Profilbild von raschke64

raschke64

Lesejury Star
offline

raschke64 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit raschke64 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.10.2024

Gebete für die Vermissten

Gebete für die Vermissten
0

Mexiko, heute, unweit von Acapulco mit schönem Strand und vielen Touristen gibt es einen kleinen Berg im Wald. Dort wohnen nur Frauen. Ihre Männer sind in die USA gegangen, um Arbeit zu finden. Anfangs ...

Mexiko, heute, unweit von Acapulco mit schönem Strand und vielen Touristen gibt es einen kleinen Berg im Wald. Dort wohnen nur Frauen. Ihre Männer sind in die USA gegangen, um Arbeit zu finden. Anfangs kommen sie ab und zu zurück, später schicken sie vielleicht etwas Geld, aber bald suchen sie sich dort eine neue Familie und die Frauen in Mexiko müssen zusehen, wie sie durchkommen. Dazu kommt noch, dass dort „offiziell“ nur Jungen geboren werden. Die Mädchen werden als kleine Kinder wie Jungen aufgezogen und angezogen. Sobald sie älter sind, werden sie hässlich gemacht. Sobald in der Ferne die Autos der Drogendealer und Menschenhändler gesehen werden, kriechen die Mädchen in gegrabene Erdlöcher und hoffen, dass sie nicht entdeckt werden. Trotzdem werden immer wieder welche entführt, vergewaltigt und getötet. Es ist ein Leben in ständiger Angst …

„Gebete für die Vermissten“ ist ein ganz starkes Buch. Der Inhalt ist brutal, wenn man sich vorstellt, dass es dort normal ist, wenn jemand getötet wird, dass die Mütter sich unheimlich viel einfallen lassen müssen, um ihre Familien durchzubringen, um die Töchter zu retten. Und das alles passiert heute, nur wenige Kilometer von einer großen bekannten Stadt entfernt. Und die Polizei schaut im besten Fall zu, meistens machen sie noch mit. Die Drogendealer kommen frei, kleine Leute, die sich versuchen zu wehren, ins Gefängnis. Umso mehr muss man die Frauen bewundern, die in solchen Extremsituationen doch noch so etwas wie Leben versuchen.

Trotz dieses beklemmenden Inhalts ist das Buch aber gut zu lesen und sehr berührend. Es wird gezeigt, wie viel Freundschaft und Hilfe ausmachen kann und wieviel Menschen – in dem Fall fast ausschließlich Frauen – aushalten können und müssen und trotzdem weitermachen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.10.2024

Der Palast der Borgia

Der Palast der Borgia
0

Sarah Dunant beschreibt die Geschichte der Familie Borgia von der Zeit der Papstwahl an bis zur 3. Verheiratung von Lucrezia. Das meiste spielt sich in Rom ab im dortigen Palast. Alle bekannten Figuren ...

Sarah Dunant beschreibt die Geschichte der Familie Borgia von der Zeit der Papstwahl an bis zur 3. Verheiratung von Lucrezia. Das meiste spielt sich in Rom ab im dortigen Palast. Alle bekannten Figuren der Geschichte „treten auf“. Alle wichtigen Entscheidungen werden benannt, alle Skandale erwähnt. Die Autorin versucht, die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft in das Buch einzuarbeiten. Manche Erklärungen, warum heute was gedacht wird oder wie welches Gerücht entstanden ist, sind gut gelungen. Manche sind Auslegungssache. Im Anhang kündigt sie an, eine Fortsetzung zur weiteren Geschichte der Borgias schreiben zu wollen.
Insgesamt allerdings muss ich sagen, dass ich schon mehrere Bücher über die Borgias gelesen habe und auch eine der Serien im letzten Jahr dazu gesehen habe. So gab das Buch inhaltlich für mich kaum Neues preis. Es war gut zu lesen, ich kam relativ schnell vorwärts und es war nicht langweilig. Allerdings für mich auch nicht wirklich sehr interessant. Die Autorin schreibt ÜBER die Borgias und genau deshalb konnte ich keine der Figuren irgendwie als persönlich empfinden oder eine Beziehung dazu aufbauen. Es war wie eine schöne Geschichte aus ferner Zeit. Zum Teil auch etwas märchenhaft. Wer sich bisher kaum mit den Borgias beschäftigt hat oder wer ein absoluter Fan historischer Romane, wird dieses Buch mögen. Allen anderen geht es vielleicht wie mir: das Buch ist gut lesbar, aber es bleibt nicht wirklich im Gedächtnis haften als etwas besonderes. Es ist ausgeschmückte mittelalterliche Geschichte. Das ist an sich nicht schlecht, aber mir persönlich zu wenig.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.10.2024

