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Veröffentlicht am 10.07.2020

Es ist nie zu spät für Veränderungen - unterhaltsamer Roman über Enkelin und Oma, die ihr Leben für zwei Monate tauschen und dabei viel über und für sich lernen

Time to Love – Tausche altes Leben gegen neue Liebe
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Leenas Schwester Carla ist vor gut einem Jahr verstorben und seitdem hat sich Leena in die Arbeit gestürzt, um sich von dem Schmerz über den Verlust abzulenken. Nach einem Fehler im Job wird ihr eine zweimonatige ...

Leenas Schwester Carla ist vor gut einem Jahr verstorben und seitdem hat sich Leena in die Arbeit gestürzt, um sich von dem Schmerz über den Verlust abzulenken. Nach einem Fehler im Job wird ihr eine zweimonatige Zwangspause ans Herz gelegt. Leena fährt daraufhin zu ihrer Großmutter Eileen nach Hamleigh in Yorkshire. Diese wurde vor Kurzem von ihrem Ehemann wegen einer jüngeren Frau verlassen und ist jetzt selbst auf der Suche nach einem Mann. Die Auswahl in dem kleinen Ort ist allerdings dürftig und Eileens Ansprüche hoch. Leena meldet Eileen in einem Datingportal an und stellt fest, dass es in London viele Männer über 70 Jahre gibt, die auf der Suche sind. Kurzerhand beschließen die beiden Frauen ihr Leben zu tauschen. Leena bleibt zwei Monate in Hamleigh, um sich um Eileens Projekte zu kümmern, während Eileen nach London zieht, um die Männerwelt zu erkunden, gleichzeitig aber auch Leenas Mietshaus aufmischt.

"Time to Love" ist eine lockere Unterhaltungslektüre, die abwechselt aus der Perspektive von Leena und Eileen erzählt wird. Zu Beginn sind die Abschnitte sehr unterschiedlich. Während die Kapitel um Leena von der Trauer um Carla bestimmt sind und eher melancholisch anklingen, sind die Kapitel um Eileen viel unbeschwerter. Leena vermisst ihre Schwester wirkt zunächst etwas verloren, bis sie in Hamleigh mit den ganzen Aufgaben von Eileen konfrontiert wird. Die Nachbarschaftsprojekte lenken sie ab, aber es findet auch eine Annäherung mit ihrer Mutter statt, der sie Vorwürfe wegen des Todes ihrer Schwester gemacht hat. Leena kann den Schmerz endlich zulassen und den Verlust der Schwester hinnehmen.
Eileen ist für ihre 79 Jahre sehr rüstig und eine Frau ohne Berührungsängste. Schon in Hamleigh war sie sehr engagiert und in London kann sie auch nicht aus ihrer Haut heraus. Sie gründet einen Club für ältere Menschen und bietet den Gemeinschaftsbereich von Leenas Mietshaus als Treffort an. Zudem flirtet sie aktiv und beweist, dass auch ältere Menschen noch Lust empfinden können und ihre Bedürfnisse haben.

Das Buch ist sehr unterhaltsam geschrieben, da aufgrund des Engagements von Eileen und Leena und ihren verschiedensten Projekten für viel Abwechslung gesorgt ist. Eileen und ihre resolute Art mochte ich als Figur sehr. Sie hat keine Angst davor anzuecken und mischt sich ganz selbstverständlich in die Angelegenheiten anderer ein. Das macht sie aber mit so viel Herz und Charme, dass man ihr nicht böse sein kann. Leena wirkt dagegen ein bisschen blass, auch wenn sie wie ihre Oma das Herz auf dem rechten Fleck hat und sich für Schwächere einsetzt.

"Time to Love" ist ein Roman über Solidarität, Hilfsbereitschaft und Nachbarschaft. Eileens Engagement in London zeigt, dass auch in einer anonymen Metropole mit ein bisschen Engagement für Gemeinschaftssinn gesorgt werden kann, der generationenverbindend ist und der Einsamkeit vor allem älterer Menschen vorbeugt.
Zudem beweist die Geschichte, dass es nie zu spät für Veränderungen im Leben ist. Trotz der am Anfang vordergründigen Traurigkeit begleitet man sowohl Eileen als auch Leena mit viel Humor durch ihre getauschten Leben. Beide können in den zwei Monaten viel lernen und am Ende eine positive Bilanz für sich ziehen.

