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Veröffentlicht am 05.04.2022

Kunstprojekt

TEAM HELSINKI
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Vor dem Haus der Familie Lehmosoja wird ein Container aufgefunden, in dem eine Tote liegt; ertrunken. Das Team Helsinki um Paula Pihjala übernimmt die Ermittlungen. Das Besondere an der Toten war die Tatsache, ...

Vor dem Haus der Familie Lehmosoja wird ein Container aufgefunden, in dem eine Tote liegt; ertrunken. Das Team Helsinki um Paula Pihjala übernimmt die Ermittlungen. Das Besondere an der Toten war die Tatsache, dass sie eine junge Schwarze war und deren Identität nach einigen Ermittlungen erst festgestellt wurde. Doch was hatte dieser Mensch mit den Lehmosojas zu tun? Dieser Frage musste das Team in ihren Ermittlungen nachgehen. Auch der Container stand im Mittelpunkt des Interesses, da er eine besondere Anfertigung für ein Kunstprojekt war. Die Familie Lehmosoja konnte sich erst keinen Reim auf diese Tat machen. Doch nach und nach kamen immer mehr Hinweise zu Tage. Das hatte auch damit zu tun, das Jerry der Sohn der Familie eine person of color war. So langsam kam Licht ins Dunkel der Geschichte und Verbindungen der Lehmusojas mit Namibia traten immer deutlicher in den Vordergrund. Doch in welcher Beziehung stand die tote Frau mit Jerry und wer war der Mörder dieser Frau? Hier wartet noch einige Arbeit auf das Team bis zum sehr überraschenden Ende.
Im Krimi „Die Tote im Container“ von A.M.Ollikainen dreht sich alles um das Ermittlungsteam Helsinki. An der Spitze steht Paula Pihjala mit ihren drei Kollegen. Diese Charaktere sind sehr unterschiedlich angelegt. Die sehr dominante Paula und ihre Kollegen Karhu, Renko und Hartikainen bilden ein sehr sympathisches Team. Dann sind da noch die Familie Lehmusoja, Mai Rinne und Lauri Aro. In diesem Kreis spielt sich das meiste ab. Dazu stößt noch der Künstler Paavali Kassiinen. Geschickt hat der Autor die Ermittlungsarbeiten aufgebaut und den Roman in drei Teile geteilt. Und so ist auch der Spannungsbogen aufgebaut. Die ersten beiden Kapitel sind zur Erläuterung für das abschließende Kapitel und man erfährt eine Menge über die Personen, aber es bleibt geheimnisvoll und leicht unter der Oberfläche. Die Spannung entlädt sich im letzten Kapitel angefeuert durch einen Rückblich nach Namibia. Hier wird auch noch mal Einblick in die Familienstruktur der Lehmusojas gegeben, die sehr zur Aufklärung beiträgt. Der Erzählstil ist auch abhängig vom Spannungsgrad. Zu Beginn sehr detailliert und vielleicht auch ein wenig langatmig, wie Ermittlungen mal so sind, aber zum Ende dann auch sehr engagiert, um die Spannung zu spüren. Es gibt noch einen geheimnisvollen Rahmen um diese Story und die hat es in sich.
Alles in allem war es ein sehr spannender und unterhaltsamer Krimi. Mich hat das Team Helsinki nicht enttäuscht.

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Veröffentlicht am 03.04.2022

Neuanfang

Mörderische Brise
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Die Pastorin Clara Clüver ist auf dem Weg, um ihre erste Pfarrstelle in Travemünde anzutreten. Es ist für die ein Neuanfang. Doch daraus wird erst einmal nichts, da der alte Pfarrer seine Stell so einfach ...

