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Veröffentlicht am 10.04.2023

Spannend, verworren mit vielen unvorhersehbaren Wendungen - Pia Korittki im Hochform

Ostseenebel
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In ihrem mittlerweile 18. Fall kommt die Lübecker Kriminalhauptkommissarin Pia Korittki mit ihrem Team zunächst nicht so richtig voran - zu vorworren sind die Umstände des Todes des Ortsbürgermeisters ...

In ihrem mittlerweile 18. Fall kommt die Lübecker Kriminalhauptkommissarin Pia Korittki mit ihrem Team zunächst nicht so richtig voran - zu vorworren sind die Umstände des Todes des Ortsbürgermeisters Burkhard Schönfeld. Er wurde im Garten des Privathauses der Anwältin Linn Aubach gefunden, das die Besitzerin jedoch kurz zuvor an Alva Dohrmann vermietet hatte - eine Frau, die eigentlich nur an der Ostsee urlauben wollte. Und nun findet sie nach ihrer ersten Nacht in ihrem Urlaubsdomizil einen Toten mit eingeschlagenem Schädel - und ihr Leben gerät völlig durcheinander. Für Pia Korittki und ihren Partner Broders ergibt sich eine sehr unklare Sachlage, sowie kaum aussagekräftige Hinweise auf den Täter. Die Ermittlungen drohen mehrmals ins Leere zu laufen, aber Pia und ihr Team bleiben dran und kommen der Lösung des Falls immer näher. Dabei ist es für Hauptkommissarin Korittki zeitweise gar nicht so einfach den Fokus zu behalten, denn auch Privat ereignen sich möglicherweise zukunftsweisende Dinge...

Pia Korittki in Höchstform! Die Autorin Eva Almstädt hat der Serie um die Lübecker Kriminalhauptkommissarin ein weiteres Highlight hinzugefügt. Der Leser taucht innerhalb weniger Seiten vollständig in die Story ab und bleibt bis zur Auflösung gefesselt dabei. Keine Längen, keine Langeweile - einfach spannende Krimiunterhaltung. Typisch Eva Almstädt, typisch Pia Korittki. Uneingeschränkte Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 10.04.2023

Witzige und tiefgründige Suche nach dem eigenen Weg

Vinz Solo
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Vinzenz Bachmaier lebt in den 1980ern in der niederbayerischen Provinz nahe Landshut. Gerade 18 Jahre ist er alt, Ministrant und im Herzen Revoluzzer - aber ohne die bewußte Intention ein Revoluzzer zu ...

Vinzenz Bachmaier lebt in den 1980ern in der niederbayerischen Provinz nahe Landshut. Gerade 18 Jahre ist er alt, Ministrant und im Herzen Revoluzzer - aber ohne die bewußte Intention ein Revoluzzer zu sein. Er rutscht einfach von einer merkwürdigen Situation in die nächste, kommt dabei dem zu dieser Zeit in der Provinz noch nahezu allmächtigen und unfehlbaren Pfarrer, und damit auch den anderen Gemeindemitgliedern in seinem Heimatort in die Querre. Dabei möchte er doch eigentlich nur cool sein und bei seiner großen Liebe Ricarda landen (die aber dummerweise mit dem viel cooleren Rainer zusammen ist). Außerdem möchte Vinzenz ein tolles Auto fahren und mit seinem latent vorhandenen Talent an der Gitarre ein Musikstar werden. Vinz läßt sich nicht verbiegen und nimmt sich vor, seinen Weg zu gehen. Aber der ist alles andere als geradlinig - und ist das überhaupt sein Weg...?

