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Veröffentlicht am 06.03.2025

Lebendige und einfühlsame Geschichte über Verlust, Reue und das Glück der zweiten Chance

Luzie in den Wolken
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Der Bestsellerautor Gabriel Bach leidet sowohl unter einer Sinnkrise als auch einer Schreibblockade und steht unter dem Druck des Verlages, einen neuen Liebesroman zu veröffentlichen. Als er einen roten ...

Der Bestsellerautor Gabriel Bach leidet sowohl unter einer Sinnkrise als auch einer Schreibblockade und steht unter dem Druck des Verlages, einen neuen Liebesroman zu veröffentlichen. Als er einen roten Ballon mit einer Postkarte findet, auf der eine Luzie ihren Herzenswunsch, dem nach einem neuen Vater, geschrieben hat, erhält Gabriel die erhoffte Inspiration für sein neues Buch. Emotional berührt von der traurigen Karte, sorgt Gabriel zunächst dafür, dass Luzie den Wettbewerb mit der am weitesten entfernten Postkarte gewinnt und nimmt für die Recherche seines Buches sukzessive mehr Raum im Leben von Luzie und ihrer Mutter Miriam ein, verstrickt sich dabei immer tiefer in ein Lügenkonstrukt, um seine Identität zu verbergen.

"Luzie in den Wolken" wird abwechselnd aus der Perspektive von Gabriel und Miriam erzählt und handelt im Kern im Zeitraum von drei Monaten von September bis Dezember. Gabriel schleicht sich als Buchhalter Ben in Miriams Leben, um mehr Input für sein Buch zu erhalten. Dabei geht er jedoch nicht nur eigennützig vor, sondern freundet sich mit der alleinerziehenden Mutter an, die Inhaberin eines Second Hand-Ladens in roten Zahlen ist. Miriam mag den sympathischen Buchhalter, der nicht nur einen Raum bei ihr anmietet und sie bereitwillig in ihrem Laden vertritt, sondern sich auch ihre siebenjährige Tochter gut mit Ben versteht.

Die dialoglastige Geschichte mit zahlreichen Alltagsszenen aus dem Second Hand-Laden und dem Leben mit einem kleinen Kind sind lebendig und unterhaltsam geschildert. Die beiden Hauptfiguren Gabriel und Miriam sind authentisch dargestellt und mit ihren Empfindungen leicht vorstellbar. Die siebenjährige aufgeweckte Luzie und Miriams beste Freundin, die Astrologie begeisterte und loyale Becka, bereichern den Plot.

Trauer und Depression sind eingangs dominant, jedoch im Verlauf der Geschichte schnell vergessen oder nicht vordergründig. Der Roman ist vielmehr optimistisch, hoffnungsvoll und warmherzig, auch wenn im Hintergrund Gabriels Lügengerüst schwelt.

Trotz der abwechslungsreichen und lebendigen Darstellung ist die Geschichte vorhersehbar und bietet im Hinblick auf das Grundgerüst aus Liebe und Lüge wenig Überraschendes. Auch ist das Engagement Gabriels überzogen, mit großem Aufwand und finanziellem Einsatz verbunden und in der Intensität gar nicht nötig, um Platz in Miriams Leben zu erhalten. So verliert die Geschichte an Glaubhaftigkeit und bleibt in Bezug auf die ernsten Themen eher zurückhaltend. Gerade Gabriels familiärer Hintergrund oder auch Miriams Erinnerungen an ihren Mann hätten dem Roman in einer ausführlicheren Darstellung mehr Emotionen und Tiefe verliehen. Am Ende geht es mit einem Zeitsprung in März und September des Folgejahres im Vergleich zur sehr detaillierten Erzählweise zuvor recht schnell, um die Geschichte zu einem Ende zu bringen. Alle Probleme sind letztlich wie von Zauberhand gelöst.

