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Veröffentlicht am 13.06.2023

Turbulenter Roadtrip - witzig und wortgewandt, aber zur Unterhaltung etwas konstruiert und zunehmend zäh. Die Schlussfolgerungen, die Charaktere ziehen, erscheinen am Ende überstürzt und zu gewollt.

Morgen mach ich bessere Fehler
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Elli ist 27 Jahre alt, alleinerziehende Mutter einer sechsjährigen Tochter und lebt und arbeitet in Plön in Schleswig-Holstein. Als sie zu einer Familienfeier im Allgäu eingeladen ist, wird sie dazu gedrängt, ...

Elli ist 27 Jahre alt, alleinerziehende Mutter einer sechsjährigen Tochter und lebt und arbeitet in Plön in Schleswig-Holstein. Als sie zu einer Familienfeier im Allgäu eingeladen ist, wird sie dazu gedrängt, Großonkel Heinz mitzunehmen, der in einem Altenheim in Hamburg wohnt. Diesem kann man scheinbar nichts recht machen, zudem hat er Vorbehalte ob Ellis unehelicher Tochter und ihrem Lotterleben. An einer Tankstelle trifft Elli einen Rechtsanwalt wieder, den sie von einer missglückten Guerilla-Gardening-Aktion kennt. Cano muss dringend zu einem Termin nach München und braucht eine Mitfahrgelegenheit. Aufgrund ihrer finanziell misslichen Lage geht Elli einen Deal mit Cano ein. Während Töchterchen Paula schnell für den attraktiven Anwalt schwärmt, fühlt auch Elli bald ihr Herz höher schlagen, obwohl der Schnöselanwalt doch so ganz anders ist, als die Chaos-Queen.

"Morgen mach ich bessere Fehler" ist eine turbulente romantische Komödie, die einen abenteuerlichen Roadtrip vom hohen Norden Deutschlands bis ins tiefste Bayern beschreibt. Statt der geplanten Tagestour dehnt sich die einfache Fahrt aufgrund widriger Umstände und ungeplanter Pausen auf mehrere Tage aus. Elli, die sich immer stärker zu ihrem Mitfahrer Cano hingezogen fühlt, hat bald nichts mehr dagegen, dass sich die Fahrt ins Unendliche zu ziehen scheint und auch Töchterchen Paula hat auf der Fahrt mit den ungleichen Erwachsenen und den interessanten Eindrücken ihren Spaß.

Die Geschichte ist humorvoll geschildert, schlägt jedoch mit den Themen Rassismus, Umwelt- und Tierschutz, Einsamkeit im Alter, Armut und den alltäglichen Sorgen einer alleinerziehenden Mutter auch ernste Töne an.
Hinsichtlich der Liebesgeschichte fehlte mir ein Knistern zwischen den Protagonisten, ihre Anziehung für einander entwickelte sich nach anfänglicher Abneigung sehr schnell.
So manche Station auf dem Weg nach Bayern empfand ich etwas albern und übertrieben dargestellt.

Die Geschichte ist - positiv ausgedrückt - ideenreich und unterhält auf leichte Art und Weise. Kritischer betrachtet, ist sie zu konstruiert und mit Absurditäten überfrachtet: der Besuch einer Kaninchenschau und eines Schützenfests, wenn man doch eigentlich ein ganz anderes Ziel vor Augen hat? Eine Schießerei mit einem Feuerzeug und eine Übernachtung im Speiseraum eines Gasthofs? Diesbezüglich driftete mir die Geschichte zu sehr ins Alberne ab.
Während der Beginn des Buches mit Eindrücken vom Hof, auf dem Elli lebt und ihrer Tätigkeit als Umweltaktivistin gut gefallen hat, hatte der Roadtrip mit seinen zahlreichen Stopps seine Längen. Nach der großen Fahrt war die Luft etwas heraus, im Allgäu ereignete sich wenig und so wartete man einfach nur noch auf das Happy End.

Die Schlussfolgerungen, die die Charaktere aus ihrem Roadtrip ziehen, um ihr Leben umzukrempeln, erscheinen überstürzt und für die Botschaft des Romans zu gewollt.
"Morgen mach ich bessere Fehler" ist ein Roman über Zusammenhalt und Toleranz, der sich erwartungsgemäß entwickelt, witzig und wortgewandt ist, aber gänzlich ohne Spannungsmomente auskommt.

