Ein Roman jenseits der Wohlfühlliteratur
Das kurze Leben einer immer wieder Sterbenden"Giho war Südkoreanisch und ließ sich mit Bildnis oder Symbol übersetzen."
Der Wert eines Menschen wird mit seinem Giho ermittelt. Um dieses zu enthüllen, muss jedoch jemand anderes sterben und einen ...
"Giho war Südkoreanisch und ließ sich mit Bildnis oder Symbol übersetzen."
Der Wert eines Menschen wird mit seinem Giho ermittelt. Um dieses zu enthüllen, muss jedoch jemand anderes sterben und einen sogenannten Grenzgang vollziehen. Erst dann wird das wahre Ich, das Giho, in Form eines besonderen Symbols sichtbar.
Nach dem für sie durchgeführten Grenzgang, verliert Katja alles. Ihr Verlobter trennt sich von ihr und wirft sie aus der gemeinsamen Wohnung, ihr Ex-Schwiegervater in spe kündigt ihren Job im Sägewerk. Und das alles nur, weil Katjas Giho nicht ausreichend bzw. besonders genug war.
Als sie dann auch noch durch verworrene und teilweise abstruse Zufälle plötzlich selbst als Grenzgängerin fungiert, stellt sich Katjas Leben endgültig auf den Kopf.
Thomas Knüwer hat in seinem Roman ein fiktives Deutschland der 1990er Jahre gezeichnet, welches sich durch die Entdeckung der Gihos in eine sehr interessante und bedrohliche Richtung entwickelt hat. Der Tod des Menschen ist eine Ware, welche sich über marktorientierte Unternehmen kaufen lässt.
Politiker und Wirtschaftsmagnaten auf der ganzen Welt, müssen ihre Gihos offen legen um sich und ihren Wert zu beweisen. Ein ziemlich interessanter Ansatz, welcher ruhig noch etwas mehr ausgeführt werden könnte.
Der Roman ist sehr eingängig geschrieben, bringt innovative Ideen mit und mir gefällt es sehr, dass er sich nicht so richtig verorten lässt. Es gibt viele antiutopische und horrorstilistische Ansätze. Teilweise fühlte es sich auch an, als würde ich einen düsteren Krimi lesen.