So ist "Luzie in den Wolken" ein unterhaltsamer Wohlfühlroman über Freundschaft, Liebe und Familie, aber auch Verlust und Reue, der weniger berührend ist, als erwartet. Die Geschichte ist lebendig und einfühlsam, mit besonders liebevoll gezeichneten Figuren (es gibt sogar ein Wiedersehen mit Charakteren aus "Dein perfektes Jahr"), aber am Ende doch etwas sehr märchenhaft.
Der Bestsellerautor Gabriel Bach leidet sowohl unter einer Sinnkrise als auch einer Schreibblockade und steht unter dem Druck des Verlages, einen neuen Liebesroman zu veröffentlichen. Als er einen roten Ballon mit einer Postkarte findet, auf der eine Luzie ihren Herzenswunsch, dem nach einem neuen Vater, geschrieben hat, erhält Gabriel die erhoffte Inspiration für sein neues Buch. Emotional berührt von der traurigen Karte, sorgt Gabriel zunächst dafür, dass Luzie den Wettbewerb mit der am weitesten entfernten Postkarte gewinnt und nimmt für die Recherche seines Buches sukzessive mehr Raum im Leben von Luzie und ihrer Mutter Miriam ein, verstrickt sich dabei immer tiefer in ein Lügenkonstrukt, um seine Identität zu verbergen.

"Luzie in den Wolken" wird abwechselnd aus der Perspektive von Gabriel und Miriam erzählt und handelt im Kern im Zeitraum von drei Monaten von September bis Dezember. Gabriel schleicht sich als Buchhalter Ben in Miriams Leben, um mehr Input für sein Buch zu erhalten. Dabei geht er jedoch nicht nur eigennützig vor, sondern freundet sich mit der alleinerziehenden Mutter an, die Inhaberin eines Second Hand-Ladens in roten Zahlen ist. Miriam mag den sympathischen Buchhalter, der nicht nur einen Raum bei ihr anmietet und sie bereitwillig in ihrem Laden vertritt, sondern sich auch ihre siebenjährige Tochter gut mit Ben versteht.

Die dialoglastige Geschichte mit zahlreichen Alltagsszenen aus dem Second Hand-Laden und dem Leben mit einem kleinen Kind sind lebendig und unterhaltsam geschildert. Die beiden Hauptfiguren Gabriel und Miriam sind authentisch dargestellt und mit ihren Empfindungen leicht vorstellbar. Die siebenjährige aufgeweckte Luzie und Miriams beste Freundin, die Astrologie begeisterte und loyale Becka, bereichern den Plot.

Trauer und Depression sind eingangs dominant, jedoch im Verlauf der Geschichte schnell vergessen oder nicht vordergründig. Der Roman ist vielmehr optimistisch, hoffnungsvoll und warmherzig, auch wenn im Hintergrund Gabriels Lügengerüst schwelt.

Trotz der abwechslungsreichen und lebendigen Darstellung ist die Geschichte vorhersehbar und bietet im Hinblick auf das Grundgerüst aus Liebe und Lüge wenig Überraschendes. Auch ist das Engagement Gabriels überzogen, mit großem Aufwand und finanziellem Einsatz verbunden und in der Intensität gar nicht nötig, um Platz in Miriams Leben zu erhalten. So verliert die Geschichte an Glaubhaftigkeit und bleibt in Bezug auf die ernsten Themen eher zurückhaltend. Gerade Gabriels familiärer Hintergrund oder auch Miriams Erinnerungen an ihren Mann hätten dem Roman in einer ausführlicheren Darstellung mehr Emotionen und Tiefe verliehen. Am Ende geht es mit einem Zeitsprung in März und September des Folgejahres im Vergleich zur sehr detaillierten Erzählweise zuvor recht schnell, um die Geschichte zu einem Ende zu bringen. Alle Probleme sind letztlich wie von Zauberhand gelöst.

So ist "Luzie in den Wolken" ein unterhaltsamer Wohlfühlroman über Freundschaft, Liebe und Familie, aber auch Verlust und Reue, der weniger berührend ist, als erwartet. Die Geschichte ist lebendig und einfühlsam, mit besonders liebevoll gezeichneten Figuren (es gibt sogar ein Wiedersehen mit Charakteren aus "Dein perfektes Jahr"), aber am Ende doch etwas sehr märchenhaft.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.03.2025

Wie geht es nach dem Happy End weiter? Emotionale, aber schwermütige Liebesgeschichte mit den bekannten Figuren aus "Miss you"

Everlast -
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Tess und Gus kommen zum ersten Mal in einer Kirche in Florenz miteinander ins Gespräch und merken erst dann, dass es schon unzählige Gelegenheiten gegeben hat, an denen sie sich näher hätten kennenlernen ...