Die Pastorin Clara Clüver ist auf dem Weg, um ihre erste Pfarrstelle in Travemünde anzutreten. Es ist für die ein Neuanfang. Doch daraus wird erst einmal nichts, da der alte Pfarrer seine Stell so einfach nicht räumt. Also macht sie sich auf die Suche nach einer Bleibe für die nächsten Tage. Zur gleichen Zeit wird am Stand von Niendorf ein Toter gefunden. Es handelt sich um den Gastronomen Erich Konstantin, der im Ort nicht nur Freunde hatte. Auf ihrer Suche trifft Clara auf Jule und ihre zwei Kinder und die Buchhändlerin Frieke, die ihr eine Unterkunft auf ihrem Hof anbietet. Die drei Frauen verstehen sich sehr gut und Jule, deren Ex-Mann Polizist ist, ermuntert Clara sich an den Ermittlungen zu beteiligen, da sie ja so einen klaren Verstand hat. So ermitteln die beiden und stellen den beteiligten Fragen, die für sie zielführend sind. Natürlich ist das nicht ganz legal, aber „Sherlock“ Clüver fühlt sich ganz wohl dabei. Doch sie ahnen nicht wie nah sie dem Mörder schon gekommen sind.
Mörderische Brise ist ein Küstenkrimi von Christian Humberg. Die Ermittlerin ist hier die Pastorin Clara Clüver. Der Krimi zeichnet die wunderschönen Seiten der Ostseeküste von Travemünde auf und regt das Kopfkino an, dort zu verweilen. Auch die Personen sind sehr intensiv beschrieben, eine Frauenclique, die sich auf Mördersuche begibt. Die mitspielenden Männer kommen nicht gut weg in diesem Krimi. Jules Ex-Mann hat als Polizist und als Mensch keine guten Karten aus Sicht von Jule und Bengt wird auch als sehr tollpatschig beschrieben. Naja als Mann ist er für Clara schon interessant doch das wird hier nicht weiter thematisiert. Allerdings werden schon leichte sympathische Hinweise eingeflochten. Pastor Kruse, dessen Stelle Clara antreten soll wird als sehr unsympathisch beschrieben. Ansonten finde ich es sehr spannend die Sagengestalt des Roggenbuk hier einzubauen, dessen Festspiele auch in der Zeit stattfinden. Das an dieser Geschichte noch eine andere eingewoben wurde, ist in meinen Augen ein Schmankerl in diesem Buch. Die Mordgeschichte ist für diesen Krimi, habe ich den Eindruck, eher Beiwerk und dient dazu die Damen in ein schönes Licht zu setzen. Nichtsdestotrotz ist ein Spannungsmoment erkennbar und die Überraschung am Schluss auch so nicht vorhersehbar.
Insgesamt finde ich diesen Krimi gut, nicht nur aufgrund der spannenden Story, sondern das Gesamtgebinde, also regionale Besonderheiten, Charaktere und Spannung, ist gut zusammengefügt. Der Titel bezieht sich allerdings mehr auf die Wetterlage als den Inhalt des Küstenkrimis.

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  • Spannung
Veröffentlicht am 02.04.2022

Schwierige Zeiten

Ein Präsident verschwindet
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Der Präsident des Verfassungsschutzes der BRD Otto John, verschwindet in die DDR und die Journalistin Eva Herden ist bei ihm. Das Bundeskriminalamt und die Organisation um Gehlen werden auf seine Spur ...

Der Präsident des Verfassungsschutzes der BRD Otto John, verschwindet in die DDR und die Journalistin Eva Herden ist bei ihm. Das Bundeskriminalamt und die Organisation um Gehlen werden auf seine Spur gesetzt und das von Bundeskanzler Adenauer persönlich. Der BKA-Beamte Gerber ist mit Eva seit einiger Zeit liiert und kann das Ganze nicht glauben, wird aber in das Team berufen, das sich darum kümmern soll, warum Otto John sich in der DDR aufhält und warum er sich in der DDR aufhält. Die beiden Gruppen, ORG und BKA, haben unterschiedliche Auffassungen, wenn es um die Gründe geht. Eva Herden ist eine Journalistin bei einer „roten“ Zeitung und so scheinen ihre Gründe auf der Hand zu liegen. Doch das will Gerber nicht glauben. Als der Chefredakteur dieser Zeitung schwerverletzt wird und Gerber den Täter fast gefasst hätte, wird auch ihm deutlich, dass etwas sehr Großes hinter dieser Geschichte steckt. In Berlin will er mit seinem Chef der Sache auf den Grund gehen und stößt in ein Wespennest.
Ein Präsident verschwindet von Karl Langroth ist ein interessantes Gemälde der Nachkriegszeit und zeigt die Situation zwischen Ost und West sehr eindringlich auf. Das Verschwinden des Verfassungsschutz Präsidenten und dessen Auftauchen im Osten Berlins war zu der Zeit schon ein Riesenskandal. Spionage war en Vogue, wie man auch an den verschiedenen Diensten und deren Aufgaben in diesem Buch aufgezeigt bekommt. Das Arbeiten der Dienste gegeneinander und dann noch kontrolliert von dem amerikanischen Geheimdienst, war etwas sehr Spezielles in der damaligen BRD. Sehr viele ehemalige Nazis waren in den einzelnen Diensten und der Politik untergeschlüpft, daran hangelt sich die Geschichte sehr spannend voran. Auch die immerwährende Angst in der BRD vor den Roten und der roten Presse war schon sehr bezeichnend. Aber auch die DDR kommt nicht gut in dem Buch weg, da sie ja doch auch durchsetzt war von sowjetischen Spionen und Söldnern, die für sie arbeiteten. Diese Mischung aus historischen Begebenheiten und Fiktion macht das Buch sehr spannend und so ist auch der Spannungsbogen sehr schön ausgearbeitet und bleibt bis zum Ende erhalten.
Für mich war dieses Buch eine Auseinandersetzung mit der Geschichte Deutschlands und deshalb habe ich mich auch gut unterhalten gefühlt. Dieses historische Spionage– Kriminalstück hat mich sehr angesprochen.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.03.2022

Der Dorfbulle

Flüssiges Gold
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Montegiardino ist ein hübscher, idyllischer Ort in der Toskana. Hier ist Commissario Luca zu Hause und sorgt für Ordnung. Er ist hier geboren und so ist der Umgang mit den Menschen hier im Ort sehr fürsorglich. ...

Montegiardino ist ein hübscher, idyllischer Ort in der Toskana. Hier ist Commissario Luca zu Hause und sorgt für Ordnung. Er ist hier geboren und so ist der Umgang mit den Menschen hier im Ort sehr fürsorglich. Er kennt sozusagen jeden, mit seinen Stärken und Schwächen. Da ist es verwunderlich, das eines Morgens, auch noch an einem Markttag auf Fabrizia, einer hiesigen Olivenöl Produzentin geschossen wurde. Natürlich wird die Polizei in Siena und auch in Florenz benachrichtigt. Aus Florenz kommt die Vize Questora Aurora, die sehr selbstbewusst auftritt. Doch das wirkt hier in Montegiardino gar nicht. Also bittet Luca sie, bei den Befragungen im Hintergrund zu bleiben. Fabrizia geht es bald wieder gut, doch bleibt immer noch die Frage, wer auf sie geschossen hat und warum. Ein weiterer Ölproduzent hate vor Jahren einen Schlaganfall und liegt seitdem im Koma, doch es sieht so aus, als wolle er in Kürze aufwachen. In die Ermittlungen platzt das Attentat auf einen jungen Olivenbauern, der ebenfalls schwerverletzt wurde. Luca und Aurora machen sich weiter auf die Verfolgung des Mörders und des Motivs, das langsam aus dem Ermittlungsnebel auftaucht.
Flüssiges Gold von Paolo Riva ist ein unterhaltsamer und spannender Krimi. Die Beschreibung Bella-Italia-Krimi trifft hier den Nagel auf den Kopf. Die Beschreibung der Toskana um diesen wunderschönen Ort Montegiardino mit seinen interessanten Einwohnern, gelingt dem Ort Autor sehr gut. Die Charaktere diese Krimis sind sehr gut aufgezeichnet und der Leser erfährt nach und nach mehr von der Lebensgeschichte jedes Einzelnen. Da sind der „Dorfbulle“ Luca und seine Tochter Emma, die Dottoressa Chiara, mit der Luca einen sehr liebevollen Umgang pflegt und die Vize Questora Aurora, die unter ihrer harten Schale auch einen weichen Kern besitzt. Dann wären da noch die Olive Produzenten und natürlich, wie in jedem Dorf, die Bar auf dem Markplatz, wo alle Neuigkeiten schnell ihre Runde machen. Die Idylle perfekt. Der Schuss, der sie Stille des Morgens zerreisst, ist sicher etwas störend für diese Idylle, zeigt aber auch das auch in noch so schöner Umgebung, wirtschaftliche Interessen nicht außer Acht zu lassen sind. Diese Beschreibung ist dem Autor sehr gut gelungen und vor allem sehr authentisch. Nicht nur die Charaktere passen hier in die Landschaft, sondern leider auch das Verbrechen.
Ich finde diesen Bella-Italia-Krimi sehr ansprechend, da dem Autor hier eine gelungene Symbiose zwischen Schönheit der Gegend und spannendem Krimi gelungen ist. Ich hatte keinen blutrünstigen Krimi erwartet. Sondern eine gute Unterhaltung und Stoff für mein Kopfkino und das hat wunderbar geklappt.

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Veröffentlicht am 21.03.2022

Undurchsichtiges Spiel

Merano mortale
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Eines morgens wird die Angestellte der Banca di Poppolo in Meran erschlagen aufgefunden. Das ruft Ispettore Emmenegger, auch Emmi genannt, auf den Plan. Die Ermordete Lisa Granelli war kein unbeschriebenes ...

Eines morgens wird die Angestellte der Banca di Poppolo in Meran erschlagen aufgefunden. Das ruft Ispettore Emmenegger, auch Emmi genannt, auf den Plan. Die Ermordete Lisa Granelli war kein unbeschriebenes Blatt und hatte eine Menge Feinde. Deshalb ist es für Emmi auch nicht leicht die Ermittlungen durchzuführen, gerad hier im beschaulichen Meran, wo jeder jeden kennt. Aber Ispettore Emmenegger ist auch so ein sehr verständiger Polizist. So nimmt er den jungen Paul Tschugg auf, der wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses aufgegriffen wurde und auch mit seinen Freunden aus dem Motorradclub „Flying Taifl“ ist er sehr nachsichtig. Nur dieser Mordfall macht ihm arge Kopfschmerzen, denn das Opfer war nicht sehr beliebt und es gibt deswegen auch eine Menge Verdächtige. Mit zum Ermittlerteam gehört Eva Marthaler, auf die er nicht nur ein Auge geworfen hat, und sein Vorgesetzter Branga, den er noch nicht richtig einschätzen kann. Doch langsam laufen die Ermittlungen in eine Richtung, doch es gibt noch einige Überraschungen.
Das hat allen noch gefehlt, ein Mordfall in Meran. Aber dieses Bild ist der Autorin Elisabeth Florin sehr gut gelungen. Die Darstellung der Charaktere sehr passend für diese Region, die Beschreibung der Umgebung, zum Träumen. Und in diese Idylle ein Mord einer Frau, die alle kennen und, so wie es aussieht keiner mag. Es gibt so in der Beschreibung dieses Kriminalromans so keinen, der in die Rolle des Mörders passt, oder sagen wir mal sehr wenige. Toll wie so langsam, aber sicher herausgearbeitet wird, welche Geheimnisse auch die Freunde von Ispettore Emmenegger mit sich herumtragen. Das trägt alles zu dieser idyllischen, aber auch sehr angespannten Situation bei. Das ist das Salz in dieser Suppe, die Elisabeth Florin angemischt hat. Eigentlich reichen die schönen Bilder von Meran und Umgebung aus, aber nein, das Spannungselement ist die Unverbindlichkeit der Verdächtigen und die bis zum Schluss hoch gehaltene Anspannung Miträtseln ist zwar möglich hat mich aber nicht weitergebracht, so habe ich der Autorin vertraut und mich diesem Szenarium hingegeben und bin nicht enttäuscht worden. Wenn die Story am Anfang auch nur plätscherte, am Ende kamen die überraschenden Effekte von ganz alleine. Und natürlich gab es auch mehr als einen romantischen Part, aber lest selber.
Ich habe es genossen diesen Krimi zu lesen und irgendwann war er einfach zu Ende, nicht ganz überraschend, aber ich hätte mich noch weiter treiben lassen können in dieser Story und dieser wunderbaren Region. Also keine Frage „Merano Mortale“ von Elisabeth Florin ist sehr lesenswert.

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