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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.02.2019

Der Reporter

Lago Mortale
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Giulia Conti , ein Pseudonym für eine deutsche Journalistin und Reisebuchautorin, schreibt in ihrem ersten Roman gleich eine ganz tolle Geschichte.
Ihre Hauptfigur, Simon Strasser, ehemaliger ...

Giulia Conti , ein Pseudonym für eine deutsche Journalistin und Reisebuchautorin, schreibt in ihrem ersten Roman gleich eine ganz tolle Geschichte.
Ihre Hauptfigur, Simon Strasser, ehemaliger Polizeireporter aus Deutschland, hat sich vor einigen Jahren am Lago D'Orta häuslich niedergelassen und lebt dort mit seine " Tochter" Nicola.
Nachdem es ein Krimi ist, gibt es auch Tote und Simon ermittelt ganz ( oder fast) alleine, und gerät prompt in gefährliche Situationen.
Sehr schön finde ich die gelungene Beschreibung der Gegend am und um den See herum, man möchte am liebsten die Koffer packen und gleich losfahren.
Aber wie es aussieht, folgen noch mehrere Strasser-Krimis, also sollte man nichts überstürzen.
Alles in allem ein Krimi wie eine Fahrt auf einer Strasse, die man nicht kennt, an jeder Ecke gibt es etwas Neues und Spannendes, Langeweile kommt jedenfalls nicht auf.
Das Cover stimmt ganz auf ein Ufer an einem der schönen Piemontischen Seen ein.

Veröffentlicht am 11.02.2019

Die Kälte

Die Mauer
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John Lanchesters Buch führt den Leser in eine Art Endzeit.
Ein Wandel hat stattgefunden, wohl ein Klimawandel, der Meeresspiegel ist dramatisch angestiegen, es gibt zwar noch Strom, Atomstrom, ...

John Lanchesters Buch führt den Leser in eine Art Endzeit.
Ein Wandel hat stattgefunden, wohl ein Klimawandel, der Meeresspiegel ist dramatisch angestiegen, es gibt zwar noch Strom, Atomstrom, aber Treibstoff und viele andere Produkte gibt es nur noch in begrenzten Mengen oder gar nicht mehr.
Und, die Briten haben eine Mauer gebaut, immer entlang der Strände, die nun nicht mehr genützt werden können, viele tausend Kilometer lang und mehrere Meter hoch. Alles zum Schutz der Bevölkerung. Jeder muß zwei Jahre lang auf dieser Mauer Dienst tun, um sein Land gegen "die Anderen" zu verteidigen. Gnadenlos, bedingungslos.
Im Buch wird die Geschichte von John Kavanagh erzählt, vielmehr seine Gedanken, wie er die Situation sieht und was er auf seinen vielen erschöpfenden Diensten auf dieser Mauer erlebt. Tag und Nacht.
Der Roman ist in zwei Teile gegliedert, der erste Teil beschreibt das Leben der "Verteidiger" auf der Mauer. Es ist kalt, kalt, kalt.

Yeti, wie er von den Kameraden genannt wird, lernt Hifa, eine Kameradin kennen, sie tun sich zusammen und wollen " Fortpflanzler" werden, was ihnen massive Vergünstigungen einbringen kann.
Auf der Mauer geht der Alltag weiter, eines Tages greifen tätsächlich Andere an, werden aber besiegt. Yeti wird sogar mit einem Orden ausgezeichnet.
Bei einem anderen Überfall jedoch kommen viele Kameraden um, mehrere Andere überqueren die Mauer, die ganze Verteidigergruppe wird abgezogen und nach den geltenden Regeln muß für jeden Angreifer, der es über die Mauer schafft, ein Verteidiger, der dafür verantwortlich ist, auf Meer hinaus verstossen werden.
Der zweite Teil wird in gewissem Sinn dagegen direkt abenteuerlich.
Kavanagh, seine Freundin Hifa und noch andere werden aufs Meer geschickt und versuchen nun, zu überleben.
Was da alles passiert und auch warum wird vom Autor klitzeklein beschrieben, alle Gedanken, die durch Kavanaghs Kopf kreisen, so dicht und genau, dass der Roman sehr spannend zu lesen ist.
Sehr gut gefällt mir, wie Lanchester seine Figuren beschreibt und charakterisiert.
Man kann das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Eine Beschreibung einer Zukunft, von der man nur hoffen kann, daß sie niemals zutrifft.

Veröffentlicht am 06.02.2019

Beeindruckend

Der Hunger der Lebenden (Friederike Matthée ermittelt 2)
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Das Buch von Beate Sauer hat mich tief beeindruckt.
Als Nachkriegskind habe ich noch einige unscharfe Erinnerungen an diese Zeit, die sicher für alle alles andere als leicht war.
Das Cover mit ...