Tess und Gus kommen zum ersten Mal in einer Kirche in Florenz miteinander ins Gespräch und merken erst dann, dass es schon unzählige Gelegenheiten gegeben hat, an denen sie sich näher hätten kennenlernen können. Wie das Schicksal so will, war ihre erste Begegnung schon vor 16 Jahren in Florenz. Sie verbringen gemeinsame Tage in der Toskana und verlieben sich ineinander, träumen sogar davon, gemeinsam nach Italien zu ziehen.
Zurück in London ist es schwer, die unbeschwerte Urlaubsfreude zu bewahren und in den Alltag mitzunehmen. Sowohl Tess als auch Gus haben, ihre Päckchen zu tragen, haben Trauer und Ablehnung erlebt und müssen unteren den Herausforderungen ihres Lebens ihre Liebe bewahren.

"Everlast - Sich zu verlieben ist nur der Anfang" ist die Fortsetzung von "Miss you", erzählt jedoch eine ganz eigene Liebesgeschichte, weshalb die Romane auch unabhängig von einander zu lesen sind.
Während die Mehrheit der Liebesromane vom Suchen und Finden der Liebe handelt und mit einem Happy End endet, beginnt "Everlast" mit dem Happy End und handelt davon, was danach kommt. Es ist insofern eine erwachsene Liebesgeschichte, die gut zum Alter der Protagonisten mit Mitte 30 passt, die schon einiges in ihrem Leben erlebt haben.

Neben der Liebe, Romantik und der Hoffnung auf ein gemeinsames Leben handelt der Roman im Zeitraum von 2013 bis 2020 von vielen ernsten Themen wie Krebserkrankungen, Depressionen, Neurodivergenz und schwierigen familiären Beziehungen, weshalb die Geschichte beginnend mit dem Prolog schwermütig anmutet. Man sollte sich deshalb vom Cover in bunten Pastellfarben, das eine Sommerliebe suggeriert, nicht irreleiten lassen.

Nach der Verliebtheit und Euphorie in Italien folgt das wirkliche Leben für Tess und Gus in London. Dort ist es weniger der Alltag, der sie einholt, sondern die Geschichte, die sie mit sich tragen. Als geschiedener Vater hat Gus seine Verpflichtungen und Tess ist nach einer Krebserkrankung in Remission und fühlt sich für ihre jüngere Schwester verantwortlich. Zudem sind beide unglücklich mit ihrer Berufswahl. Für die Liebe bleibt bei all den Sorgen, Problemen und Beeinflussung von Freunden und Verwandten kaum Raum, auch wenn Tess und Gus für einander da sind und ihre Liebe nicht aufgeben möchten.

Durch wechselnde Sichten kann man sich in beide Leben und Gefühle sehr gut hineinversetzen, was durch die Ich-Perspektive noch verstärkt wird. Bei Tess und Guss kommen jedoch so viele psychische, physische und familiäre zusammen, dass die Geschichte viel mehr belastende als heitere, romantische Momente hat. Sie ist empathisch, aber auch sehr schwermütig und melancholisch, wobei auf übertriebene Dramatik verzichtet wird.

Auch wenn diese Liebesgeschichte vielleicht realistischer als so manche Happy Ever After-Romanze ist, hätte ich mir dennoch mehr gemeinsame Glücksmomente für Tess und Gus gewünscht, die die vielen verpassten Chancen über 16 Jahre hinweg wieder wettgemacht hätten. Aber gerade weil den beiden so viele Hürden auferlegt werden, ist die Geschichte unwahrscheinlich vielfältig, führt an verschiedene Orte auf der ganzen Welt und - gäbe es den Prolog nicht - wäre sie zudem im Hinblick auf das Ende unvorhersehbar.

