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Veröffentlicht am 01.01.2021

Ein Buch über das Weiterleben nach einer Tragödie, über Schuldgefühle, Trost und einen Neuanfang - weniger emotional als gedacht

Der Tag, an dem die Zeit stillstand
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Bei einem Anschlag auf die Chicagoer Hochbahn im März 2016 kommen 22 Menschen ums Leben. Autumn Manning überlebt. Die 31-Jährige quält sich auch ein Jahr später mit dem Gedanken, warum ausgerechnet sie ...

Bei einem Anschlag auf die Chicagoer Hochbahn im März 2016 kommen 22 Menschen ums Leben. Autumn Manning überlebt. Die 31-Jährige quält sich auch ein Jahr später mit dem Gedanken, warum ausgerechnet sie überlebt hat und alle anderen sterben mussten.
Die Tochter eines der Opfer, Reese Elliott schreibt ihr Briefe und steht eines Tages nach einem Streit mit ihrem Vater Paul vor Autumns Tür. Sie lässt auch nicht locker, als Paul den Kontakt unterbinden möchte. Er möchte, dass seine Kinder endlich mit dem schrecklichen Unglück abschließen und in die Zukunft blicken.
Autumn und Reese kommen allerdings gemeinsam auf die Idee eines Videoprojekts zum Gedenken der Toten. Im Vordergrund soll nicht der sinnlose Tod stehen, sondern das Leben der Opfer und was sie ausgemacht hat. Autumn möchte dazu Interviews mit den Angehörigen führen und deckt mit ihren Recherchen unfreiwillig Geheimnisse auf, die nicht nur die Familie Elliott, sondern auch sie selbst betreffen.

Besser als "Der Tag, an dem die Zeit stillstand" passt der englische Titel "Life After" zu dem Roman, denn es geht tatsächlich darum, wie das Leben nach so einer Tragödie wie des Anschlags mit zahlreichen Toten weitergeht. Am Beispiel der einzigen Überlebenden Autumn und der Familie Elliott, die Ehefrau bzw. Mutter verloren haben, wird aufgezeigt, was der Tod mit den Hinterbliebenen macht. Durch die Interviews erhält man jedoch auch kurze Einblicke in die Leben weiterer Opfer und ihrer Angehörigen.

Der Roman ist abwechselnd aus der Perspektive von Autumn und Paul geschildert, so dass man tiefe Einblicke in ihre Gedanken, ihre Trauer und Schuldgefühle erhält. Die Frage nach dem "Warum?" ist vor allem bei Autumn präsent, während Paul aus Gründen, die sich erst allmählich offenbaren, den Anschlag vergessen möchte und mit seinen Kindern ein normales Leben führen möchte.

Die Geschichte ist weniger emotional, als ich mir zu Beginn vorgestellt hatte, was aber daran liegen kann, dass das Unglück bereits ein Jahr zurückliegt und die Trauer nicht mehr akut ist. Autumn hat sich nach dem Unfall von ihrem Freund Seth getrennt und sich komplett zurückgezogen. Erst durch den Kontakt mit Reese und ihre Arbeit an dem Videoprojekt kommt sie mehr aus sich heraus und wagt den Schritt zurück ins Leben.
Die Geheimnisse, die sich im Laufe der Handlung offenbaren, sorgen für Spannungsmomente, können jedoch auch nicht darüber hinweghelfen, dass sich der Roman wegen der Gedankengänge der Protagonisten häufig im Kreis dreht und nur sehr zögerlich voranschreitet. Gerade im letzten Drittel hatte der Roman einige Länge, da der Leser mehr wusste, als die Protagonisten selbst.

Es ist ein Buch, das auf christlichen Werten basiert, weshalb auch der Glaube an Gott eine Rolle spielt, jedoch nicht überhand nimmt. Dabei wundert es, dass nicht häufiger die Frage gestellt wurde, warum ein barmherziger Gott so einen Anschlag zulässt. Auch die Wut auf den Attentäter, über den man nicht mehr als den Namen erfährt, wird überhaupt nicht thematisiert, obwohl er der einzig Schuldige an der Tragödie ist. Das fand ich nicht nur schade, sondern auch unrealistisch.
Der Roman schenkt Hoffnung, indem die Menschen am Ende Trost darin finden, dass Gott mit den Leidenden weint, wie sie es von Jesus aus der Bibel kennen. Das mag für den ein oder anderen eine Lösung oder Erklärung sein, um die Trauer zu überwinden und in die Zukunft zu blicken. Für mich ist Mitleid ein schwacher Trost.

