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Veröffentlicht am 18.10.2024

Der eiserne Sommer

Der eiserne Sommer
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1914, der erste Weltkrieg steht bevor – die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. In München hat Kommissär Sebastian Reitmeyer einen Mord aufzuklären. Erst wirkt es wie ein Unfall, doch als ein zweiter ...

1914, der erste Weltkrieg steht bevor – die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. In München hat Kommissär Sebastian Reitmeyer einen Mord aufzuklären. Erst wirkt es wie ein Unfall, doch als ein zweiter Toter hinzukommt, entdeckt die Gerichtsmedizin, dass es der zweite Mord ist. Reitmeyer beginnt zu ermitteln, stößt aber bald an Grenzen, als sich die Aufklärung in Richtung Militär und Pornografie bzw. Homosexualität entwickelt. Denn gegen das Militär darf er per Gesetz nicht vorgehen. Auch der Polizeipräsident teilt ihm offiziell mit, dass er dort nicht tief suchen soll. Inoffiziell allerdings gibt er ihm freie Hand und gleichzeitig die Verantwortung. Doch er darf nicht einmal seinen engsten Kollegen etwas sagen – und so gerät er bei allem, was er tut, selbst in Gefahr – entweder für sein Leben oder dass er die Arbeit verliert, die Kollegen verärgert, nichts entdeckt …

„Der eiserne Sommer“ ist das erste Buch von Angelika Felenda und hat mich positiv überrascht. Natürlich erinnert es – auch wenn es reichlich 10 Jahre früher spielt – an die Berlin-Reihe von Volker Kutscher. Doch es ist nicht einfach nur eine Kopie trotz der Ähnlichkeiten. Felenda ist es gut gelungen, die Zeit kurz vor dem 1. Weltkrieg gut zu beschreiben, die National- und Kriegshysterie, die Sonderrolle des Militärs, die Unterschiede bei der Behandlung von Tätern (Adlige, Bürgerliche, einfach Arbeiter), die Behandlung von Homosexuellen und die nicht immer vorhandene oder genutzte Macht der Polizei. Reitmeyer ist ein sympathischer Kommissär, der etwas wagt, ohne ein „Überheld“ zu sein. Gerade im Privatleben hat er so einige „Defizite“, aber er unterstützt seine Untergebenen. Dem Fall selbst fehlt ein bißchen die Spannung, weil man auch durch den Wechsel zwischen dem Tagebuch des Offiziers und den Ermittlungen von Reitmeyer sehr schnell die Richtung erkennt, auch wenn die Details erst ganz zum Ende offen gelegt werden und es nicht ganz so einfach wird, wie es am Anfang aussieht. Alles in allem aber eine sehr gelungene Zeitbeschreibung verpackt in einen historischen Krimi. Den 2. Fall von Reitmeyer würde ich auf jeden Fall wieder lesen.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Koma

Koma
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Es geschieht ein Mord nach dem anderen – immer an Stellen, an denen vor Jahren schon Morde geschehen sind, die nie aufgeklärt wurden. Immer sind die neuen Morde in gleicher Art wie die alten. Der Unterschied ...

Es geschieht ein Mord nach dem anderen – immer an Stellen, an denen vor Jahren schon Morde geschehen sind, die nie aufgeklärt wurden. Immer sind die neuen Morde in gleicher Art wie die alten. Der Unterschied besteht nur darin, dass bei den neuen Morden die Opfer Polizisten sind. Dazu liegt im Krankenhaus ein Mann im Koma. Er wird streng bewacht, doch keiner weiß, warum, wer er ist. Und ob er mit den Morden etwas zu tun hat. Eine Sonderkommission beginnt die Ermittlungen, tritt aber bald auf der Stelle. Zum einen wegen fehlender Ergebnisse, zum anderen, weil sie von den Vorgesetzten auch teilweise ausgebremst ist, denn diese haben nur wenig Interesse an den Ergebnissen. Die Ermittler bedauern, dass Kommissar Harry Hole nicht mehr bei der Polizei ist. Sie wollen ihn überreden, seine Lehrtätigkeit aufzugeben. Doch er lehnt ab …