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Veröffentlicht am 01.03.2025

Spannende Mischung aus Kriminalfall und Familientragödie vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Konventionen, patriarchaler Strukturen, Machtmissbrauch und Vorurteilen - eine lebendige und erschütternde Zeitreise in die 1960er- und 1970er-Jahre

Der Gott des Waldes
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Im August 1975 verschwindet ein 13-jähriges Mädchen während eines Sommerferienlagers spurlos in den Adirondack Mountains. Besonders brisant ist, dass Barbara die Tochter der wohlhabenden Familie Van Laar ...

Im August 1975 verschwindet ein 13-jähriges Mädchen während eines Sommerferienlagers spurlos in den Adirondack Mountains. Besonders brisant ist, dass Barbara die Tochter der wohlhabenden Familie Van Laar ist, die Eigentümer des Naturreservats sind und dass schon ihr Bruder seit 14 Jahren vermisst wird.
Die junge Betreuerin Louise hätte auf Barbara aufpassen sollen, war jedoch in der Nacht ihres Verschwindens selbst mit anderen Dingen beschäftigt.
Eine verzweifelte Suche nach der Ausreißerin, die schon früh gegen ihre Eltern rebelliert hat, beginnt und weckt unweigerlich Erinnerungen an den Sommer 1961.
Während die Polizei ermittelt, drängt sich unweigerlich der Verdacht auf, dass die Familie Van Laar etwas zu verbergen hat und nie ein echtes Interesse daran hatte, das Verschwinden des achtjährigen Jungen aufzuklären.

"Der Gott des Waldes " ist eine spannende Mischung aus Familientragödie und Kriminalroman, die aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt wird. Auf dieses Weise erhält man einen umfassenden Einblick in die Angestellten im Camp, die mächtige Familie Van Laar, Helfende, Polizisten und die Kinder im Camp. Der Fokus rückt dabei insbesondere auf die weiblichen Figuren. Alice, Barbaras Mutter, ist gefangen in einer unglücklichen Ehe und hat den Verlust ihres Sohnes nicht verkraftet. Die 12-jährige Tracy ist ein schüchternes Mädchen, dass sich mit Barbara angefreundet hatte und mehr über sie weiß, als sie preisgeben mag. Daneben ist es die unkonventionelle T.J., eine der Zuständigen im Camp, die gegen einen Aufenthalt der aufmüpfigen Barbara im Camp war. Die Betreuerin Louise hat ihre eigenen Geheimnisse, warum sie ihrer Pflicht nicht nachgekommen ist, auf Barbara zu achten und gerät als erstes in Verdacht. Für die Ermittlungen zuständig ist unter anderem die junge Investigator Judy Luptack, die von den Angehörigen als Polizistin nicht ernst genommen wird und auch innerhalb der Polizeistrukturen als Frau einen schweren Stand hat.

Neben den Ereignissen im Sommer 1975 sind die Rückblenden in die Vergangenheit, angefangen von den 1950er-Jahren bis zum tragischen Sommer 1961, zentral. In der Rückschau erfährt man mehr über die Familienverhältnisse der Van Laars und die Suche nach Sohn Bear. Dabei ist spannend zu erfahren, ob und wie das Verschwinden von Bear mit dem Verschwinden seiner Schwester in einem Zusammenhang stehen könnte. Parallel dazu verleiht die Flucht des "Schlitzers" aus dem Gefängnis, einem Sexualstraftäter und brutalen Serienmörder, ein ungutes Gefühl.

Durch einen Zeitstrahl und die Benennung der Person zu Beginn der kurzen Kapitel überfordert die sprunghafte Erzählung nicht, sondern sorgt gezielt für Cliffhanger. Die Naturbeschreibungen sind bildhaft und machen die Umgebung des Naturreservats und das Anwesen der angesehenen Van Laars so gut vorstellbar wie die einzelnen Personen, die trotz ihrer Vielzahl fein gezeichnet sind.

"Der Gott des Waldes" ist neben einer spannenden und tragischen Kriminalgeschichte eine lebendige Zeitreise in die 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahre, in der die sozialen Ungleichheiten zwischen Arm und Reich sowie zwischen Mann und Frau deutlich zutage treten. Voller Empathie blickt die Autorin auf ihre Figuren und hält die Spannung durch zwei sich ähnelnde Vermisstenfälle und die Familie mit ihren verborgenen Geheimnissen in Vergangenheit und Gegenwart gleichbleibend hoch.
Die Geschichte ist fesselnd und erschütternd zugleich, während sich immer mehr familiäre Abgründe auftun und sich die Puzzlestücke zur Klärung beider Vermisstenfälle vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Konventionen, patriarchaler Strukturen, Machtmissbrauch und Vorurteile, auftun.