Das Buch von Beate Sauer hat mich tief beeindruckt.
Als Nachkriegskind habe ich noch einige unscharfe Erinnerungen an diese Zeit, die sicher für alle alles andere als leicht war.
Das Cover mit den Kindern, die auf den Schuttbergen spielen, sagt schon viel aus.
Der Inhalt des Romans rund um die Angehörige der Weiblichen Polizei Köln, Friederike Matthee, ist sehr gut aufgebaut, man erfährt immer nur so viel, daß man unbedingt weiterlesen muß. Wobei natürlich die Spannung steigt und der Mord an Ilse Röder und das Verschwinden einer ganzen Flugzeugbesatzung beinahe jeden der im Roman vorkommt, kurz oder länger verdächtig macht.
Auch der englische Ermittler trägt sowohl sein Schärflein zu den Ermittlungen bei, als auch sein eigenes Schicksalsbinkerl.
Sogar die Liebe blüht im Nachkriegsköln auf.

Veröffentlicht am 03.02.2019

Stalinallee

Allee unserer Träume
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Ulrike Gerold und Wolfram Hänel, den beiden Autoren dieses Romans ist es sehr gut gelungen, Wahres und Erdachtes zusammenzumischen.
Die Geschichte um Ilse Schellhaas, die Architektin, ihr Leben ...

Ulrike Gerold und Wolfram Hänel, den beiden Autoren dieses Romans ist es sehr gut gelungen, Wahres und Erdachtes zusammenzumischen.
Die Geschichte um Ilse Schellhaas, die Architektin, ihr Leben als Kind geschiedener Eltern, ihre Jugend, der Krieg und seine unendlichen Grausamkeiten und Wirren, all das erlebt man als Leser dieses Romans mit, als stünde man mittendrin.
Das östliche Nachkriegsdeutschland, Berlin, die immer noch so steife Haltung zum Leben, das Verdrängen, die Angst vor Bespitzelung und Verrat haben auch in der Geschichte die Menschen geprägt.
All das kommt im Roman sehr lebensnah durch.
Ilse Schellhaas hat viel riskiert, um dorthin zu kommen, an die Spitze der Architektenelite, sie hat aber später auch erkannt, was sie , und nicht nur sie, falsch gemacht hat. Ihre Tochter (im Buch) hat dazu beigetragen, das zumindest architektonisch zu mildern.
In der Wirklichkeit hatte Ilse Schellhaas einen Sohn, nämlich den Autor Wolfram Hänel, der, zusammen mit seiner Partnerin Ulrike Gerold diese Lebensgeschichte seiner Mutter mit viel Liebe und künstlerischer Freiheit niedergeschrieben hat.
Sehr schön auch das Cover, das genau einen Teil dieses, nach Stalins Tod in Karl Marx-Allee umbenannten Strassenzuges zeigt.
Auf der Innenseite des Umschlages findet man eine Kopie des Reisepasses von Ilse Schellhaas.
Absolut lesenswert.

Veröffentlicht am 28.01.2019

Entzückend

Die Ballade von Max und Amelie
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Schon lange hat mich kein Buch so berührt, wie es David Safirs " Max und Amelie" geschafft hat. Schon das Cover war der Auslöser dafür, mir das Buch zu besorgen.
Und es hat sich wirklich gelohnt. ...

Schon lange hat mich kein Buch so berührt, wie es David Safirs " Max und Amelie" geschafft hat. Schon das Cover war der Auslöser dafür, mir das Buch zu besorgen.
Und es hat sich wirklich gelohnt.
Narbe, die Hündin von der Müllkippe, die nie ein anderes Leben kennengelernt hat, trifft eines Tages auf Max, der einmal, bevor ihm das Schlimmste, das einem Hund passieren kann, passierte, ein behüteter, vielleicht sogar verwöhnter, aber ganz sicher ein geliebter Hund war.
Und durch Max Vertrauen in die Menschen, ändert sich auch das Verhalten und die Einstellung Narbes zu den Menschen.
Durch und mit Max lernt Narbe auch die Liebe kennen, ein Gefühl, das sie lange verdrängt und dem sie noch länger einfach nicht vertrauen kann.
Und dann gibt es da noch Jedda, eine Menschenfrau aus den Zeiten vor der Zeit, mit der sowohl Narbe als auch Max verbunden sind.
Diese Geschichte tägt jedenfalls völlig zu Recht die Bezeichnung Ballade.
Safir schreibt mit sehr viel Feingefühl.
Und auf jeden Fall sollte man sich vor dem Lesen mit genügend Taschentüchern eindecken, denn die werden auf jeden Fall gebraucht.
Das Cover zeigt ein Hundepärchen im Gegenlicht, das wohl das "Goldene Licht" ist, von dem im Buch immer wieder die Rede ist.
Ein absolutes Muss für Hundefreunde.