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Veröffentlicht am 27.09.2025

Spannender Thriller, der das Opfer des Verbrechens in den Vordergrund stellt

Opfer Nummer 11
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Als Hannah Allen vierzehn Jahre alt war, wurde sie von dem Serienmörder Peter Harris entführt, der so schwer zu fassen war, dass er in der Öffentlichkeit "Ghost" genannt wurde. Hannah sollte sein elftes ...

Als Hannah Allen vierzehn Jahre alt war, wurde sie von dem Serienmörder Peter Harris entführt, der so schwer zu fassen war, dass er in der Öffentlichkeit "Ghost" genannt wurde. Hannah sollte sein elftes Opfer werden, doch sie war die einzige, die überlebte.
Zehn Jahre später ist Hannah mit einem liebevollen Mann zusammen und möchte nun die Selbsthilfegruppe der "Vertrauensschwestern" quittieren, die dazu beigetragen hat, das Trauma ihrer Vergangenheit zu überwinden. Doch dann verschwinden innerhalb kürzester Zeit mehrere Frauen in dem kleinen Ort. Die Leichen weisen ähnliche Verletzungen wie Peters Opfer auf. Zudem erreichen Hannah Botschaften, die darauf hindeuten, dass jemand Peters Werk fortführt und Hannah in unmittelbarer Gefahr schwebt. Während sich die Presse auf sie stürzt, ist Hannah verängstigt und weiß nicht mehr, wem sie noch trauen kann.

Der Roman wird überwiegend aus der Ich-Perspektive von Hannah geschildert, wodurch sie sehr nahbar wirkt. Es fällt leicht, sich in sie hineinzuversetzen und ihre Gefühle der Wut und Angst nachvollziehen zu können. Daneben gibt es einzelne Einblicke in die Polizeiarbeit durch den Kommissar Conrad, dem es ein persönliches Anliegen ist, Hannah zu schützen und den Mörder zu fassen.

Die Geschichte beginnt anfangs gemächlich und erinnert mehr an ein Drama. Hannahs Emotionen und ihr persönliches Schicksal stehen im Vordergrund. Sie kämpft mit der Ungerechtigkeit, die sie erfahren hat und noch immer erfährt und möchte die Opferrolle endlich ablegen. Es wird deutlich, wie schwer ein Neuanfang nach einem solchen Trauma der Entführung und Folter ist, wie schwer es fällt, Vertrauen zu fassen, Beziehungen einzugehen und ein "normales" Leben zu führen. Freunde und Therapie, aber vor allem das Bestärken des Glaubens an sich selbst sind notwendig, wovon Hannah bereits profitiert hat.

Die Spannung setzt ein, als nach zehn Jahren weitere Frauen Opfer eines Serientäters werden, der als Nachahmer des berüchtigten Peter Harris deklariert wird. Hannahs Ängste sind spürbar und die Gefahr steigt, als der Mörder immer näher kommt. Es hat den Anschein, dass der Mörder aus Hannahs eigenem Umfeld stammt und Peter Harris Tat zu Ende bringen möchte. Wie nah muss Hannah den Täter an sich heranlassen, damit er gefasst werden kann?

Die Auflösung kann überraschen, ist aber dennoch nachvollziehbar und das Tatmotiv nicht abwegig. Der Showdown ist blutig und typisch für einen Psychothriller.
Die Geschichte setzt dem Titel entsprechend das Opfer eines Verbrechens in den Vordergrund. Sie handelt von Gewalt gegen Frauen, von sexuellen Übergriffen und den öffentlichen und persönlichen Umgang damit. Während die Polizeiarbeit ein wenig dilettantisch, scheint das Auftreten der Medien und der Einfluss von Social Media realistisch dargestellt.

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Veröffentlicht am 26.09.2025

Ein Neuanfang als Studentin in Stockholm - Roman über Freundschaft und Selbstfindung

Beste Zeiten
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Sickan zieht zum Studium nach Stockholm - möglichst weit weg von ihrem unterkühlten Elternhaus und dem Mobbing ihrer Mitschüler*innen. In der Großstadt möchte sie ihr altes belastetes Leben hinter sich ...

