bruder Naran. Auch vor kleineren Diebstählen schreckt sie nicht zurück, um zu überleben. Eyra hasst die Winterelfen, allen voran den Schneekönig und ihren mächtigen Orden, die Estraora, das einstige Land der Feuermenschen, erobert und in eine Schneewüste verwandelt haben. Die Bevölkerung wird vom Schnee betäubt und krank gemacht. In dieser Situation trifft sie auf zwei mysteriöse Winterelfen und erhält kurz darauf eine Einladung ins Schloss der Winterkönigin. Es findet erneut eine Brautschau für die drei Prinzen statt und mit Eyra ist erstmals ein Feuermädchen zur Teilnahme aufgefordert worden. Widerstrebend folgt sie der Einladung. Sie würde zwar niemals einen Winterelfen heiraten, aber der Anführer des „Roten Zugs“, einer Widerstandsbewegung der Feuermenschen, bittet sie, den legendären Eiskristall, die Machtquelle der Eiskönige, aus dem Schloss zu stehlen. Dies erweist sich als unerwartet schwierig. Einer der Prinzen, Saul, ist wesentlich sympathischer als vermutet und bietet ihr an, Naran den besten Heiler der Winterelfen zu schicken. Eyra befindet sich in einem Zwiespalt. Kann sie die möglicherweise rettende Hilfe für den geliebten Bruder ausschlagen? Ist sie andrerseits stark genug für die äußerst gefährlichen magischen Prüfungen des Palastes? Und was bedeutet das Kribbeln in ihrem Bauch, wenn sie mit dem stets finster blickenden Prinzen Lazar zusammen ist?

K. T. Steen schreibt flüssig und sehr bildhaft. Ihre Figuren überzeugen. Die Hauptcharaktere sind sympathisch und loyal, ihre Antagonisten zielstrebig und äußerst raffiniert. Mir gefällt besonders, dass Eyra, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, sich weiter entwickelt. Ihre Loyalität gegenüber Naran ist berührend. Sie ist ein starke, junge Frau, die es geschafft hat, sich und ihren schwerkranken Bruder allein durchzubringen. Die Prinzen sind sehr divers, was nach Lesen des Prologs nicht verwundert. Ihnen fehlt noch etwas an Tiefe, was in den Folgebänden sicher korrigiert wird. Meine Lieblingsfigur ist die Fee Fayette, Eyras Ziehschwester, einerseits sprunghaft und unzuverlässig, andrerseits bereit, ihr Leben für ihre Geschwister zu riskieren.

Der Auftakt der Saga hat mich schnell gefesselt. Das Worldbuilding der Autorin überzeugt. Originelle Einfälle wie sprechende Schneeamseln als Boten, Hippogryphe als Haustiere oder Magie, die durch ihre unterschiedliche Farbe gekennzeichnet ist, illustrieren Eyras Welt. Bald wird klar, warum es so bedeutsam ist, dass Eyra drei Magiearten beherrscht, was für ein Feuermädchen eigentlich unmöglich ist. Auch eine Liebesgeschichte entwickelt sich, aber mehr will ich nicht verraten. Nach einigen Verwicklungen und Wendungen, die ordentlich für Spannung sorgen, endet die Geschichte mit einem üblen Cliffhanger. Natürlich muss ich unbedingt wissen, wie es weitergeht …

Für Fans von spannender Fantasy, in der auch Romantik ihren Platz findet, ist "Eisfunken" genau das richtige Lesefutter.

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Veröffentlicht am 06.08.2025

Trauma der Vergangenheit

Signora Commissaria und die kalte Rache
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Alexander Oetker lässt Commissaria Giulia Ferrari bereits in ihrem zweiten Fall in Florenz ermitteln und dieses Mal verzichtet er auf das Pseudonym Pietro Bellini. Mich hat der spannende Krimi mit seinen ...

Alexander Oetker lässt Commissaria Giulia Ferrari bereits in ihrem zweiten Fall in Florenz ermitteln und dieses Mal verzichtet er auf das Pseudonym Pietro Bellini. Mich hat der spannende Krimi mit seinen sympathischen Ermittlern, dem traumhafte Ambiente, einer ordentlichen Portion Dolce Vita und dem skurrilen Fall wieder sehr gut unterhalten.