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Veröffentlicht am 11.06.2023

Ein etwas holpriger Schreibstil und ein stetiger Wechsel der Zeitebenen verhindern ein flüssiges Lesen, so dass der Krimi nicht wirklich fesseln kann.

Sturm in Moordevitz
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Nach einem Sturmhochwasser findet Jörn ein menschliches Skelett im Sand, das mehrere Jahrzehnte alt ist und später einer ungefähr 20 Jahre alten männlichen Person zuzuordnen ist. Da bei den Knochen ein ...

Nach einem Sturmhochwasser findet Jörn ein menschliches Skelett im Sand, das mehrere Jahrzehnte alt ist und später einer ungefähr 20 Jahre alten männlichen Person zuzuordnen ist. Da bei den Knochen ein Medaillon mit einem Familienwappen aufgefunden wurde, könnte es sich bei dem Toten um einen Urahn der adeligen Familie der von Musing-Dotenows handeln. Jörn meldet den Fund seiner Tante Katharina Lütten, die als Kommissarin bei der Polizei arbeitet und zudem mit Johanna Freifrau von Musing-Dotenows befreundet ist.
Die forensische Untersuchung der Überreste der Leiche wirft Fragen auf. Zudem wird Johanna von einem Unbekannten erpresst und ihre im Altenheim lebende Großmutter bedroht. Fast zeitgleich wird Johannas Cousine Ilka tot aufgefunden. Trotz eines Abschiedsbriefs gibt es Zweifel an einem Suizid.

"Sturm in Moordevitz" handelt auf zwei Zeitebenen. Der Roman verbindet fiktive Kriminalfälle der Vergangenheit und Gegenwart mit dem Ostseesturmhochwasser vom 12./ 13. November 1872. Die Geschichte wird in kurzen Kapiteln erzählt und wechselt deshalb häufig zwischen den Ereignissen von 1872 und dem Heute. Durch die fortlaufenden Wechsel fiel es mir schwer, mich in die Geschichte einzubinden und einen Bezug zu den Charakteren herzustellen. Möglicherweise hätte ein Vorwissen aus dem Buch "Mord in Moordevitz" geholfen, um ein Gefühl für Orte und Figuren zu erhalten.

Während der Erzählstrang der Vergangenheit aufgrund des recht offensichtlichen Motivs recht plausibel ist, empfand ich das Heute ein wenig konstruiert und das Verhalten der Personen nicht immer schlüssig. Die Herangehensweise der Polizei wirkte auf mich wenig professionell, mehr wie eine Tätigkeit von Hobbyermittlern, mehr persönlich als beruflich motiviert und damit wenig authentisch. Die Schlussfolgerungen bei den Ermittlungen waren mir nicht immer nachvollziehbar, die Reaktionen des Täters widersinnig.
Ich hatte sogar den Eindruck, als würden mir Teile der Geschichte fehlen, die vieles erklärt hätten. So konnte mich die Gegenwart nicht fesseln und am Ende wurde ich vom abrupten Ende überrumpelt.

Problematisch war für mich zudem die Einleitung der Kapitel der Vergangenheit mit Zeitungsartikeln und Aufzeichnungen, die in Kurrentschrift verfasst sind. Das Entziffern der Worte empfand ich als mühselig und ermüdend. Die Wiedergabe veranschaulicht den historischen Bezug, eine Fußnote wäre für mich jedoch hilfreich gewesen. Auch sind die abgedruckten Bilder von Landschaften, Orten und Gebäuden veranschaulichend und nicht uninteressant, weisen aber regelmäßig keinen Bezug zum folgenden Kapitel auf, was sie wiederum entbehrlich macht.
Aufgrund der fehlenden Plausibilität und Spannung konnte mich der Roman wenig begeistern. Weder die Idee hinter der Geschichte, die Verbindung von Gegenwart und Vergangenheit, noch die Aufmachung des Buches fand ich gelungen.

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Veröffentlicht am 09.06.2023

Trotz Vorhersehbarkeit eine süße Feel-Good-Geschichte mit viel Genuss - herzerwärmend und unterhaltsam

Das Leben braucht mehr Schokoguss
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Mia ist Mitte 20, studiert Marketing und hat eine Praktikumsstelle in einer Schweizer Schokoladenmanufaktur angetreten, wo der Ehemann ihrer Halbschwester arbeitet. Nach einem holprigen Start arbeitet ...