Sickan zieht zum Studium nach Stockholm - möglichst weit weg von ihrem unterkühlten Elternhaus und dem Mobbing ihrer Mitschüler*innen. In der Großstadt möchte sie ihr altes belastetes Leben hinter sich lassen und sich neu erfinden. Mit der wohlhabenden und selbstbewussten Kommilitonin Hanna findet sie eine Freundin, neben der sie sich selbst nicht mehr so eigenartig vorkommt und mit Abbe die erste Liebe zu einem jungen Mann, mit dem sie eine traumatische Vergangenheit gemein hat.
Endlich geht Sickans Wunsch nach Zugehörigkeit in Erfüllung, während sie ein typisches Studentenleben führt, mit dem sie sich selbst beweist, dass sie nicht seltsam ist.

Der Roman ist aus der Ich-Perspektive von Sickan geschrieben, wodurch sie sehr nahbar ist. Ihre Sorgen und Ängste, die zu Beginn erdrückend sind, sind spürbar. Schwierige Situationen lösen Flashbacks aus, die sie immer wieder gedanklich in die Vergangenheit katapultieren.
Durch die in Teilen erschütternden Erinnerungen kann noch mehr Verständnis für Sickans Handlungen und Verhaltensweisen entwickelt werden.

"Beste Zeiten" schildert Sickans Neuanfang als Studentin, die ihr altes Ich ablegen möchte. Der Roman handelt von Freundschaft, Loyalität und erster Liebe, von einer Suche nach Identität und dem Wunsch nach Zugehörigkeit, aber auch von sozialen Ängsten, Ausgrenzung und Rassismus. Die Entwicklung Sickans ist authentisch und nachvollziehbar dargestellt und problematisiert eine Verunsicherung, die gar nicht "seltsam" ist.

  • Einzelne Kategorien
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Veröffentlicht am 23.09.2025

Bittersüße Geschichte über eine zerrüttete Familie, die mit ihren universellen Themen des Älterwerdens und Selbstzweifel viel Identifikationspotenzial bietet

Die andern sind das weite Meer
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Hans Cramer ist pensionierter Diplomat, der allein in Bonn wohnt. Er ist an Demenz erkrankt und wird zunehmend hilfsbedürftiger. Seine drei erwachsenen Kinder sind mit ihren eigenen Problemen beschäftigt ...

Hans Cramer ist pensionierter Diplomat, der allein in Bonn wohnt. Er ist an Demenz erkrankt und wird zunehmend hilfsbedürftiger. Seine drei erwachsenen Kinder sind mit ihren eigenen Problemen beschäftigt und kümmern sich nur halbherzig aus der Distanz um den strengen Vater, der immer nur mit seiner ältesten Tochter Luka zufrieden war.
Luka ist Kriegsberichterstatterin und derzeit für ihren Sender in der Ukraine. Nach einem folgenschweren Fehler muss sie zurück nach Deutschland.
Tom ist Psychiater und hat eine eigene Klinik am Wannsee aufgebaut. Mit über 40 Jahren leidet er immer noch unter der fehlenden Anerkennung seines Vaters und nimmt regelmäßige an dubiosen Seminaren mit halluzinogenen Substanzen teil, die Heilung für seelische und körperliche Leiden versprechen.
Elena ist wie ihre verstorbene Mutter an Brustkrebs erkrankt und in ihrer Beziehung zu Juan, mit dem sie eine gemeinsame Tochter hat, unglücklich. Sie flüchtet sich in Träumereien an ihre Jugendliebe Moritz.

Als ihr Vater Hans verschwindet, kommen die Geschwister in ihrem Elternhaus zusammen und beginnen, sich ihren Ängsten zu stellen und finden in der Gemeinschaft Halt, ihre Probleme anzugehen.
Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive einer der vier Hauptfiguren geschildert. Allen ist gemein, dass sie sich vor der Wahrheit verschließen und Schwierigkeiten mit sich selbst ausmachen. Sie fühlen zudem eine innere Leere, fühlen sich unverstanden und nicht anerkannt.

Alle Figuren haben interessante Biografien, die die Handlung vielschichtig und abwechslungsreich gestalten. Die Unterschiedlichkeit der Charaktere spiegelt sich auch in der Vielfalt der Themen wieder, die der Roman enthält. Es geht um psychische und physische Erkrankungen, um Suizid, Betrug und Affären, Homophobie, Entfremdung und Einsamkeit.
Dennoch wirkt der Roman nicht überfrachtet oder deprimierend.

