Profilbild von raschke64

raschke64

Lesejury Star
offline

raschke64 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit raschke64 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.10.2024

Winterfeldtstraße, 2. Stock

Winterfeldtstraße, 2. Stock
0

Berlin 1923. Charlotte ist im 5. Monat schwanger, als ihr Mann sich das Leben nimmt. Sie kann es nicht fassen und findet nur langsam zurück in die Normalität. Dazu kommen finanzielle Sorgen. Schwanger ...

Berlin 1923. Charlotte ist im 5. Monat schwanger, als ihr Mann sich das Leben nimmt. Sie kann es nicht fassen und findet nur langsam zurück in die Normalität. Dazu kommen finanzielle Sorgen. Schwanger findet sie keine Arbeit, Geld hat sie keins – nur eine große Wohnung. So entscheidet sie sich, die einzelnen Zimmer zu vermieten. Neben ihrem Bruder zieht dessen Freund ein, später findet sie durch Zufall noch Claire und auch Theo. Doch ihr Bruder hält nicht viel von Arbeit und gerät auf die schiefe Bahn und Theo ist auch nicht der, der zu scheinen er vorgibt. Und so hat Charlotte bald neue Sorgen…
Mir hat das Buch gut gefallen. Durch die verschiedenen Untermieter hat Charlotte Zugang zu allen Kreisen. Den ganz armen Menschen, die mit Mühe und Not in Zeiten der Inflation versuchen, irgendwie über die Runden zu kommen. Aber auch in die der Reichen, die die Nächte durchfeiern und für die Berlin gerade in den 1920er Jahren ein billiges Pflaster ist. Der Autorin Johanna Friedrich gelingt es, auch die politischen Probleme dieser Zeit in das Buch einzubauen, ohne dass es langweilig wird oder aufgesetzt wirkt. Man kann die Menschen verstehen, die sich für etwas entscheiden- sei es die Kommunisten, die Sozialdemokraten oder auch die Mitgliedschaft in den sogenannten Ringvereinen oder später in der NSDAP. Die Figuren sind überwiegend sympathisch und man kann ihre Entscheidungen nachvollziehen. Das Leben in dieser Zeit kommt gut rüber, auch die Verwirrungen und die Probleme. Und trotzdem ist es eine gut erzählte Geschichte. Das macht das Buch auf jeden Fall lesenswert und auch eine Fortsetzung würde mir gefallen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.10.2024

Du bist mein Tod

Du bist mein Tod
0

Clarissa hat sich für eine Nacht mit ihrem Kollegen Rafe eingelassen. Sie bereut es praktisch sofort und möchte danach keine Beziehung. Doch Rafe sieht das anders und schickt ihr dauernd Blumen und Geschenke, ...

Clarissa hat sich für eine Nacht mit ihrem Kollegen Rafe eingelassen. Sie bereut es praktisch sofort und möchte danach keine Beziehung. Doch Rafe sieht das anders und schickt ihr dauernd Blumen und Geschenke, lauert ihr überall auf und verfolgt sie. Auf ihr mehrmaliges und energisches „Nein“ hört er überhaupt nicht, sondern macht ihr mehr und mehr Angst. Sie traut sich kaum noch auf die Straße und ist froh, für mehrere Wochen als Geschworene bei einem Gerichtstermin in einer anderen Stadt teilnehmen zu können. Doch bei dem Gerichtsfall handelt es sich um eine Vergewaltigung und belastet Clarissa. Außerdem verfolgt Rafe sie auch bald dort. Dann findet sie heraus, dass eine von Rafes früheren Freundinnen spurlos verschwunden ist. Und nun hat sie noch mehr Angst …

Das Buch ist einer der besten Thriller, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Ich konnte es nicht aus der Hand legen. Die Spannung war nahezu unerträglich und ich war oft versucht, einfach das Ende zu lesen, weil ich es kaum aushalten konnte. Dabei wird vor allem anfangs „nur“ beschrieben, wie der Stalker Rafe eine Frau verfolgt. Sie fühlt sich erst unwohl, dann mehr und mehr bedroht. Dabei macht Rafe anfangs eigentlich nicht so viel. Aber die Beschreibung der Geschenke, der Verfolgung und später der mehr und mehr werdenden Bedrohung ist so subtil und so geschickt auch mit dem Gerichtsprozess verwoben, dass man die mehr und mehr werdende Angst aus jeder Zeile spürt. Auch der Wechsel des Stils: Beschreibung in der Ich-Form, aber auch in der 3. Person im Wechsel mit dem Gerichtsprozess steigern die Spannung. Man kann sich immer in Clarissa hineinversetzen, man spürt ihre Angst, ihre Verzweiflung, später auch ihre Wut und ihre Kraft. Und als Frau möchte man nie in die gleiche Situation kommen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.10.2024