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Veröffentlicht am 30.12.2020

Zwei unterschiedliche Frauen auf einer Reise zu sich selbst, aber eine Geschichte mit Längen und einem unpassenden, enttäuschendem Showdown am Ende

Miss Bensons Reise
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Margery Benson ist 1950 Lehrerein an einer Londoner Schule. Als alternde, übergewichtige Jungfrau nehmen die Schüler sie nicht ernst und nach einer beleidigenden Karikatur gibt Margery auf. Sie beschließt, ...

Margery Benson ist 1950 Lehrerein an einer Londoner Schule. Als alternde, übergewichtige Jungfrau nehmen die Schüler sie nicht ernst und nach einer beleidigenden Karikatur gibt Margery auf. Sie beschließt, ihren Kindheitstraum zu verfolgen und den goldenen Käfer zu finden, den ihr Vater ihr kurz vor seinem Tod in einem Naturkundebuch gezeigt hat. Der Käfer soll in Neukaledonien beheimatet sein und Margery bereitet alles für eine Expedition dahin vor. Die Suche nach einer Assistentin ist nicht leicht und so muss sie sich am Ende mit der schrillen Enid Pretty begnügen, die von wissenschaftlicher Arbeit keine Ahnung hat.
So unterschiedlich die beiden auch sind, so gut ergänzen sie sich und finden gemeinsam den Weg nach Kaledonien, wo sie sich durch den Regenwald schlagen. Auf ihrer Reise werden sie zu Freundinnen, aber kann jede von ihnen auch das finden, was sie tatsächlich sucht?

"Miss Bensons Reise" ist ein abenteuerlicher Roman, der die beschwerliche Reise von zwei Britinnen 1950/1951 beschreibt, die sich mutig, aber auch etwas unbedarft, in den Südpazifik wagen. Auf ihrem Weg müssen sie einige Hindernisse umschiffen, wobei Enid bei der Problemlösung kreativ ist und es mit Recht und Gesetz nicht so genau nimmt. So sind es viele glückliche Umstände, die die beiden begleiten, was ich in der Gesamtheit etwas zu übertrieben und realitätsfremd fand.
Dennoch ist es schön zu lesen, wie die beiden unterschiedlichen Frauen sich annähern und über sich hinauswachsen und auf ihrer Reise zu Freundinnen werden. Beide haben eine Vergangenheit, die nicht einfach ist und sind traumatisiert, weshalb die Reise auch eine Chance für sie ist, die Sorgen und Probleme aus der Heimat zu überwinden und neu anzufangen. Die Suche nach dem goldenen Käfer, von dem überhaupt nicht sicher ist, dass es ihn gibt, ist symbolisch. Es ist für beide eine Suche nach Glück und eine Reise zu sich selbst.

"Du darfst nie wieder aufgeben. [...] Was uns zugestoßen ist, macht nicht das aus, was wir sind. Wir können sein, was wir sein möchten." (Enid zu Margery).

Auch wenn die Expedition von vielen glücklichen Umständen begleitet und mir an mancher Stelle zu übertrieben und gewollt humorvoll dargestellt war, hatte sie durch den Verfolger durchaus spannende Momente zu bieten und auch Enid war ein Charakter, er auf den zweiten Blick ganz anders war, als gedacht. Die Geschichte ist unterhaltsam und überrascht durch so manche Wende. Es geht um Enttäuschungen, die man erlebt, um unerfüllte Liebe und Kriegstraumata, Vor allem ist sie aber eine Hommage an die Freundschaft und den Mut, an sich selbst zu glauben und seine Träume zu leben.

"Das Besondere an Freundschaft ist, dass ,an diese Art Liebe nicht für jeden haben kann, dem man begegnet. Für eine echte Freundschaft muss man sich Zeit nehmen. Und man muss bereit sein, die ganze Strecke mitzugehen."

Doch so nett die Geschichte auch war, sie hatte ihre Längen. Zudem haben mir der Showdown und das brutale Ende nicht gefallen und passten meiner Meinung auch nicht zu der sonst so motivierenden Botschaft des Romans. Der Erzählstrang um den Verfolger war mir zu unausgereift. Einerseits hatte der Kriegstraumatisierte nur eine untergeordnete Rolle und wirkte wie ein lästiges Anhängsel an der Geschichte, andererseits trug er doch entscheidend zu dem enttäuschenden Ende bei.

