Mit Nolwenn auf heißer Spur
Bretonische Versuchungen„Wir haben eine Tote, Chef.“ Als Georges Dupin diese Nachricht hört, ist er mehr als erleichtert. Dank des neuen Falls kann er seine Konfrontationstherapie abbrechen und muss nicht auf ein wackliges kleines ...
„Wir haben eine Tote, Chef.“ Als Georges Dupin diese Nachricht hört, ist er mehr als erleichtert. Dank des neuen Falls kann er seine Konfrontationstherapie abbrechen und muss nicht auf ein wackliges kleines Boot klettern, um seine Thalassophobie zu überwinden. Außerdem versäumt er ein „gemütliches“ Beisammensein mit seinen Schwiegereltern. Das aktuelle Verbrechen führt ihn in die mittelalterliche Altstadt von Concarneau.
Bei der Toten handelt es sich um Adeline Mazago, Inhaberin und Geschäftsführerin von Zerua, einer berühmten Schokoladenmanufaktur. Sie wurde in einem Bottich voll flüssiger Schokolade ertränkt. Ein sehr schmerzvoller Tod. Wer hasste Adeline so abgrundtief?
In „Bretonische Versuchungen“ ermitteln Kommissar Georges Dupin und sein bewährtes Team in der faszinierenden Welt der Schokolade. Es freut mich, dass Jean-Luc Bannalec alias Jörg Bong auch in seinem vierzehnten Band die bretonischen Themen nicht ausgehen.
Dieser Fall erweist sich als besonders fordernd für Dupin. Ein skrupelloser Täter verlangt dem Kommissar alles ab und eine übermotivierte Nolwenn sitzt ihm hautnah im Nacken. Das gipfelt in einem gemeinsamen Roadtrip der beiden ins französische Baskenland. Höchste Eile ist geboten, da weitere Morde geschehen. So kommt es, dass der Kommissar und Nolwenn pausenlos im Einsatz sind und ihre Müdigkeit bekämpfen müssen. Nach mehr als 45 Stunden ohne längere Pause steigt Dupins Koffeinbedarf ins Unermessliche. Er zeigt physische und psychische Symptome des Schlafentzugs, die so anschaulich beschrieben sind, dass ich als Leserin auch schon zu gähnen anfing, ohne müde zu sein.
Sein Team steht dem Kommissar wie immer hilfreich zur Seite. Inspektor Kadeg neigt weiterhin zu anmaßendem Verhalten und sein Kollege Riwal zu Belehrungen. Erneut empfand ich die Erweiterung der Mannschaft um Nevou und Le Menn als sehr positiv. Sie alle leisten gute Arbeit und letztlich wird auch dank ihrer Unterstützung dieser schwierige Fall zufriedenstellend gelöst. Vorher sorgen einige Verwicklungen und mehrere Verdächtige für anhaltende Spannung.
Während der Ermittlungen erfahren wir Erstaunliches und Lehrreiches über die Herstellung, Geschichte und Chemie der Kakaobohne und der Schokolade.
Wie immer schreibt der Autor flüssig und bilderreich. Seine Zuneigung für Land und Leute ist stets spürbar. Ob er die Landschaft beschreibt oder ein Menü im „Amiral“, seine Liebe für die Bretagne ist immer da, nachvollziehbar und ansteckend. Wer weiß, wie viele Besucher er seiner bevorzugten Region mit seinen Krimis schon beschert hat?
Auch mit seinem vierzehnten Fall hat mich Kommissar Dupin bestens unterhalten. Nolwenn überzeugt auch als Ermittlerin vor Ort und beeindruckt mit ihrem großen Engagement für wichtige Themen. Von den auftretenden neuen Protagonisten hat mir vor allem Dupins baskische Kollegin imponiert. Mit Commissaire Amaïa Unarte treffen die bretonischen Ermittler eine taffe Polizistin, die Dupins Kaffeesucht und seine Liebe zu Oldtimern teilt. Vielleicht treffen wir sie bald wieder? Quellenmaterial zum Thema Schokolade und eine Übersichtskarte komplettieren den Krimi.
Der Fall war spannend und ich weiß nun mehr über Schokolade als jemals zuvor. Jetzt freue ich auf den 15. Fall. Ich bin gespannt, ob es dann schon Neuigkeiten zum kleinen privaten Cliffhanger gibt, mit dem das Buch endet.
À bientôt, Monsieur le Commissaire.