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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.05.2019

Lügen

Am Ende wird einer die Nerven verlieren
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Der Titel des Buches erschien mir etwas lang, auch die Formulierung war irgendwie komisch für einen Krimi, fand ich. Nach der Lektüre passt er allerdings gut zum Buch, den letztendlich hat jemand die Nerven ...

Der Titel des Buches erschien mir etwas lang, auch die Formulierung war irgendwie komisch für einen Krimi, fand ich. Nach der Lektüre passt er allerdings gut zum Buch, den letztendlich hat jemand die Nerven verloren und das mit schlimmen Folgen.

Mit diesen Folgen bekommen es dann die Kommissare Arnstedt, Freiwald und Gutbrot zu tun. Erstere sind schon länger Kollegen und Freiwald weiß inzwischen gut mit seinem grantigen Chef umzugehen. Monika Gutbrot kommt durch den aktuellen Fall zu den Ermittlungen und muss nun mit dem ständig übelgelaunten Arnstedt zurechtzukommen.

Die Figuren des Krimis sind mal was anderes, in Teilen dann aber doch ein wenig stereotyp. Gerade die Figur des Kommissar Arnstedt hat mich manchmal total genervt mit seiner Art, ich hätte mir da von den anderen Figuren mehr Kontra gewünscht. Das Zusammenspiel der Personen wäre dadurch vielleicht spannender geworden.

Mit der Spannung geht es im Buch eher langsam voran. Es gibt gleich zu Beginn einen Bombenanschlag auf einen Möbelfabrikanten, der nach Aussage Aller ein Heiliger gewesen zu sein scheint und keinerlei Feinde hatte. Langsam und stetig kommen die Ermittler aber auch hier den Hintergründen auf die Spur, während der Täter dem Opfer immer näher kommt, um seine Arbeit zu beenden.

Die Geschichte kommt nicht nervenaufreibend und blutrünstig daher, eher hintergründig und subtil. Der Leser blickt, auch durch die spezielle "Verhörtechnik" von Kommissar Arnstedt, hinter die Kulissen der gutbürgerlichen Familie. So erfahren wir Leser, was eine Ehefrau so alles tut, aus Langeweile, oder um die Aufmerksamkeit ihres Gatten zu erhalten, und welche Folgen aus einer "Notlüge" erwachsen können, wenn man sie in ein labiles Hirn pflanzt.

Solider Krimi für ein kurzweiliges Wochenende.

Veröffentlicht am 21.04.2019

Man sollte vorbereitet sein

Die Bach runter
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Auf dem Cover des Buches sieht alles sehr idyllisch aus. Grasende Schafe in der Abenddämmerung. Die etwas düsteren Wolken lassen allerdings erahnen, dass es mit der Idylle wohl nicht weit her ist. Ein ...

Auf dem Cover des Buches sieht alles sehr idyllisch aus. Grasende Schafe in der Abenddämmerung. Die etwas düsteren Wolken lassen allerdings erahnen, dass es mit der Idylle wohl nicht weit her ist. Ein Wanderschäfer ist der Erste, dem das auffällt, denn er findet nahe seines Schäfer-Wagens ein Baby, abgelegt in der warmen Asche eines Lagerfeuers.

Die Suche nach der Mutter ist der Einstieg, für den Leser und Kommissar Bär, in die sogenannte Prepper Szene. Prepper sind Personen, die sich für den Fall wappnen, dass die Zivilisation den sprichwörtlichen Bach runter geht.

Die Autorin gibt Einblick in diese Szene, die ich bisher nur aus den USA kannte. Die Verbindung zwischen den Preppern im Buch, zum gefundenen Baby vom Anfang und zwei inzwischen aufgetauchten Leichen bleibt lange unklar. Der Kommissar und seine Freundin, die frei Journalistin Roberta, werden davon aber ziemlich auf Trab gehalten.

Die Geschichte ist spezieller, mal was Anderes, aber vielleicht nicht immer ganz nachvollziehbar in den Motiven. Gerade wenn es um die Vorgeschichte des Babys geht.
Die Figuren sind gut charakterisiert. Der Leser hat gleich Tendenzen zu Gut und Böse, obwohl die Grenzen da nicht immer ganz klar sind. Der Fall wird spannend erzählt, aufgelockert durch Einblicke in das Privatleben des Kommissars und sein aktuelles Chaos in Liebesdingen. Ich mag es immer ganz gern, wenn in einem Krimi auch der familiäre Hintergrund der Ermittler seinen Platz hat. Es macht die Figuren glaubwürdig und gibt ihnen Substanz.

Gut gemachter Krimi, zu gleich zwei Interessenten und aktuellen Themen, aus dem Emons Verlag.

Veröffentlicht am 21.04.2019

Zurück in Zons

Sündenkammer: Thriller
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Ich habe die ersten Zeilen gelesen und war wieder in Zons.


In Zons 1500, wo Bastian Mühlenberg Probleme mit der Arbeitsmoral der Soldaten der Stadtwache hat, und anscheinend Geister auf dem Friedhof ...

Ich habe die ersten Zeilen gelesen und war wieder in Zons.


In Zons 1500, wo Bastian Mühlenberg Probleme mit der Arbeitsmoral der Soldaten der Stadtwache hat, und anscheinend Geister auf dem Friedhof ihr Unwesen treiben. Als am nächsten Morgen ein toter Knabe gefunden wird, ist zwar klar wer der Geist gewesen ist, aber nicht warum und woran er starb.
Im Zons der Gegenwart geht ebenfalls die Angst um. Ein Unbekannter entführt Frauen, um sie wie Hexen auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen. Hier steht Oliver Bergmann vor der schwierigen Aufgabe den Täter zu fassen.

Die Autorin schafft es wieder wunderbar, die verschiedenen Zeitebenen miteinander zu verknüpfen. Immer abwechselnd folgt der Leser dem Geschehen im Heute und in der Vergangenheit. Beide Handlungsstränge haben auf den ersten Blick keinerlei Berührungspunkte, außer dem Ort. Im Verlauf der Geschichte werden dann aber doch Zusammenhänge erkennbar, die beide Zeitebenen am Ende zusammen führen.

Obwohl jede Zeit für sich eine eigenständige Geschichte erzählt, gibt es keine harten, oder störenden Übergänge. Die Wechsel von einer Zeit zur Anderen sind immer so gewählt, dass man nicht aus der Geschichte herausgerissen wird. Verbindendes Detail zwischen Gegenwart und Vergangenheit ist die Sünde. Heute wie Damals ist der Täter der Meinung, es wäre seine Aufgabe die Sünden zu ahnden und die Opfer zu bestrafen. Was ihre Sünde ist, liegt dabei ganz in seinem Ermessen.

Die Bücher um die Stadt Zons sind als Reihe angelegt und es gibt schon einige Vorgänger. Man kann die Bücher durchaus auch unabhängig voneinander lesen. Vorkenntnisse zu einem Detail, dass sich durch die kompletten Bücher zieht, erklären den Umstand, warum die Geschichte in Vergangenheit und Gegenwart aufgespalten ist. Hat man diese nicht gleich, tut das meiner Meinung nach, dem Lesevergnügen keinen Abbruch.

Veröffentlicht am 21.04.2019

Ermittlung in Serie

Ostseeangst
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Mit Ostseeangst liefert die Autorin bereits den 14. Fall um ihre Ermittlerin Pia Korittkis von der Lübecker Mordkommission. Ich kannte die Bücher bisher noch nicht, bin aber auch ohne Vorkenntnisse gut ...

Mit Ostseeangst liefert die Autorin bereits den 14. Fall um ihre Ermittlerin Pia Korittkis von der Lübecker Mordkommission. Ich kannte die Bücher bisher noch nicht, bin aber auch ohne Vorkenntnisse gut durch die Geschichte gekommen.


Im aktuellen Fall findet eine Gruppe Jugendliche während eines Ausflugs, eine abgetrennte Hand in den Resten eines Lagerfeuers. Kurz danach verschwindet die Betreuerin der Gruppe spurlos, und bei ihrer Suche stolpert die Kommissarin über eine Drogenplantage in einer alten Scheune.