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Veröffentlicht am 27.02.2025

Unblutige Geschichte mit wenig Thrill, langatmig erzählt und sehr konstruiert aufgebaut

Winternacht - Der Schnee begräbt alles. Nur die Lügen nicht
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Olive Anderson ist alleine in einem Hotelrestaurant, als sich eine Fremde an ihren Tisch setzt und vorgibt, ihre Ehefrau zu sein. Olive, die seit sechs Monaten unglücklich mit dem bekannten Abgeordneten ...

Olive Anderson ist alleine in einem Hotelrestaurant, als sich eine Fremde an ihren Tisch setzt und vorgibt, ihre Ehefrau zu sein. Olive, die seit sechs Monaten unglücklich mit dem bekannten Abgeordneten Michael Anderson verheiratet ist, lässt sich auf das Spiel ein. Die Fremde scheint ihren Ehemann besser zu kennen und behauptet zudem, dass Michael seine erste Ehefrau getötet habe.
Am nächsten Morgen meldet Michael Olive als vermisst und Detective Sergeant Alexandra Thomas und der Verkehrspolizist Garry Mizon ermitteln in dem Fall, während die übrigen Einheiten mit einem OK-Fall um den berüchtigten Verbrecher Howie Trick befasst sind.
Die Spurensuche nach Olive führt zu einer weiteren verschwundenen Frau aus dem Umfeld von Anderson, was den Labour-Politiker zunehmend verdächtig erscheinen lässt.

Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen und beschreibt in der Gegenwart die Ermittlungen der Polizei nach dem mysteriösen Verschwinden Olives, während die Vergangenheit in das Leben von Olive als Krankenschwester und ehemaliger Armeeangehöriger blicken lässt.
Auch wenn es logische Parallelen zwischen beiden Zeitebenen gibt und immer mehr Details zutage kommen, in welchem Zusammenhang die einzelnen Personen zu einander stehen, bleibt die Rolle des Abgeordneten Anderson undurchsichtig. Lange ist es reine Spekulation, ob er tatsächlich ein Interesse am Verschwinden seiner Frauen hat und sogar den Tod seiner krebskranken Ehefrau beschleunigt haben könnte. Genauso rätselhaft ist das Motiv der Fremden, die Olive verführt.

Die Geschichte handelt im tiefsten Winter mit heftigen Schneefällen, die die Polizeiarbeit erschweren. Die Ermittlungen des ungleichen Duos sind unorthodox und wirken wie Recherchen von Hobby-Detektiven nach Feierabend. Die junge Sergeant ermittelt eigenmächtig und wird dabei von einem Verkehrspolizisten unterstützt, der sich selbst als Sonderling bezeichnet und nur aufgrund der Familientradition die Polizeilaufbahn eingeschlagen hat. Der Fall interessiert ihn jedoch persönlich und darüber hinaus hat er sich in seine Vorgesetzte verliebt, weshalb er außerhalb seiner Dienstzeiten agiert

Spannung ist unterschwellig vorhanden, während Olives Schicksal und vor allem die Motivation der fremden Frau ungewiss ist. "Winternacht" ist eine unblutige Geschichte, die nur wenig Thrill entfaltet und allenfalls als eigenwilliger Krimi zu bezeichnen ist.
Auch wenn man neugierig ist, wie alle losen Fäden zusammenhängen, wird die Geschichte nach einem starken und spannenden Beginn durch zu viele unnötige Details zunehmend verworren und langatmig. Das Motiv um Machtmissbrauch, Sex und Eifersucht ist speziell und effekthascherisch und lässt die ganze Geschichte arg konstruiert aussehen. Die Auflösung ergibt sich dann recht plötzlich und das Ende ist zu romantisierend und hat mit einem Thriller gar nichts mehr zu tun.

