Die Vergangenheit ruht nicht
Mörderische Brise - Der Tote am SandstrandPolizeihauptkommissarin Hannah Bülow steht an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Vor neun Monaten hat sie ihren Mann durch einen Unfall verloren. Da ihre Töchter längst flügge sind und sie in Münster alles ...
Polizeihauptkommissarin Hannah Bülow steht an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Vor neun Monaten hat sie ihren Mann durch einen Unfall verloren. Da ihre Töchter längst flügge sind und sie in Münster alles an den toten Malte erinnert, hat Hannah das Jobangebot ihrer Freundin Constanze angenommen. Künftig wird sie in der Polizeiwache Ostersande als Dienstgruppenleiterin arbeiten. Kurz nach ihrer Ankunft wird ein Toter aufgefunden. Wurde er ermordet oder ist er Opfer eines Unfalls?
Nach etwas langatmigem Beginn gewinnt der Krimi allmählich an Fahrt. Bald konnte mich die Geschichte packen und mit Hannah auf eine spannende Tätersuche schicken.
Jan F. Wielpütz hat den Auftaktband seiner neuen Ostsee-Krimireihe nach Grundidee und Konzept der 2020 verstorbenen Autorin Nina Ohlandt realisiert.
Hannah startet in Ostersande mit einem Knöllchen und trifft dabei ihren Jugendfreund Philip wieder. Ihr Vater Uwe empfängt seine Tochter wenig begeistert. Infolge eines großen Unglücks hat Hannah ihren Heimatort vor 32 Jahren verlassen. Der Unfall hat damals ihr Verhältnis zum Vater beschädigt und dabei ist es bis heute geblieben. Zudem befürchtet Uwe, dass ihn seine Tochter kontrollieren und bevormunden will. In Hannah weckt die Rückkehr verdrängte Schuldgefühle und Zweifel an ihrer Entscheidung. Wird sie die Vergangenheit hier wieder einholen? Ein verdächtiger Todesfall beendet diese Grübelei und ruft sie zurück an die Arbeit. Der Tote ist ausgerechnet Philip Langmar, ihr Jugendfreund, der als Psychotherapeut in der angesehenen Klinik Ostersande-Wismar arbeitete. Ist er unglücklich gestürzt oder wurde er ermordet? Hannah wird von ihrer Chefin Constanze als Kontaktperson für die Kripo Wismar ausgewählt. Gemeinsam mit Hauptkommissar Grewe und seiner Kollegin Mara Steyn, versucht sie die Umstände, die zu Philips Tod führten, aufzuklären. Trotz verschiedener Spuren erscheint bald klar, dass die Geschehnisse der Vergangenheit eine wichtige Rolle für den Fall spielen könnten.
Hannah mit ihrer direkten Art war mir bald sympathisch. Anfangs konnte ich nicht verstehen, was sie nach Ostersande zurückgeführt hat, aber Uwes Situation hat das erklärt. Auch die anderen Charaktere überzeugen. Ob der von privaten Problemen leicht überforderte Greve, die forsche Mara, Philips charmanter Kollege Henry oder der auf seine Unabhängigkeit bedachte Uwe, sie alle wirken authentisch. Die Sprache des Autors ist flüssig und direkt. Die Region fand ich anschaulich beschrieben, ebenso Hannahs Heimatort, wo zeitweise der Tourismus dominiert und wo die Umweltschützer oft einen schweren Stand haben.
Trotz der übersichtlichen Zahl an Verdächtigen habe ich lange gerätselt und war mir bis zum Schluss nicht über das Tatmotiv im Klaren. Der Autor schafft es mühelos, die Spannung mithilfe von überraschenden Wendungen bis zum Schluss hochzuhalten. Ein besonders kluger Schachzug war der rätselhafte Prolog, der mich lange grübeln ließ. Die Zusammenarbeit zwischen der Kripo Wismar und der Polizeiwache Ostersande schien mir nicht immer realistisch zu sein. Aber das habe ich als literarische Freiheit akzeptiert. Zuletzt wird der Fall überzeugend aufgeklärt und alle offenen Fragen beantwortet. Am Buchende kündigt eine gerade aufgefundene Leiche Hannahs nächsten Fall an. Ich werde bei den Ermittlungen wieder dabei sein und hoffe, dass die Wismarer Kripo dann wieder zum Team gehört.
Für den Auftaktband der neuen Ostsee-Krimireihe, der mich überzeugen konnte, vergebe ich 4,5 von 5 Sternen und eine Leseempfehlung für alle Fans dieses Genres.