Eine süße kleine Geschichte über den ganz normalen Wirrwarr der Liebe und diese auch zu erkennen …
Deep End – Die unausweichliche Unanständigkeit von LiebeInhalt:
Scarlett Vandermeer, für die meisten einfach Vandy, ist Turmspringerin des Schwimmteams an der Universität Stanford in Kalifornien und steht nach einem schweren Unfall am Scheideweg ihrer Sportlerkarriere. ...
Inhalt:
Scarlett Vandermeer, für die meisten einfach Vandy, ist Turmspringerin des Schwimmteams an der Universität Stanford in Kalifornien und steht nach einem schweren Unfall am Scheideweg ihrer Sportlerkarriere. Entweder sie bekommt den verdammten Delphinsprung wieder gesprungen oder sie kann einpacken. Tschüss Weltmeisterschaft, Tschau Olympia … alles, für das sie so hart seit ihrer Jugend gearbeitet hat, wäre dahin. Dieser Sprung ist zu einer mentalen Blockade geworden. Der Druck von außen und auch ihr ganz persönlich auferlegter Perfektionismus machen es ihr verdammt schwer. Auch ihre Therapie scheint keine Fortschritte zu bringen.
Doch sie hat nicht mit Lukas Blomqvist gerechnet, den schwedischen Topathleten, der Schwimm-Gott schlechthin. Alles scheint ihm mühelos zu gelingen. Er ist der Meister der Selbstdisziplin und tritt so völlig unverblümt, im wahrsten Sinne des Wortes, in ihr Leben oder vielmehr wird er ihr von Teamkollegin und Freundin Penelope Ross quasi an die Brust geworfen.
Er und Scarlett teilen die gleichen sexuellen Vorlieben, die sie Pen im Vertrauen erzählt haben. Lukas ist Pens bester Freund und seit kurzem auch ihr Ex-Freund. Beide haben so einiges gemeinsam erlebt, sie sind quasi zusammen erwachsen geworden. Der eine mehr, der andere weniger. Und anfänglich denkt Pen, es wäre eine ganz wunderbare Idee die beiden einander näherzubringen, um selbst wieder frei für andere Optionen zu sein. Was Pen nicht dabei bedacht hat, ist, dass die zwei tatsächlich mehr verbinden könnte als ihre speziellen Vorlieben und sie somit nicht mehr der Mittelpunkt seines Lebens ist.
Scarlett weiß nicht wie sie mit den neuen Informationen und der extrem unangenehmen Situation umgehen soll, die Pen ihr eingebrockt hat. Als introvertierter Mensch fällt es ihr auch so schon ungemein schwer mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen. Sie ist eher der Beobachter von außen, selten war sie im inneren Kern zu finden. Doch nun steht sie im Zentrum eines ungemein selbstbewussten und dazu noch extrem unwiderstehlichen Schwimmers, der plötzlich zu viel über sie weiß und obendrauf wurde sie ihm als Ablenkung und Spielzeug angeboten.
Und wo sie vorher völlig versunken in ihrem ganz eigenen Dilemma war, ist Lukas ihr erschreckend allgegenwertig. Plötzlich ist er überall dort, wo auch sie ist. Oder ist es ihr bloß vorher nie aufgefallen. Sie versucht es mit der Strategie all das irgendwie zu ignorieren, aber da hat sie die Rechnung nicht mit Lukas gemacht. Er scheint keineswegs ein Problem damit zu haben, eher das Gegenteil.
Und so verbinden sich ihre Wege durch den Sport, aber auch durch ihr Studium und es kommt wie es kommen muss … sie kommen sich näher … aber Pen, der verdammte Delphinsprung, ihr klitzekleines Unvermögen richtig zuzuhören, aber auch der fehlende Mut zum Sprung ins Leben, machen es Scarlett schwer den richtigen Weg zu finden.