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Veröffentlicht am 08.07.2020

Bildhafte Beschreibung von Island, aber eine langatmige Geschichte mit zu wenig Spannung und Emotionen

Das Haus am Ende des Fjords
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Nach dem Tod ihres Bruder ist die Dänin Isving zusammen mit ihrer Schwägerin Gabrielle nach Island gezogen, um in dem Städtchen Kópavík ein kleines Bed & Breakfast zu führe. Als sie von Gabrielle im Stich ...

Nach dem Tod ihres Bruder ist die Dänin Isving zusammen mit ihrer Schwägerin Gabrielle nach Island gezogen, um in dem Städtchen Kópavík ein kleines Bed & Breakfast zu führe. Als sie von Gabrielle im Stich gelassen wird, die wegen einer neuen Liebe weiter in den Süden zieht, hat Isving die alleinige Verantwortung für Pension und Café, obwohl sie als Geschäftsführerin im Hintergrund bleiben wollte und Gabrielle sich um den Service kümmern sollte. Mit der Hilfe einer Angestellten versucht Isving den Betrieb am Laufen zu halten und hofft, dass die Einnahmen des Sommers die touristenschwachen Wintermonate ausgleichen können.
Eines Sommers quartiert sich der bärtige Jon bei ihr ein, von dem sie bald herausfindet, dass es sich bei ihm um den berühmten Rockmusiker Thór der Band Splendid Pirates handelt, der gerade ein Sabbatical einlegt und eine Schreibblockade hat. Er findet in der rothaarigen Dänin mit den Sommersprossen, die einerseits schüchtern ist, andererseits aber selbst gerne singt, seine Muse. Die beiden verlieben sich ineinander, doch dann erhält Isving eine erschütternde Diagnose und wagt es nicht, Thór von der Krankheit zu erzählen, um der jungen Liebe nicht ihre Unbeschwertheit zu nehmen, zumal sie sich ohnehin nicht sicher ist, ob eine Liebe zwischen weltberühmten Rockstar und einfacher Pensionswirtin eine Zukunft haben kann.


Der Roman ist überwiegend aus der Perspektive der unsicheren Isving geschrieben, die Zeit ihres Lebens mit ihrem Aussehen haderte und ihre Sommersprossen unter Camouflage-Make-up versteckte. Kürzere Kapitel sind aus Sicht von Thór verfasst, der sich in den Westfjorden Islands bewusst eine Auszeit nehmen möchte, um zu neuer Kreativität zu finden.

Durch die bildhaften Beschreibungen der Autorin kann man sich sehr gut nach Island versetzen, diese geheimnisvolle Land der heißen Quellen, einsamen Landschaften, in dem der Glaube an Elfen, Trolle und Fabelwesen alltäglich ist und in dem selbst im Sommer kühle Temperaturen herrschen, die in die Hot Pots locken. Diese besondere Atmosphäre des mystischen Landes mit nur wenigen Einwohnern ist spürbar und liest sich wie eine Liebeserklärung an Island.

Die Charaktere und ihre Geschichte können dagegen weitaus weniger überzeugen. Die beiden Hauptfiguren Isving und Thór waren mir zu nett - Personen ohne Ecken und Kanten, zu süß und lieb und damit schlicht langweilig. Selbst Thór - stereotyp als starker, tätowierter Rockstar - zeigte ausschließlich eine weiche Seite und wirkte damit wenig authentisch. Die Liebenswürdigkeit Isvings passte dagegen schon eher, jedoch fand ich ihren Umgang mit ihrer Krankheit wenig realistisch. Sie wird ganz plötzlich mit der Diagnose Multiple Sklerose konfrontiert und leidet anschließend unter mehreren Schüben, macht sich jedoch kaum Gedanken um ihre Gesundheit oder zeigt nachvollziehbare Ängste in Bezug auf die unheilbare Krankheit. Ihr "Geheimnis" empfand ich zu gekünstelt, um eine drohende Gefahr für die Liebe darzustellen - insbesondere da man von Thór nichts anderes als Verständnis und Hilfsbereitschaft erwarten konnte. Auch die weiteren kleinen Dramen, die aufgrund von Isvings mangelndem Selbstbewusstsein und übertriebener Eifersucht entstehen, sind nicht wirklich ernstzunehmen; die Versöhnungen und körperliche Anziehungskraft zwischen den beiden sehr kitschig dargestellt.

