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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.11.2025

Neuanfang im Keller: Stärken und Schwächen eines Hoffnungsbuchs

In den Scherben das Licht
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Carmen Korns Roman spielt im zerstörten Hamburg des Jahres 1946, wo zwei Jugendliche, die ihre Familien durch den Krieg verloren haben, Zuflucht in einem Kellerraum finden, der einer ehemaligen Schauspielerin ...

Carmen Korns Roman spielt im zerstörten Hamburg des Jahres 1946, wo zwei Jugendliche, die ihre Familien durch den Krieg verloren haben, Zuflucht in einem Kellerraum finden, der einer ehemaligen Schauspielerin gehört. Diese Frau hat ihre eigene bewegte Vergangenheit und ist fest entschlossen, eine bessere Zukunft zu schaffen. Im Laufe der Geschichte wächst dort eine Gemeinschaft zusammen, die sich gegenseitig unterstützt und Hoffnung schenkt, trotz der schweren Zeiten, die sie erlebt haben.

Die Erzählung zeigt nicht nur den harten Alltag im Nachkriegsdeutschland, sondern auch die Frage, wie Menschen mit Verlust und Ungewissheit umgehen. Dabei sind die Figuren miteinander verknüpft, teils durch alte Beziehungen, teils durch die gemeinsame Suche nach Halt und Zugehörigkeit. Die Handlung begleitet sie über mehrere Jahre, in denen sie versuchen, ihr Leben neu zu ordnen, Freundschaften schließen und persönliche Herausforderungen meistern.

Persönlich finde ich, dass der Roman gut die Atmosphäre dieser Zeit einfängt und die Figuren lebendig beschreibt. Die Mischung aus historischen Fakten und menschlichen Schicksalen macht die Geschichte glaubwürdig und berührend. Allerdings empfand ich die vielen Perspektivwechsel als teilweise verwirrend und hat viel Konzentration gefordert, was den Lesefluss manchmal hemmt. Insgesamt ist das Buch eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die sich für die Nachkriegszeit interessieren und Geschichten über Zusammenhalt und Neubeginn schätzen.

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Veröffentlicht am 03.11.2025

Eine Frau die allen Hürden im Weg trotzt

Ein gutes Ende
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Hedwig Courths-Mahler wächst Ende des 19. Jahrhunderts unter schwierigen Verhältnissen auf. Trotz alledem hat sie einen Traum: Sie möchte ein besseres Leben haben. Schon mit 14 Jahren beweist sie große ...

Hedwig Courths-Mahler wächst Ende des 19. Jahrhunderts unter schwierigen Verhältnissen auf. Trotz alledem hat sie einen Traum: Sie möchte ein besseres Leben haben. Schon mit 14 Jahren beweist sie große Eigenverantwortung und beginnt als Dienstmädchen und später als Verkäuferin zu arbeiten.
Immer wieder stellt das Leben ihr Hürden in den Weg und besonders ihre Position als Frau in der Gesellschaft wird es ihr doppelt schwer machen, nach ihren Vorstellungen zu leben.

Eine Konstante bleibt aber, nachdem sie schon in jungen Jahren ihre Leidenschaft für Geschichten – sowohl lesen als auch schreiben – entdeckt.

Das Buch lässt einen ins Leipzig am Ende des 19. Jahrhunderts eintauchen und illustriert die verschiedenen Schichten der Gesellschaft. Die Kapitel lesen sich kurzweilig und durch Zeitsprünge wird auch der starke Wandel dieser Zeit spürbar. Technische Neuerungen, wachsende Städte und mittendrin eine junge Hedwig, die zwischen den sozialen Klassen navigiert.

Der Lesefluss ist wunderbar und man kann dieses Buch in kürzester Zeit verschlingen. Was den Gesamteindruck jedoch trübt, ist eine gewisse Verherrlichung der Protagonistin. Sie beobachtet falsche Entscheidungen in ihrer Familie und im Freundeskreis und schwört sich immer wieder selbst, strebsam ihr Ziel des gesellschaftlichen Aufstiegs zu verfolgen. Dabei wirkt sie moralisch überlegen und in gewissem Maße unauthentisch. Durch die ganze Erzählung gibt es keine negativen Eigenschaften, außer vielleicht, dass sie sich noch früher den sozialen Ungerechtigkeiten widersetzen sollte, die ihr wegen ihres Geschlechts widerfahren.

Das hat immer wieder den Anschein erweckt, eine märchenhafte Erzählung zu lesen und nicht eine reale Biografie. Wie gut die Quellenlage natürlich für das Autorinnenduo war, wird nicht erläutert.

Ich habe die Geschichte insgesamt sehr genossen und hätte auch gut und gerne noch weitere 400 Seiten gelesen, obwohl mir die Protagonistin manches mal zu perfekt und reflektiert dargestellt wurde.

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Veröffentlicht am 22.10.2025

Mischung aus Nostalgie, Sommergefühl, Jugenddrama

Der große Sommer
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Ich kann gar nicht anders, als völlig begeistert von Der große Sommer von Ewald Arenz zu schreiben – dieses Buch hat mich gefangen genommen, mit seiner warmen Sprache, seinen ehrlichen Gefühlen und einer ...

