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Veröffentlicht am 26.12.2025

Was verbirgt der Wald?

Tannengrab - Karla Sommerfeld ermittelt
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In „Tannengrab“ sieht sich Ines Bucks engagierte Ermittlerin Karla mit einem bizarren Fund konfrontiert, der sich als neue Spur in einem Cold Case erweist. Obwohl sich die Ausgangslage als schwierig darstellt, ...

In „Tannengrab“ sieht sich Ines Bucks engagierte Ermittlerin Karla mit einem bizarren Fund konfrontiert, der sich als neue Spur in einem Cold Case erweist. Obwohl sich die Ausgangslage als schwierig darstellt, gelingt es der taffen Hauptkommissarin Sommerfeld und ihrem zunächst wenig motivierten Kollegen Meyer mehr als einen Mord aufzuklären. Der Fall hat mich schnell gefesselt und die Spannung hat bis zum Schluss gehalten.

Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die Geburtstagsfeier von Karlas Mutter der Hauptkommissarin eine neue Ermittlung beschert? Während sie die Kaffeetafel vorbereitet, präsentiert ihr Mathilda, die Sechsjährige der Nachbarin, stolz den neuesten Fund aus dem Wald. Was die Kleine als Wildschweinknochen bezeichnet, entpuppt sich für Karla als menschliches Schlüsselbein ...

Ines Buck hat für ihren neuesten Fall ein spannendes Setting gewählt. Der Leser erlebt hautnah mit, wie sich der idyllische Waldkindergarten „Wurzelkinder“ mit Bachgeheimnis, Wichtelhain und Moosgarten in eine Stätte des Grauens verwandelt. Nicht nur die Eltern der Kinder sind alarmiert.

Karla Sommerfeld ermittelt in ihrem zweiten Fall in Birkenweiler. Gemeinsam mit dem Kollegen Henning Meyer versucht sie, den mysteriösen Knochenfund aufzuklären. Schnell wird klar, dass dieser Fall zumindest nichts mit dem ungelösten Verschwinden ihres Vaters zu tun hat, denn der gefundene Knochen gehört zu einem weiblichen Skelett. Es stürmt einiges auf Karla ein. Neben der kranken Mutter, die unaufhaltsam in ihrer Demenz versinkt, nun ein ungelöster Cold Case, der die Kommissarin stark an die eigene familiäre Tragödie erinnert. Karla ist eine fähige Polizistin, gut vernetzt und nervenstark. Ihr Verhältnis zum leicht schrulligen Kollegen Meyer verbessert sich während der Ermittlung weiter, sodass auch seine Stärken der Klärung des Falles zugutekommen. Die übrigen Charaktere sind ebenfalls glaubwürdig gezeichnet.

Neben ihren überzeugenden Protagonisten hat mir auch Ines Bucks Sprache gut gefallen. Flüssig und bildhaft hat sie mich in ihren Bann gezogen. Ob die Beschreibung des Waldes, der je nach Situation märchenhaft, idyllisch oder aber unheimlich bzw. angsteinflößend ist, oder die des abgelegenen Wohnorts des ersten Mordopfers, beides war absolut stimmig für mich.

Schließlich gelingt es den Kommissaren, den Fall logisch aufzuklären. Die beiden so verschiedenen Polizisten, sind zu einem fähigen Team gereift, das sich hervorragend ergänzt. Ich hatte zwar einen Verdacht bezüglich des möglichen Täters, doch was sich alles hinter diesem Verbrechen verbarg, darauf wäre ich nicht gekommen. Besonders gefallen haben mir Ines Bucks Beschreibungen, die teilweise unter die Haut gehen, die gut eingefangene Atmosphäre sowie das ausgewogene Verhältnis zwischen Ermittlung und Privatleben des Hauptcharakters. Nur das erste Opfer blieb leider etwas blass. Ihr Charakter und ihre Beweggründe hätten mich interessiert.

Den nächsten Fall der Polizeiwache Birkenweiler werde ich mir nicht entgehen lassen und ich freue mich schon auf die vierbeinige Verstärkung.