Nach den Lobeshymnen hatte ich ein tolles Buch erwartet, sozusagen einen Kracher. Doch ich wurde enttäuscht – jedenfalls, was das 1. Buchdrittel angeht. Viele Personen werden vorgestellt, es passiert auch sehr viel und doch plätschert alles irgendwie vor sich hin. Ich war teilweise etwas gelangweilt und wünschte mir insgeheim, dass hier ein paar mehr Straffungen gekommen wären. Harry Hole – der „Star“ der Staffel – kommt fast nicht vor. Erst ab dem 2. Drittel ändert sich das. Hier geht das Geschehen vorwärts, es wird ein Verdächtiger nach dem nächsten präsentiert, die Ereignisse greifen ineinander und auch wieder nicht. Ab hier wird das Buch wieder zur gewohnten Qualität, die man allein schon durch die Vorgängerbücher erwarten kann. Ab hier wird die Spannung immer dichter und man kann nicht mehr aufhören zu lesen. Daher meine Empfehlung: unbedingt lesen und sich von dem schwächeren Anfang nicht abhalten lassen.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Unter allen Beeten ist Ruh

Unter allen Beeten ist Ruh (Ein Pippa-Bolle-Krimi 1)
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Pippa ist nach der Trennung von ihrem untreuen Mann zurück in Berlin und lebt bei ihrer Familie. Sie arbeitet als Übersetzerin, hat aber in ihrem Wohnviertel keine Ruhe für die schwierigen Übersetzungen. ...

Pippa ist nach der Trennung von ihrem untreuen Mann zurück in Berlin und lebt bei ihrer Familie. Sie arbeitet als Übersetzerin, hat aber in ihrem Wohnviertel keine Ruhe für die schwierigen Übersetzungen. Also nimmt sie das Angebot dankbar an und zieht für ein paar Wochen um nach Schreberwerder. Das ist eine kleine Insel mit 12 Gartenparzellen in der Havel. Sie wird begeistert aufgenommen von den dortigen Bewohnern – jedenfalls von den meisten. Denn auf der Insel herrscht eine Art „Krieg“. Einer – Schlamm-Lutz – will alle Parzellen aufkaufen und hat dazu mehr als rüde Mittel. Er will ein großes Hanf-Hotel hinbauen. Doch die anderen Bewohner wollen das nicht und wehren sich nach Kräften. Aber Schlamm-Lutz kauft eine Parzelle nach der anderen – bis die erste Tote gefunden wird …

Das Buch ist der Auftakt einer Reihe um die Haussitterin Pippa, die eher zufällig an Kriminalfälle gerät und mehr durch ihre Neugier und durch Insiderwissen bei der Aufklärung der Fälle hilft. Es ist kein reiner Krimi, eher eine Krimikomödie. Die Figuren – allen voran Pippa – sind teilweise skurril oder komisch, die Dialoge oft witzig. Man ahnt zwar sehr schnell, wer der Täter sein könnte, aber das tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Denn irgendwie kommen „um die Ecke“ immer noch neue Sachen zum Vorschein und über allem liegt eine schöne Art Ironie, die die fehlende Spannung ersetzt. Nichts für eingefleischte Thriller- oder Krimifans, aber wunderbare Unterhaltung.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Sommer der Wahrheit

Sommer der Wahrheit
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Sommer der Wahrheit von Nele Neuhaus ist der erste Teil ihrer Sheridan Grant Trilogie. Anfangs hat sie die Bücher unter dem Pseudonym Nele Löwenberg geschrieben. Doch zum erscheinen ihres neusten und den ...

Sommer der Wahrheit von Nele Neuhaus ist der erste Teil ihrer Sheridan Grant Trilogie. Anfangs hat sie die Bücher unter dem Pseudonym Nele Löwenberg geschrieben. Doch zum erscheinen ihres neusten und den dritten Teils hat man sich entschieden auch die ersten beide Teile neuaufzulegen und dies unter dem Namen Neuhaus. Ich kenne Nele Neuhaus hauptsächlich durch ihre Taunus Krimis aber auch diese Buch hat sich gut lesen lassen. Es ist ein unterhaltsamer Roman der tiefgründig ist und geheime Familiengeheimise offenbart.

1994 Sheridan lebt bei ihrer Adoptivfamilie auf einer Farm in Nebraska. Während sie von ihrem Vater geliebt wird sie umso mehr von ihrer Adotivmutter gehasst. Diese führt ein strenges Regime auf der Farm und behandelt Sheridan alles andere als freundlich. Auch einer ihrer Brüder misshandelt Sheridan und attackiert sie immer wieder. Sheridan flieht daraufhin immer wieder aus dem Haus um ihren Frieden zu finden. Dabei stößt sie auf ein altes Geheimnis rund um ihre verstorbene Mutter und ihrer Adoptiveltern.