Für meinen Geschmack fehlte es dem Roman trotz ernster Themen wie Isvings Krankheit, den Diskussionen um nachhaltigen Tourismus oder Walfang an Emotionen und Spannung. Die Geschichte plätscherte unterbrochen von ein wenig Melodramatik gleichförmig dahin und konnte nur durch den reizvollen Schauplatz Island mein Interesse aufrechterhalten. Im Vergleich zu "Das Haus am Ende des Fjords" hatte der Vorgängerroman der Autorin "Islandsommer" weitaus mehr Charme zu bieten.

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Veröffentlicht am 06.07.2020

Magische Liebesgeschichte und wunderschön nostalgische Zeitreise in das New York der 1930er- und 1940er-Jahre

Mit dir für alle Zeit
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Joe ist Stellwerker in Grand Central Station, dem größten Bahnhof in New York. Am 5. Dezember 1937 begegnet ihm eine junge, etwas hilflos wirkende Frau ohne Mantel und Gepäck, der er anbietet, sie nach ...

Joe ist Stellwerker in Grand Central Station, dem größten Bahnhof in New York. Am 5. Dezember 1937 begegnet ihm eine junge, etwas hilflos wirkende Frau ohne Mantel und Gepäck, der er anbietet, sie nach Hause zu begleiten. In den Straßen New Yorks verschwindet sie spurlos und erst ein Jahr später treffen die beiden sich wieder in den Hallen von Grand Central. Joe packt die Gelegenheit beim Schopf und lädt Nora zum Abendessen ein. Die beiden verbringen einen wunderschönen Abend gemeinsam, doch als Joe sie am nächsten Tag anrufen möchte, erfährt er, dass Nora tot ist - seit dreizehn Jahren. Sie ist bei einem Unglück der New York Subway 1925 ums Leben gekommen. Joe kann nicht glauben, dass er sich in einen Geist verliebt hat und versucht, eine Erklärung für das Phänomen zu finden, so dass Nora bei ihm bleiben kann. Beiden wird jedoch bewusst, dass sie als Paar nie ein gewöhnliches Leben zusammenführen können, denn Nora altert nicht, würde für immer 23 Jahre alt bleiben und nie ein freies Leben führen können. Joe muss zudem mit der Ungewissheit und Angst leben, Nora jederzeit wieder an die Zwischenwelt verlieren zu können und behütet sie deshalb wie seinen Augapfel. Joe und Nora genießen ihre Zweisamkeit, aber kann eine Liebe, die derartigen Einschränkungen unterlegen ist, dauerhaft glücklich machen?

"Mit dir für alle Zeit" ist eine wunderschön nostalgische Geschichte. Die Beschreibungen der Autorin sind so atmosphärisch und bildhaft, dass man sich ganz bewusst in die Vergangenheit und nach New York versetzen kann. Die fiktive Geschichte um Nora und Joe wird geschickt mit den historischen Ereignissen wie den Olympischen Sommerspielen 1924 in Paris, dem New Yorker Börsencrash 1929, der Weltausstellung in New York 1939 oder dem Eintritt Amerikas in den Zweiten Weltkrieg vermischt. Die facettenreiche Beschreibung von Historie und Architektur von Grand Central Terminal lenken nicht von der eigentlichen Handlung ab, sondern lassen die Geschichte und die Figuren authentisch und lebendig erscheinen.
Dennoch wirkt die Liebesgeschichte aufgrund des Todes von Nora unwirklich. Mit dem mystischen Manhattanhenge, einem Phänomen, dass zweimal im Jahr stattfindet, bei welchem die Sonne durch die Mitte der drei hohen Bogenfenster von Grand Central in Manhattan strahlt, gibt es jedoch eine einleuchtende Erklärung für das Wunder, das Nora zwischen Leben und Tod stecken geblieben sein könnte.