Janusmond

Janusmond
0

Louisson in Südfrankreich im Sommer. Es ist brütend heiß, als der Deutsche Leon Bernberg in den Ort kommt, um seine seit über 10 Jahren verschwundene Zwillingsschwester Lune für tot erklären zu lassen. ...

Louisson in Südfrankreich im Sommer. Es ist brütend heiß, als der Deutsche Leon Bernberg in den Ort kommt, um seine seit über 10 Jahren verschwundene Zwillingsschwester Lune für tot erklären zu lassen. Er stellt es sich ganz einfach vor – nur ein Papier von der Polizei und gut. Doch der Polizist Christian macht es sich nicht so einfach. Er beginnt, nach Lune zu suchen bzw. ihre alten Spuren zu verfolgen. Und verfällt irgendwie mehr und mehr in den Bann dieser sehr eigenartigen Frau. Und auch in den von Christian. Ein paar Tage lässt er ihn sogar bei sich und seiner Familie (Frau und 3 Kinder) leben. Doch mehr und mehr häufen sich eigenartige Vorfälle und dann sterben 2 Männer, die früher viel mit Lune zu tun hatten …

Zuerst an dem Buch aufgefallen ist mir die Gestaltung. Der Schnitt ganz schwarz, der Einband ebenfalls mit nur wenig roter und weißer Schrift. Innen ist es genau umgekehrt – rot überwiegt. Schon hier wird sehr deutlich gemacht, worum es in dem Buch geht. Die zwei Seiten eines Menschen oder eben zwei unterschiedliche Zwillinge oder auch zwei Sicht auf jedes Ereignis. Das zieht sich konsequent durch das ganze Buch. Zuerst kennt man nur die Version von Leon, der von seiner Frau und seinem Freund/Anwalt gedrängt wird, Lune für tot erklären zu lassen, damit sie an ihr Erbe von 8 Millionen kommen. Er verschweigt allerdings, dass die Mutter der Zwillinge, die Lune als Kind immer gequält hat, auf eigenartige Weise gestorben ist. Im Verlaufe des Buches erfährt man einiges aus Sicht von Lune durch ihre Briefe. Und im Fortgang der Geschichte hat man mehr und mehr Zweifel, dass Leon das alles so richtig erklärt hat und welche Rolle er bei dem ganzen spielt. Genau das macht die Spannung des Buches aus. Immer wenn man das Gefühl hat, jetzt klärt sich etwas, ist der nächste Abschnitt schon wieder mit neuen Sachen verwirrend. Man ahnt oder weiß, Leon ist nicht einfach nur der, der er vorgibt (was auch auf einige andere Personen zutrifft), aber man kann ihn nicht fassen. Und genau so geht es auch Christian, der mit seinem Kollegen ermittelt. Erst ganz am Ende gibt es eine zum Teil sehr überraschende Wende und trotzdem schließt das Buch auch wieder nicht völlig ab. Dieses Eigenartige und auch Zwiespältige hat mir gut gefallen. Es ist eben nichts eindeutig schwarz/weiß (oder eben hier schwarz/rot), die Seiten wechseln oft.
Auf eine Fortsetzung mit dem Polizisten Christian oder auf ein ganz anderes Buch der Autorin freue ich mich jedenfalls sehr.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.10.2024

Wiener Totenlieder

Wiener Totenlieder (Ein Carlotta-Fiore-Krimi 1)
0

In der Wiener Oper geschehen Morde. Zuerst trifft es eher mittelmäßige Sänger und Schauspieler – ein Sänger stürzt während des Auftritts von einer Spiegelscherbe seines Konsums erstochen ins Orchester. ...