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Veröffentlicht am 28.12.2020

Ein wendungsreicher, spannender Krimi mit Thrillerelementen, bei dem das Ende enttäuscht und nicht zum Rest der packenden Handlung passt

Hexenjäger
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In der Hauptstadtregion Helsinkis ereignen sich mehrere Morde, bei denen der Täter offenbar die Verbrechen einer Bestseller-Trilogie nachstellt. Das erste Opfer, das vergiftet aufgefunden wird, ist die ...

In der Hauptstadtregion Helsinkis ereignen sich mehrere Morde, bei denen der Täter offenbar die Verbrechen einer Bestseller-Trilogie nachstellt. Das erste Opfer, das vergiftet aufgefunden wird, ist die Frau des Autors Roger Koponen.
Das Ermittlungsteam um Kriminaloberkommissar Erne Mikson und Kriminalhauptmeisterin Jessica Niemi ist dem Täter auf der Spur, der ihm jedoch stets einen Schritt voraus ist. An zwei Tatorten hat Jessica sogar Kontakt zum Täter, wie sich anschließend herausstellt, weshalb sie befürchtet, dass der Täter ein persönliches Spiel mit ihr treibt. Auch sehen die weiblichen Opfer ihr sehr ähnlich...

"Hexenjäger" ist der Auftakt einer Buchreihe um die finnische Ermittlerin Jessica Niemi. Sie trägt ein Geheimnis, das sie nicht einmal mit ihren engsten Kollegen teilen kann. Auch der Leser tappt dabei im Dunkeln, bis durch Erinnerungen und Rückblenden allmählich mehr aus der Vergangenheit Jessicas bekannt wird. Dazu werden die Kapitel, die von der Aufklärung der Verbrechen des Serienmörders handeln, immer wieder unterbrochen, was die Spannung steigert und vermuten lässt, dass Jessicas Vergangenheit und die aktuellen Morde in einem Zusammenhang stehen müssen.

Die Kapitel sind kurz und sorgen für ein hohes Tempo. Der ereignisreiche Plot handelt an nur zwei Tagen.
Durch den Fokus auf die Kriminalarbeit und die Ermittlungen ist "Hexenjäger" eher ein Krimi mit Thrillerelementen als ein klassischer Thriller, was für mich jedoch nicht negativ ist. Der Fall ist raffiniert konstruiert und voller überraschender Wendungen. Das Ende dagegen ist lückenhaft und wirkt, als ob noch ein entscheidendes Kapitel fehle. Mir wurden nicht alle Fragen beantwortet, das Motiv des Täters erschließt sich nicht. Dennoch hat mir der abwechslungsreiche und spannende Fall bis zum Ende gut gefallen, weshalb ich gerne weitere Thriller aus der Buchreihe lesen möchte.

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Veröffentlicht am 26.12.2020

Mischung aus Roman und Comic - sehr lebendige Darstellung eines Teenageralltags, ein Buch über eigene Wertschätzung Toleranz, das Mut macht

Papierklavier
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Maia ist eine 16-jährige Schülerin, die nebenbei im "Saftladen", einer Saftbar für Smoothies, arbeitet. Ihre Mutter ist alleinerziehend und für Maias Empfinden aufgrund ihres eigenen Jobs viel zu selten ...

Maia ist eine 16-jährige Schülerin, die nebenbei im "Saftladen", einer Saftbar für Smoothies, arbeitet. Ihre Mutter ist alleinerziehend und für Maias Empfinden aufgrund ihres eigenen Jobs viel zu selten für sie und ihre beiden Halbschwestern da. Als die Nachbarin stirbt, die für die drei Mädchen als Ersatz-Oma fungierte und Maias jüngerer Schwester Ruth Klavierunterricht erteilte, ist die Trauer groß. Ruth klimpert fortan auf einem Papierklavier und Maia übernimmt eine Extraschicht, damit sich die kleine Familie Klavierstunden leisten kann.

Das Buch ist eine Mischung aus Roman und Comic, denn es ist auf jeder Seite voller Illustrationen, die Maia in ihr Tagebuch kritzelt.

Die Geschichte ist nur kurz, schildert aber sehr realistisch den Lebensalltag einer Teenagerin, die sich neben finanziellen Sorgen mit Problem wie ihrem Übergewicht oder Suche nach Anerkennung und Glück herumschlagen muss.
Text und Bilder passen dabei perfekt zusammen und illustrieren Maias Gefühlswelt. Sie ist zunächst unsicher und nachdenklich und fragt sich, was Glück eigentlich bedeutet.