Waidmannstod

Waidmannstod
0

Kommissar Daniel Voss kehrt nach dem Tod seines Vaters zurück in die Heimat, und zwar in die Mark Brandenburg. Er kommt in seinem alten Zuhause unter und wohnt im Kinderzimmer. Seine Mutter ist pflegebedürftig ...

Kommissar Daniel Voss kehrt nach dem Tod seines Vaters zurück in die Heimat, und zwar in die Mark Brandenburg. Er kommt in seinem alten Zuhause unter und wohnt im Kinderzimmer. Seine Mutter ist pflegebedürftig und wird von der Polin Maja betreut. Voss kommt sich etwas komisch vor, als er Chef der Mordkommission wird und in seinem „Heimatwald“ nach einer Jagd ein Toter entdeckt wird. Bestialisch zugerichtet. Die Ermittlungen gehen bald in Richtung Waldverkäufe, um dort Windkraftanlagen zu errichten. Nicht alle sind damit einverstanden. Und bald gibt es einen 2. Toten – den Landrat. Auch er scheint wohl in die Verkäufe und die Windkraft“mafia“ verwickelt zu sein. Bei den Ermittlungen hat Voss einen Verdächtigen nach dem anderen, doch er kommt nicht recht vorwärts…
Der 1. Fall von Kommissar Voss hat mir gut gefallen. Voss ist ein Kommissar mit einigen Macken, mit Ecken und Kanten – trotzdem nicht übertrieben dargestellt. Er ist eigentlich ein Einzelgänger und muss jetzt erst lernen, als Chef für ein Team zuständig zu sein. Zumal ihm sein direkter Untergebene ziemlich nervt. Auch zu Hause hat er es nicht leicht mit seiner Mutter und Maja ist auch ziemlich neugierig und würde ihm gern helfen. Das Buch ist ein ganz solider Krimi. Mord – Ermittlungen – Irrtum – weitere Ermittlungen. Es ist gut geschrieben und macht Spaß beim Lesen. Auch durch die Figur Maja. Die Spannung hält sich etwas in Grenzen, weil auch oft ziemlich weitläufig über Brandenburg und die Menschen berichtet wird. Mir hat das allerdings gut gefallen, weil es wirklich die Realität abgebildet hat, ohne größere (Be)Wertungen bzw. Verurteilungen. Das Ende ist, was den Mörder angeht, nicht völlig überraschend, das Motiv jedoch sehr.
Zusammenfassend ist es für mich ein gutes Buch, was ich uneingeschränkt weiterempfehlen würde. Ich freue mich schon auf den (hoffentlich bald erscheinenden) 2. Fall.
Teilen

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.10.2024

Asphaltengel

Asphaltengel
0

Finnland in der Gegenwart. Eigentlich eine fast ganz „normale“ Familie: Mutter, Vater und 2 Töchter. Nur der Vater ist aus dem Maghreb eingewandert und Muslim. Die Mutter ist Finnin und zum Islam übergetreten. ...