Mia ist Mitte 20, studiert Marketing und hat eine Praktikumsstelle in einer Schweizer Schokoladenmanufaktur angetreten, wo der Ehemann ihrer Halbschwester arbeitet. Nach einem holprigen Start arbeitet sich Mia selbstständig ein und versucht die Manufaktur mit ein wenig frischem Wind und neuen Ideen aus den roten Zahlen zu verhelfen. Im Schweizer Kollegenkreis fühlt sie sich auch dank der stetig vorhandenen Schokolade bald wohl. Zudem findet mit ihrer lange unbekannten Halbschwester allmählich eine Annäherung statt. Interessiert wird ihr Verhältnis zum Juniorchef Fabian Zuckermann beobachtet, denn durch eine Verwechslung ist Mia in die Rolle seiner Verlobten geschlüpft und muss insbesondere Fabians Großmutter etwas vorspielen, was das ein oder andere Fettnäpfchen beinhaltet und was Mia durch die aufkeimenden Gefühle zu Fabian, seiner Familie und der Schokoladenmanufaktur zunehmend schwerer fällt.

"Das Leben braucht mehr Schokoguss" ist eine Liebeskomödie, die lebendig und abwechslungsreich geschildert ist und die/ den Leser/in anschaulich in das Schweizer Dorf und insbesondere die dortige familiengeführte Schokoladenmanufaktur versetzt.
Die Geschichte ist durch die Verwechselung und Inszenierung von Mia als Verlobte des Juniorchefs witzig, ohne albern zu sein und enthält durch Mias schwierigen familiären Hintergrund und die prekäre finanzielle Situation des Familienbetriebs zudem ernste Töne, die der Geschichte Tiefe verleihen und sie facettenreich gestalten.

Während die Liebesgeschichte sich eher nebenbei entwickelt und die Gefühle der Hauptfiguren für einander nicht so sehr im Vordergrund stehen, erhält man einen sehr guten Einblick in die Schokoladenproduktion und den schwierigen Spagat aus neuen Gesundheitstrends und der Nostalgie und dem Genuss von handgefertigter Schokolade.

Mia ist zudem ein sympathischer, ehrlicher und bodenständiger Charakter, der sich in der Rolle der Verlobten nicht wohlfühlt und der es schwerfällt, Menschen etwas vorzuspielen, die sie allmählich in ihr Herz schließt. Ihre Unsicherheit im Umgang mit Fabian, den sie selbst nicht einzuschätzen weiß, ist nachvollziehbar wie auch die Verbindung zu ihrer Halbschwester Annette, die verschlossen ist und ihr nicht offen zeigt, was ihr Familie bedeutet. Mit Engagement und jugendlichem Leichtsinn stürzt sie sich in die Arbeit und versucht insbesondere Fabian von neuen Ideen zu überzeugen, die gleichzeitig das Familienerbe bewahren.

Trotz ihrer Vorhersehbarkeit ist es eine Feel-Good-Geschichte mit viel Genuss, die herzerwärmend und unterhaltsam ist und genau das hält, was sie verspricht: das Leben mit Schokolade zu versüßen.

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Veröffentlicht am 09.06.2023

Wendungsreiche und spannend konstruierte Familiengeschichte, die sich von einem anfänglichen Drama zu einem regelrechten Thriller entwickelt.

Das Schweigen meiner Schwestern
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Die Familie Neumann verbringt jedes Jahr den Sommerurlaub auf Langeoog. Die vier Schwestern fühlen sich in ihrem zweiten Zuhause wohl, genießen die Tage am Meer und haben auf der Insel über die Jahre ...