Berührend sind die Szenen aus der Sicht von Vater Hans, der neben klaren Momenten immer mehr geistig verwirrt ist und selbst merkt, wie sein Gehirn ihn im Stich lässt. Indem er alte Dias mit Aufnahmen der Familie sortiert, reflektiert er die Beziehung zu seiner Frau und seinen Kindern.

Auch die persönlichen Krisen der drei Kinder bewegen, die sich bewusst oder unbewusst in Richtung Abgrund bewegen. Das Zusammenkommen in Bonn sorgt dann regelrecht für Aufatmen, wenn sie sich auf die Suche nach ihrem Vater konzentrieren, bei der Gelegenheit aber auch erkennen, dass sie ihre Probleme nicht allein bewältigen müssen.

Es ist eine bittersüße Geschichte über eine zerrüttete Familie, die durch ein Ereignis die Chance erhält, sich wieder zu finden und an ihren Beziehungen zu arbeiten. Mit seinen universellen Themen des Älterwerdens, Übernahme von Verantwortung und Selbstzweifeln hat der Roman viel Identifikationspotenzial.

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Veröffentlicht am 20.09.2025

Keine Tat bleibt ungesühnt - nicht der spannendste Band der Reihe, aber solide Krimikost

Verschworen
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Kommissarin Elma ist zurück aus der Elternzeit und wird schon wenige Tage nach ihrem Wiedereinstieg mit einem Mordfall betraut. In einem Sommerhaus in der Nähe von Akranes wurde ein Mann erstochen in seinem ...

Kommissarin Elma ist zurück aus der Elternzeit und wird schon wenige Tage nach ihrem Wiedereinstieg mit einem Mordfall betraut. In einem Sommerhaus in der Nähe von Akranes wurde ein Mann erstochen in seinem Bett aufgefunden. An der Schlafzimmerwand wurde eine blutige Botschaft aus einem alten Kirchenlied hinterlassen, das in christlichen Ferienlagern gesungen wird, an denen auch der Tote Þorgeir als Jugendlicher teilgenommen hat. Während die Geliebte des Opfers verschwunden ist, versucht Elma herauszufinden, was sich in der Vergangenheit in dem Ferienlager ereignet hat, das mutmaßlich ursächlich für den Mord sein könnte. Eine späte Rache von einem anderen Teilnehmer des Camps oder doch ein Racheakt einer Geliebten, nachdem Þorgeir schon einmal der Vergewaltigung bezichtigt wurde?

"Verschworen" ist bereits der fünfte Band der Reihe "Mörderisches Island" um die Ermittlerin Elma, die nach einem Schicksalsschlag in ihren Heimatort Akranes zurückgekehrt war. Zum besseren Verständnis der Charaktere und um ihre Entwicklung zu verfolgen, ist es empfehlenswert die vorangegangenen Teile zu kennen. Eine Personenübersicht am Ende des Romans hilft jedoch auch Neueinsteigern sich einen Überblick zu verschaffen.

Der Roman handelt im Rahmen der Ermittlungen im Dezember 2020, nachdem Þorgeir tot aufgefunden wurde, während Rückblenden darstellen, was sich in dem Wochen vor seinem Tod ereignet hat. Ereignisse aus dem Sommer 1995 werden überwiegend indirekt wiedergegeben, was den Lesern einen kleinen Wissensvorsprung gibt.

Im Verlauf der Handlung gibt es mehrere Verdächtige, die für den Mord in Frage kommen. Während zunächst die Geliebte im Fokus steht, scheinen die wahren Hintergründe tatsächlich in der Vergangenheit von Þorgeir und seinem Freundeskreis zu liegen. Elma stößt in diesem Zusammenhang auf ein dunkles Geheimnis, das die Polizeiarbeit in einem lange vergangenen Todesfall in Frage stellt. Ihr Vorgesetzter ermittelt indessen in eine andere Richtung und deckt einen Fall von Geldwäsche auf.
Elmas Lebensgefährte und Kollege Sævar, der sich um die gemeinsame Tochter kümmert, kann die Arbeit nicht ganz ruhen lassen und unterstützt Elma in dem Mordfall, scheint aber auch selbst etwas Dunkles zu verbergen zu haben, das ihn nun einholen könnte.