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Veröffentlicht am 25.02.2025

Eine romantische Auszeit in Italien - eine undramatische, aber abwechslungsreiche und lebendige Geschichte über die Suche nach Liebe und Familie.

Die kleine Villa in Italien
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Lia hat vor Kurzem durch einen Zufall erfahren, dass ihr Vater nicht ihr leiblicher Vater ist. Ihre Mutter erzählte ihr sodann von einer kurzen Romanze mit einem Italiener, der Schauspieler in Hollywood ...

Lia hat vor Kurzem durch einen Zufall erfahren, dass ihr Vater nicht ihr leiblicher Vater ist. Ihre Mutter erzählte ihr sodann von einer kurzen Romanze mit einem Italiener, der Schauspieler in Hollywood geworden ist. Lia möchte Ernesto kennenlernen und reist dafür an die Amalfiküste nach Italien, wo er die Sommer mit seiner Familie verbringt. Zuvor hatte Lia versucht, ihren Vater über sein Management zu kontaktieren, war jedoch an Raphael Knight gescheitert.
In Italien stellt sich heraus, dass Raph Ernestos Stiefsohn ist und Lia für eine der vielen Betrügerinnen hält, die behaupten, ein uneheliches Kind Ernestos zu sein. Unerwartet herzlich wird Lia jedoch von Ernesto und seiner Familie aufgenommen und in eine der Gästesuiten der Villa eingeladen. Während Lia Zeit mit der quirligen Patchworkfamilie verbringt und das Flair Italiens genießt, kann sie Raph nicht ausweichen, gegen dessen Misstrauen sie sich zur Wehr setzen muss.

"Die kleine Villa in Italien" ist Band 11 der Reihe "Romantic Escapes" und als eigene Geschichte unabhängig von den Teilen davor zu lesen.

Lia ist in Italien, um nicht nur ihren fremden Vater kennenzulernen, sondern auch um Inspiration für ihre Kunst und den Auftrag eines italienischen Restaurants in London zu erhalten. Sie trifft dort auf eine reiche, aber dennoch sehr bodenständige Familie, die sie warmherzig willkommen heißt. Für Lia ist der Kontrast enorm, denn sie war verletzt von der Lüge ihrer Mutter über ihre Herkunft überstürzt abgereist, fühlt sich entwurzelt und leer. Sie spürt mehr den Verlust der gewohnten Familie, als den Zugewinn einer neuen. Ihre Sehnsucht nach Zugehörigkeit ist groß und dir Gastfreundschaft der Salvatores macht es ihr leicht, auch wenn sie sich zunächst vor Raph behaupten muss, der einen ausgeprägten Beschützerinstinkt hat. Die Spannung zwischen den beiden lässt unter der Sonne Italiens jedoch bald die Funken sprühen.

Die Geschichte erfüllt als "romantische Auszeit" die Erwartung der Reihe. Sie vermittelt Leichtigkeit und Urlaubsstimmung und durch die anschaulichen Beschreibungen hat man sonnige Bilder im Kopf und den Duft von frischer Pasta, Zitronen oder dem salzigen Meer in der Nase.
Auch wenn Lia sich verraten fühlt, unter der Lebenslüge über ihre Wurzeln leidet und auf Distanz zu ihrer Primärfamilie geht, ist die Stimmung nicht betrüblich und die Geschichte wenig anspruchsvoll oder tiefsinnig. Im Vordergrund stehen neben den Flirts und plumpen Kuppelversuchen von Raphs Mutter vor allem die Atmosphäre und der Genuss. Der Roman liest sich über weite Teile wie ein kulinarischer Reisebericht, führt durch Zitronenhaine zur Weltstadt des Thunfischs bis zur besten Pizza in Neapel. Es wird gekocht, gegessen und die Highlights der Amalfiküste entdeckt.

Die Geschichte ist abwechslungsreich, lebendig und hat auch dank der liebenswerten Charaktere ihren Charme, ist als reine sommerliche Unterhaltungslektüre allerdings wenig feinfühlig oder emotional. Die eigentlichen Probleme der Identitätskrise, der verletzten Gefühle und des Misstrauens, mit denen sich die Hauptfiguren Lia und Raph konfrontiert sehen, treten für Liebe und Flair in den Hintergrund.

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