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Veröffentlicht am 02.03.2020

Drastische Schilderung einer kaputten Familie - vordergründig sind Neid, Eifersucht, aber auch Leidenschaft und die unbedingte Suche nach Liebe

Je tiefer das Wasser
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Die beiden Schwestern Edie und Mae, 16 bzw. 14 Jahre alt wohnen seit dem Selbstmordversuch ihrer Mutter Marianne bei ihrem Vater Dennis, der die Familie vor zwölf Jahren verlassen hatte. Für die beiden ...

Die beiden Schwestern Edie und Mae, 16 bzw. 14 Jahre alt wohnen seit dem Selbstmordversuch ihrer Mutter Marianne bei ihrem Vater Dennis, der die Familie vor zwölf Jahren verlassen hatte. Für die beiden Mädchen ist Dennis, der berühmte Romanautor aus New York, ein Fremder. Während Edie ihn von Grund auf ablehnt und am liebsten wieder zurück nach Hause zu ihrer Mutter nach Louisiana möchte, sucht Mae die Liebe ihres Vaters.

Edie ist ein aufmüpfiger Teenager, die stur ihren eigenen Willen durchsetzen möchte und ihrem Vater gar keine Chance gibt. Ihre Mutter ist für sie ein Opfer, um die sie sich kümmern möchte. Mit ihrer einerseits stoisch liebevollen, aber gleichzeitig überheblichen Art merkt sie nicht, dass sie damit Unmögliches versucht.
Die jüngere Schwester Mae hat keine Erinnerungen mehr an die Zeit mit ihrem Vater, hegt keinen Groll gegen ihn, sondern möchte ihm unbedingt gefallen. Sie sieht ihrer Mutter Marianne ähnlich und beginnt, ihre Verhaltensweisen zu imitieren. Sie schlüpft in eine Rolle, um ihrem Vater eine Muse für seinen aktuellen Roman zu sein, wie es früher schon Marianne war. Sie steigert sich dabei in einen Wahn und verliert bald jeden Bezug zur Realität.
Dennis Lomack bleibt passiv, hat keine Kontrolle über seine Teenager-Mädchen und versagt als Vater. Für ihn steht allein die Fertigstellung seines Romans im Vordergrund und dabei opfert er rücksichtslos seine Tochter.

"Je tiefer das Wasser" ist eine Familientragödie, die aus sehr vielen verschiedenen Perspektiven geschrieben ist, wobei insbesondere Edith in der Gegenwart 1997 und Mae als Rückblick als Figuren im Vordergrund stehen. Die anderen Personen, die zu Wort kommen und die Erzählung der Mädchen geschickt ergänzen und abrunden, sind Menschen aus dem Umfeld der Familie - Verwandte, Freunde, aber auch Nachbarn. Durch die kurzen Abschnitte, die durch Zeitungsartikel, Interviews, Briefe, Telefonate oder Ärzteberichte ergänzt werden sorgen für Dynamik und Abwechslung.
Durch die vielen kleinen Details und Rückblenden in die Vergangenheit, erhält der Leser nach und nach ein Gesamtbild von der Familie, angefangen vom Kennenlernen von Marianne und Dennis bis zum katastrophalen Höhepunkt 1997 in New York.

Der Roman schildert sehr drastisch eine kaputte Familie und welche ungesunden Beziehungen die Mitglieder miteinander pflegen und so beschädigt wie sie sind, auch mit anderen Personen eingehen. Es herrschen Neid, Eifersucht und Missgunst bis zu Hass, aber auch eine unheimliche Leidenschaft, die von allen Personen ausgeht. Sie alle sind auf der Suche nach Liebe und Anerkennung und entwickeln dabei einen blinden Wahn.

Die Geschichte fesselt durch die Abgründe, die sich auftun. Auch wenn alle Charaktere auf ihre Art beschädigt sind, kann man ihre Beweggründe und vor allem die Denkweisen der beiden Mädchen, in die man tiefe Einblicke erhält, sehr gut nachvollziehen. Die Handlung ist auf eine faszinierende Art verstörend und lässt einen nicht mehr los. "Je tiefer das Wasser" ist inhaltlich und stilistisch ein ungewöhnlicher und bemerkenswerter Roman.