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Wischmopp kontra Schraubenschlüssel

Der Tod wischt mit
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Die Kölnerin Tilly Blich hat sich gut im schwäbischen Untertannberg eingelebt und auch schon Freunde gefunden. Allerdings könnte ihre kleine Firma „Plitz und Blank“ besser laufen. Es fehlt an Aufträgen ...

Die Kölnerin Tilly Blich hat sich gut im schwäbischen Untertannberg eingelebt und auch schon Freunde gefunden. Allerdings könnte ihre kleine Firma „Plitz und Blank“ besser laufen. Es fehlt an Aufträgen und die angekündigte Steuerprüfung liegt Tilly schwer im Magen. Da kommt das Probe putzen in Leons Schule genau zur rechten Zeit. Sie ist wild entschlossen, so überzeugend zu putzen, dass sie den Auftrag einfach bekommen muss. Ein hervorragender Plan - nur die Leiche, die Tilly in der Turnhalle findet, stört gewaltig.

In „Der Tod wischt mit“ schickt Andreas Suchanek seine sympathische Putzfee Tilly Blich erneut auf Mördersuche. Auch Band 2 der Krimikomödie hat mich sehr gut unterhalten. Übrigens finden sich auch Leser ohne Kenntnis des ersten Falls mühelos zurecht.

Die zielstrebige Tilly Blich hat sich mit ihrem Schritt in die Selbstständigkeit einen Lebenstraum erfüllt. Jetzt möchte sie ihren noch kleinen Kundenstamm ausbauen und so ihr Geschäft absichern. Leichenfunde stören dabei nur. Einen weiteren Wettstreit mit Kriminalhauptkommissar Stubs möchte sie ebenfalls vermeiden. Anschaulich lässt uns der Autor miterleben, welche Widrigkeiten Tillys Schritt in die Selbstständigkeit begleiten. Sei es die Steuerprüfung, die ihr der letzte Fall eingebracht hat, die unerwarteten Mängel der übernommenen Firma oder die spärliche Kundschaft. Glücklicherweise gibt es auch Lichtblicke für sie, wie ihr loyales, sympathisches Team Gerdy und Leon, ihre beste Freundin Tony oder ihr Liebling Muffin, der knuffige, unerzogene Bassetwelpe. Ob ihr Schwarm, der „Hottie“ Sascha, auch dazu zählt, steht für Tilly noch nicht fest. Eine vermeintliche Rivalin kämpft jedenfalls mit harten Bandagen ...

Allen guten Vorsätzen zum Trotz findet Tilly sich erneut in einer Mordermittlung wieder - ganz ohne eigenes Zutun. Der Fall erweist sich als kniffelig, ein Motiv fehlt völlig und bald steht unsere Putzfee vor dem nächsten Opfer.

Der Autor schreibt flüssig und humorvoll, seine Charaktere sind glaubwürdig und bodenständig. Ich kann mir gut vorstellen, eine Kundin von "Plitz und Blank" zu sein oder ein Schwätzchen mit den Teammitgliedern zu halten.

Die Mordserie in Untertannberg wird dank Tilly und ihren Freunden restlos aufgeklärt. Kriminalhauptkommissar Stubs muss sich wieder geschlagen geben, was er den "Putzdetektiven" kleinlich nachträgt. Die Identität des Täters hat mich zwar dieses Mal trotz eifrigen Mitratens überrascht, ist aber schlüssig nachvollziehbar. Die schwäbische Provinz kann auf ihre taffe Neubürgerin stolz sein. Hoffentlich bleiben noch genügend Untertannberger am Leben. Schließlich stehen die Bürgermeisterwahlen unmittelbar bevor und "Plitz und Blank" benötigt weitere Kundschaft.

Andreas Suchanek und seine Tilly haben mich wieder so spannend unterhalten, dass ich auch beim nächsten Fall dabei sein werde. Schließlich möchte ich endlich wissen, welches große Geheimnis hinter dem Verschwinden von Tim Plitz steckt.

Abschließend noch eine Anmerkung: Ich schätze mich glücklich, dass in meiner schwäbischen Kleinstadt, Morde absoluten Seltenheitswert besitzen.

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Veröffentlicht am 11.12.2025

Sherlocks Meisterschülerin

Die Schülerin von Sherlock Holmes
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Laurie R. King erzählt vom Leben eines Sherlock Holmes, der, nachdem er die 50 überschritten hat, in die Sussex Downs gezogen ist und Bienen züchtet. Dort trifft er zufällig die 15-jährige Waise Mary Russell. ...

