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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.01.2026

Wenn verdrängte Wut zur Explosion wird

Lisa Heynrichs: Die Mauern um uns
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In diesem spannungsreichen Kriminalroman verbindet die Autorin die klassische Suche nach dem Täter mit psychologischer Tiefenschärfe. Nach einem Nagelbombenanschlag liegt die Wahrheit lange im Verborgenen: ...

In diesem spannungsreichen Kriminalroman verbindet die Autorin die klassische Suche nach dem Täter mit psychologischer Tiefenschärfe. Nach einem Nagelbombenanschlag liegt die Wahrheit lange im Verborgenen: Wer steckt hinter dem Attentat, welches Motiv treibt ihn an?

Allmählich enthüllen sich die Verbindungen zwischen scheinbar unbeteiligten Menschen, deren Lebenswege von Ausgrenzung, Verletzungen und verdrängter Wut gezeichnet sind. Wie diese Schicksale mit dem Anschlag zusammenhängen, bleibt lange rätselhaft.

Erzählt wird der Roman aus zwei Perspektiven – aus der des Täters und der eines Erzählers –, was der Handlung eine besondere Spannung und Intensität verleiht.

Zwar bildet die Aufklärung des Nagelbombenattentats den Kern der Geschichte, im Zentrum steht jedoch eine weiterreichende Frage: Wie geht eine Gesellschaft mit Ausgrenzung, Angst und Radikalisierung um?

Ein anspruchsvoller Kriminalroman – und eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 18.12.2025

Dunkle Geheimnisse, ein brillanter Ermittler und ein Netz aus Macht und Mord. „

Der Kurator
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Durch einen Zufall wurde ich auf M. W. Craven aufmerksam – ein Zufall, der sich schnell als echter Glücksgriff erwies. Der Gourmet hat mich derart in seinen Bann gezogen, dass ich unmittelbar danach zum ...

Durch einen Zufall wurde ich auf M. W. Craven aufmerksam – ein Zufall, der sich schnell als echter Glücksgriff erwies. Der Gourmet hat mich derart in seinen Bann gezogen, dass ich unmittelbar danach zum nächsten Band griff. Ein deutlicheres Lob kann man einem Thriller kaum aussprechen.

Craven versteht es hervorragend, von der ersten Seite an eine dichte Spannung aufzubauen und sie bis zum Schluss unnachgiebig zu halten. Die Handlung ist klug konstruiert, voller raffinierter Wendungen und entzieht sich immer wieder den Erwartungen des Lesers. Besonders eindrucksvoll ist die düstere, bisweilen beklemmende Atmosphäre, die dem Roman eine nachhaltige Intensität verleiht.

Die Protagonisten sind authentisch beschrieben, vielschichtig angelegt und entwickeln sich im Verlauf der Geschichte glaubwürdig weiter. Man kann das Buch kaum aus der Hand legen. Eine uneingeschränkte Leseempfehlung für alle, die intelligente und fesselnde Spannung zu schätzen wissen.

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Veröffentlicht am 15.12.2025

Wenn Gerechtigkeit zur Grausamkeit wird und Moral tödliche Konsequenzen hat.

Der Gourmet
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Dieser Roman ist kein klassischer Serienmörderthriller. Stattdessen entfaltet sich eine düstere, ungewöhnliche Geschichte, die verstört und nichts für schwache Nerven ist. Im Mittelpunkt steht ein Täter, ...

Dieser Roman ist kein klassischer Serienmörderthriller. Stattdessen entfaltet sich eine düstere, ungewöhnliche Geschichte, die verstört und nichts für schwache Nerven ist. Im Mittelpunkt steht ein Täter, der seine Opfer nach gesellschaftlichen Maßstäben auswählt und dabei eine eigene, verstörende Logik verfolgt. Der Autor stellt die unbequeme Frage, wie viel Schuld Menschen auf sich laden können, ohne jemals zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Nicht alles an diesem Buch ist leicht zu ertragen – einige Szenen sind bewusst unangenehm und fordern den Leser heraus. Die Spannung entsteht weniger durch rasante Action als durch das langsame, unerbittliche Offenlegen der Motive. Der präzise, beinahe kalte Stil des Autors verstärkt die beklemmende Atmosphäre und sorgt dafür, dass man den Roman kaum aus der Hand legen kann.