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Veröffentlicht am 29.02.2020

Fantastisches Abenteuer über Tierliebe, Freundschaft, Engagement und Mut - ein turbulentes Lesevergnügen für Groß und Klein

Der Hund, der die Welt rettet
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Die elfjährige Georgie arbeitet als Freiwillige im Tierheim Sankt Bello, wo sie sich besonders um ihren Lieblingshund Mister Masch kümmert, eine Promenadenmischung, die aufgrund der Allergie von Georgies ...

Die elfjährige Georgie arbeitet als Freiwillige im Tierheim Sankt Bello, wo sie sich besonders um ihren Lieblingshund Mister Masch kümmert, eine Promenadenmischung, die aufgrund der Allergie von Georgies Stiefmutter Jessica nicht bei ihr zu Hause leben kann.
Beim Strandspaziergang mit den Hunden und ihrem besten Freund Ramzy lernt Georgie die Wissenschaftlerin Dr. Pretorius kennen, die die Kinder in ihr Labor einlädt, um eine Virtual-Realitiy-Brille zu testen.
Als eine Hunde-Ebola-Seuche ausbricht und das Virus wenig später auch Menschen infiziert, wird von der Regierung beschlossen, alle Hunde vorbeugend einzuschläfern, um das Virus einzudämmen. Georgie, die sich eine Mitschuld an der Ausbreitung des Virus gibt, weil sie sich im Tierheim nicht an die Hygienevorschriften gehalten hat, kann nicht zulassen, dass Mister Masch getötet wird, entwickelt eine Idee. Sie möchte mit Hilfe von Dr. Pretorius Experiment in die Zukunft reisen, um das Heilmittel gegen die Seuche zu holen. Zusammen mit Ramzy stürzt die sich in das Abenteuer ihres Lebens.

"Der Hund, der die Welt rettet" ist ein Buch für Kinder ab zehn Jahren. Es ist aus der Perspektive der Heldin Georgie geschrieben, die sich kindlich naiv und beherzt für die Rettung des besten Freund des Menschen und letztlich für die gesamte Welt einsetzt.

Die Geschichte wird humorvoll, abwechslungsreich und durch viele Mini-Cliffhanger am Ende der kurzen Kapitel spannend erzählt. Auch ohne Kind zu sein, befindet man sich durch den bildhaften Schreibstil sofort inmitten der lebendigen Science-Fiktion-Geschichte und fiebert mit den beiden Kindern mit.

Es ist ein fantastisches Abenteuer über Tierliebe, Freundschaft, Engagement und Mut, das trotz der lebensbedrohlichen Ausgangslage und vieler toter Hunde warmherzig geschrieben ist. Es macht Spaß, die beiden sympathischen und mutigen Kinder zu begleiten und zu sehen, wie sie ohne die Erwachsenen eine eigene Idee entwickeln, die Welt von der Seuche zu befreien. Neben der ideenreichen, mitreißenden Geschichte gefiel mir vor allem auch der Wortwitz des Autors - Sprachspiele, die für Kinder nicht so augenscheinlich sein dürften.
Fazit: ein turbulentes Lesevergnügen für Groß und Klein.

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Veröffentlicht am 28.02.2020

Epischer Roman über Eifersucht, Macht und Ehrgeiz mit Fantasy- und Mystikelementen, der den Weg einer starken und unbeugsamen Frau beschreibt

Die Töchter der Villa Soledad
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Die beiden Zwillingsschwestern Estrella und Alma führen als Töchter des Marquis von Zuloaga ein gut situiertes und behütetes Leben in der Villa Soledad im spanischen Baskenland, bis sich ihre Großmutter ...