Laurie R. King erzählt vom Leben eines Sherlock Holmes, der, nachdem er die 50 überschritten hat, in die Sussex Downs gezogen ist und Bienen züchtet. Dort trifft er zufällig die 15-jährige Waise Mary Russell. Für beide eine Begegnung mit Folgen.

„Die Schülerin von Sherlock Holmes. Ein Fall für Mary Russell“ ist die erste gemeinsame Ermittlung für Detektiv und Lehrling. Ich war sehr gespannt auf den Auftakt der Serie, die im Original schon knapp 20 Bände umfasst. Laurie R. King hat mich nicht enttäuscht.

Die Hauptcharaktere profitieren voneinander. Holmes wird von Langeweile geplagt, was ihm schon immer schlecht bekommen ist. Die blitzgescheite Mary leidet unter der Vormundschaft einer geldgierigen Tante, die versucht, ihr Mündel zu beherrschen. Dafür schreckt sie auch vor Nahrungsentzug nicht zurück. Während sich Mrs. Hudson um Marys leibliches Wohl kümmert, fördert Sherlock ihren Intellekt. Bald stecken die beiden in Holmes Labor die Köpfe zusammen und führen gemeinsam Experimente durch. In der jungen Miss Russell erhält der Meisterdetektiv endlich jemanden, den er nie hatte: Eine Assistentin auf Augenhöhe. Die Autorin beschreibt diese Entwicklung so, dass sie für den Leser gut nachvollziehbar ist. Für manchen Geschmack vielleicht etwas zu ausführlich.

Schließlich lösen Holmes und Mary ihren ersten großen Fall. Gemeinsam gelingt es ihnen, die perfide Entführung eines Kindes aufzudecken. Bei der Rettung der Kleinen spielt Mary eine wichtige Rolle und agiert eigenständig. Leider kommt das Duo damit einem gefährlichen Gegner in die Quere, der in der Liga des toten Moriarty spielt.

Laurie R. King schreibt flüssig und versteht es, das passende Ambiente und die typische Atmosphäre der Welt von Sherlock Holmes zu schaffen. Es macht einfach Spaß, die gewohnten Charaktere, wie die herzensgute Mrs. Hudson, den hochintelligenten Mycroft oder den gutmütigen Dr. Watson wiederzutreffen. Mary Russell ist ein Charakter, der gut in das Sherlock-Universum passt und eine, dezent weibliche Note mitbringt.

Die Wortgeplänkel zwischen ihr und dem Detektiv haben mir gut gefallen. Die beiden Hauptfiguren harmonieren erstaunlich gut. Es ist faszinierend, Sherlock Holmes mit Marys Augen zu sehen. Der zu lösende Fall erweist sich als spannend und der Wettstreit mit einem tödlichen, skrupellosen Gegenspieler ließ mich zeitweise um die beiden bangen. Aber das Ermittlungsgeschick und die logische Kombinationsgabe von Sherlock und Mary zeigt sich der Herausforderung gewachsen.

Nur eine Kleinigkeit hat mich gestört. Bei ihrer Flucht vor dem anscheinend übermächtigen Gegner, kommen die Detektive nach Palästina. Marys religiöse Eindrücke während ihres Aufenthalts in Jerusalem werden ausführlich geschildert, obwohl sie für die Handlung keinerlei Bedeutung haben und Sherlock unverändert areligiös bleibt. Ist dieser unnötige Exkurs dem Theologiestudium der Autorin geschuldet? Ein spektakulärer Showdown ließ bei mir dagegen keine Wünsche offen. Der Krimi hat mich so gut unterhalten, dass ich auch Marys weitere Ermittlungen gemeinsam mit Sherlock verfolgen werde.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Die Vergangenheit wirft lange Schatten

Flutrache
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Heike van Hoorn lässt Kriminalkommissar Stephan Möllenkamp und sein Team erneut ermitteln. Der Besitzer einer Sicherheitsfirma, der sein Flugticket nach Mexiko bereits in der Tasche hatte, wurde erschossen. ...