"Entweder du hoffst auf das ganz große Glück, das plötzlich und schwallartig in Badewannenmengen auf dich herabfällt (ohne zu wissen, ob es jemals kommt), oder du sammelst tagtäglich die kleinen Dosen Alltagsglück, die oft nicht mehr als einen Fingerhut füllen, aber alle zusammen mit der Zeit zu einem kleinen See anwachsen, in den du kopfüber springen kannst."

Es ist ein Buch für Mädchen in Maias Alter, das Mut macht und dass es nicht schlimm ist, anders zu sein. Es handelt von (eigener) Wertschätzung und Toleranz und dass Äußerlichkeiten keine Rolle spielen sollten. Es ist ein kurzes Buch, das mit wenigen Worten viel sagt.

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Veröffentlicht am 25.12.2020

Langweilige Liebesgeschichte, realitätsfremdes Handeln der Protagonisten, weder winterlich noch weihnachtlich - nur für Fans der Reihe

Winterliebe in Sandcastle Bay
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Isla kümmert sich seit dem Tod ihres Bruder Matthew vor einem Jahr um seinen fünfjährigen Sohn Elliot. Isla liebt ihn über alles und möchte ihm nicht nur ein Zuhause geben, sondern ihn auch adoptieren. ...

Isla kümmert sich seit dem Tod ihres Bruder Matthew vor einem Jahr um seinen fünfjährigen Sohn Elliot. Isla liebt ihn über alles und möchte ihm nicht nur ein Zuhause geben, sondern ihn auch adoptieren. An ihrer Seite ist Leo, ein Freund ihres Bruders und Patenonkel von Elliot. Isla und Leo sind mehr als nur Freunde und haben vor vier Jahren bereits eine Nacht miteinander verbracht. Leo möchte Isla sogar heiraten, um mit ihr und Elliot eine richtige Familie zu sein. Doch die beiden stehen ihrem Glück selbst im Weg. Leo denkt, nicht gut genug für Isla zu sein und Isla benötigt eine aufrichtige Liebeserklärung, um seinen Antrag anzunehmen.
Als sie sich auch mit der Unterstützung von Freunden und Familie endlich näher kommen, taucht plötzlich Sadie, Elliots leibliche Mutter, in Sandcastle Bay auf und verlangt nach ihrem Erbe.

"Winterliebe in Sandcastle Bay" ist Band 3 einer Romanreihe, kann aber ohne Probleme ohne Kenntnis der beiden Vorgängerromane gelesen werden.
Von dem Roman hatte ich mir aufgrund des Covers und Klappentextes eine romantische, weihnachtliche Geschichte versprochen. Tatsächlich handelt der Roman rund um Halloween und die Weihnachtszeit spielt überhaupt keine Rolle. Lediglich das letzte Kapitel handelt an Weihnachten.
Die Geschichte ist schnell erzählt: er liebt sie, sie liebt ihn und der ganze Ort spricht davon, aber sie selbst drehen sich gedanklich im Kreis und um einander. Gerade zu Beginn ist das Buch durch wiederholtes Lamentieren denkbar langweilig, bis endlich Sadie erscheint und für ein wenig Abwechslung sorgt. Ihr Auftritt wird aber schnell zur Farce, als sie sich Leos Onkel als Rechtsanwalt nimmt, der alles andere möchte, als ihr zu ihrem Recht verhelfen. Trotz des Dramas verspürt man als Leser insofern keine Sorge, dass Isla das von Matthew geerbte Haus oder gar das Sorgerecht für Elliot verlieren könnte.
Die peinlichen Situationen, in die Elliot seine Zieheltern durch sein Geplapper über nackte Tatsachen immer wieder bringt, wirken viel zu aufgesetzt lassen die Ernsthaftigkeit der Geschichte in den Hintergrund treten.
Neben dem völlig realitätsfremden Handeln der Protagonisten in Bezug auf den Erbstreit oder Sorgerechtskampf, ist die Liebesgeschichte wenig romantisch und rein auf da körperliche Intimitäten bezogen. Es passt eben einfach gut, dass Tante und Patenonkel sich anziehend finden und deshalb prädestiniert für eine Hochzeit sind.

"Winterliebe in Sandcastle Bay" ist deshalb am ehesten geeignet für Fans der Reihe, die sich auf ein Wiedersehen mit den Bewohnern von Sandcastle Bay freuen, aber keinen großen Anspruch an eine glaubwürdige, berührende Liebes- oder Familiengeschichte haben.

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