Der Autor Sebastian Beck erzählt in "Vinz Solo" die witzige und aufwühlende Geschichte eines Jungen in den 1980er Jahren, der zwischen kreuz-konservativem Alltag, durch die Kirche und die CSU geprägtem Umfeld, den links-politischen Atomprotesten unter anderem durch die aufkommenden Grünen rund um die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf, Drogenexperimenten und den vielen, vielen eigenen Problemen seinen persönlichen Weg sucht. Dabei wandelt Vinzenz Bachmaier oft auf merkwürdigen Pfaden, wechselt die Richtung mehr als einmal und gerät in ernste Schwierigkeiten. Dabei will er doch eigentlich nur glücklich sein und seine Träume erfüllen.
Ein wirklich sehr unterhaltsames, teils witziges, teils auch aufrüttelndes Buch, das Spaß macht und auch ein wenig die Provinzwelt vor 30/40 Jahren beschreibt. Absolute Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 27.03.2023

Lucie Girard auf dem Weg zurück ins "normale" Leben

Mord in Weiß
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Commissaire Lucie Girard hat in den vergangenen Wochen sehr viel durchgemacht. Sie ist ausgebrochen aus ihrem gewohnten Leben, hat ihre Familie und ihre Karriere leichtsinnig riskiert, hat unüberlegt, ...

Commissaire Lucie Girard hat in den vergangenen Wochen sehr viel durchgemacht. Sie ist ausgebrochen aus ihrem gewohnten Leben, hat ihre Familie und ihre Karriere leichtsinnig riskiert, hat unüberlegt, unvorsichtig und unvernünftig gehandelt. Sie hat einen hohen Preis dafür bezahlt und wird auch in Zukunft an diesem dunklen Kapitel ihres Lebens zu knapsen haben.

Deshalb weiß sie nach ihrer mehrwöchigen Auszeit auch nicht, wie sie mit dem Alltag als Commissaire zurecht kommen wird. Sie zweifelt - hat sie noch ihren Spürsinn, hat sie noch die Rückendeckung ihrer Kollegen, hat sie noch den Respekt der Menschen - und hat sie noch ihren eigenen Respekt?

Die Antwort ist : Ja. Lucie ist stark, sie geht die Probleme offensiv an, spricht sich mit den Kollegen aus und entschuldigt sich für ihren Kontrollverlust. Sie wird zur Teamplayerin und das muss sie auch, denn es gibt kein langsames Einarbeiten nach ihrer Pause. Ein Mord ist geschehen in St. Tropez und Lucie Girard und ihr Team müssen ihren ganzen Spürsinn aufbringen um den Tod der Schönheitschirurgin Madame Olivia Boyer aufzuklären.

Lucie Girard ist zurück - und wie! Der Autor Luc Winger läßt seine Commissaire nach der schweren, unschönen Zeit ihrer persönlichen Krise fast schon ein wenig auferstehen. Wie Phoenix aus der Asche kämpft sich Lucie Girard zurück in die Herzen der Leser - mit dem, was sie schon immer ausmachte: kriminalistischem Spürsinn, Einfühlungsvermögen, Führungsstärke und Herz. Zweifellos ein Fünf-Sterne-Krimi...

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Veröffentlicht am 27.03.2023

Mrs. Egozentrik sammelt gutes Karma

Mieses Karma
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Puh, das war echt anstrengend! Obwohl Nana Spier eine der besten Sprecherinnen von Hörbüchern in Deutschland ist, konnte sie diese abstruse Geschichte meiner Meinung nach nur bedingt retten.

Fernsehmoderatorin ...

Puh, das war echt anstrengend! Obwohl Nana Spier eine der besten Sprecherinnen von Hörbüchern in Deutschland ist, konnte sie diese abstruse Geschichte meiner Meinung nach nur bedingt retten.

Fernsehmoderatorin Kim Lange ist ein Musterbeispiel an Egozentrik und Karrieregeilheit. Sie ist verheiratet, hat eine Tochter, aber die Familie ist für sie nur eine eigentlich langweilige und unangenehme Nebensache. Viel mehr interessiert sie ihr gutaussehender Fernseh-Kollege. Die Karriere steht im Mittelpunkt - und für die würde sie über Leichen gehen. Apropos Leiche - am Tag der Fernsehpreisverleihung geht so einiges schief - mit dem Höhepunkt, daß Kim auf äußerst doofe Weise ums Leben kommt. Wiedergeboren als Ameise muss sie realisieren, dass sie sehr viel schlechtes Karma gesammelt hat und sich nun mühsam in der Reinkarnationsleiter nach oben arbeiten muss - durch das Sammeln von gutem Karma. Aber wie sammelt man als Ameise gutes Karma?