Heike van Hoorn lässt Kriminalkommissar Stephan Möllenkamp und sein Team erneut ermitteln. Der Besitzer einer Sicherheitsfirma, der sein Flugticket nach Mexiko bereits in der Tasche hatte, wurde erschossen. War er auf der Flucht vor seinem Mörder?

Der bereits 4. Fall der Küstenkrimireihe mit Kommissar Möllenkamp und der Journalistin Gertrud Boekhoff war für mich der erste mit diesen Ermittlern. Ich wurde gut unterhalten, doch ganz hat mich der Krimi nicht überzeugt.

Lars Kröger wird ermordet am Fuß einer riesigen Lenin-Statue entdeckt. Da er Deutscher war, der bizarre Fundort seiner Leiche aber in den Niederlanden liegt, wird eine Länder übergreifende Ermittlungskommission gebildet. Schnell gerät eine kurdische Motorradgang in Leer in den Fokus der Ermittler. Ihr Chef hat Kröger nachweislich mehrfach bedroht und schreckte dabei auch nicht vor Gewalt zurück. Die Journalistin Gertrud entdeckt eine andere Spur. Ihr Vater glaubt den Ermordeten wiederzuerkennen, doch trug dieser damals einen anderen Namen. Kriminalkommissar Stephan Möllenkamp verfolgt beide Spuren. Schnell erweist sich der Fall als harte Nuss. Die Ermittlungen fördern neue Erkenntnisse zutage, aber zunächst keine heiße Spur. Dem niederländisch-deutschen Team, das gut zusammenarbeitet, wird voller Einsatz abverlangt. Und dann ist da ja noch der Terroranschlag auf Ostfrieslands führende Köpfe. Wer hat ihnen Drohbriefe zugeschickt, die möglicherweise Milzbranderreger enthalten?

Heike van Hoorn schreibt flüssig und bildhaft. Gelegentlich blitzt ihr Humor auf, wenn beispielsweise der leitende niederländische Ermittler mit einem Wohnmobil bei der Kripo Leer vorfährt, obwohl er Camping hasst. Ihre Charaktere wirken bodenständig und glaubwürdig. Mit Möllenkamp bin ich zunächst nicht warm geworden, aber die Lokalreporterin Gertrud hat mir gleich gefallen. Auch die Nebencharaktere verfügen über eigenes Profil.

Eine Besonderheit der Reihe ist, dass sie um die Jahrtausendwende spielt, im vorliegenden Band im Jahr 2001. Das ist insofern von Belang, weil im Sommer 2001 erstmals Briefsendungen mit Anthrax, also Milzbranderregern, in den USA auftauchten. Diese spielen auch hier eine Rolle. Ferner lag das Ende der DDR nur ein gutes Jahrzehnt zurück.

Die deutsche Geschichte spielt im Krimi eine große Rolle. Die Motivsuche für die aktuellen Ereignisse führen den Lesenden in den Zweiten Weltkrieg und in die DDR zurück. Beide historischen Ereignisse haben ihre Spuren hinterlassen.

Im historischen Kontext liegt gleichzeitig Stärke und Schwäche des Krimis. Die Ereignisse sind gut recherchiert, aber insgesamt wirkt die Erzählung überfrachtet. Zu viele Handlungsstränge werden gesponnen, die nicht alle zur Klärung des Falls notwendig sind. Kommunismus, Drittes Reich, Verfolgung, KZ, Fluchthilfe, Geldwäsche, Verrat, PKK, Angst vor Überfremdung, Reichsbürger, Terror mittels verdächtiger Briefe, Entführung, Folter. Das alles in einen Krimi zu packen, ist ein schwieriges Unterfangen und nur teilweise gelungen. An ein, zwei Stellen rutscht der Humor in Klamauk und ein, zwei Zufälle waren zu viel. Heike van Hoorn kann schreiben und es gelingt ihr gut, Spannung aufzubauen. Allerdings sollte sie künftig berücksichtigen, dass weniger oft mehr ist.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Wenn der Geistermönch kommt

Single Malt Mörder
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Abigail und Grant wollen ein Kuschelwochenende auf der abgelegenen Insel St. Galan’s verbringen. Der Besuch der dortigen Whiskydestillerie ihres Bekannten Neil soll den Ausflug krönen. Natürlich verläuft ...