Die beiden Zwillingsschwestern Estrella und Alma führen als Töchter des Marquis von Zuloaga ein gut situiertes und behütetes Leben in der Villa Soledad im spanischen Baskenland, bis sich ihre Großmutter 1927 von den Klippen in das Kantabrische Meer stürzt.
Von der Großmutter haben die Mädchen magische Fähigkeiten geerbt, die sie vor anderen geheimhalten. Durch ihre Zauberei und das Spiel mit der Natur werden sie mit einem Fluch belegt, der dafür sorgt, dass nur eine von beiden ihren 15. Geburtstag überleben wird.
Bis dahin ist das Leben der Schwestern von Konkurrenzdenken, Neid und Eifersucht geprägt - Eigenschaften, die dazu führen, dass die Prophezeiung eintritt.
Die überlebende Estrella, die sich stets im Schatten von Alma gefühlt hat, wird von der Familie verstoßen, gelangt auf ein Mädcheninternat in England, bis sie mit knapp 18 Jahren den kalifornischen Ranch-Besitzer Mason Campbell heiratet, um nicht mittellos zu sein.
Als die Ranch drei Jahre nach der Ankunft von Estrella in Amerika wegen der miserablen Geschäftsführer ihres Ehemanns vor dem Ruin steht, setzt sie erstmalig wieder ihre Fähigkeiten ein, um die Ranch zu retten und ihren Besitz zu verteidigen. Dabei bedenkt sie erneut nicht, welche Folgen ihre Magie und Manipulation der Schöpfung für Natur und Menschen haben wird. Ein Spiel mit dem Feuer, das sie letztlich wieder zurück nach Spanien bringen wird, wo sie den Familienbesitz, die Eisenmine in Basondo, wieder in Betrieb nehmen möchte.

"Die Töchter der Villa Soledad" ist ein epischer Roman über eine junge Frau, die in einer Umgebung aufwächst, die von der Willkür und Macht der Männer geprägt ist und die sich ohne Rücksicht auf Verluste über alle Konventionen hinwegsetzt und ihren eigenen Weg geht, auch wenn der mit Verlust und viel Schmerz verbunden ist.

Cover und Titel suggerieren eine historische Familiensaga mit dem Fokus auf zwei privilegierten Mädchen, ist jedoch eher ein Drama mit Mystery-Elementen, das man dem magischen Realismus zuordnen kann. Die Magie und die daraus resultierende Manipulation der Natur wirkt sich auf das Leben von Estrella in großem Umfang aus und hat einen wesentlichen Anteil an der Geschichte. Estrella ist dabei keine liebenswürdige Protagonistin. Ihr Charakter ist bestimmt von Eifersucht, Neid und Rachegedanken und sie stets auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Sie spielt mit der Natur und kämpft entschieden gegen ihr Schicksal.

Gespannt verfolgt man die Katastrophen, die sich anbahnen und die Folgen für Estrella und die Familie Zuloaga. Dabei überzeugt der Roman mit einer düsteren bis gruseligen, magischen Atmosphäre und einem anschaulichen historischen Setting, geprägt von der einzigartigen Kulisse in den Wäldern von Basondo und der kargen Landschaft in Kalifornischen und den historischen Ereignissen der Wirtschaftskrise, des spanischen Bürgerkriegs und den Auswirkungen von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg.

Es ist ein Roman über Eifersucht, Macht und Ehrgeiz mit Fantasy- und Mystikelementen, der den Weg einer starken und unbeugsamen Frau beschreibt, deren bewegendes Schicksal berührt, auch wenn man nicht mit all ihren Entscheidungen einverstanden sein kann und ihre gewissenlose und kaltherzige Art den Leser vor den Kopf stößt.

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Veröffentlicht am 26.02.2020

Roman liest sich wie eine Sammlung von Kurzgeschichten, Mattias bleibt dabei fremd

Nach Mattias
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Mattias ist Mitte 30, als er überraschend ums Leben kommt. Mehr erfährt man zunächst nicht über den Toten.
Acht Personen, die entweder mit Mattias verwandt oder auf unterschiedliche Art und Weise bekannt ...

Mattias ist Mitte 30, als er überraschend ums Leben kommt. Mehr erfährt man zunächst nicht über den Toten.
Acht Personen, die entweder mit Mattias verwandt oder auf unterschiedliche Art und Weise bekannt waren, versuchen seinen Tod zu verarbeiten und blicken dabei mitunter auf das zurück, was sie mit Mattias verband.
Da ist Amber, die Freundin von Mattias, die genauso wenig wie die Großeltern Riet und Hendrik und die Mutter Kristianne begreifen kann, dass Mattias so früh aus dem Leben geschieden ist. Sie trauern und müssen sich damit abfinden, ein Leben ohne den geliebten Menschen weiterzuführen.
Quentin, ein enger Freund von Mattias, fühlte sich nur von ihm verstanden und versucht sich durch das Laufen von seiner Trauer abzulenken. Issam kannte Mattias nur über einen virtuellen Kontakt durch ein gemeinsames Hobby. Doch auch er vermisst Mattias und geht sogar zu seiner Beerdigung.
Drei weitere Personen zählen zu dem Beziehungsgeflecht, auch wenn sie Mattias nicht persönlich kannten. Insbesondere durch die scheinbar Unbeteiligte Tirra erfährt der Leser auf welche tragische Weise Mattias ums Leben kam.