Ich kann gar nicht anders, als völlig begeistert von Der große Sommer von Ewald Arenz zu schreiben – dieses Buch hat mich gefangen genommen, mit seiner warmen Sprache, seinen ehrlichen Gefühlen und einer Geschichte, die auf wunderbare Weise sanft und kraftvoll zugleich ist.

Der sechzehnjährige Frieder, der gerade die neunte Klasse nicht besteht und für den Sommer bei seiner Großmutter und dem strengen Stief­großvater untergebracht wird.

Die Beschreibungen sind so lebendig – man spürt den Sommer, die Hitze, die Erwartung, die Unsicherheit, die Verliebtheit.

Besonders schön finde ich, wie Arenz das Verhältnis zu den Großeltern gestaltet: Die Großmutter Nana mit ihrer liebevollen Art und dem Tagebuch-Geheimnis, der Großvater mit seiner strengen Fassade – und dann zeigt sich: da ist mehr dahinter. Frieder macht eine Beindruckende Wandlung durch, beginnt den Großvater zu verstehen – und damit auch sich selbst.
Das Thema Erwachsenwerden („coming-of-age“) wird hier nicht als dramatisches Spektakel dargestellt, sondern als leise, subtil spürbare Bewegung: Freundschaft, Verantwortung übernehmen, erste Liebe, Kontrollverlust, Verlust – all das schwebt mit.

Ein Satzbau, der sich dem Protagonisten anpasst: Für den Jugendlichen einfacherer Ausdruck, für die Rahmenhandlung (wo der erwachsene Frieder auf dem Friedhof inne­hält) etwas komplexer. So spürt man das Erwachsenwerden auch formal.

Die Mischung aus Nostalgie, Sommergefühl, Jugenddrama, aber auch Tiefe – das macht „Der große Sommer“ für mich zu einem dieser Bücher.

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Packend und unterhaltsame Einblicke in eine münchner Parallelgesellschaft

Hustle
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Leonie steht am Anfang der Geschichte vor vielen Leerstellen oder Fragezeichen in ihrem Leben. Ohne Job, ohne Wohnung ohne Ziel. Die einzig scheinbare Leidenschaft sind ihre Haustiere – die Schleimpilze.
Als ...

Leonie steht am Anfang der Geschichte vor vielen Leerstellen oder Fragezeichen in ihrem Leben. Ohne Job, ohne Wohnung ohne Ziel. Die einzig scheinbare Leidenschaft sind ihre Haustiere – die Schleimpilze.
Als sich dann ein Job in München eröffnet, nimmt sie ihn kurzerhand an, obwohl die Aufgabe (Insektenbestimmung) nicht wirklich ihrer Erfahrung entspricht.
Diese Spontanität und Offenheit wird sich durch das Buch durchziehen. Mit einer gewissen Scheiß-drauf-Mentalität erkundet sie München, datet sich halbherzig durchs münchner Tinder und sammelt Schleimpilze im Wald.
Aber die Alltagsgeschichte wird nicht lange so dahinziehen – was wunderbar zu lesen wäre und durchaus nahbar für die Leserschaft um die 30.
Die Geschichte nimmt eine drastische Wendung, als Leonie eine neue Freundin kennenlernt und durch sie motiviert wird, ihre Leidenschaft des Rachenehmens zu monetarisieren. Rache Inc. ist geboren und die Erzählung nimmt krimihafte Züge an, wenn Leonie ihre Aufträge ausführt.
Durch kurze Kapitel nimmt die Geschichte viel Fahrt auf und lässt gar nicht so viel Zeit, um sich in moralischen Debatten zu verlieren, wie vertretbar man das Rachegeschäft findet.
Leonies erstes Jahr in München verstreicht mit Höhen und Tiefen, wir begleiten alte und neue Freundschaften.
Ich fand es eine sehr unterhaltsame und schnelle Geschichte, die sich wunderbar in einem Kurzurlaub lesen lässt und einen in eine selbstbestimmte Welt von einer wunderbaren Frauenfreundschaft entführt.

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Veröffentlicht am 08.04.2024

Familienbeziehungen sind wohl nie einfach

Wir sitzen im Dickicht und weinen
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Wir sitzen im Dickicht und Weinen erzählt über mehrere Generationen hinweg eine Familiengeschichte von Frauen. Sie alle müssen die Mutterrolle einnehmen, Mal mehr Mal weniger freiwillig.
Durch viele Zeitsprünge ...

Wir sitzen im Dickicht und Weinen erzählt über mehrere Generationen hinweg eine Familiengeschichte von Frauen. Sie alle müssen die Mutterrolle einnehmen, Mal mehr Mal weniger freiwillig.
Durch viele Zeitsprünge lernt man wie die Einstellungen dieser Frauen geprägt wurden, welche Rolle der historische Zeitpunkt spielte und wie versucht wird, die Fehler die man selbst spüren musste, in der nächsten Generation besser zu machen.
Dass das gut gemeint ist aber nicht immer funktioniert ist vorprogrammiert.
Ein Hauptstrang der Geschichte spielt im hier und jetzt wo die Mutter mit einer Krebserkrankung kämpft und die erwachsene Tochter sich gezwungen sieht einen viel intensiveren Kontakt zu pflegen als ihr lieb ist.
Es ist eine sehr schwermütige Geschichte in der sich sicher viele wiederfinden können. Familien Beziehungen sind wohl nie einfach.

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