Abigail und Grant wollen ein Kuschelwochenende auf der abgelegenen Insel St. Galan’s verbringen. Der Besuch der dortigen Whiskydestillerie ihres Bekannten Neil soll den Ausflug krönen. Natürlich verläuft der Kurztrip anders als geplant. Wikingerspiele, anonyme Briefe, ein Geistermönch und der jahrhundertealte Fluch auf dem Kloster der Insel sorgen für Aufregung und gipfeln in mehr als einem verdächtigen Todesfall.

Melinda Mullet lässt ihre Amateurdetektivin Abi Logan bereits in ihrem 6. Fall ermitteln. Unterstützt von Partner Grant und Terrier Liam läuft sie erneut zur Hochform auf und löst auch diesen spannenden Fall. Der Krimi kann gut ohne Kenntnis seiner Vorgänger gelesen werden, wer die Reihenfolge einhält, hat aber mehr Lesespaß.

So hatte sich Grant das nicht vorgestellt. Zunächst muss er sich in ein winziges einmotoriges Flugzeug quetschen, das auf einer holprigen Landebahn aufsetzt, die gerade erst von Schafen befreit wurde. Dann stellt sich heraus, dass Abi Fotos für Neils Werbekampagne anfertigen soll. Also Arbeit statt Kuscheln. Während er noch grummelt, verschlimmert sich die Situation. Ein Gast der Whiskydestillerie wird mit einem echten Wikingerschwert ermordet. Charlie, der einzige Polizist vor Ort, scheint kompetent, aber unerfahren. Da die Besucher der Insel im Fokus der Ermittlungen stehen, fühlt sich Abi dazu verpflichtet, ihm ungebeten zu helfen. Wenig begeistert, aber loyal unterstützt Grant seine Freundin.

Leichen säumen ihren Weg. Diese Aussage trifft auf Abigail Logan zu. Während ihrer Zeit als Kriegsberichterstatterin und -fotografin war das ihr Arbeitsalltag. Aber auch seit sie in Schottland sesshaft geworden ist, scheint die sympathische Abi Mordopfer magnetisch anzuziehen. Doch dieses Mal steht ihr der Sinn eigentlich nicht nach dem Klären verdächtiger Todesfälle. Vielmehr plant sie ein sehr ernsthaftes Gespräch mit Grant zu führen, das ihre junge Beziehung beenden könnte.

Melinda Mullet hat dieses Mal ein spezielles Setting gewählt. Eine abgelegene schottische Insel mit gerade mal 67 Einwohnern, die zweimal die Woche von der Fähre angelaufen wird. Das Eiland verfügt über eine interessante Topografie mit schroffen Klippen, einem großen Vogelschutzgebiet, geheimnisvollen Höhlen und einer düsteren Klosterruine mit schlechtem Ruf. Viele der Einwohner lehnen Veränderungen ab und misstrauen Fremden. So ist es nur logisch, dass sie den Mord als eine Angelegenheit ihrer Besucher ansehen. Doch ist der Täter wirklich ein Außenstehender?

Die Autorin schreibt flüssig und ihre Beschreibung von Land und Leuten ist glaubwürdig. Die kleine Gruppe, die Neil für die Promotion seiner Whiskymarke eingeladen hat, ist ziemlich divers, und die Inselbewohner sind nicht alle so harmlos, wie sie sich präsentieren.

Der „Single Malt Mörder“ hat mich ähnlich gut unterhalten wie die früheren Fälle von Melinda Mullet. Die sympathische Abi kann sich auf ihren guten Instinkt als Ermittlerin eben verlassen. Leider agiert sie erneut nicht so vorsichtig, wie Grant und ich es gerne hätten. Letztlich wird der Fall aufgeklärt. Abis Anteil daran – mit Unterstützung von Grant und meinem Liebling Liam - ist beträchtlich. Motiv und Täter waren für mich größtenteils schlüssig, nur ein Aspekt hat mich nicht völlig überzeugt. Doch das hat meinen Lesespaß kaum gestört. Ich freue mich schon auf den nächsten Fall aus Schottland und gebe diesem 4,5 von 5 Sternen.

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