Ich empfand den Roman eher wie eine Sammlung von Kurzgeschichten, die Episoden aus den Leben einzelner Personen schildern, die jeder auf seine Art mit einem jüngst Verstorbenen verbunden sind. Dabei blieb mir Mattias jedoch völlig fremd. Bis auf einzelne wenige Aspekte aus seinem Leben erfährt man über die Angehörigen und Freunde sehr wenig über ihn als Person. Vielmehr hatte ich das Gefühl, dass sich die Hinterbliebenen aus Schmerz scheuen, sich überhaupt an Mattias zu erinnern. Die Intension des Autors, der am Ende selbst durch ein Interview zu Wort kommt, erreichte mich leider nicht.

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Veröffentlicht am 24.02.2020

Mischung aus Psychothriller und Familiendrama - einerseits bizarr und gruselig, aber nicht abwegig, andererseits emotional und aufreibend

Weil niemand sie sah
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Mit 15 Jahren verschwindet die strebsame und hübsche Ellie Mack, Liebling ihrer Mutter Laurel, spurlos. Laurel glaubt nicht daran, dass ihre Tochter eine Ausreißerin sein soll wie Polizei und Medien es ...

Mit 15 Jahren verschwindet die strebsame und hübsche Ellie Mack, Liebling ihrer Mutter Laurel, spurlos. Laurel glaubt nicht daran, dass ihre Tochter eine Ausreißerin sein soll wie Polizei und Medien es darstellen und gibt die Hoffnung auf ein Wiedersehen nicht auf. Die Familie zerbricht an dem Verlust der Tochter und jüngsten Schwester.
Zehn Jahre später lernt Laurel den charmanten und charismatischen Floyd Dunn in einem Café kennen und beginnt nach all den Jahren wieder aktiv am Leben teilzuhaben. Floyds jüngste Tochter, die neunjährige Poppy, ein frühreifes und altkluges Mädchen, erinnert sie optisch an Ellie. Als sich dann auch noch herausstellt, dass Poppys Mutter Ellies Mathe-Nachhilfelehrerin Noelle Donnely ist, die ebenfalls verschwunden ist, stellt sich Laurel abermals die Frage, was vor zehn Jahren geschehen ist.

Der Roman wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt und wechselt dabei immer wieder von der Gegenwart in die Vergangenheit. Er beginnt spannend und fesselt durch das zunächst ungewisse Schicksal um Ellie. Die Spannung flacht allerdings etwas, als sich die Hintergründe für das Verschwinden der Fünfzehnjährigen abzeichnen und sich für den Leser immer mehr Details offenbaren, was sich in der Vergangenheit ereignet hat.
Dennoch fesselt der Roman durch die Abgründe, die sich auftun und die Charaktere, die facettenreich und mitunter verstörend sind. Insbesondere die kleine Poppy ist irritierend, wirkt mit ihren neun Jahren künstlich und grotesk erwachsen.

"Weil niemand sie sah" ist eine Mischung aus Psychothriller und Familiendrama, dass - obwohl der Täter frühzeitig bekannt ist - eine Sogwirkung entfaltet. Der Roman schockiert durch die Hintergründe der Tat und die Ich-Perspektive des Täters, die man mit Entsetzen liest. Dabei ist es rückwirkend traurig zu sehen, wie die Familie an dem Drama zerbrach und die Beziehungen untereinander nie wieder dieselben wurden, auch wenn das Ende in eine positive Richtung deutet. Die Geschichte ist einerseits bizarr und gruselig, dabei jedoch nicht abwegig. Andererseits ist sie emotional und aufreibend zu erkennen, wie einfach ein Mensch aus dem sozialen Mensch fallen kann, um so eine Tat zu realisieren.

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