Die Autorin beschreibt die verschiedenen Handlungsstränge, die sich alle irgendwie um eine Familie drehen, sehr spannend. Der Leser kann die teils schwierigen Ermittlungen verfolgen, genauso wie die Unstimmigkeiten innerhalb verschiedener Polizeiabteilungen, die nun gezwungenermaßen zusammen arbeiten müssen. Zwischendurch ist da auch noch das Gefühlschaos der Kommissarin zu spüren, die noch immer nicht den Tod ihres Freundes überwunden hat, und ihr schwieriger Spagat zwischen Familie und Beruf.

Das Buch ist sehr vielschichtig, die Autorin öffnet gleich mehrere Schauplätze, ohne genau zu verraten, ob und wie das Ganze in Verbindung zueinander steht. Sie macht das sehr geschickt, ohne das es dem Leser zu unübersichtlich wird. Man wird förmlich zum Spekulieren eingeladen, um am Ende doch wieder überrascht zu werden. Es ist spannend zu lesen, wie sich alle Puzzleteile zu einem Bild formen.

Einen wichtigen Anteil am funktionieren der Geschichte haben die speziellen, aber absolut glaubhaften Nebencharaktere. Hier hat die Autorin ganze Arbeit geleistet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Spannung
  • Erzählstil
  • Figuren
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 28.03.2019

Was weiß ich wirklich über meine Nachbarn

Mordsirrtum
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Die Autorin hat schon im Vorfeld darauf hingewiesen, dass es sich bei ihrer Geschichte nicht um einen klassischen Krimi handelt. Es gibt zwar einen kriminalistischen Hintergrund, einen Einbruch und den ...

Die Autorin hat schon im Vorfeld darauf hingewiesen, dass es sich bei ihrer Geschichte nicht um einen klassischen Krimi handelt. Es gibt zwar einen kriminalistischen Hintergrund, einen Einbruch und den verschwundenen Mieter der betroffenen Wohnung, aber keine Aufklärung des Verbrechens, wie man es sonst liest. Der Leser folgt Nachbarin Ellen, der durch die Befragung der Polizei bewusst wird, wie wenig sie eigentlich über die anderen Bewohner des Mehrparteienhauses und des Wohnblocks weiß. Beim Versuch mehr über die Nachbarschaft zu erfahren, geht sie etwas ungewöhnliche Wege. Sie setzt aus vielen kleinen Puzzelteilchen ein vollkommen neues Gesamtbild ihres Kiezes zusammen.


Der Leser lernt nur wenige Personen der Nachbarschaft persönlich kennen. Meist treten sie in Erscheinung, wenn sie im Gespräch mit Ellen ihr Wissen über die Nachbarn teilen. Allen Anderen begegnet man nur über die beim Kaffee, oder auf der Straße ausgetauschten Informationen. Ellen entwickelt dabei einen großen Ehrgeiz und sammelt immer mehr Klatsch und Tratsch, sehr zum Leidwesen ihres Mannes.
Bei den vielen, nur namentlich auftauchenden Personen habe ich das ein oder andere Mal den Durchblick verloren. Es fiel mir schwer die Informationen der jeweiligen Person zuzuordnen. Die Hauptfigur Ellen und ihr Ehemann werden sehr präzise und nachvollziehbar in ihrem Wesen und ihrem Tun beschrieben.

Die Autorin zeigt ein gutes Auge für Zwischenmenschliches. Die Beschreibung der Beziehung und Interaktion in einem relativ beschränktem Umfeld sind treffend und realitätsnah. Am Ende fragt man sich, wie viel weiß ich eigentlich von den Menschen mit denen ich Tür an Tür wohne, die ich täglich durch das Fenster beobachte, oder vom Balkon aus grüße. Interessiert es mich wirklich, wie die Anderen leben, oder will ich möglichst meine Ruhe? Wie aktiv bin ich in den Mikrokosmos meiner Nachbarschaft eingebunden? Könnte einer meiner Nachbarn ein Verbrecher sein?