Die Familie Neumann verbringt jedes Jahr den Sommerurlaub auf Langeoog. Die vier Schwestern fühlen sich in ihrem zweiten Zuhause wohl, genießen die Tage am Meer und haben auf der Insel über die Jahre hinweg Freundschaften geschlossen. Der Sommer 1998 verändert jedoch alles und wird der letzte gemeinsame Urlaub der Familie auf Langeoog sein.
Zwanzig Jahre später ist die Mutter nach langem Krebsleiden gestorben und hatte den Wunsch, auf Langeoog beigesetzt zu werden. Sonja, die das Ferienhaus auf der ostfriesischen Insel geerbt hat, lebt seit dem Tod des Vaters auf der Insel. Die anderen Schwestern müssen anreisen und es ist die älteste Jenni, die sich regelrecht zwingen muss, zurückzukehren. Zu tief sitzt das Trauma, zu belastend ist die Schuld und das Geheimnis, das die Schwestern verbindet und entzweite.
All die Jahre haben die Schwestern ihre eigenen Leben gelebt und es vermieden sich zu treffen, um die Geschehnisse von damals zu verdrängen und zu begraben.
Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen und erzählt aus unterschiedlichen Perspektiven der vier Schwestern im Alter von sechs bis achtzehn Jahren, was sich im Sommer 1998 ereignet hat. In der Gegenwart im November 2018 treffen sie erstmalig nach längerer Zeit wieder aufeinander, um ihre Mutter auf Langeoog beizusetzen.
Während die Schwestern in jungen Jahren trotz ihres Altersunterschieds eng zusammenhielten, ihre Freizeit miteinander verbrachten, Geheimnisse teilten, die jüngeren ihre älteren Schwestern bewunderten und die älteren auf ihre jüngeren Schwestern aufpassten, haben sich Jenni, Mo, Sonja und Kaja als Erwachsene entfremdet.
Spannend ist zu erfahren, was sich im Sommer 1998 ereignet hat, das so zerstörerisch gewesen sein muss, dass die Familie am Ende entzwei brach. Ein Streit der Eltern führt zur Eskalation, lügen offenbaren sich und ein Vertrauen wird zerstört, das nicht mehr zu kitten scheint. Neben der Sorgen um die Eltern haben aber auch die Schwestern ihre Geheimnisse, machen Erfahrungen mit Jungs, erleben die erste Liebe und haben mit Selbstzweifeln zu kämpfen. Die Situation spitzt sich zu und eine Katastrophe scheint sich anzubahnen, denn eine ungute Atmosphäre ist spürbar. Nach einem Point of No Return ist schöne Urlaubsstimmung umgeschlagen, was bleibt ist Hilflosigkeit, Schuld, Gewalt und Angst.
Auch zwanzig Jahre später ist die Stimmung zwischen den Schwestern angespannt. Im Vordergrund steht nicht die Trauer um die verstorbene Mutter, sondern ihre zerrüttete Geschwisterbeziehung, gegenseitiges Misstrauen, Eifersucht und gegenseitige Schuldzuweisungen. Während ein Teil der Schwestern sichtbar gemüht ist, einander anzunähern, ist ein Teil zurückhaltend bis gleichgültig. Neben den traumatischen Ereignissen aus dem letzten Sommerurlaub scheint noch mehr zwischen ihnen zu stehen, aus Provokationen werden wieder Konflikte.
Die Charaktere sind individuell und lebendig gezeichnet. Jede Schwester wird in ihrer Einzigartigkeit dargestellt und so fällt es schwer, gleichgut hinter jede Fassade zu blicken, jedoch leicht ihre Verletzungen, Ängste, Wut und Unsicherheiten nachzuempfinden.
"Das Schweigen meiner Schwestern" ist eine tragische Familiengeschichte, die durch die langsame Annäherung an verborgene Geheimnisse und unverzeihliche Taten spannend geschildert ist. Das anfängliche Drama entwickelt sich zu einem regelrechten Thriller.
Die Erzählung ist auf beiden Zeitebenen gleichermaßen spannend, die Dynamik unter den Schwestern packend und lebensecht. Der Wechsel zwischen den Handlungssträngen und Protagonisten erhöht die Spannung, zahlreiche Wendungen machen das Ende unabsehbar.

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Veröffentlicht am 06.06.2023

Die von Rivalität geprägte Freundschaftsgeschichte geht weiter - leider am Ende sehr zäh

Die Geschichte eines neuen Namens
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Lila ist frisch mit dem gut situierten Stefano Caracci verheiratet, aber bereut bereits am Tag der Hochzeit die Ehe mit ihm eingegangen zu haben. Sie ist unglücklich, verbittert, verbirgt ihre Gefühle ...