Der Schreibstil ist gewohnt flüssig und leicht. Ich bin gut in die Geschichte rein gekommen. Ich konnte mir die Farm und die Umgebung sehr gut vorstellen. Auch die Protagonisten sind sehr authentisch beschrieben. So hat man mit Sheridan gelitten und gefiebert. Durch die verschiedensten Situationen und Gegebenheiten wird ein hoher Spannungsbogen aufgebaut und auch gehalten.

Das Buch ist tiefgründig und auch Sheridans leben ist alles andere als einfach. Sie macht einiges durch, wenn man ihr Alter betrachtet fand ich dies teilweise aber sehr konstruiert und unrealistisch. Einerseits ist sie etwas naiv und unbedarft auf der anderen Seite wirkt sie sehr reif und erfahren. Was mir auch nicht gefallen hat war ihre ziemlich häufigen und sehr extremen sexuellen Aktivitäten. So hat sie mit 15-17 Jahren mehrere Affären und benutzt ihr gutes Aussehen um älteren Männern den Kopf zu verdrehen. Dies ist für meinen Geschmack völlig unnötig und auch unpassend. Für mich wäre das Buch auch gut ohne die Bettgeschichten ausgekommen.

Nele Neuhaus hat hier eine Geschichte rund um Erniedrigung, altmodische Ansichten, Familiengeheimise und doch auch Liebe geschrieben. Auch wenn ich einiges zu konstruiert und zu unwahrscheinlich fand, hat mich das Buch doch gut unterhalten und auch berührt.

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Veröffentlicht am 18.10.2024

Der Klang der Lüge

Der Klang der Lüge
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Frankreich, 1308, in den Pyrenäen. Alissende ist ca. 18 Jahre alt und hat schon ein bewegtes Leben hinter sich. Von ihrer leiblichen Mutter im Wald ausgesetzt und als Wechselbalg beschrieben, wird sie ...

Frankreich, 1308, in den Pyrenäen. Alissende ist ca. 18 Jahre alt und hat schon ein bewegtes Leben hinter sich. Von ihrer leiblichen Mutter im Wald ausgesetzt und als Wechselbalg beschrieben, wird sie von Sybilla – einer abtrünnigen Jüdin – gefunden, aufgezogen und auch christlich getauft. Sie ist 9, als Sybilla stirbt und Sybillas jüdische Familie nimmt sie als Magd in Paris auf. Doch Anfang des 14. Jahrhunderts vertreibt der König die Juden aus dem Land, sie werden verfolgt und Alissende fliegt zusammen mit den 2 Söhnen der Familie. Halb verhungert kommen sie in Seriol, einem kleine Pyrenäendorf, an. Für Alissende kommt es ihr vor, als wäre sie im Paradies gelandet. Es gibt Essen, die Menschen sind freundlich und hilfsbereit – eine richtige Idylle. Leider nicht für lange, denn die Menschen hängen dem Glauben der Katharer an und werden damit bald auch zu Verfolgten. Wärend Alissendes Begleiter rechtzeitig fliehen, will sie im Dorf und bei ihrer großen Liebe Simon, dem Schäfer, bleiben …

Das Buch spielt in der Zeit nach der massiven Katharerverfolgung. Während noch rund 50 Jahre vorher die Menschen sehr gequält und sofort verbrannt wurden, geht es jetzt ein wenig „menschlicher“ zu. Die Leute kommen ins Gefängnis, doch es wird bei weitem nicht mehr so oft gefoltert und es kommen sogar Menschen frei, obwohl man weiß, dass sie den Katharern zumindest nahestehen. Trotzdem werden viele für ihren Glauben verfolgt und die Kirche spielt dabei eine sehr unrühmliche Rolle. Nicht der Glauben steht im Vordergrund, sondern oft die persönliche Bereicherung. Das Buch ist gut lesbar und beschreibt eine Zeit, die sonst nicht oft in Büchern vorkommt. Manche Figuren sind ein wenig zu schwarz/weiß gezeichnet und wirken dadurch ein wenig „platt“ und auch einige Klischees werden nicht ausgelassen. Dadurch wirken einige Entscheidungen ein bißchen zu weit hergeholt. Auch die Dialoge sind manchmal zu „modern“ und Alissendes Entwicklung von einer halb verhungerten Magd zu einer doch sehr emanzipierten Frau ist nicht immer ganz nachvollziehbar. Doch alles in allem ist es ein guter historischer Roman, der diese Zeit interessant beschreibt und sich gut „wegliest“.

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