Finnland in der Gegenwart. Eigentlich eine fast ganz „normale“ Familie: Mutter, Vater und 2 Töchter. Nur der Vater ist aus dem Maghreb eingewandert und Muslim. Die Mutter ist Finnin und zum Islam übergetreten. Mehr und mehr entwickelt sie sich zu einer fanatischen Muslima, die viel strenger als der Vater die Gebote des Koran einhält und auch überwacht. Alles wird verboten: Fernsehen, die Familienfotos aus früheren Zeiten, Bekleidung … Die Töchter leiden sehr unter den vielen Verboten und dem Streit zwischen den Eltern. Die ältere Samira zieht mit 18 aus. Die jüngere Leila erlebt das Drama zu Hause und in der Schule – zu Hause die strenge Mutter, in der Schule die Ausgrenzung, weil sie anders aussieht, andere Sachen trägt, nicht „in“ ist.
Asphaltengel werden muslimische Mädchen genannt, die an ihrer Familie oder der Umwelt zerbrechen und sich dann irgendwo herunterstürzen. Und auch Samira scheint so ein Asphaltengel zu sein, als sie am Fuße einer Treppe schwerverletzt gefunden wird …
Das Buch hat mich beeindruckt. Ich habe es fast in einem Zug durchgelesen und dann erschrocken festgestellt, wie sehr ich darüber die Zeit vergessen habe. Dabei ist der Inhalt einesteils schockierend in der Brutalität der Jugendlichen untereinander, in der Ausgrenzung, teilweise dem Hass. Auf der anderen Seite beschreibt es aber – ohne erhobenem Zeigefinger – wunderbar die Probleme, die zwischen den unterschiedlichen Kulturen entstehen, die Probleme die junge (nicht nur) muslimische Mädchen beim Aufwachsen haben. Der Spagat zwischen ihrer Religion und den Anforderungen zu Hause und der modernen europäischen Welt mit der Offenheit und den anderen Sitten in der Gesellschaft, bei Freunden, in der Schule. Es wirbt für viel mehr Toleranz und Verständnis und sollte von vielen – auch jungen Leuten – gelesen werden.
Gestört hat mich nur, dass viele Ansprachen in Finnisch oder Arabisch waren und man umständlich im Glossar nachsehen musste. Dabei waren sehr viele dann Flüche oder Fäkalsprache, so habe ich das Nachschauen oft gelassen.
Davon abgesehen war es aber ein wirklich sehr gutes Buch.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.10.2024

Sturmtöchter

Sturmtöchter
0

Australien 1945 in einen kleinen Ort lebt die Familie Partridge. Rupert Partridge ist Maler, der nach dem Krieg allerdings so einige Probleme hat. Bei einer Ausstellung lernt er Ginger kennen. Sie ist ...

Australien 1945 in einen kleinen Ort lebt die Familie Partridge. Rupert Partridge ist Maler, der nach dem Krieg allerdings so einige Probleme hat. Bei einer Ausstellung lernt er Ginger kennen. Sie ist 16 und kommt aus einer schwierigen Familie. Die Mutter bekommt ein Kind nach dem anderen, der Vater ist entweder nicht da oder schlägt sie. Ginger bekommt von Rupert das Angebot, für ihn als Modell zu arbeiten. Sie geht darauf ein, um ihre Mutter mit dem Geld zu unterstützen. Bei Fam. Rupert wird sie erst gar nicht nett aufgenommen. Die beiden anderen Modells (alle drei werden „Flowers“) genannt sind etwas abweisend, die Frau des Malers eher neutral, die Tochter Shalimar ein völlig verwöhntes Kind. Und dann gibt es noch die eigenartige Puppenmacherin im Wald und deren Tochter. Dann wird Shalimar ermordet und Rupert für die Tat gehenkt.
Australien in der Gegenwart: Elizabeth ist Fotografin und die Enkelin von Rupert. Für einen Bildband fährt sie zum Haus ihres Großvaters und trifft dort auf Ginger. Doch die will nichts von den alten Zeiten und Rupert erzählen …

Das Buch liest sich sehr gut, es ist interessant geschrieben. Eine Familiengeschichte – etwas anders. Die Zeit um 1945, wo ein Künstler noch verrufen war, besonders wenn er mit Aktmodellen arbeitete. Die Zeit, als diese Modell als „leichte Mädchen“ verschrien waren. Die Zeit kurz nach dem 2. Weltkrieg. Alles wird gut beschrieben. Man kann sich richtig reinversetzen. Das Geschehen um die Familie baut sich nach und nach auf, die Spannung steigt an. Auch durch den Wechsel von 1945 zur Gegenwart. Man will unbedingt wissen, was damals passiert ist, warum Rupert seine Tochter ermordet hat. Was Ginger damit zu tun hat. Die Auflösung dann hat mich allerdings erstaunt und enttäuscht und erschien mir nicht realistisch, vor allen mit den nachfolgenden Folgen und Ereignissen. Glaubhaft ist dann wieder, wie das in die Gegenwart hineingewirkt hat.
Insgesamt ein gut lesbares Buch, das neben „nur“ Unterhaltung auch viele Einblicke in die Zeit von 1945 in Australien gibt. Wer Familiengeschichten mag, dem wird das Buch gefallen. Allerdings hat es noch Potential nach oben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere