Schöner Roman!
Schade, dass ich damals die Leserunde zu „Ein gutes Ende“ von Clara Bachmann nicht mitmachen konnte Ich habe das Buch dann einfach selbst gekauft und war total gespannt drauf. Und es hat mich wirklich ...
Schade, dass ich damals die Leserunde zu „Ein gutes Ende“ von Clara Bachmann nicht mitmachen konnte Ich habe das Buch dann einfach selbst gekauft und war total gespannt drauf. Und es hat mich wirklich gefreut, denn es ist eine wunderschöne Romanbiografie über Hedwig Courths-Mahler, diese Pionierin der Trivialliteratur, die aus ärmlichen Verhältnissen in Leipzig kommt, als Dienstmädchen und Verkäuferin schuften muss und trotz allem ihren Traum vom Schreiben durchzieht. Ich hab mitgefiebert, wie sie sich gegen Familie, Ehemann und gesellschaftliche Zwänge durchsetzt, immer mit dem Blick auf die einfachen Leute, und ihre Liebesromane schreibt, die Frauen Mut machen. Das Happy End mit dem Maler Fritz bleibt aus, aber sie findet Trost im Schreiben und wird zur erfolgreichsten Autorin ihrer Zeit - eigentlich erfrischend, weil es im "echten" Leben eben auch oft keine "Happy Ends" gibt.
Der Schreibstil ist mir an manchen Stellen etwas zu ausführlich und langatmig, fast als wollte Bachmann jedes Detail der wilhelminischen Epoche einfangen, was mich zwischendurch gebremst hat. Aber insgesamt ist es ein tolles Buch, das berührt und inspiriert, vor allem als Frau, die selbst mit Texten jongliert. Es hat mich neugierig auf Hedwigs echte Werke gemacht und zeigt, wie hart Künstlerinnen damals kämpfen mussten.