In Florenz werden junge Frauen gestalkt. Ein vermummter Mann folgt ihnen, wenn sie abends allein nach Hause gehen, bis zu ihrer Wohnung. Am nächsten Tag hängen Steckbriefe der Frauen mit Bild und persönlichen Daten in ihrem Viertel aus, die sie als vermisst melden. Commissaria Giulia und ihr Team stehen vor einem Rätsel. Die Frauen verbindet nichts außer Geschlecht und ungefährem Alter. Keines der traumatisierten Opfer kann den Stalker näher beschreiben. Eine erste Spur zerschlägt sich. Die Situation eskaliert, als der Täter sein dreizehntes Opfer entführt. Und nur kurze Zeit später verschwindet eine weitere junge Frau spurlos …

Commissaria Giulia ist eine taffe junge Frau, die unter dem Trauma der Ermordung ihrer Familie leidet. Noch immer beschließt sie jeden Tag mit einem Brief an ihre Schwester Sofia, die sie schmerzlich vermisst. Bisher war sie sich in ihrer Einsamkeit selbst genug, aber inzwischen hat Enzo, der einfühlsame blinde Sergente ihr Herz erobert, worüber beide glücklich und erstaunt sind. Luigi Battista, ehemaliger Commissario von Florenz und jetziger Barista in der eigenen Bar, ist der dritte Hauptcharakter und meine Lieblingsfigur. Gemeinsam lösen sie den aktuellen Fall, wobei dieses Mal Carla, Luigis Frau und begnadete Köchin, den richtungsweisenden Gedanken hat. Gleichzeitig stößt Enzo zufällig auf eine heiße Spur, die zurück in die Vergangenheit führt und den Unfall von Giulias Familie in einem anderen Licht erscheinen lässt. Ihr Temperament bringt die Commissaria prompt in Lebensgefahr, da sie nicht taktisch vorgehen will oder kann.

Oetkers Stil liest sich flüssig. Er fängt das italienische Lebensgefühl gekonnt ein und lässt uns neue Ecken von Florenz entdecken. Besonders gut gefallen haben mir der altehrwürdige Ruderclub und die durch die Corona-Pandemie wiederbelebten Florentiner „Weinfenster“. Carlas leckere Rezepte runden den Krimi ab und erinnern an des Autors weitere Profession als Gastrokritiker. Nur Hund Tulipans Rolle war dieses Mal für meinen Geschmack sehr klein. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Mich hat der Ausflug nach Florenz gut unterhalten. Das sympathischen Ermittlerteam, das italienische Flair und der etwas spezielle Fall haben mir Spaß gemacht. Der Täter wird geschnappt und alles logisch aufgeklärt, sodass keine Fragen offen bleiben.

Mit der neuen Spur in die Vergangenheit werden dagegen Verbrechen zutage gefördert, die in eine ganz andere Liga gehören und auch politische Folgen nach sich ziehen könnten. Natürlich endet der Krimi mit einem üblen Cliffhanger …

Immerhin kann ich also davon ausgehen, dass die Reihe weitergeht. Ich werde dabei sein und gebe diesem Fall 4,5 Sterne und eine Leseempfehlung an alle Fans von spannenden, aber nicht zu gewalttätigen Krimis.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Wehe, wenn der Sensenmann kommt

Post, Mord und Provinzgeflüster - Der Mörder ohne Adresse
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Sully Morland hat schwere Zeiten hinter sich. Ein Glück, dass sich Tante Rose und ihre Familie um den unglücklichen Patensohn kümmern. Als radelnder Hilfsbriefträger im beschaulichen Luxemburg geht es ...

Sully Morland hat schwere Zeiten hinter sich. Ein Glück, dass sich Tante Rose und ihre Familie um den unglücklichen Patensohn kümmern. Als radelnder Hilfsbriefträger im beschaulichen Luxemburg geht es dem ehemaligen Fallanalytiker allmählich besser. Bis er eines Morgens auf seiner Tour durch das idyllische Viertel Ënnergréngdall eine nackte Leiche findet. Es handelt sich um Jacques Eichner, den Bürgermeister, der da tot vor ihm liegt. Wie kam er ums Leben?

"Post, Mord und Provinzgeflüster - Der Mörder ohne Adresse" ist der Auftaktband zur neuen Krimiserie "Ein Fall für Briefträger Sully Morland" von Jill Kaltenborn. Es war mein erstes Buch der Autorin und meine Premiere als "Mordermittlerin" im Nachbarland Luxemburg.

Sully, der sympathische Aushilfsbriefträger mit dem originellen Namen, seine Eltern nannten ihn nach einer Pariser Metrostation, findet dank seiner Luxemburger Gastfamilie langsam wieder zurück ins Leben. Nach dem Tod seiner Frau Sara und der Suspendierung beim BKA ist er von Wiesbaden nach Gréngdall geflüchtet, um einen Neuanfang zu wagen. Ein Mordopfer zu finden, stört da gewaltig. Doch es kommt, wie ich bald vermutete: Der Kater bzw. Fallanalytiker lässt das Mausen bzw. Ermitteln nicht ...

Eine Mordermittlung in Luxemburg, das ist tatsächlich etwas Neues für mich. Um so schöner, dass die Autorin ein angenehmes Maß an Lokalkolorit in ihren Krimi einfließen lässt, sei es Sprache, Bräuche oder Kulinarisches. Ihre Charaktere wirken bodenständig und glaubwürdig. Deshalb ist bald klar, dass es sich bei dem rotäugigen Sensenmann, der einigen der Protagonisten erscheint, weder um ein Hirngespinst noch um eine mystische Erfahrung handeln kann.