Insgesamt ist Der Gourmet ein intelligenter, nachhallender Thriller, der unter die Haut geht – ein Buch für Thrillerfans, die mehr suchen als bloßen Nervenkitzel.

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Veröffentlicht am 10.12.2025

Ein Roman über ein Dorf, das durch das Theater neuen Mut findet.

Romeo und Romy
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Izquierdo erzählt mit feinem Gespür, großer Empathie und einem warmen Humor von Menschen, die längst aufgegeben schienen – und plötzlich wieder den Mut finden, zu träumen. Die Mischung aus dörflichem Durcheinander, ...

Izquierdo erzählt mit feinem Gespür, großer Empathie und einem warmen Humor von Menschen, die längst aufgegeben schienen – und plötzlich wieder den Mut finden, zu träumen. Die Mischung aus dörflichem Durcheinander, liebenswert verschrobenen Figuren und der verbindenden Kraft des Theaters macht den Roman zu einer berührenden wie heiteren Lektüre.

Besonders eindrucksvoll ist die sensible Beobachtung dieser Charaktere: Menschen mit Ecken und Kanten, geprägt von Lebenserfahrung, Zweifeln und stillen Sehnsüchten.

Die Vorbereitungen für den Theaterbau und der gemeinschaftliche Elan beim Renovieren schenken der Erzählung zahlreiche rührende, oft auch wunderbar komische Momente.

Unvergesslich bleiben vor allem die Szenen, in denen Theateralltag und Dorfwirklichkeit aufeinandertreffen: Missverständnisse, Eitelkeiten und kleine, flüchtige Bündnisse verleihen der Geschichte eine lebendige, fast spielerische Dynamik.

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Veröffentlicht am 09.12.2025

Ein Wohlfühlort

Das Tagebuch im Waschsalon der lächelnden Träume
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Im Herzen des Seouler Stadtteils Yeonnam-dong liegt ein kleiner Waschsalon, unscheinbar und doch voller Geschichten. Zwischen dem rhythmischen Surren der Maschinen und dem Duft frisch gewaschener Wäsche ...

Im Herzen des Seouler Stadtteils Yeonnam-dong liegt ein kleiner Waschsalon, unscheinbar und doch voller Geschichten. Zwischen dem rhythmischen Surren der Maschinen und dem Duft frisch gewaschener Wäsche befindet sich ein grünes, gemeinsames Tagebuch. Jeder, der vorbeikommt, darf darin seine Sorgen, Ängste oder Erinnerungen hinterlassen – und erhält dafür Antworten von Fremden, die vielleicht nur für einen Augenblick im selben Raum verweilen.

Durch dieses Tagebuch knüpft sich ein feines Band zwischen fünf Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Jeder trägt eigene Lasten, eigene Wünsche im Herzen. Und doch finden sie über die anonymen Worte auf den Seiten zueinander.

Kim Jiyun erzählt diese Begegnungen mit einer ruhigen, behutsamen Stimme, die ein Auge für jene kleinen Momente hat, die im Alltag leicht übersehen werden – und die doch mehr verändern, als man ahnt.

Statt großer Dramen entfaltet sich ein sanftes, tröstliches Buch über Gemeinschaft, über Einsamkeit und die Möglichkeit eines stillen Neubeginns.

Befremdlich wirkte auf mich allerdings der Umgang mit dem äußeren menschlichen Erscheinungsbild: dass Kinder Schönheitsoperationen geschenkt bekommen oder Erwachsene wegen eines kleinen Kratzers sofort zur Laserbehandlung greifen, bleibt mir fremd und schwer nachvollziehbar.

Trotzdem: ein ruhiger, berührender Wohlfühlroman, der lange nachklingt.

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