David Safier hat mit Kim Lange eine der unsympathischten, egoistischten und nervigsten Roman-Figuren geschaffen, von denen ich je gelesen habe. Man hofft immer, dass es besser und Kim durch ein wenig Selbstreflexion vielleicht etwas demütiger wird. Aber sie hat von Anfang bis Ende an allem etwas auszusetzen, ist immer unzufrieden, selbstgerecht und gönnt anderen nicht das mindeste. Eine schrecklich nervige Person in einer extrem weit hergeholten, konstruierten Story. Als Buch hätte ich dieses Werk garantiert genervt weggelegt und nicht beendet, aber die Sprecherin Nana Spier hat dafür gesorgt, dass ich zumindest noch drei Sterne für das Hörbuch vergeben mag.

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Veröffentlicht am 26.03.2023

Eine kaum bekannte Facette der Propagandakriegsführung im zweiten Weltkrieg

Mr. Goebbels Jazz Band
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Im nationalsozialistischen Deutschland gilt amerikanische Tanzmusik und ganz besonders Jazz-Musik als entartet und ist deshalb eigentlich verboten. Eigentlich - denn ausgerechnet Reichs-Propagandaminister ...

Im nationalsozialistischen Deutschland gilt amerikanische Tanzmusik und ganz besonders Jazz-Musik als entartet und ist deshalb eigentlich verboten. Eigentlich - denn ausgerechnet Reichs-Propagandaminister Josef Goebbels ließ 1940 in Berlin ein Jazz-Orchester der Spitzenklasse zusammenstellen, das insbesondere das zu Propaganda- und Falschinformationszwecken genutzte, in England und dem weiteren "feindlichen" Ausland zu hörende, deutsche Auslandsradio mit durch Hasstexte unterlegter Swingmusik unterstützen sollte.
Der aus England geflohene britische Faschist William Joyce, der in Deutschland unter dem Namen Wilhelm Fröhlich lebt, ist die Stimme dieses englischsprachigen Senders. Als Lord Haw-Haw bringt Joyce täglich über das Auslandsradio Desinformationen und deutsche Propaganda in Millionen von englischen Haushalten, während die Jazzband in lockerer Swingmusik mit Hetz-Texten gegen Führungskräfte Englands oportuniert.
Um die bunt gemischte Jazzband, bestehend unter anderem aus Juden, Ausländern und Homosexuellen, gegen die skeptischen Stimmen in Parteiführung und Gessellschaft rechtfertigen zu können, möchte Joyce ihre Bedeutung für die Propaganda in Romanform festhalten lassen und engagiert dafür mit Fritz Mahler einen schweizer Schriftsteller, der fortan versucht, die Geschichte der Musiker in Schriftform zu bringen - ein äußerst schwieriges Unterfangen...
"Mr. Goebbels Jazz Band" basiert auf wahren Begebenheiten. Die Band hat es tatsächlich gegeben, ebenso wie den Radiosender und den Moderator Lord Haw-Haw. In diesem Buch wird allerdings in erster Linie die Geschichte von Fritz Mahler und seiner schwierigen Mission erzählt, eine Art "Bandbiografie" und eine Darstellung der Bedeutung der Jazzband für die deutsche Propaganda im Ausland zu erstellen.
Das Buch ist toll geschrieben, spannend und sprachlich interessant. Es enthält viele interessante Anekdoten und enttarnt in Teilen den Zynismus der nationalsozialistischen Ideologie.
Bis zum Ende des Buches bleibt jedoch unklar, was der Autor eigentlich erzählen möchte - die Geschichte der Band, die Geschichte der Musiker, die Geschichte des William Joyce, die Geschichte Fritz Mahlers oder alles zusammen. "Mr. Goebbels Jazz Band" ist sehr lesenswert, aber der Sinn der ganzen Story erschließt sich mir bis heute nicht und läßt mich mehr verwirrt, denn informiert zurück.

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