Wie alle Handlungsstränge zusammenhängen, ist ein Puzzlespiel, das anfangs nur schwer zu durchdringen ist, am Ende jedoch schlüssig aufgelöst wird. Das Motiv für die Tat erscheint jedoch bereits durch den Text an der Schlafzimmerwand offensichtlich.

Der Roman handelt von den Auswirkungen von Gewalt in der Familie, von Mobbing und von einer Dynamik unter Jugendlichen, die außer Kontrolle geriet. Die Vergangenheit sitzt in der Kleinstadt gleich mehreren Personen im Nacken und droht sie einzuholen. Letztlich scheint keine Tat ungesühnt zu bleiben und so schließt sich der Kreis mit dem christlichen Kirchenlied.

"Verschworen" ist nicht der originellste Plot, da überraschende Wendungen ausbleiben, aber solide Krimikost.
So manche Ungereimtheit am Ende legt nahe, dass noch längst nicht jede Schuldfrage und Tat in Akranes aufgeklärt ist und macht damit Hoffnung auf eine Fortsetzung der Reihe.

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Veröffentlicht am 19.09.2025

Ein Roman über Freundschaft und ein Liebesdreieck, der mit seiner Ehrlichkeit und Fehlbarkeit der Charaktere besticht

Weißes Licht
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Cece ist früher als ihr Verlobter Charlie nach Montana in das Haus ihrer zukünftigen Schwiegereltern gekommen, um die letzten Vorbereitungen für ihre geplante Hochzeit zu treffen. Unterstützung soll sie ...

Cece ist früher als ihr Verlobter Charlie nach Montana in das Haus ihrer zukünftigen Schwiegereltern gekommen, um die letzten Vorbereitungen für ihre geplante Hochzeit zu treffen. Unterstützung soll sie von Garrett, Charlies besten Freund aus dem College, erhalten. Auf den ersten Eindruck kann sich Cece niemand weniger geeigneten, als einen Gepäckabfertiger am Flughafen vorstellen, den ein Trauma aus seiner gemeinsamen Vergangenheit mit Charlie belastet. Doch je mehr Zeit sie mit Garrett verbringt, desto unsicherer wird Cece über die Zukunft, die sie sich erträumt hat.
Die Ereignisse dieses Sommers werden entscheidend für die Freundschaft der beiden Männer und ihre Beziehung zu Cece, und werden auch auf die nachfolgende Generation ihren Schatten werfen.

Der Roman beginnt im Sommer 2004 mit der Hochzeit von Cece und Garrett und erstreckt sich über 5 Jahrzehnte. Die Geschichte handelt dabei von den Verbindungen von Cece, Charlie und Garrett, den Entscheidungen, die sie treffen und dem Verlauf ihrer Leben bis ins hohe Alter, während die Auswirkungen der Klimakrise eine zunehmende Rolle spielen.

Ausgehend von einem klassischen Liebesdreieck wird eine Mehrgenerationengeschichte entwickelt, die von Schuld, Eifersucht und Neid sowie von Liebe, Freundschaft und Vergebung handelt.
Sie wird aus der Perspektive der drei Hauptfiguren sowie deren Kindern Lana und Jasper erzählt.
Herausgestellt werden einzelne Episoden aus deren Leben, die für den weiteren Verlauf der Geschichte relevant sein werden. Daneben gibt es vereinzelte Rückblenden, die noch mehr über die Charaktere offenbaren.
Bestechend sind so manch emotionale Ausbrüche, die noch länger im Gedächtnis bleiben werden. Glück und Unglück, Leben und Sterben, Heilung und Krankheit liegen eng beieinander. Die Atmosphäre ist durchgehend melancholisch und angespannt, was durch die Erwärmung des Klimas mit all seinen Konsequenzen wie jährliche Brände, austrocknende Seen, schmelzende Gletscher und bedrohte Tierarten noch verstärkt wird. Durch irritierend humorvolle Szenen und eine warmherzige Erzählweise ist der Roman nicht beklemmend, sondern erzählt das wirkliche Leben mit Erfolgen und Scheitern und ist eine Ode an die Freundschaft und die Ehe mit all ihren, Kompromissen, Höhen und Tiefen. Es ist ein Roman, der mit seiner Ehrlichkeit und der Fehlbarkeit seiner Charaktere einen Sog entwickelt.

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