"Mit dir für alle Zeit" ist eine magische Liebesgeschichte, die berührt und mit den beiden Protagonisten hoffen lässt, dass es für das Paar eine gemeinsame Zukunft geben wird. Als Leser/in begibt man sich auf eine Zeitreise nach New York und erlebt die romantischen Begegnungen von Joe und Nora Jahr für Jahr mit.
Es ist eine emotionale Geschichte, die ans Herz geht und darüber hinaus durch die umfangreiche Recherche zu den historischen Fakten überzeugt und die märchenhafte Liebesgeschichte fantastisch darin einbettet. Bis auf ein paar Längen und das mir nicht ganz nachvollziehbare Ende hat mir der Roman schöne Lesestunden bereitet.

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Veröffentlicht am 04.07.2020

Spannender Thriller um ein verschwundenes Mädchen in einer Kleinstadt, in der jeder jeden kennt - Gewalt, Misstrauen, Erpressung und Drogen sind keine Fremdwörter

Löwenzahnkind
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Charline "Charlie" Lager ist Kommissarin bei der Stockholmer Polizei, muss aber zur Lösung eines Falles zusammen mit ihrem Kollegen Anders zurück in ihre Heimat nach Gullspång, wo sie 20 Jahre nicht mehr ...

Charline "Charlie" Lager ist Kommissarin bei der Stockholmer Polizei, muss aber zur Lösung eines Falles zusammen mit ihrem Kollegen Anders zurück in ihre Heimat nach Gullspång, wo sie 20 Jahre nicht mehr war. Vermisst wird die 17-jährige Annabelle Roos, die nach einer Party im Dorfladen nicht nach Hause gekommen war. Um Annabelle ranken sich verschiedene Gerüchte. So soll sie Alkohol und Drogen nicht abgeneigt sein und eine Affäre mit einem älteren Mann gehabt haben. Die Befragungen der Eltern und von Zeugen, die sie zuletzt gesehen haben, ergeben keine weitergehenden Hinweise. In der Kleinstadt kennt jeder jeden, weshalb die gegenseitigen Alibis nicht unbedingt glaubwürdig sind. Zudem haben die Jugendlichen aufgrund von Alkohol und Drogen massive Erinnerungslücken an den Abend von Annabelles Verschwinden.
Nicht nur die Unzugänglichkeit der Bewohner von Gullspång, auch Erinnerungen an ihre eigene Vergangenheit, an ihre Kindheit und verstorbene Mutter belasten die psychisch labile Charlie.

Der Roman handelt auf drei Zeitebenen - die Ereignisse nach dem Verschwinden von Annabelle, Ereignisse von "jenem Abend" und von einer Tat in der Vergangenheit, die fast vierzig Jahre zurückliegt. Im Vordergrund steht jedoch die Kommissarin Charlie Lager als Person sowie die Ermittlungen im Zusammenhang mit der Suche nach Annabelle. Die beiden weiteren Erzählebenen sind jeweils auf kurze Ausschnitte begrenzt, wobei sich die einzelnen kurzen Kapitel dynamisch abwechseln.

Charlie Lager ist keine Vorzeige-Kommissarin, sondern hat mit massiven persönlichen Problemen zu kämpfen, die sogar zu einer Suspendierung während der Ermittlungen führen. Ihr Charakter ist jedoch kein kaputter stereotyper Kommissar, sondern durchaus glaubwürdig, wenn man bedenkt, welche Kindheit sie geprägt hat, was im Verlauf ihre Aufenthalts in Gullspång peu à peu aufgedeckt wird.

Der Thriller ist spannend konstruiert, da die Ereignisse von "jenem Abend" nicht zu viel verraten und die Erkenntnisse aus den Ermittlungen nicht vorweg nehmen. Darüber hinaus wird die Spannung noch durch den verstörenden Erzählstrang der Vergangenheit befeuert, den man lange nicht in die Ereignisse der Gegenwart einordnen kann und wie dieser mit Charlie oder aber dem Verschwinden von Annabelle in einem Zusammenhang stehen könnte. Zudem überzeugt die bildhafte Beschreibung des Schauplatzes Gullspång, in welchem schon die Jugendlichen inspiriert von ihren Eltern Alkohol und Drogen ganz selbstverständlich konsumieren und Gewalt, Misstrauen und Erpressung keine Fremdwörter sind.