Sully, Rose und Polizistin Claire bei ihren heimlichen Ermittlungen zu begleiten, hat mir viel Spaß gemacht. Der Cosy Crime lädt zum Mitraten ein und tatsächlich bin ich als erfahrene Krimitante der Lösung nahegekommen. Das hat mein Lesevergnügen kaum gemindert. Der Fall wird restlos aufgeklärt und nebenbei ein unsympathischer Ehrgeizling in seine Schranken verwiesen. Die Gewalt ist einem Cosy Crime angemessen, der eher unblutig daherkommt und trotzdem spannend ist.

Ich vergebe gute 4 Punkte für den unterhaltsamen Auftaktband einer neuen Krimi-Reihe mit Potenzial. Beim nächsten Fall in Gréngdall bin ich gern wieder mit von der Partie.

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Veröffentlicht am 29.07.2025

Wer ist das Genie – Holmes oder Moriarty?

Holmes & Moriarty
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In einem Interview wurde der Autor Gareth Rubin gefragt, warum er einen Sherlock Holmes Krimi geschrieben hat. Er antwortete, „weil sein Charakter etwas Fesselndes an sich hat. Er ist so intensiv, so engagiert, ...

In einem Interview wurde der Autor Gareth Rubin gefragt, warum er einen Sherlock Holmes Krimi geschrieben hat. Er antwortete, „weil sein Charakter etwas Fesselndes an sich hat. Er ist so intensiv, so engagiert, so gefährlich auf seine eigene Art, dass jeder Krimiautor mit Sherlock Holmes‘ allgegenwärtigem Schatten leben muss“. Mich hat interessiert, ob Rubins Experiment gelungen ist. Ich kann sagen, er hat mich nicht enttäuscht.

London, 1889. Mycroft Holmes hat seinen Bruder und Dr. Watson zu sich in den Diogenes Club gerufen. Dort werden sie von dem jungen Schauspieler George Reynolds gestört, der es mit einem Bericht über die aberwitzigen Begleiterscheinungen seines aktuellen Theaterengagements schafft, Sherlocks Interesse zu wecken. Holmes sagt ihm seine Hilfe zu und beschließt, dass sich zunächst Watson um den Fall kümmern soll.

Zur gleichen Zeit versucht Professor Moriarty einen Bandenkrieg zu unterbinden, da dieser seine Geschäfte stört. Ein Treffen mit den Anführern soll Abhilfe schaffen. Dieser Plan scheitert, denn bei der Zusammenkunft wird einer der Gangsterbosse hinterrücks erschossen. Die Gewalt eskaliert, sodass Moriarty und sein Kettenhund Moran fliehen müssen.

Beide Parteien werden wiederholt darauf hingewiesen, dass welterschütternde Ereignisse die Kontrahenten Holmes und Moriarty zu einem Zweckbündnis zwingen werden. Beide weisen dieses Ansinnen entschieden zurück, doch die mysteriöse dritte Kraft lässt nicht locker. Schließlich veranlassen die aktuellen Ereignisse die ewigen Gegner zu einer temporären Allianz. Sie finden sich und ihre Assistenten in einer Bergbahn in das abgelegene Schweizer Alpdorf Grunden wieder. Die beiden Erzählstränge verbinden sich elegant und die Handlung nimmt an Tempo und Spannung zu ...

Die einzelnen Kapitel werden abwechselnd aus der Perspektive der Assistenten, Moran und Watson, erzählt, was die Spannung erhöht. Der jeweilige Chronist ist schnell zu identifizieren an der deutlich anderen Sprache und Haltung. Colonel Moran liebt eine derbe Ausdrucksweise und Gewalt. Tatsächlich unterscheiden sich die ehemaligen Militärs deutlich, obwohl beide kampferprobte Veteranen mit beachtlicher Physis sind. Moran fehlt der moralische Kompass völlig, genauso wie Empathie. Die beiden Genies Holmes und Moriarty werden so charakterisiert, wie wir sie von Conan Doyle kennen.

Dem Autor gelingt es, die typische Atmosphäre des Viktorianischen Zeitalters einzufangen und er kennt sich in der Welt des Sherlock Holmes hervorragend aus. Sein Schreibstil ist flüssig und er hat gut recherchiert. Trotzdem überwiegt im zweiten Teil des Buchs die Aktion gegenüber der klassischen Detektivarbeit, dem Kombinieren. Doch gerade diese zeichnet für mich Sherlock Holmes aus. Auch hat sich mir nicht logisch erschlossen, warum die brüchige Allianz zwischen den Kontrahenten erforderlich war. Trotzdem finde ich den Krimi unterhaltsam und kann ihn Sherlock Holmes-Fans, ob Neueinsteiger oder erfahren, empfehlen.

Auf meine Titelfrage habe ich nach der Lektüre dieses Krimis keine eindeutige Antwort. Vielleicht lautet sie Mycroft?

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