Einzig Lukas scheint den Weg zu kennen, in jedweder Richtung …
Meinung:
Die Autorin Ali Hazelwood entführt mich erstmals als Leserin ihrer Geschichten an die Universität von Stanford in Kalifornien. Hier bekomme ich einen kleinen, aber feinen Einblick in das Uni- bzw. Studentenleben, welches zusätzlich als College - Sportler sehr anspruchsvoll und zeiteinnehmend ist, wobei die Autorin nicht viel Augenmerk auf die Umgebung, sondern voll und ganz auf die Hauptpersonen und deren persönliche Entwicklung legt.
Ali Hazelwood hat in diesem Roman zwei reale Hauptcharaktere erschaffen, mit denen ich stets mitfühlen konnte, so unterschiedlich sie auch sind. Scarlett ist eine introvertierte Persönlichkeit, die durch allerlei Probleme, die in ihrer Kindheit begründet liegen, und ihrem daraus resultierenden Perfektionismus alles richtig machen zu wollen, sich in vielerlei Hinsicht im Wege steht. Wie es vielen von uns wahrscheinlich ähnlich geht und deshalb so nahbar wirkt.
Mit Lukas wiederum hat die Autorin einen echt tollen Charakter beschrieben, der vielleicht von außen unterkühlt erscheinen mag, zumindest wird er anfangs so beschrieben, kommt aber nicht eine Sekunde so rüber. Lukas ist für mich der klassische Fels in der Brandung. Er ist genau das was Scarlett braucht. Er hört zu, gibt ihr Sicherheit und Vertrauen, all das, was die einzigen männlichen Bezugspersonen in ihrem Leben bisher nie getan haben.
Endlich kein männlicher Stereotype, den man mittlerweile häufiger in Romanen findet, im Sinne von unnahbar, kühl, arrogant und übergriffig, sondern ein mitfühlendes Wesen mit dem Herzen am richtigen Fleck und dabei oder gerade deswegen unglaublich nahbar, unwiderstehlich und sexy. Er weiß genau was er will und legt eine Engelsgeduld an den Tag. Lukas ist ein Mann, der sich respektvoll dem anderen Geschlecht gegenüber verhält und die Menschen um sich herum genau lesen kann und ihnen somit ihren Freiraum wahrt. Ein Mann zum Verlieben und der vor dem großen Ganzen keine Angst hat.
Einziges Manko für mich waren die allenthalben beschriebenen Sexszenen, die ich laut Klappentext auch nicht unbedingt so erwartet hätte oder vielleicht anders. Sie wirkten für mich einerseits immer wie eingeschoben, gestelzt und hart heraufbeschworen und dann aber auch irgendwie an die Kette gelegt. Auf der einen Seite haben die beiden „besondere“ Vorlieben, die im Buch dann wiederum doch recht zart behandelt wurden, aber weil es wahrscheinlich mittlerweile zum guten Ton gehört, kreiert man sexuelle Inhalte. Um vermutlich die angestrebte jüngere Leserschaft nicht allzu sehr zu schocken, eben aber mit etwas angezogener Handbremse und mit immer den gleichen wiederkehrenden Begrifflichkeiten. Ich finde es hätte der Geschichte keinen Abbruch getan, wenn gar keine oder eben nur angedeutete Handlungen stattgefunden hätten. Für mich war es nicht stimmig. Wie sagt man so schön: Manchmal ist weniger mehr. Das gewisse Kribbeln und Knistern der Vorfreude wurde dadurch für mich immer wieder kaputt gemacht, da eigentlich sonst die Chemie zwischen den beiden gut funktionierte. Aber da die sexuellen Neigungen nun mal zur Kennenlerngeschichte gehören, ist es wohl eine verzwickte Situation, die die Autorin ja nicht totschweigen kann, die aber auch gut und gern anders gelöst hätte werden können.
Fazit:
Blendet man die gestelzten Sexszenen heraus, ist es aber dennoch eine recht kurzweilige und nahbare Geschichte, die ich flugs gelesen habe und ich mich gut unterhalten gefühlt habe. Die Chemie zwischen den beiden wirklich tollen und sympathischen Charakteren war stimmig und funktionierte gut.