"Löwenkind" ist ein beeindruckendes Debüt und sehr spannender Auftakt der Reihe um die Ermittlerin Charlie Lager, das mit großer Neugier den zweiten Band erwarten lässt.

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Veröffentlicht am 03.07.2020

Unterhaltsame, tragikomische Geschichte über einen neuen Anfang, die abwechslungsreich und unterhaltsam geschrieben ist

Und wenn sie tanzt
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Nachdem Tess' Mann überraschend gestorben ist, verlässt sie ihre Heimat und zieht nach Tennesse, in eine Hütte auf dem (treffend bezeichneten) Runaway Mountain. In der Abgelegenheit möchte sie die Trauer ...

Nachdem Tess' Mann überraschend gestorben ist, verlässt sie ihre Heimat und zieht nach Tennesse, in eine Hütte auf dem (treffend bezeichneten) Runaway Mountain. In der Abgelegenheit möchte sie die Trauer aus sich heraustanzen, stört durch die laute Musik aber ihren Nachbarn, einen Street-Art-Künstler aus New York, der sich aufgrund einer Schaffenskrise zurückziehen wollte. Ian lebt dort zusammen mit der hochschwangeren Bianca, die sich im Gegensatz zu ihm einsam fühlt und die Freundschaft zu Tess sucht. Tess ist ausgebildete Hebamme und leistet Geburtshilfe als bei Bianca vorzeitig Wehen einsetzen. Welche Kette von Ereignissen daraufhin folgen, hätte sich Tess niemals träumen lassen. Statt Zurückgezogenheit und Ruhe zu finden, hat sie plötzlich Verantwortung für ein Kind und wird in Tempest für gesundheitliche Versorgung und Fragen der sexuellen Aufklärung aufgesucht.

Der Roman entwickelt sich nicht ganz so vorhersehbar, wie man es aufgrund des Klappentextes hätte erwarten können, denn die Liebesgeschichte steht nicht allein im Vordergrund. Es geht stattdessen um eine junge Frau, die früh Witwe geworden ist und in der prüden Kleinstadt Tempest in Tennessee einen Neuanfang sucht, der dann turbulenter als gedacht ist.

Tess ist eine starke Frau, die nicht auf der Suche nach einem Mann ist, der ihr Halt gibt. Sie ist tough und selbstbewusst und macht sich mit ihrer offenen, aber zugleich belehrenden Art zunächst nicht viele Freunde in Tempest. Sie hat ihre Ecken und Kanten und wirkt deshalb besonders authentisch. Auch Ian ist ein vielschichtiger Charakter, der in der Vergangenheit viel durchgemacht hat, sich hart und unnahbar gibt, aber ein weiches Herz hat und sich für Schwächere einsetzt.
Die Nebencharaktere sind eher skurril und sorgen für den ein oder anderen witzigen Dialog, so dass das Buch trotz der Trauer und Probleme nicht schwermütig ist. Der Roman liest sich leicht, auch wenn die Autorin sich nicht davor scheut, die fragwürdigen Moralvorstellungen der verklemmten Amerikaner in Fragen der Sexualität und Verhütung ganz offen anzuprangern.

Etwas irritierend fand ich jedoch, dass das Tanzen als Therapie in dem Roman, das durch Titel und Cover sehr vordergründig ist, in der Geschichte selbst kaum eine Rolle spielte. Dafür war Tess letztlich viel zu beschäftigt, um sich mit dem Tanzen von Trauer und Ärger abzulenken. Auch passt die Frau auf dem Cover so gar nicht zu Tess, die mit schwarzen, wilden Locken und einer kurvigen Figur beschrieben wird.

"Und wenn sie tanzt" ist eine unterhaltsame, tragikomische Geschichte über einen neuen Anfang, die abwechslungsreich und unterhaltsam geschrieben ist.

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