Lila ist frisch mit dem gut situierten Stefano Caracci verheiratet, aber bereut bereits am Tag der Hochzeit die Ehe mit ihm eingegangen zu haben. Sie ist unglücklich, verbittert, verbirgt ihre Gefühle jedoch hinter einer unnahbaren Arroganz, die es schwer macht, sie zu mögen. Darunter leidet auch immer wieder ihre Freundin Lenù. Diese geht im Gegensatz zu Lila weiterhin zur Schule, obwohl sie diese zeitweise abgebrochen hatte. Sie lernt und arbeitet fleißig, wird dabei von Lila herausgefordert und finanziell unterstützt, hat trotz ihrer Leistungen jedoch nur wenig Selbstvertrauen. Von Antonio wurde sie verlassen, schwärmt jedoch insgeheim ohnehin für Nino, der inzwischen studiert.
Als Lila von ihrer Familie gezwungen wird, sich von einem Arzt untersuchen zu lassen, da sie nach einer Fehlgeburt nicht wieder schwanger geworden ist, verordnet dieser ihr, sich zu erholen. Aus eigenem Interesse überredet Lenù sie, den deshalb geplanten Urlaub auf Ischia zu verbringen, wo sich Nino aufhält. Doch der Sommer entwickelt sich ganz anders als erwartet und wieder ist es Lila, die Lenù verletzt, was lange Zeit zu getrennten Wegen der einstigen "Freundinnen" führt.

"Die Geschichte eines neuen Namens" ist nach "Meine geniale Freundin" der zweite Band der "Neapolitanische Saga" und handelt von den Jugend- und frühen Erwachsenenjahre von Lina und Lenù.

Der zweite Teil der Tetralogie setzt Band 1 nahtlos fort und schildert die Jahre von 1960 bis 1967.
Die Anzahl der handelnden Personen ist groß. Die Vorstellung zu Beginn des Romans bietet jedoch einen bequemen Einstieg in Band 2 und eine gute Übersicht zum Zurückblättern während des Handlungsverlaufs.

Wieder ist die Geschichte aus Sicht von Lenù erzählt, die rückblickend aus ihrem Leben mit Lila berichtet. Die beiden verbindet eine Art Hassliebe, die die Faszination der Buchreihe ausmacht. Es ist keine Freundschaft auf Augenhöhe, denn Lila ist die dominante von beiden, gibt den Takt vor und Lenù beugt sich ihrem Willen. Beide sind sie missgünstig und eifersüchtig auf die andere, neiden einander das, was sie nicht haben können und wollen aus dem Käfig des Rione ausbrechen.

Trotz aller Differenzen, Enttäuschungen und Grenzüberschreitungen spornt Lila Lenù nach wir vor an. Sie lernt fleißig, verdient Geld durch Nachhilfestunden und kann im Gegensatz zur verheiraten Lila auf weiterführende Schulen gehen.
Lenù bewundert Lila für ihr Selbstbewusstsein, ihren Mut und ihre Abenteuerlust, dafür dass sie das tut, was ihr gefällt, ohne Rücksicht auf andere zu nehmen. Sie scheut kein Risiko und ist in ihrer Dramatik sogar bereit, den eigenen Tod in Kauf zu nehmen.
Doch Lila kann gemein sein, auch Lenù gegenüber, so dass man sich unwillkürlich fragt, was die beiden zusammenhält, was sie zu Freundinnen macht.

Neben des Porträts dieser anstrengenden Freundschaft wird Neapel in den 1960er-Jahren anschaulich dargestellt. Das Viertel mit den Geschäften und Familien, die alle wirtschaftlich oder verwandtschaftlich miteinander verbunden sind, wird leicht vorstellbar. Mafiöse Strukturen und Gewalt sind allgegenwärtig. Das bekommt vor allem Lila am eigenen Leib zu spüren, was sie jedoch nicht davon abhält, zu provozieren. Die Rolle der Frau wird auf das Kinderkriegen und die Mitarbeit in den jeweiligen Familienbetrieben oder einfachen Angestelltenverhältnissen im Rione beschränkt. Doch Lila und Lenù wollen mehr, mehr Bildung, mehr Anerkennung, mehr persönliche Freiheit, mehr Liebe. Diese Sehnsucht macht Lilas Gemeinheiten, ihren Trotz und ihre regelrechte Kampfeslust erklärbar, während Lenù auch ohne die Unterstützung ihrer Eltern ihre Wissbegier befriedigt, um dem Traum von einem besseren Leben näher zu kommen.

Als sich Lenùs und Lilas Wege trennen und Lenù während des Studiums in Pisa nur noch vom Hörensagen über die Ereignisse in Neapel berichten kann, verliert der Roman ohne die Rivalität der beiden Frauen seinen Reiz und zieht sich im letzten Drittel arg in die Länge.

Band 2 endet wiederum mit einem Cliffhanger und macht neugierig auf die Fortsetzung und der weiteren (getrennten) Lebenswege von Lila und Lenù als erwachsene Frauen.

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