In der Wiener Oper geschehen Morde. Zuerst trifft es eher mittelmäßige Sänger und Schauspieler – ein Sänger stürzt während des Auftritts von einer Spiegelscherbe seines Konsums erstochen ins Orchester. Dann wird auch die Souffleuse vergiftet und die Angst geht um. Die Polizei kommt nicht wirklich weiter mit den Ermittlungen und so meldet sich Kommissar Hannes Fischer bei Konrad und Lotta und bittet diese, undercover als Statisten in der Oper zu ermitteln. Konrad war früher selbst Polizist und geriet nach dem Verschwinden seiner Tochter völlig aus der Bahn. Lotta ist die Tochter der berühmten Opernsängern Maria Fiora und kennt sich in der Oper bestens aus. Beide haben aber mehr als nur ein privates Problem und so gestalten sich die Ermittlungen auch erst mal schwierig. Zumal das Töten nicht aufhört …
Das Buch lässt mich gespalten zurück. Anfangs bin ich überhaupt nicht in das Geschehen reingekommen, später wurde die Handlung flüssiger und auch besser lesbar. Der Tatort Oper hat mir gefallen, aber die auftretenden Figuren waren mir alle etwas zu überdreht und teilweise nicht sehr realistisch. Die außergewöhnlichen Morde – warum nicht – nette Idee. Aber als dann auch noch Sven die „Bühne“ betritt – vor allem, was er ist/tut – (ich gehe nicht näher ins Detail, um nicht zu viel zu verraten), das erschien mir dann doch des Guten zu viel und zu übertrieben.
Auch die Auflösung am Ende, sicher: einige werden das Ende genial finden, andere – wie ich – viel zu übertrieben.
Alles in allem: ein unterhaltsames Buch, gut zu lesen – aber für mich insgesamt zu viel gewollt und damit über das Ziel hinaus geschossen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.10.2024

Engelsgleich

Engelsgleich
0

In Berlin wird eine grausame Entdeckung gemacht. In einem alten Industriegelände wird die Leiche einer jungen Frau entdeckt. Sicher nicht so ungewöhnlich in einer Großstadt. Doch beim Absuchen des Tatorts ...

In Berlin wird eine grausame Entdeckung gemacht. In einem alten Industriegelände wird die Leiche einer jungen Frau entdeckt. Sicher nicht so ungewöhnlich in einer Großstadt. Doch beim Absuchen des Tatorts werden direkt daneben in alten Abfallgruben 11 weitere Leichen gefunden – alles Kinder, Mädchen und Jungen, gefoltert und verstümmelt. Die Kommissare Kalkbrenner und Muth sind fassungslos und die Ermittlungen gestalten sich schwierig.
Dann ist da noch die Geschichte einer Pflegemutter. Juliane sucht ihre verschwundene Pflegetochter Merle. Niemand nimmt sie Ernst, denn Merle stammt aus schwierigen Verhältnissen und ist nicht zum 1. Mal verschwunden. Während Juliane nicht aufgibt bei ihrer Suche, zerbricht ihre Beziehung daran, sie verliert den Job und alle Freunde.
Zeitgleich geht es um Markus. Er ist ein kleiner Drogendealer und „arbeitet“ sich so nach und nach in der Hierarchie nach oben, verwickelt in die russische Mafia und Cristal Meth aus Tschechien. Und auch hier geschehen grausame Morde.
Martin Krist gelingt es sehr gut, die so unterschiedlichen Handlungen mit viel Spannung zu verknüpfen. Dabei geht es um aktuelle Themen aus dem Bereich (Kinder)Prostitution, Drogenhandel und Entführung. Es geht um Machtkämpfe auf der Straße und innerhalb der Polizei. Die Ermittler sind glaubhaft, normale Leute mit einem normalen Leben. Es gibt einige sehr überraschende Wendungen, einige sind vorhersehbar, aber deshalb nicht weniger gelungen. Was mir besonders gefallen hat, ist der Zusammenhang dieser vielen Themen. Man hat trotzdem nicht das Gefühl, dass hier versucht wurde, alles „reinzupacken“ und unterzubringen. Im Gegenteil – es greift stimmig ineinander. Auch wurde das Ende nicht „rosarot“ verklärt und aufgelöst und es sieht nach einer Fortsetzung der Geschichte aus. Ich würde sie gern lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere