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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.07.2018

Interessante Überlegungen, jedoch langatmig mit vielen Wiederholungen

Der emotionale Rucksack
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All unsere bisherigen Erlebnisse, die wir nicht oder nur wenig verarbeitet haben, tragen wir wie in einem Rucksack mit uns herum: der „emotionale Rucksack“. Erstmal ein anschaulicher Gedanke, der irgendwie ...

All unsere bisherigen Erlebnisse, die wir nicht oder nur wenig verarbeitet haben, tragen wir wie in einem Rucksack mit uns herum: der „emotionale Rucksack“. Erstmal ein anschaulicher Gedanke, der irgendwie einleuchtet. Darum geht es in Vivian Dittmars Buch. Der Gedanke an sich ist nicht neu. Wie heißt es doch so schön, „jeder hat sein Päckchen zu tragen“. Dittmar selbst ist „anerkannte Querdenkerin zum Thema emotionale Kompetenz“. Sie scheint eine Art Psychologin zu sein, wobei sie jedoch keine universitäre Ausbildung zu haben scheint, da sie früh erkannt hat, dass sie das, was sie lernen will, nicht an Universitäten reicher Industrienationen lernen kann (gemäß http://viviandittmar.net/person/).

Das Buch besteht aus drei Teilen. Der erste Teil erklärt die Grundlagen: was füllt unseren Rucksack, wie funktioniert emotionale Aktivierung? Hier gibt es einige seltsam anmutende Erklärungen, zum Beispiel definiert Dittmar hier scheinbar willkürlich Emotion als nicht gefühltes Gefühl aus der Vergangenheit („emotionale Altlast“), im Gegensatz zu einem Gefühl. Manche Aussagen leuchten auch ein.

Teil zwei erklärt bzw. lehrt einen bewussten Umgang mit unseren Altlasten und unserem Rucksack. Hier wird erklärt, wie die emotionale Aktivierung als Chance genutzt werden kann, die Altlasten abzubauen und somit den Rucksack zu erleichtern. Es werden verschiedene Übungen erklärt, um eine „bewusste Entladung“ zu praktizieren bzw. emotionale Aktivierungen, die im Alltag auftreten, zu nutzen um diese Gefühle zu verarbeiten. Das mag vielleicht verrückt klingen, wenn man sich mit dem Thema nicht beschäftigt hat, scheint aber nach dem Lesen des Buches tatsächlich einleuchtend.

Im dritten und letzten Teil wird die emotionale Hygiene erklärt. Das Ziel wäre nämlich, den Rucksack regelmäßig über bewusste Entladungen zu „leeren“ und leicht zu halten, so wie wir uns auch regelmäßig um unsere Körperhygiene kümmern. Auch hier bin ich wieder über zum Teil fragwürdige Aussagen gestolpert. Meint Dittmar doch (S.180): „(…) sind die vielen Infektionen, die sich ausbreiten, weil unser Immunsystem durch mangelnde emotionale Hygiene geschwächt ist.“ Für einen Mediziner eine unglückliche Aussage, welche ohne zugehörige Referenz im Buch zu finden ist. Dennoch war dieser Teil bei weitem der hilfreichste. In „Gefühle als Kraft“ wird erklärt, wie man Gefühle auch positiv nutzen kann. Diesen Teil fand ich sehr anschaulich und hilfreich. Auch zum Umgang mit anderen Menschen in „aktiviertem Zuständen“ konnte ich viel für den Alltag lernen.

Insgesamt fand ich den Ansatz interessant. Das Buch war für mich jedoch sehr schwer zu lesen, es gab viele Wiederholungen und insgesamt fehlte mir der rote Faden ein bisschen, obwohl es immer wieder „Merkkästen“ am Seitenrand gibt. Diese erleichtern zwar das Lesen, jedoch war es trotzdem oft schwierig sich zu orientieren. Nichtsdestotrotz würde ich sagen, dass sich das Lesen gelohnt hat. Insgesamt gibt es von mir leider nur drei Sterne.

Veröffentlicht am 07.07.2018

Viel Warenkunde und Allgemeines, verhältnismäßig wenige Rezepte

Naturnahes Kochen – einfach, gut, gesund
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In „Naturnahes Kochen“ erklärt Erwin Seitz, wie seiner Meinung nach die heutige Küche aufgebaut sein sollte. Das Buch ist wunderschön liebevoll gestaltet und qualitativ hochwertig verarbeitet. Der farbenfrohe ...

In „Naturnahes Kochen“ erklärt Erwin Seitz, wie seiner Meinung nach die heutige Küche aufgebaut sein sollte. Das Buch ist wunderschön liebevoll gestaltet und qualitativ hochwertig verarbeitet. Der farbenfrohe Einband macht Lust, in das Buch hineinzuschnuppern. In knapp hundert Seiten erläutert Seitz einerseits, was er genau mit „Naturnahem“ Kochen meint, und gibt eine Warenkunde über diverse Produkte. Sein Credo ist „einfach, gut und gesund“. Küche soll überwiegend pflanzlich und regional sein, jedoch unterstützt er Bewegungen wie Vegetarier oder Vegan nicht, ebenso wenig die steinzeitliche Ernährungsweise. Diese sind ihm zu einseitig. Dennoch, und das lese ich gerne, hat gemäß ihm das Fleisch und der Fisch den Vorrang auf dem Teller verloren, „es herrschen eher demokratische Verhältnisse auf dem Teller“. Im Teil „Warenkunde“ wird verschiedenes über Milchprodukte, Obst, Hülsenfrüchte, Getreide, Fleisch und Fisch erläutert. Dieser Teil ist sehr schön aufgebaut und ich konnte einige neue Fakten mitnehmen. Mit manchem war ich allerdings nicht ganz einverstanden. Zum Beispiel wird hier empfohlen, täglich zwei verschiedene Obstsorten zu essen, was meiner Meinung nach ein zu niedrig gestecktes Ziel ist. Dennoch ist dieser Teil sehr gelungen.

Der Rezeptteil umfasst dann knapp 110 Seiten bzw. 24 Rezepte. Auch hier sind viele hochwertige Bilder eingestreut. Mit Zutaten wie Jakobsmuscheln, Weißtannenhonig oder Saibling-Kaviar werden hier durchaus exotische, nicht unbedingt „naturnahe“ Zutaten verwendet. Hier wird das Kocherlebnis etwas geschmälert, da man zu diesen Zutaten nur bedingt Zugriff hat.

Insgesamt eine sehr schöne Idee, mit einer hochqualitativen Umsetzung, jedoch hätte ich mir mehr Rezepte gewünscht, die für den Durchschnittsbürger auch wirklich „naturnah“ oder „näher am Menschen“ sind.

Veröffentlicht am 19.06.2018

Zurück in die Achtziger

Billy Marvins Wunderjahre
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Eine Kleinstadt in New Jersey, 1987. Billy Marvin ist vierzehn. Zusammen mit seinen zwei besten Freunden beschließt er, das Playboy Magazin mit Vanna White, der „schönsten Frau der Welt“, irgendwie in ...

Eine Kleinstadt in New Jersey, 1987. Billy Marvin ist vierzehn. Zusammen mit seinen zwei besten Freunden beschließt er, das Playboy Magazin mit Vanna White, der „schönsten Frau der Welt“, irgendwie in seinen Besitz zu bringen. Legal kaufen ist keine Option, dafür sind sie zu jung. Und so schmieden sie Plan um Plan, um daran heranzukommen. Mit jedem gescheiterten Plan wird es ein bisschen exzentrischer. Abgesehen davon verbringt Billy die meiste Zeit damit, ein Computerspiel zu schreiben, um damit an einem Wettbewerb teilzunehmen. Durch eine Aktion für das Playboyheft lernt er schließlich Mary kennen, und die beiden beginnen, zusammen an dem Spiel zu arbeiten…

Das Buch ist hochwertig verarbeitet mit einem schönen Einband und einem noch tollerem Lesebändchen – das allein macht Lust auf mehr. Rekulak schreibt sehr unterhaltsam, so dass ich das Buch am liebsten in einem Rutsch durchgelesen hatte! Sofort fühlte ich mich in die Achtzigerjahre versetzt. Viele kleine Details aus den Achtzigern werden liebevoll in der Geschichte platziert. Das Buch wird aus der Sicht von Billy erzählt. Typische Alltagsprobleme wie Schulnoten, Hausaufgaben und Eltern wechseln sich ab mit dem Lernen von Code, nächtlichen Ausflügen und der ersten Liebe, mit überraschenden Wendungen. Ein gelungener Coming of Age Roman, der einen in eine andere Zeit (zurück)versetzt.

Veröffentlicht am 19.06.2018

Leider hat die Autorin den Weg zur Selbstliebe noch nicht gefunden

Bye-bye, Traumfigur
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Silvia Aeschbach spricht mit diesem Buch ein sehr wichtiges Thema an: Selbstliebe. Die meisten Frauen (und auch Männer) scheinen immer ein paar Kilos zu viel auf den Rippen zu haben. Denn wer ist denn ...

Silvia Aeschbach spricht mit diesem Buch ein sehr wichtiges Thema an: Selbstliebe. Die meisten Frauen (und auch Männer) scheinen immer ein paar Kilos zu viel auf den Rippen zu haben. Denn wer ist denn heutzutage mit sich zufrieden? Immer gäbe es noch etwas zu verbessern. Ein paar Kilo weniger, ein bisschen erfolgreicher, Job und Familie muss beides parallel klappen, und so weiter und so fort. Aeschbach erzählt von ihrer Kindheit und Jugend, wo sie von einst zu dünn über ihre „angeborene“ Liebe zu Süßem plötzlich eher eine fülligere Figur hatte. Von da an fing es an, dass sie sich stets über ihren Körper definiert hat. Tief getroffen ist sie davon, dass der Vater ihr immer erzählt hat, was die Mutter doch für schlanke Beine habe (und die Autorin wohl eben nicht). Weiter geht es mit Jugendfreunden, oder Buben, die nicht an der Autorin sondern deren Schulfreundin interessiert waren. Dann der Einstieg in die Arbeitswelt, wo Aeschbach von den Eltern genötigt wird, Kindergärtnerin zu werden. Geprägt wird das Leben auch durch sexuelle Übergriffe, die sie jedoch zu der damaligen Zeit nicht bzw. nur unzureichend angesprochen hat, was ich verstehen kann. Es scheint, als wäre Aeschbach durch ihre Kindheit und Jugend tief geprägt und bis heute nie vollends mit ihrem Körper zufrieden.

Ich habe mir von diesem Buch keinen Ratgeber zum Abnehmen erhofft. Sehr wohl habe ich mir, für alle Körpertypen und Gewichtsklassen, ein Buch über Selbstliebe und das Finden der Selbstliebe erhofft. Leider wurden diese Erwartungen nicht erfüllt. Durch das Buch hinweg hat man häufig das Gefühl, die Autorin predigt zwar über Selbstliebe, hat es aber persönlich noch nicht dorthin geschafft. Oft kommen zynische Kommentare, auch heute noch scheint sie über Aussagen von Bekannten und Arbeitskollegen beleidigt bzw. traurig, obwohl diese Kommentare teils 20 Jahre und länger her sind. Weiters schreibt sie häufig sehr pauschalisierend. Zum Beispiel heißt es zum Abnehmen, „(…)wir wissen auch, dass dies wenn überhaupt nur mit einer sehr gesunden und kohlenhydratarmen Ernährung und vielen Sporteinheiten gelingen kann.“ Dem kann ich nicht zustimmen. Gesund heißt nicht gleich kohlenhydratarm. Die Wissenschaft ist sich nicht einig, ob eine kohlenhydratarme Ernährung gesund ist. Weiters sind in Aeschbachs Augen erfolgreiche Frauen besonders unzufrieden mit ihrem Körper. Wie sie auf diese Aussage kommt weiß ich nicht. Es scheint mir, dass ihr manche Frauen sauer aufstoßen, was meiner Meinung nach auch nicht der Sinn eines solchen Buches ist. Dennoch muss ich sagen, dass ich den Schreibstil wirklich genossen habe. Die Autorin schreibt humorvoll, zum Teil selbstironisch und mit viel Sarkasmus.

Ich hoffe, die Autorin kann ihre Vergangenheit verarbeiten und ihre Ängste hinter sich lassen, sodass sie die Selbstliebe wirklich findet.

Veröffentlicht am 05.06.2018

Eine Leidenschaft, die sich durch ein ganzes Leben zieht

Barbarentage
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William Finnegan ist ein amerikanischer Autor und Journalist für den New Yorker. Seit seiner Kindheit in Kalifornien und Hawaii surft er, eine Leidenschaft, die sich durch sein ganzes Leben zieht. „Barbarentage“ ...

William Finnegan ist ein amerikanischer Autor und Journalist für den New Yorker. Seit seiner Kindheit in Kalifornien und Hawaii surft er, eine Leidenschaft, die sich durch sein ganzes Leben zieht. „Barbarentage“ ist seine Autobiographie und eine Hommage an das Surfen als Lebensstil.

In einem wunderschönen, geradezu poetischen Schreibstil, erzählt Finnegan von seiner Kindheit in Kalifornien, wo er erste Surfversuche unternahm. Während seiner Jugend zogen seine Eltern nach Hawaii. Dort erlebte er erstaunlich viel Rassismus im Alltag an der öffentlichen Schule und begann, praktisch täglich zu surfen. Von da an zieht sich das Surfen wie ein roter Faden durch sein Leben: nach der Schule der Abbruch des Studiums um wieder nach Hawaii zu ziehen, später nach dem nachgeholten Studium eine Reise um die Welt auf der Suche nach den besten Wellen der Welt. Er beschreibt nüchtern die verschiedenen Südseeinseln, die er besucht und auf denen er gesurft hat. Schließlich bleibt Finnegan in Südafrika hängen, weil er nicht mehr genug Geld hat, um Weiterzureisen. Dort arbeitet er während der Apartheid als Lehrer in einem der Township Schools und erlebt Geschichte. Erst später wird ihm jedoch vieles klarer, und er schreibt schließlich Jahre später ein Buch über seine Zeit dort. Es gibt weitere Stopps, unter anderem in Madeira. Viel später, zurück in Amerika, lebt er schließlich in San Francisco und New York. Auch dort findet er das Surfen…

Finnegans Autobiographie ist ein beeindruckendes Werk, das ich für Surfer und Nicht-Surfen gleichermaßen empfehlen kann. Es geht nicht nur um das Surfen, nein, auch die Beschreibungen der Zeit, in der Finnegan aufwuchs, sind sehr interessant. Oft wird man Traurig, wenn man im Lauf des Buchs die Globalisierung mit all ihren negativen Folgen miterlebt. Das Buch ist sehr dicht geschrieben und deshalb nicht einfach zu lesen. Ich habe lange gebraucht und musste immer wieder Pausen machen. Dennoch ist es wunderschön geschrieben, Finnegan hat wirklich eine Gabe zum Geschichten erzählen. Das Buch ist eine Hommage an das Surfen. Finnegan ist auf der ganzen Welt gesurft, teils unter beeindruckenden Bedingungen. Immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen, die ihn seine Leidenschaft überdenken lassen. Er beschreibt eindrücklich, wieviel Arbeit man teilweise in Sportarten hineinstecken muss, um aktiv zu bleiben. Sehr spannend war für mich, wie er sich teilweise in gefährlichen Situationen gefühlt hat. Ein wahnsinnig schönes und informatives Buch.